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01.11.1991 - 

Auslandsgeschäft soll neue Märkte schaffen

Die Telekom sagt intern dem Sprachmonopol Lebewohl

MÜNCHEN (pg) - Die letzte Bastion der Telekom, das Sprachmonopol, wankt. Ginge es nach dem Willen der EG-Kommission, müßte die Telekom ihre Voice-Herrschaft besser heute als morgen aufgeben. Die Schonfrist, darüber sind sich die Experten einig, läuft mit Beginn des Binnenmarktes aus.

Eine kontrovers geführte Debatte zum Thema Sprachmonopol gab es auf der Systems '91 in einer Podiumsdiskussion unter dem Motto "Telekommunikation in Europa - Soll und Haben". Dabei machte der Vertreter der EG-Kommission Herbert Ungerer unmißverständlich deutlich, daß die Brüsseler Eurokraten ein Sprachmonopol auf Dauer nicht akzeptieren werden. Der ganz harte Dialog in Sachen Sprachmonopol, so Ungerer, stehe der EG-Kommission mit den nationalen PTTs erst noch bevor.

Die Einsicht, sich mittelfristig dem EG-Recht beugen zu müssen, macht sich unterdessen auch bei der Telekom breit. "Die Telekom stellt sich darauf ein, daß die Monopole nicht ewig Bestand haben werden", sagte Klaus Grewlich, im Vorstand des Unternehmens für internationale Beziehungen zuständig. Die Vorgaben der EG-Kommission, so Grewlich weiter, würden im nationalen Recht direkte Anwendung finden, sofern sie bindend seien.

Die Bonner scheinen jedenfalls von ihrer Voice-Vormachtstellung insgeheim schon Abschied genommen zu haben. Wie der Telekom-Manager erklärte, richte das Unternehmen sein Augenmerk jetzt auf folgende drei Bereiche: Betreuung von Großkunden, investives Vorgehen auf ausländischen Märkten sowie die Realisierung des Binnenmarktes '93. "Der Wettlauf um die globalen Netze hat begonnen", begründete Grewlich das Engagement der Telekom in ausländischen Märkten. Wer jetzt nicht das Geschäft der Zukunft aufbaue und sich von alten Traditionen löse für den sei der Zug abgefahren. Die Loslösung von alten Traditionen schließe auch den Abschied von bislang festgeschriebenen Rechten wie dem Sprachmonopol ein.

Nach Ansicht von Theodor Irmer, Vorsitzender der CCITT in Genf, könne das Voice-Monopol schon aus Gründen der Liberalisierung nicht länger ein Privileg der PTTs bleiben, weil die Kunden nicht verstünden, daß Sprache anders zu behandeln sei als die übrigen Dienste. Des halb ist sich Irmer sicher: "Das Sprachmonopol ist nicht mehr länger als zwei bis drei Jahre aufrechtzuerhalten."