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07.04.1995

Die Telekom ist mit ihren Leistungen bisher sehr zufrieden

Bis 1997 sollen die neuen Laender eines der modernsten Telekommunikationsnetze Europas haben. Fuer dieses Ziel engagiert sich die Telekom nach eigener Aussage "mit all unseren Kraeften". Dennoch handelte sich der Postmonopolist in den vergangenen fuenf Jahren so manches herbe Wort ein. Mit Juergen Hoffmann, Leiter Organisation, Personal und Finanzen im Vorstandsbereich Privatkunden bei der Generaldirektion Telekom, sprach CW- Redakteurin Monika Schalwat.

CW: Seit der Wende baut die Telekom in den ostdeutschen Laendern an dem, wie sie sagt, modernsten Kommunikationsnetz der Welt. Sie scheint jedoch eher Kritik als Lob zu ernten.

Hoffmann: Diese Auffassung teilen wir ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Das Engagement der Deutschen Telekom beim Aufbau Ost findet in der Politik und Oeffentlichkeit grosse Anerkennung.

CW: Ganz so sehen das einige Anwender wohl nicht.

Hoffmann: Natuerlich ist noch einiges zu tun. Daher ruehrt sicherlich auch die vereinzelte Kritik mancher Kunden. An der Leistungsfaehigkeit unseres Unternehmens gibt es dennoch keinen Zweifel. Unsere Ergebnisse, die wir Anfang des Jahres in Magdeburg praesentierten, koennen sich sehen lassen. Nur ein Beispiel: In einem Jahr haben wir 1,5 Millionen Kundenauftraege abgearbeitet und einen Zuwachs von 1,2 Millionen neuen Telefonen erreicht.

CW: Nach der Wende soll es laut Ihrem Konzern keinen anderen Anbieter gegeben haben, der ein Aufbau-Ost-Konzept vorweisen konnte. Also gab es auch keine Ausschreibungen fuer das Modernisierungskonzept.

Hoffmann: Zu Wendezeiten waren Post- und Meldedienste Monopolleistungen des Staates. Erst mit dem Poststrukturgesetz, das die Bildung der drei Unternehmen der Deutschen Bundespost ermoeglichte, setzte die Regulierung durch das Ministerium fuer Post und Telekommunikation ein. Meilensteine auf diesem Wege waren unter anderem Datenuebertragung per Satelliten und das D2- Mobilfunknetz.

CW: Stichwort Telekom-Monopol...

Hoffmann: Mit diesem Monopol ist doch auch eine Versorgungspflicht verbunden. Und der haben wir uns bereits 1990 gemeinsam mit der damaligen Deutschen Post gestellt. Um den Telekommunikations- Notstand in Ostdeutschland so schnell wie moeglich zu ueberwinden, wurde von Anbeginn die private Wirtschaft mit in das Programm einbezogen.

CW: Mit der Vereinigung der Deutschen Bundespost und der Deutschen Post der DDR hat die Telekom neben den maroden Strukturen auch 300 Millionen Mark an Anlagenvermoegen geerbt - nur Peanuts?

Hoffmann: Es ist richtig, dass diese Summe Bestandteil unserer Eroeffnungsbilanz war. Doch welche Rolle diese 300 Millionen bei einem Projekt von ueber 50 Milliarden Mark spielen, bedarf wohl keines Kommentars. Ein grosser Teil des uebernommenen Vermoegens bestand in Grundstuecken und meist renovierungsbeduerftigen Gebaeuden. Beide waren fuer uns insofern wertvoll, weil sofort mit dem Aufbau begonnen werden konnte und keine ungeklaerten Eigentumsfragen uns behinderten.

CW: Wieviel hat Ihr Unternehmen bisher in Ostdeutschland und Ostberlin investiert?

Hoffmann: Bis Ende letzten Jahres waren das in Ostberlin und den fuenf neuen Laendern rund 35 Milliarden Mark.

CW: Und wie sieht es mit dem Gewinn aus?

Hoffmann: Bisher konnten wir noch keinen Gewinn verbuchen. Auch 1994 ueberstiegen die Kosten den Gesamtumsatz, der im Verkehrsgebiet Ost etwa 7,7 Milliarden Mark ausmachte.

CW: Also wird der Konzern im Osten auch weiterhin keine schwarzen Zahlen schreiben?

Hoffmann: Mit einem positiven Ergebnis ist im naechsten Jahr zu rechnen, wenn wir die Tilgung des fuer den Aufbau Ost langfristig uebernommenen Kapitals einmal ausser acht lassen.

CW: Welche Region im deutschen Osten ist bisher noch am duennsten verkabelt?

Hoffmann: Wir haben bei der Telekommunikations-Infrastruktur kein Land bevorzugt, demzufolge auch keines vernachlaessigt.

CW: Sie sagten, dass die private Wirtschaft mit in das Aufbauprogramm einbezogen wurde. Gilt das auch fuer ostdeutsche Firmen?

Hoffmann: Mit unseren Investitionen wollten wir Arbeitsplaetze schaffen und vorhandene erhalten. Das ist uns mit rund 45 000 Arbeitsplaetzen im eigenen Unternehmen gelungen. Weitere 50 000 sind es in der Industrie, der mittelstaendischen Wirtschaft und im Handwerk. Insgesamt hat die Telekom mit den Tochterfirmen, Generalauftragnehmern sowie Lieferanten 1993 in Ostdeutschland Auftraege von 6,6 Milliarden Mark vergeben.

CW: Das beantwortet meine Frage nicht. Wurden auch Auftraege an ostdeutsche Firmen vergeben?

Hoffmann: Auf jeden Fall waren es Firmen in den neuen Laendern, deren Eigentumsverhaeltnisse ich natuerlich nicht kenne. Eines weiss ich jedoch genau: Es waren ostdeutsche Arbeitsplaetze.

CW: Stichwort Laenderinitiativen: Nach "Telekom 2000", nun "Telekommunikation 2001 Berlin-Brandenburg". Was steckt hinter der neuen Devise?

Hoffmann: Berlin und Brandenburg haben im Rahmen einer Initiative die Studie Telekommunikation 2001 erarbeitet. Ziel ist der Ausbau dieses Gebietes zu einer High-Tech-Region. Das Papier richtet sich an Unternehmen und Investoren in Berlin und Brandenburg, die zwar den verstaerkten Einsatz von Telekommunikationsdiensten begruessen, jedoch aus den unterschiedlichsten Gruenden sich nicht genuegend dafuer engagieren.

CW: Berlin-Brandenburg scheint das Lieblingsprojekt der Telekom zu sein - weil es kuenftig Regierungsregion ist?

Hoffmann: Keinesfalls. Uns liegt die wirtschaftliche Entwicklung in allen neuen Bundeslaendern am Herzen. Und dabei gibt es keine, wie Sie sagen, Lieblingsprojekte. Dass der Grossraum Berlin mit seinen rund vier Millionen Menschen, einen hohen Stellenwert einnimmt, widerspricht dem doch nicht.

CW: Wenn ich nach Thueringen oder Rostock schaue, so scheint man dort etwas weiter weg vom Herzen der Telekom zu sein. Nach meinen Informationen brauchen Buerger dort noch immer Dringlichkeitsschreiben, wenn sie innerhalb eines Jahres ein Telefon moechten.

Hoffmann: Gerade in diesen beiden Laendern ist das nicht der Fall. Sie haben den groessten Vorsprung. Die Wartezeiten bei Telefonanschluessen haengen vom Auf- und Ausbau des Ortsnetzes ab. Waehrend bis 1993 - trotz des hohen Zuwachses an Anschluessen - mehr neue Auftraege eingingen als Telefone installiert wurden, also die Warteliste laenger wurde, war es im letzten Jahr umgekehrt: 1,44 Millionen erledigte standen 950 000 neuen Bestellungen gegenueber.

CW: Das Monopol der Telekom geraet ins Wanken. Als AG hat das Unternehmen den Status der oeffentlichen Verwaltung verloren und muss sich kuenftig mit anderen Wettbewerbern im Markt tummeln.

Hoffmann: Das Monopol wird sogar voellig fallen. Die EU- Mitgliedsstaaten wollen das Fernmeldemonopol 1998 beseitigen. Wir begruessen den baldigen Wettbewerb, sofern er fair ist. Konkurrenz belebt das Geschaeft.