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24.10.1986 - 

Interdisziplinäre einheitliche Ingenieurausbildung verstärken

Die Technik ist keine neutrale Größe

FRANKFURT (CW) - "Negative Technikfolgen können nur durch

Technik verhindert werden." Eine enge Verknüpfung der technischen Entwicklung mit soziologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Fragestellungen sei vordringlich, so Jürgen Walter, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG Chemie-Papier-Keramik. Für Ingenieure bedeute das eine fachlich qualifizierte, gesellschaftsbezogene und interdisziplinäre Ausbildung.

Die gegenwärtige Ausbildung, so erklärte Walter auf dem 5. Ingenieur-Kongreß der hessischen CDU in Frankfurt, vermittele den Absolventen der Hochschule den Eindruck, daß die Technik eine wertfreie und neutrale Größe sei, die außerhalb und unbeeinflußt von politischen Machtstrukturen und wirtschaftlichen Interessensgegensätzen existiere: "Arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Probleme, die sich aus dem Einsatz neuer Techniken als Rationalisierungsmittel ergeben, werden ebenso selten behandelt wie Fragen, die unter dem Aspekt des Umweltschutzes, des Gesundheitsschutzes und der humanen Gestaltung des Arbeitsplatzes an die Technik und ihre Träger gestellt werden."

Das IG-Chemie-Vorstandsmitglied beklagte, daß insbesondere in den ersten Semestern an den Hochschulen mit veralteten und ineffektiven Lehrmethoden keine fachübergreifende Qualifikation gefördert werde. Walter verwies auf eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft, aus der hervorgehen d aß fachliche Qualifikationen alleine nicht mehr genügten, sondern darüber hinaus Eigenschaften wie Einsatzbereitschaft, Führungsfähigkeit, Kreativität, Kooperationsfähigkeit und Durchsetzungskraft gefragt seien.

Für die Reform der Ausbildung faßte Jürgen Walter die gewerkschaftlichen Forderungen zusammen. Er verlangte unter anderem:

- Öffnung der Ingenieurausbildung für Facharbeiter mit dem Ziel, das Qualifikationsniveau für Facharbeiter zu erhöhen.

- Bewerber ohne berufliche Erstausbildung müssen ein Praktikum vor der Studienaufnahme absolvieren.

- "Nicht-technische" Fächer, in denen die Auswirkungen der Technologien in Betrieb und Gesellschaft und die Berufssituation von Ingenieuren behandelt werden, sollen Pflichtveranstaltungen werden; dabei soll der rechtliche Status der Praktikanten als Arbeitnehmer geklärt werden.

- In den auf Rationalisierung abzielenden Fachgebieten sollten Während des gesamten Studiums die Interessen der Arbeitnehmer nach Sicherung des Arbeitsplatzes, nach qualifizierender Beschäftigung, nach gesundheitsschonenden und menschengerechten Anlagen und nach Umweltschutz berücksichtigt werden.

Der DGB, so erklärte Jürgen Walter, verlange nach wie vor, daß allen Ingenieuren in einer zeitlich einheitlich gleichwertigen Ausbildung eine wissenschaftliche Berufsqualifikation vermittelt wird und fordere daher eine einheitliche Ausbildung in den Technikwissenschaften im Rahmen integrierter Gesamthochschulen.