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22.10.2004

"Die Telekom zündet ganz bewusst Nebelkerzen"

Der Verband der Anbieter von TK- und Mehrwertdiensten (VATM) kämpft seit Jahren gegen die Vormachtstellung der Telekom. Mit Geschäftsführer Jürgen Grützner sprach CW-Redakteur Peter Gruber.

CW: Die Telekom hat den TK-Markt fest im Griff, obwohl er seit fast sieben Jahren liberalisiert ist. Haben die Wettbewerber nichts entgegenzusetzen?

Grützner: Die Telekom ist vom Wettbewerb stark angefochten, spielt aber immer noch eine marktbeherrschende Rolle. Das lässt sich nicht abstreiten. Wir haben unser Bestmögliches getan, ebenso wie es die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) versucht hat. Leider hat der Regulierer in entscheidenden Punkten die Weichen aber falsch gestellt.

CW: Soll das heißen, dass Reg-TP-Präsident Matthias Kurth einen schlechten Job gemacht hat?

Grützner: Herr Kurth hätte auf die Verweigerungshaltung der Telekom schneller und härter reagieren müssen. Dazu hatte er die Möglichkeit, ohne sie voll auszuschöpfen.

CW: Spielt Ihnen jetzt das neue Telekommunikationsgesetz (TKG) in die Hände?

Grützner: Der Druck der Politik, der Unternehmen und der Öffentlichkeit ist da. Der Regulierer muss jetzt ja auch im Energiebereich beweisen, dass er kein zahnloser Tiger ist. Jedenfalls schreibt das neue TKG der Reg TP klar ins Stammbuch, keine punktuelle Regulierung mehr zu betreiben. Stattdessen ist sie angehalten auf eine Gesamtsystematik, sprich auf ein konsistentes Entgeltkonzept zu achten. Außerdem muss die Missbrauchsaufsicht schneller erfolgen als bisher.

CW: Die Wettbewerber der Telekom haben bis heute den Fuß nicht richtig in den DSL-Markt bekommen. Wie können sie aufholen?

Grützner: Der Marktanteil der alternativen Anbieter im lukrativen DSL-Geschäft wächst. Leider büßt die Telekom aber nicht so spürbar ein, wie wir uns das wünschen.

CW: Warum nicht?

Grützner: Das liegt an ihrer Strategie, Wettbewerbern nur Resale-Angebote zu machen. Die Telekom hat dadurch den Vorteil, dass sie gegenüber dem Regulierer einen stärkeren Wettbewerb nachweisen kann. In ihrer Wertschöpfungskette hat sie aber nur marginale Einbußen, weil sie die Leistung im Wesentlichen über das eigene Netz erbringt.

CW: Also ein Scheinwettbewerb?

Grützner: Es wäre falsch, von einem Scheinwettbewerb zu sprechen. Der Regulierer darf sich aber nicht täuschen lassen, weil diese Art des Wettbewerbs qualitativ nicht mit einer Direktanbindung des Kunden zu vergleichen ist.

CW: Stichwort direkter Zugang: Mit 2,2 Millionen Direktanschlüssen können die Wettbewerber der Telekom doch nicht zufrieden sein?

Grützner: Wir sind mit der Zahl in der Tat nicht glücklich. Das Wachstum ist in den letzten Jahren zwar konstant verlaufen, allerdings hatten wir nach einer Anschubphase einen exponentiellen Anstieg erwartet.

CW: Wie kann die Breitbandnutzung für den Kunden billiger werden?

Grützner: Der Schlüssel dazu ist weiterhin die Verbilligung der so genannten Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Wir halten die Preise, die wir der Telekom für die TAL-Miete zahlen müssen, weiter für zu hoch. Sie behindern den Wettbewerb in Deutschland und in ganz Europa. Die Ex-Monoplisten verteidigen immer noch sehr erfolgreich ihr Gold, die Ortsnetze.

CW: Wo sehen Sie dann noch Chancen für andere Techniken als DSL?

Grützner: Dort, wo die Erde mit Glasfaserkabeln durchwühlt ist, also in den neuen Bundesländern. Aus heutiger Sicht ist eine wirtschaftliche Nutzung der Glasfaser für DSL zu teuer. Hier bietet sich stattdessen die Funktechnik an.

CW: Welches Marktpotenzial birgt VoIP?

Grützner: Zunächst wissen wir, dass die Telekom mit ihrer IP-Backbone-Infrastruktur einen Technologieumschwung vorbereitet, der, anders als angekündigt, sicher nicht erst 2012 kommen wird. Wir gehen davon aus, dass die Telekom hier ganz bewusst Nebelkerzen zündet. Es wird schneller gehen, und darauf müssen sich die Wettbewerber einrichten. Aber auch der Regulierer muss sich Spielregeln für VoIP einfallen lassen, und zwar rechtzeitig.

CW: Welche Spielregeln?

Die Telekom hat mit ihrem Anschlussnetz, das sie massiv für DSL nutzt, einen Wettbewerbsvorteil, wenn sie DSL mit VoIP koppelt. Es wäre tödlich, wenn der Regulierer zuließe, dass das Feld im neuen Segment VoIP der Telekom überlassen würde.

CW: Was kann die Reg TP tun?

Grützner: Die Telekom wird mit Bündel- angeboten auf den Markt kommen. Solche Produkte sind für den Wettbewerb schädigend. Die Reg TP müsste sie stark einschränken oder sogar verbieten.