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19.07.1991 - 

Viel selbstbewußter als früher, aber

Die Technik-Studenten können sich nicht gut genug verkaufen

MÜNCHEN (hk) - Selbstbewußter als früher treten die Studenten der Informatik und des Ingenieurwesens auf. Sie interessieren sich bereits sehr früh im Studium für ihre zukünftigen beruflichen Belange. Allerdings zeigen sie noch große Unsicherheiten, wenn es um die eigene Bewerbung, um das "Sich-Verkaufen" geht.

Personalverantwortliche und Jungingenieure aus so unterschiedlichen Branchen wie Automobilbau, Chemie und Computer stellten sich an zwei Tagen Anfang Juli auf der Hochschulkontaktmesse Ikom in München den Fragen der Studenten und Absolventen.

Der bayerische Wirtschaftsminister August Lang bezeichnete diese Veranstaltung bei ihrer Eröffnung als "Bindeglied zwischen Hochschule und Wirtschaft". Etwa 50 Unternehmen nutzten die Gelegenheit, ihre Kontakte zur Wissenschaft zu vertiefen, gleichzeitig aber auch Imagepflege zu betreiben und sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen.

Während das Interesse der großen Firmen am studentischen Nachwuchs nach wie vor existiert, sind mittelständische Unternehmen wenig geneigt, mit den Absolventen "anzubandeln" - und das, obwohl sich die Organisatoren von der Fachschaft Maschinenbau und Elektrotechnik nach eigenen Angaben ganz besonders um den Mittelstand bemüht hätten.

Steffen Hein vom Organisationskomitee glaubt, daß für die Kleinen der Aufwand, an einer solchen Messe teilzunehmen, zu hoch sei - "weil diese Unternehmen höchstens drei bis vier Mitarbeiter suchen".

Allgemein sei festzustellen, so Hein, daß die Technik-Absolventen nach wie vor zu den großen Firmen gingen. Als besondere Vorteile der Großen schätzten die Absolventen die Weiterbildungsangebote, die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten, und vor allem das breite Feld der Einsatzchancen ein.

Diese Vorliebe der Techniker für Großbetriebe widerspricht den Untersuchungsergebnissen des Münchner Professors Lutz Rosenstiel. Der Psychologe zieht aufgrund seiner Studie über den Wertewandel bei Studenten den Schluß, daß die Akademiker von heute die Mittelständler bevorzugten, weil die zukünftigen Beschäftigten in einem überschaubaren Rahmen etwas bewegen möchten, was bei den Konzernen nicht möglich sei.

Im Mittelpunkt des Studenteninteresses auf der Ikom standen - so die Aussagen einiger Personalverantwortlicher - die Frage nach Praktikumsplätzen, aber auch nach konkreten Aufgabenstellungen im jeweiligen Unternehmen.

"Aufgefallen ist", so Ursula Joop von Andersen Consulting, "daß die Studenten sich früh im Studium für ihre berufliche Zukunft interessieren." Zudem liege der Beruf des Unternehmensberaters sehr im Trend. Als Bestätigung für ihre Aussage nennt Joop die hohe Zahl der Bewerbungen für die Praktikumsplätze - für über 100 Bewerber stünden etwa 15 Plätze zur Verfügung.

Den Studenten werde allerdings ganz klar gesagt, daß es neben den fachlichen auch sehr stark auf kommunikative Fähigkeiten ankomme, da 95 Prozent der Arbeit beim Kunden durchgeführt werde. Und hier bestehe zweifellos ein Defizit, wie dies auch Werner Brendli vom Münchner Fachvermittlungsdienst bestätigt. Da sich die Ausbildung auf die reine Vermittlung von Fachwissen beschränke, kämen Veranstaltungen, die sich außerfachlichen Qualifikationen widmeten, zu kurz.

Brendli nennt in diesem Zusammenhang auch das Bewerbungstraining. Studenten hätten nicht gelernt zu präsentieren und erst recht nicht, sich selbst darzustellen beziehungsweise sich "zu verkaufen". Seine letzte Veranstaltung zu diesem Thema besuchten seinen Angaben zufolge 500 Studenten der Naturwissenschaften, was eindeutig die Defizite in diesem Bereich dokumentiere.

Auch Hein weiß aus eigener Erfahrung, daß zum Beispiel die Präsentation von Themen zu kurz kommt. Über das ganze Studium hinweg hielten die Studenten keinen Vortrag, "selbst was bei uns als Seminar läuft, ist in Wirklichkeit eine Vortragsreihe von Praktikern" merkt der Fachschaftsvertreter kritisch an.

Am zweiten Messetag wurde in einer Podiumsdiskussion die "Qualität der deutschen Ingenieursausbildung im internationalen Vergleich" bewertet: "Im Hinblick auf das Zusammenwachsen der europäischen Staaten verlangen die Betriebe von Hochschulabsolventen, immer mehr Fähigkeiten, die über das reine Fachwissen hinausgehen, so der Tenor der Diskussion. Dazu gehörten neben Sprachkenntnissen auch das Verständnis für die verschiedenen Arbeits- und Lebensweisen.

In den letzten Jahren haben Industriekontaktmessen an den Technischen Universitäten immer, mehr Verbreitung gefunden. Für Studenten und Absolventen bieten sie zweifellos eine interessante Form, erste Verbindungen zu Vertretern der Industrie herzustellen.