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23.01.1998 - 

Thema der Woche

"Die Telekom hat Wettbewerb überhaupt erst ermöglicht"

CW: War der turbulente Auftakt zum Wettbewerb nur ein Einzelfall, oder werden solche Reibereien künftig zum TK-Alltag gehören?

Hefekäuser: Lassen Sie mich zunächst eine Bemerkung vorausschicken. Die Telekom hat in kürzester Zeit und mit erheblichem Aufwand an Geld und Personal den Zugang der Wettbewerber zum Telekom-Netz, die Interconnection, Portabilität und Preselection technisch etabliert. Dadurch wurden die gesetzlichen Vorgaben termingerecht zum 1. Januar 1998 erfüllt und somit der Wettbewerb überhaupt erst ermöglicht. Und was noch viel wichtiger ist: alles funktioniert. Von einem turbulenten Auftakt für die Deutsche Telekom kann also nur aus einer Sicht die Rede sein, nämlich daß wir viel Arbeit damit hatten, den Wettbewerb in Gang zu setzen. Vor diesem Hintergrund sind die Vorwürfe der neuen Anbieter, die Telekom blockiere den Wettbewerb, kombiniert mit Beschwerden beim Regulierer und unlauterer Werbung, nichts weiter als ein durchschaubarer Versuch, über eigene Schwächen hinwegzutäuschen.

Natürlich wird das Geschäft bei so vielen Anbietern, wie sie sich derzeit am Start befinden, sehr viel lebhafter. Die Zukunft wird jedoch zeigen, wer tatsächlich die Substanz hat, auch langfristig am Markt bestehen zu können. Hierfür ist die Telekom mit attraktiven Preisen und einer breiten Produkt- und Dienstleistungspalette gut gerüstet.

CW: Warum wurden die Wechselgebühren von der Telekom erst zur Marktöffnung an die Öffentlichkeit gebracht?

Hefekäuser: Wir haben seit langer Zeit mit zahlreichen Wettbewerbern Regelungen ausgehandelt, wonach die Kosten für einen Anbieterwechsel von den Netzbetreibern übernommen werden. Viele Mitbewerber waren zu solchen Vereinbarungen grundsätzlich bereit. Einige haben allerdings diese kundenfreundliche Regelung abgelehnt. Die Telekom rief deshalb in der Sache das Bundesministerium für Post und Telekommunikation (BMPT) als damalige Regulierungsbehörde an. Das BMPT gab uns am 16. Dezember 1997 recht und bestätigte ausdrücklich, daß uns die Kosten für Preselection (Rufnummernvorauswahl) und Portabilität erstattet werden müssen. Drei Tage später haben wir den Wettbewerbern unsere Preisvorstellungen mitgeteilt. Aber statt nun mit uns darüber weiter zu verhandeln, erhoben Arcor, Otelo und Viag Interkom beim BMPT Beschwerde und machten uns in der Öffentlichkeit schlecht.

CW: Warum ist es für die Telekom so schwer, bei den Ablösegebühren den geforderten Kostennachweis zu führen?

Hefekäuser: Das ist es gar nicht. Die Telekom kann ihre Kosten sehr genau nachweisen. Wir haben auf der Basis der mit den Wettbewerbern in einem Arbeitskreis des BMPT über Wochen und Monate hinweg diskutierten und vereinbarten Prozeßschritte die technischen und administrativen Aufwendungen beim Wechsel eines Kunden detailliert kalkuliert. Die von uns ermittelten Entgelte für Preselection und Portierung halten übrigens auch jedem internationalen Vergleich stand. Der häufig angeführte Vergleich mit den USA zum Beispiel läßt regelmäßig außer acht, daß dort die lokalen Anbieter Investitionen für Preselection in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar von den Anbietern von Ferngesprächen ersetzt bekommen. Gegen eine Regelung wie in den USA hätten wir also gar nichts einzuwenden. Und in Europa gibt es Preselection außer in Deutschland nur in Finnland, ab Mitte des Jahres in Dänemark. In dem bisher so hochgelobten liberalisierten Großbritannien wehrt sich British Telecom mit allen Mitteln gegen die Einführung der Rufnummernvorauswahl.

Die Europäische Kommission, die so gern die Deutsche Telekom kritisiert, schreibt Preselection übrigens erst ab dem Jahr 2000 vor. Unsere Wettbewerber genießen hier also eine Reihe von Vorteilen gegenüber allen anderen europäischen Märkten - und das dank der Telekom. Diese Leistungen sollten unsere Konkurrenten gerade am Verhandlungstisch endlich einmal anerkennen.

CW: Ist nach diesem Rummel noch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Wettbewerbern möglich?

Hefekäuser: Ich unterscheide hier zwischen zwei Dingen: zum einen, was in der Öffentlichkeit stattfindet, zum anderen, was sich am Verhandlungstisch abspielt. Das sind zwei Welten. Daß jede Seite versucht, die Öffentlichkeit für sich und ihre Auffassungen zu gewinnen, ist klar, denn es geht für alle Beteiligten um viel Geld.

Wir sind uns aber auch der Tatsache bewußt, daß wir mit den alternativen Carriern auf zweierlei Art und Weise verknüpft sind. Sie sind auf der einen Seite unsere Wettbewerber, auf der anderen Seite gleichzeitig aber unsere Kunden. Schließlich haben sie sich dafür entschieden, ihren Wettbewerb mit uns zu einem guten Teil auf unserem Netz auszutragen. Zwar gäbe es dazu Alternativen, doch die Wettbewer- ber wollen weniger Geld in die Hand nehmen als ursprünglich propagiert. Dementsprechend investieren sie geringere Beträge in den Aufbau eigener Infrastrukturen und setzen in erheblichem Maße auf das Netz der Telekom.

CW: Sie sprechen den Verhandlungstisch an. Können die bilateralen Gespräche in Sachen Wechselgebühr, wie vom Regulierer gefordert, bis Ende Januar zu einem Ergebnis führen?

Hefekäuser: In den Verhandlungen mit der Regulierungsbehörde und den Wettbewerbern am 12. Januar 1998 haben wir uns am sogenannten Runden Tisch geeinigt, bis Ende Januar alle Möglichkeiten zu sondieren, um die vereinbarten Verfahren und Prozesse zu verändern. Ziel ist, eine Kostenreduzierung zu erreichen. Wir begrüßen diese Entscheidung. Allerdings zeigt sich in den jetzt begonnenen Gesprächen auch, daß die Kosten und Entgelte kaum noch Spielraum nach unten lassen. Das müssen mittlerweile auch unsere Konkurrenten anerkennen. Leider wurde bisher aber noch nicht mit allen Wettbewerbern Einigkeit darüber erzielt, daß die Netzbetreiber die beim Wechsel des Kunden entstehenden Kosten übernehmen. Die Telekom wird aber in jedem Fall die Kosten erstatten, wenn Kunden von einem anderen Wettbewerber zu uns wechseln.

CW: Wie lange kann die Telekom von ihrem Wettbewerbsvorteil zehren, alle Kunden flächendeckend zu erreichen?

Hefekäuser: Der Zeitraum, in dem wir davon profitieren können, ist unter gewissen Aspekten gleich Null. Jedenfalls dann, wenn der Wettbewerb weitgehend auf unserem Netz stattfindet. Und danach sieht es ja aus, da wir praktisch vom Regulierer dazu gezwungen werden, unseren Qualitäts- sowie Know-how-Vorsprung zum Billigsttarif an die Wettbewerber weiterzugeben. Wir haben jetzt die Situation, daß unser Netz erneut sozialisiert wird.

Man sollte sich einmal die Frage stellen, was der Regulierer wirklich will: eine privatwirtschaftliche Aktiengesellschaft Deutsche Telekom AG mit allen entsprechenden Verpflichtungen gegenüber Kunden und Aktionären oder ein Unternehmen, das ein Netz für die Wettbewerber unterhält. Und am Ende steht die Frage aller Fragen, wie kommt die Telekom angesichts der Altlasten (Anm. d. Red.: über 95 Milliarden Mark Schulden zum 30. Juni 1997), die sie nicht aufgrund unternehmerischen Fehlverhaltens, sondern aufgrund enormer, auch politisch gewollter Investitionen von 150 Milliarden Mark seit 1990 hat, auf ihre Kosten?

CW: Wie lange brauchen wir überhaupt noch eine Regulierungsbehörde?

Hefekäuser: Die Telekom ist von vornherein davon ausgegangen, daß der Wettbewerb sehr rasch und sehr heftig eintritt. Deshalb haben wir immer gesagt, es bedarf keines solch tiefgreifenden und ausdifferenzierten Instrumentariums, wie es dieser Regulierungsbehörde zur Verfügung steht. An dieser Auffassung hat sich nichts geändert. Viele nahmen an, daß es vier bis fünf Jahre dauert, bis wir einen echten Wettbewerb haben. Das erweist sich jetzt als falsch; der Wettbewerb ist bereits in vollem Gange. Deshalb rechne ich damit, daß die Regulierungsbehörde nicht auf Jahrzehnte hinaus besteht.

CW: Über die Entscheidungen des Regulierers wurde viel diskutiert. Sind Sie zufrieden damit?

Hefekäuser: Wenn wir mit den Entscheidungen zufrieden wären, würden wir sie nicht gerichtlich überprüfen lassen. Bei der Entscheidung zur Teilnehmeranschlußleitung wird etwas von uns verlangt, das über die Gesetzesvorschriften eindeutig hinausgeht.

Die angeordneten Interconnection-Tarife kann die Telekom ebenfalls nicht akzeptieren, da unsere spezifische Situation und unsere besonderen Belastungen - zum Beispiel für den Aufbau Ost mit Investitionen von 45 Milliarden Mark oder die höheren Personalkosten - nicht berücksichtigt wurden. Hier tritt tatsächlich der Fall ein, den wir befürchtet haben: Die Telekom muß im Ergebnis ihre Wettbewerber subventionieren. Zudem frage ich mich, ob diese Entscheidung unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten richtig ist. Die Bundesrepublik sollte vielmehr Interesse an einer erfolgreichen Entwicklung des einzigen deutschen Weltunternehmens im Telekommunikationsmarkt haben.

CW: Ist es notwendig, daß der Telekom die Preise diktiert werden, damit der Wettbewerb blüht?

Hefekäuser: Unsere Spielräume sind in der Tat begrenzt, denn jeder unserer Preise ist genehmigungspflichtig, während unsere Wettbewerber keiner Kontrolle unterliegen. Das ist auch mein Hauptvorwurf an das ganze System: Es geht alles einseitig zu Lasten der Telekom. Unsere Wettbewerber haben alle Möglichkeiten und Freiheiten, aber keinerlei Verpflichtungen. Wir dagegen unterliegen spürbaren Einschränkungen und haben gleichzeitig Verpflichtungen wie die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung.

CW: Sollten im Umkehrschluß Ihre großen Wettbewerber ebenfalls reguliert werden?

Hefekäuser: Wir sind keinesfalls Befürworter einer großflächigen Regulierung. Aber die Telekom hätte sich gewünscht, daß der Gesetzgeber auch ihren Herausforderern gewisse Verpflichtungen auferlegt. Wir haben in diesem Zusammenhang das Modell der Lizenzgebiete mit Verpflichtungen für den Carrier favorisiert. Dann hätten wir einen Ideen- sowie Qualitätswettbewerb gehabt und nicht nur einen reinen Preiskampf. Ich sehe nämlich die Gefahr, daß sich jeder ein Stückchen aus dem Kuchen herausschneidet, das Marktvolumen insgesamt aber nicht größer wird.

CW: Wird die Telekom ihr angekratztes Image durch innovative Dienste aufpolieren?

Hefekäuser: Von einem angekratzten Image kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Unsere Produkte und Dienstleistungen kommen beim Kunden gut an. Wir haben im letzten Jahr über 800000 neue ISDN-Kunden, 550000 Mitglieder bei T-Online sowie seit August 1997 über 220000 Teilnehmer für unsere T-Net-Box, den Anrufbeantworter im Netz, gewonnen. Für den Wettbewerb sind wir also gerüstet.

Die Deutsche Telekom bietet ihren Kunden als übrigens einziger Full-Service-Provider Dienste aus einer Hand und wird in diesem Jahr ein Feuerwerk an Innovationen abbrennen. Für Geschäfts- wie auch Privatkunden versprechen wir neben einer fairen Preisgestaltung auch maß- geschneiderte TK-Dienstleistungen. Die neuen Standardtarife der Telekom werden - vorbehaltlich der Genehmigung durch den Regulierer - die Kunden um fast zwei Milliarden Mark entlasten. Lassen Sie mich das an einigen Beispielen verdeutlichen: Ferngespräche nach Nordamerika werden bis zu 45 Prozent billiger. Der Tarif für Langzeittelefonierer "10 plus" ermöglicht eine Reduzierung der Gesprächskosten bis zu 30 Prozent.

Viele zusätzliche Optionsangebote bei Anschlüssen und Verbindungen ergänzen die neuen Tarife. So wird zum Beispiel die Offerte, während der teuersten Zeit der Woche zwischen 9.00 und 18.00 Uhr für nur 2,40 Mark Verbindungsgebühren eine Stunde bei T-Online oder im Internet zu surfen, auf zehn und mehr Stunden erweitert.

CW: Und was dürfen sich die Geschäftskunden von der Telekom erwarten?

Hefekäuser: Da wir unser Netz den Wettbewerbern unter Kosten öffnen müssen, können wir mit Qualitätsaspekten wie Ausfallsicherheit kaum mehr verdienen. Um am Markt erfolgreich zu agieren, ist es unsere Aufgabe, die Mehrwertdienste und Anwendungen zu entwickeln, nach denen die Geschäftskunden fragen. Das Telekom Designed Network (TDN) ist ein erster Schritt in diese Richtung. Letztlich sehe ich uns künftig in der Rolle eines "Systemhauses Telekom". Der Anwender wendet sich mit einem spezifischen Problem an uns, und wir entwickeln und realisieren die passende Lösung. In Zukunft interessiert es dann den Kunden nicht mehr, auf welcher Infrastruktur diese Lösung geschaffen wird.