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24.12.1999 - 

Thema der Woche

Die Telcos brauchten starke Nerven

Als hätte man sich auf einen Waffenstillstand geeinigt - so vergleichsweise ruhig blieb es 1999 in Sachen Akquisitionen im weltweiten IT-Geschehen. Um so turbulenter ging es dafür in der Telecom-Szene zu. Vor allem im Mobilfunkgeschäft jagte eine Übernahme die andere - und das zu schwindelerregenden Summen. Den Flop schlechthin leistete sich die Deutsche Telekom, die beim Versuch, Telecom Italia zu übernehmen, von Olivetti ausgestochen wurde.

Von Beate Kneuse*

Gescheitert auf ganzer Linie; verprellte Partner, wo man hinsieht: Selten zuvor hat Telekom-Chef Ron Sommer soviel Schelte einstecken müssen wie in diesem Jahr. Mit seinem Vorstoß als "weißer Ritter" in der Übernahmeschlacht um Telecom Italia im April hat er sich tüchtig vergaloppiert.

Doch der Reihe nach. Ende Februar startete Olivetti einen feindlichen Übernahmeversuch gegen die Telecom Italia. Ins Rennen warf der einstige Computerbauer, der im IT-Geschäft kläglich gescheitert war und sich seit geraumer Zeit auf erfolgversprechendem TK-Kurs befindet, umgerechnet rund 103 Milliarden Mark für den in Europa an Position vier gehandelten italienischen Carrier. Und versuchte sich damit an der Mär vom "David gegen Goliath". Denn Telecom Italia war mit einer Marktkapitalisierung von rund 46 Milliarden Mark sechsmal so groß wie der Olivetti-Konzern, der es auf einen Börsenwert von sieben Milliarden Mark brachte.

Bereits Mitte April schien Olivetti-Chef Roberto Colaninno die Schlacht gewonnen zu haben. Der Vorstandsvorsitzende von Telecom Italia, Franco Bernabe, hatte sich zwar mit Händen und Füßen gegen die Attacke gewehrt - unter anderem mit der Ankündigung einer Ausgliederung sowie dem Börsengang einzelner Geschäftsbereiche, die den Wert seines Konzerns steigern sollten. Doch die Aufbesserung des Olivetti-Angebots auf 118 Milliarden Mark sowie die schnelle positive Entscheidung der italienischen Börsenaufsicht sorgten für eine dem Merger zuträgliche Stimmung unter den institutionellen Anlegern.

Die einzige Chance, die der schwer angeschlagene Telecom-Italia-Chef nach Ansicht vieler Kommentatoren der Wirtschaftspresse noch hatte, war ein "weißer Ritter", der mit einem "freundlichen" Gegenangebot Olivetti wieder aus dem Spiel werfen würde. Bernabe blieb diesen Erwartungen nichts schuldig. Wochenlang hatte er schon mit Sommer in London Geheimverhandlungen geführt und sich auf ein Fusionsmodell à la Daimler-Chrysler verständigt. Was nicht schwierig war, denn sein Pendant auf deutscher Seite stand mächtig unter Druck, seine vielbeschworene Internationalisierungsstrategie endlich auf den Weg zu bringen und sich den vermeintlich lukrativen Deal vor der Haustür nicht entgehen zu lassen.

Doch noch während sich die beiden Spitzen-Manager vor der Presse in London im triumphalen Händedruck übten, begann es hinter den Kulissen mächtig zu brodeln. Deutsche und italienische Politiker stritten um die Modalitäten des Bündnisses. Den Italienern mißfiel die 72-Prozent-Beteiligung der Bundesregierung an der Deutschen Telekom zutiefst. Zwar stellte Bonn in Aussicht, sich zügig von seinen restlichen Anteilen zu trennen, doch mit Versprechungen allein wollte sich die Regierung in Rom nicht begnügen. Sie drohte mit ihrem Veto, würden die Deutschen nicht präzise Zeitangaben und einen konkreten Fahrplan für die Restprivatisierung der Telekom vorlegen. Auch Branchenkenner hatten der Fusion von Anfang an aufgrund der dringend notwendigen Sanierung von Telecom Italia wenig Aussichten auf Erfolg gegeben. Zudem monierte man das nicht vorhandene US-Standbein der deutsch-italienischen Achse.

Olivetti-Chef Colaninno dachte indes nicht im Traum daran, seine Offerte zurückzuziehen. Während er das Gezänke auf quasi höchster staatlicher Ebene genoß, liefen die Telekom-Italia-Aktionäre in Scharen zu ihm über. Colaninno hatte im Gegensatz zu Sommer vielleicht nicht die bessere Strategie, aber das finanziell attraktivere Angebot unterbreitet. Ende Mai konnte Olivetti dann "Vollzug" melden - man hatte mehr als 50 Prozent der Telecom-Italia-Anteile im Sack. Der Traum Sommers, durch die Fusion mit Telecom Italia den Grundstein für einen Weltkonzern zu legen, war wie eine Seifenblase geplatzt.

Schlimmer noch: Die Telekom stand vor einem Scherbenhaufen. Denn im Laufe des Übernahmepokers hatte man es sich auch noch mit zahlreichen Partnern verscherzt. Vor allem der langjährige Weggefährte France Télécom zeigte sich mehr als verschnupft. Denn zum einen sind beide Carrier seit Ende 1998 mit jeweils zwei Prozent über Kreuz aneinander beteiligt, zum anderen war beziehungsweise ist man immer noch zusammen mit dem US-Carrier Sprint im wenig erfolgreichen Joint-venture Global One verbandelt und betreibt mit France Télécom sowie mit dem italienischen Energieversorger Enel das Mobilfunkkonsortium Wind.

Was aus Global One wird, ist auch knapp acht Monate nach der gescheiterten Großfusion ungewiß. Der tiefe Riß zwischen France-Télécom-Chef Michel Bon und Sommer scheint nicht mehr zu kitten. Die Deutschen sind bereit, ihren Anteil an Global One an France Télécom zu verkaufen, feilschen aber noch um den Preis. Zudem wird Sprint, das seinen Ausstieg aus Global One ebenfalls angekündigt hat, seit Oktober von MCI Worldcom umworben. Kaum hatte MCI-Worldcom-Boß Bernard Ebbers seine 93-Milliarden-Dollar-Offerte lanciert, bot Kontrahent Bell South 100 Milliarden Dollar. Ebbers konterte prompt und erhöhte sein Angebot auf 115 Milliarden Dollar - Ausgang im Moment noch ungewiß. Dagegen übt sich die Deutsche Telekom bislang in vornehmer Zurückhaltung. Obwohl Sommer schon lange mit einer Übernahme von Sprint liebäugelt und durch den zweiten Börsengang Ende Juni die Kriegskasse auch gut gefüllt wäre.

Das Debakel mit Telecom Italia hat aber tiefe Spuren hinterlassen. Eine weitere Niederlage und Blamage kann sich der Telekom-Frontmann nicht leisten. Zumal dieses Kapitel längst noch nicht abgeschlossen ist.

Denn Sommer sieht sich nach wie vor mit hohen Schadenersatzforderungen von France Télécom und Enel wegen angeblicher Preisgabe von Wind-Interna an den größten Wettbewerber Telecom Italia konfrontiert. Zwar haben die Telekom-Verantwortlichen vor einigen Wochen noch einmal bekundet, weiter ihren Beitrag zum Erfolg des italienischen Mobilfunkkonsortiums leisten zu wollen, das Tischtuch aber ist zerschnitten.

Schon auf der Wind-Hauptversammlung Mitte September wurde den Telekom-Mitarbeitern im Verwaltungsrat des Konsortiums die weitere Mitarbeit untersagt. Der Ausstieg der Bonner aus Wind ist deshalb vermutlich nur noch eine Frage der Zeit (und des Preises).

Auch das Thema Olivetti/Telecom Italia könnte noch einmal eine derzeit noch kaum vorstellbare Wendung nehmen. Colaninno hat in den letzten Wochen bei der angeblichen Sanierung von Telecom Italia viel Porzellan zerschlagen. Die institutionellen Anleger liefen Sturm, nachdem sich der Olivetti-Chef nicht als der erhoffte Heilsbringer, sondern als kühler Unternehmensaufkäufer entpuppt hatte, der sich die Filetstücke herauspickt und sich vom vermeintlich maroden Rest schnell wieder trennt. So sollte unter anderem die profitable Mobilfunktochter TIM in die Olivetti-Holding Tecnost eingegliedert und der Rest von Telecom Italia seinem eigenen Schicksal überlassen werden. Colaninnos Kapitalgeber stoppten den Plan. Dem, wie es in der italienischen Wirtschaftspresse vermutlich etwas voreilig hieß, "Unternehmer der Superlative" scheint es am Willen und am Geld zu fehlen, um den gesamten ehemaligen Staatskonzern flottzumachen. Ron Sommer könnte deshalb, glaubt man jüngsten Spekulationen in Mailänder Finanzkreisen, über Umwege doch noch zum Zug kommen.

Das aber ist Zukunftsmusik. Zurück zur Chronologie: Vermutlich, um in Sachen Akquisitionen und Internationalisierung 1999 nicht ganz mit leeren Händen dazustehen, übernahm die Deutsche Telekom im August den viertgrößten britischen Mobilfunkanbieter One-to-One. 20 Millliarden Mark flossen dabei in die Kassen der Vorbesitzer Cable & Wireless sowie Media One. Für die meisten Experten war dies ein mehr als überteuerter Preis. Doch die vermeintlich gerechtfertigten Unternehmensbewertungen und Maßstäbe im TK-Business sollten im weiteren Verlauf des Jahres noch ganz andere Dimensionen erreichen. Ende Oktober kaufte Sommer Media-One-Chef Gary Ames für zwei Milliarden Mark den Großteil seiner Osteuropa-Aktivitäten ab. Somit machte der Telekom-Boß wenigstens mit einer Ankündigung ernst - nämlich das internationale Mobilfunkgeschäft vehement auszubauen.

Daran tut er auch gut - wurden doch vor allem in diesem Marktsegment 1999 die Karten neu gemischt. Eine Akquisition jagte die andere. Bereits im Januar angelte sich Vodafone den US-Anbieter Airtouch. Mit einem Kaufpreis von 58 Milliarden Dollar warf der britische Provider seinen US-Mitbieter Bell Atlantic aus dem Rennen, der nur 45 Milliarden Dollar bot. So entstand der bis dahin größte Mobilfunkkonzern der Welt mit einer Marktkapitalisierung von rund 110 Milliarden Dollar und etwa 23 Millionen Kunden in 23 Ländern.

Dann war Mannesmann an der Reihe. Geschickt im Hintergrund agierend, hatte sich der Düsseldorfer Mischkonzern bei der Übernahme von Telecom Italia durch Olivetti in die Position des eigentlichen Gewinners gebracht, indem man die andere Hälfte des mit Olivetti bis dato betriebenen Joint-ventures Omnitel schlucken konnte. 15,5 Milliarden Mark flossen den Italienern dadurch in die Kasse. Bereits Anfang April hatte sich Mannesmann für 2,25 Milliarden Mark das Festnetzgeschäft von Otelo, der TK-Tochter von Veba und RWE, unter den Nagel gerissen - im Gegensatz zum One-to-One-Deal der Telekom sprachen Branchenkenner hier geradezu von einem Schnäppchen.

Das hatte auch seinen Grund. Die beiden Energieversorger wollten sich künftig vor allem auf das bei ihrer Tochter E-Plus gebündelte Mobilfunkgeschäft konzentrieren. Doch dies war wenige Monate später auch nur noch Makulatur. Anfang August wurden erste Gerüchte über eine bevorstehende Trennung der E-Plus-Gesellschafter laut, die vier Wochen später neue Nahrung erhielten. Veba und Viag, mit Viag Interkom selbst im Mobilfunkgeschäft tätig, beschlossen zu fusionieren, RWE freundete sich immer mehr mit einem endgültigen Ausstieg aus dem TK-Geschäft an, und Vodafone, weiterer Gesellschafter bei E-Plus, wollte seine Anteile nach dem Airtouch-Deal ebenfalls abstoßen. Nur Bell South, der Vierte im Bunde bei E-Plus, hielt sich bedeckt, als Anfang Oktober das Unternehmen offiziell zum Verkauf freigegeben wurde und France Télécom die Gunst der Stunde nutzte. Nutzen wollte, muß man besser sagen. Die Franzosen kündigten an, alle Anteile von RWE, Veba und Vodafone zu erwerben und dafür insgesamt rund 18 Milliarden Mark springen zu lassen. Offensichtlich war den Franzosen der Wiedereintritt in den deutschen TK-Markt und damit die offene Kampfansage an Ex-Partner Deutsche Telekom einiges wert. Aber sie hatten die Rechnung ohne Bell South gemacht. Die Baby-Bell-Company aus Atlanta bastelte an einer strategischen Allianz mit der holländischen Telefongesellschaft KPN. Mitte Dezember stand der Pakt. Bell South übte sein Vorkaufsrecht auf den zum Verkauf stehenden 77,5-Prozent-Anteil am deutschen Mobilfunkbetreiber aus, um ihn dann an KPN weiterzureichen. Die Niederländer bezahlten an die Amerikaner genau den Preis, den France Télécom auch geboten hatte: 18 Milliarden Mark.

Zwischenzeitlich ließ Mannesmann die Muskeln spielen. Für rund 60 Milliarden Mark lockten die Düsseldorfer den britischen Mobilfunker Orange an Bord und brachten Vodafone auf die Barrikaden. Verständlich, denn dem britischen Provider würde durch den Deal ein Konkurrent auf der Insel erwachsen, den man gern im eigenen Konzernverbund unter Kontrolle gehabt hätte. Zudem ist Vodafone seit langem mit Mannesmann im Geschäft und hätte diese Allianz gern, allerdings nach eigener Fasson, erweitert. Immerhin sind die Briten mit 35 Prozent an der Mannesmann Mobilfunk GmbH beteiligt und mit knapp 22 Prozent an der italienischen Mannesmann-Tochter Omnitel. Vodafone startete eine feindliche Übernahmeattacke gegen den Mannesmann-Konzern. Der wiederum versucht seither alles, sich dagegen zu wehren. Beobachter erwarten einen langen und harten Kampf, dessen Ende zumindest bis Ende Januar offen ist.

Auch das boomende Internet löste bei vielen Unternehmen einen hartnäckigen Übernahmevirus aus. Im Portalgeschäft war vor allem Yahoo infiziert. Angesteckt durch die Übernahme von Netscape durch AOL Ende 1998, der die Akquisition von Web-Portal-Anbieter Excite durch den US-Kabelnetzbetreiber At Home im Januar folgte (Kaufpreis: 6,7 Milliarden Dollar), schnappte sich Yahoo im Februar zunächst die Web-Community Geocities und ließ dafür 4,7 Milliarden Dollar springen. Zwei Monate später wurde man mit Broadcast.com erneut fündig. Mit Hilfe des Anbieters von Web-basierten Multimedia-Diensten sollten die Internet-Seiten von Yahoo an Attraktivität zulegen. Rund 5,7 Milliarden Dollar wechselten die Seiten. Wiederum zwei Monate danach schluckte die Company für 130 Millionen Dollar Encompass, einen Anbieter von Zugangssoftware für das Web. Damit sollte den Usern der Zugang zum Internet und den Yahoo-Inhalten ermöglicht werden. Im August schließlich kamen Gerüchte auf, der Portalkrösus liebäugle mit einer Übernahme der neuformierten Excite Home. Bislang aber hat sich noch nichts getan.

Über den Gerüchtestatus hinaus kamen allerdings Sun und Star Division. "An den Spekulationen, daß wir Star Division übernehmen wollen, ist nichts dran", winkte Mitte Juli Sun-Deutschland-Chef Helmut Krings kategorisch ab. "Wir sind keine Software-Anwendungs-Company und wollen das auch nicht werden." Geglaubt hat es ihm niemand so recht - und Ende August war aus dem Gerücht denn auch Realität geworden. Die Kalifornier kauften die Hamburger Softwareschmiede. Die Strategie hinter dem Deal wurde schnell deutlich: den Erzrivalen Microsoft ärgern. Denn Sun kündigte sofort an, das Applikationspaket "Star Office" als kostenfreien Service über das Internet anzubieten. "Wollen wir doch mal sehen, wie Microsoft sich verhält, wenn wir die Pakete verschenken", schmunzelte Krings auf der Systems in München.

Abgesehen von dem Star-Division-Coup durch Sun blieb es in der IT-Szene in Sachen Akquisitionen ungewöhnlich ruhig. IBM schluckte den Parallelrechner-Spezialisten Sequent für 810 Millionen Dollar, um sein Server-Geschäft anzukurbeln, und der zuletzt weitgehend untergetauchte Minicomputer-Anbieter Data General schlüpfte für 1,1 Milliarden Dollar bei Speicherprofi EMC unter. Für große Aufregung sorgten diese Deals indes nicht. Weitgehend unbeachtet blieb auch, daß Computer Associates (CA) die von Aktientiefstand, Verlusten und Entlassungen arg gebeutelte Software-Company Platinum an Bord holte. 1000 Servicemitarbeiter und das Know-how von Plantinum in Sachen Data-Warehousing und Knowlegde-Management hatten die Begehrlichkeit von CA-Chef Charles Wang geweckt.

Aus deutscher Sicht sorgte einmal mehr Siemens für Schlagzeilen. Nachdem der Münchner Elektronikgigant 1998 die Computertochter in der Abteilung Information & Kommunikation hatte verschwinden lassen, ging Siemens-Boß Heinrich von Pierer im Sommer 1999 noch weiter. Mit Fujitsu hoben die Münchner das 50:50-Joint-venture Fujitsu-Siemens Computers aus der Taufe, in das sie ihre gesamten Computeraktivitäten einbrachten. Die Japaner wiederum steuerten ihr komplettes europäisches PC-Geschäft bei. Damit entstand zumindest auf dem Papier in Europa eine neue Nummer drei - nach IBM und Compaq - und in der Welt eine neue Nummer fünf. Denn das deutsch-japanische Gemeinschaftsunternehmen startete mit 9600 Mitarbeitern und einem addierten Umsatz von rund zwölf Milliarden Mark. "Wir haben alle Chancen, zu den Besten der Welt zu gehören", bejubelte denn auch von Pierer den Deal. Damit mußte auch der letzte deutsche Computerbauer die Segel streichen und Anschluß an einen ausländischen Partner suchen.

Intel macht mobil

Kaum ein Unternehmen ist in puncto Übernahmen bislang so selten ins Gerede gekommen wie Intel. Seit diesem Jahr aber ticken auch die Uhren in Santa Clara anders. Das klassische Chipgeschäft ist ausgereizt - auch für Intel heißt es, sich auf das Internet-Zeitalter vorzubereiten. Zumal kein Geringerer als Andy Grove, Gründer und langjähriger Chef des Unternehmens, schon seit Jahren für das weltumspannende Netz die Werbetrommel rührt. So reihte Intel 1999 eine Übernahme an die andere, um künftig vor allem im Geschäft mit Netzwerken richtig mitmischen zu können. Gekauft wurden die Netzkomponentenschmiede Shiva, der auf Hochgeschwindigkeitsnetze spezialisierte Chipproduzent Level One, dann Dialogic, Softcom Microsystems, Netboost, die Ethernet-Entwicklungsabteilung von Olicom sowie die Telecom-Component-Products-Division von Stamford. Vorerst abgerundet wurde die Shopping-Tour mit den Käufen von I-Pivot und DSP Communications.

Weitere Höhepunkte

TK-Equipment-Riese Lucent Technologies machte gleich zu Beginn des Jahres 20 Milliarden Dollar flüssig und angelte sich die Netz-Company Ascend Communications. Zudem holte das AT&T-Spinoff noch den Glasfaserspezialisten Spectran an Bord. Im Mai endet endlich die Odyssee von Vobis, dem Würselener PC-Händler mit seiner Eigenbaumarke "Highscreen". Zusammen mit "einigen Investoren im Hintergrund" übernehmen die beiden Berliner Unternehmer Jürgen Rakow und Jürgen Bochmann die vorherige Metro-Gesellschaft, die seit der geplatzten Übernahme durch den US-Grossisten CHS mächtig ins Schwimmen geraten war. Eine wahre Übernahmeschlacht bricht im Sommer unter den Telefongesellschaften in Amerika aus. Bell South wirbt angestrengt, aber erfolglos um Qwest, das seinerseits US-West und Frontier übernehmen will. Damit wirft die Company Global Crossing den Fehdehandschuh hin, das kurz zuvor den beiden Telefonnetzbetreibern eine Kaufofferte unterbreitet und deren Zusage bereits in der Tasche hatte. Nach wochenlangem Tauziehen endet die Geschichte Mitte Juli schließlich wie weiland das Hornberger Schießen: Qwest ergattert US West, Global Crossing schluckt Frontier. Zwei Monate später verleibt sich Gobal Crossing zudem den britischen Kabelnetzbetreiber Racal Telecom ein.

Debis und Metro verlieren die Lust am TK-Geschäft und geben den gemeinsamen Mobilfunk-Provider Debitel im Juli mehrheitlich an Swisscom ab. Der Shooting-Star der deutschen TK-Szene Mobilcom wird im September aktiv und erwirbt die Mehrheit an der PC-Handelskette Comptech. Nur wenige Wochen später angelt sich der norddeutsche Carrier den Erfurter Wettbewerber Telepassport.

Im Bereich Customer-Relationship-Management (CRM) geht die Konsolidierung weiter. SAP-Rivale Peoplesoft kauft im Herbst Vantive, TK-Riese Nortel schnappt sich Clarify.

Der Name Nixdorf verschwindet endgültig aus dem Siemens-Wortschatz. Die in Paderborn ansässige Siemens-Nixdorf Retail and Banking Systems GmbH wird für 1,44 Milliarden Mark an zwei US-Investmentgesellschaften verscherbelt. Seither firmiert das Unternehmen als "Wincor Nixdorf".

Nach seiner Schwächeperiode nimmt Informix wieder Geld in die Hand, um sich zu verstärken. Erst schluckt die Datenbankschmiede den E-Business-Spezialisten Cloudscape, dann die Data-Warehouse-Company Ardent.