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06.03.1981

Die Terminsteuerung bricht zusammen, die Kapazitätsbelastungsübersicht ist nicht ihr Papier wert, die Betriebsabrechnung ist verzerrt und die Nachkalkulation ist falsch: Das sind die Befürchtungen, die aus der Fehlerkumulation in einem integrierten System

Die Terminsteuerung bricht zusammen, die Kapazitätsbelastungsübersicht ist nicht ihr Papier wert, die Betriebsabrechnung ist verzerrt und die Nachkalkulation ist falsch: Das sind die Befürchtungen, die aus der Fehlerkumulation in einem integrierten System folgen.

Wie ein Kartenhaus

Über dem EDV-Manager, der mit integrierten Systemen arbeitet, hängt ständig ein Damoklesschwert. Der Ausfall einer Datenbank oder eines Programmteiles kann zum Zusammenbruch aller Nachfolgeprogramme und Nachfolgedatenaufbereitungen führen. Wie ein Kartenhaus klappt das Gebäude der Steuerung und der Abrechnung zusammen.

Jede Änderung in einem Programm, in einem Ablauf birgt erhebliche Risiken in sich. Problematisch sind nicht die Fehler, die bei der Erstellung des neuen Programms oder des neuen Ablaufs auftreten. Problematisch sind auch nicht die Fehler, die bei der Erstimplementierung dem Benutzer auffallen, zu Reklamationen und zur Wiederholung des Ablaufes führen. Problematisch sind die Fehler, die nicht sofort bemerkt werden, die schleichend die Daten verfälschen und erst nach einem Zeitraum auffallen, nach dem eine Rekonstruktion unmöglich geworden ist.

Hieraus müßte man schließen, daß die Integration möglichst nicht allzuweit getrieben werden sollte, damit das Risiko vertretbar bleibt. Für die eine oder andere Anwendung mag diese Anschauung durchaus gerechtfertigt sein. Auch hier muß man jedoch die Tendenz erkennen: Die Abwicklungen, die Akzeleneration des Wirtschaftsprozesses insgesamt, verstärken sich. Die Neuentwicklung wird schon in Angriff genommen, während das Altprodukt noch gar nicht ausgeliefert ist. In den fünfziger und auch noch in den sechziger Jahren konnten viele Betriebe mit etwa gleichbleibenden Losen, gleichbleibender oder gleichmäßig steigender Auslastung und auch etwa gleichbleibenden Kosten je Produkt rechnen. Die Produktdifferenzierung und die Wechselhaftigkeit im Wirtschaftswie im Betriebsleben machen aber Zahlen von gestern für heute unbrauchbar. Der Markt ist ständig in Bewegung, und nur das Unternehmen, das hierauf reagieren kann, das die Produktstruktur schnellstmöglich anpassen kann, das den Maschinenpark schnellstmöglich umstellen kann und das seine Kalkulation immer den aktuellen Situationen anpassen kann, wird überleben. In dieser Umgebung verlieren die Standardprodukte, die Standarddurchläufe und die Standardabrechnungen ihren Wert. Nur die aktualitätsgerechte Planung und Abrechnung hat Aussagekraft.

Werte von gestern

Das bedeutet einen großen Aufwand an Erfassung der sich ständig ändernden Daten und die Unmöglichkeit, auf Werte von gestern zurückzugreifen. Dieser Aufwand ist ohne Integration wirtschaftlich nicht zu bewältigen. Man kann nicht für die Fertigung und die Kalkulation die Zeiten zweimal erfassen, womöglich für die Lohnabrechnung ein drittes Mal. Man kann die Aufträge nicht einmal für die Finanzbuchhaltung und zum anderen für das Vertriebssteuerungssystem und schließlich vielleicht zum dritten für die Fertigungssteuerung getrennt erfassen. Hier wird nicht nur der Aufwand zu groß, auch die sich aus den getrennten Planungszyklen ergebenden Differenzen führen zu erheblichen Reibungen und Abstimmungsproblemen.

Mithin bleibt als einzige Möglichkeit, den Risiken der Integration mit wirksamen Maßnahmen zu begegnen. Daß dies Geld kostet, ist bekannt. Der Umfang jedoch wird meist überschätzt. In Wirklichkeit bietet die Praxis für viele Bereiche einfache Lösungen an. Versucht man, das integrierte System in den Grundzügen so zu gestalten, daß es sich weitgehend selbst kontrolliert, so wird man zwar einiges an einmaliger Überlegungsarbeit investieren, laufende Kosten jedoch wird man hiermit weitgehend vermeiden. Wer die Stückliste nicht nur benützt, um das Dokumentationsbedürfnis der Konstruktion zu befriedigen, sondern wer hiermit auch die Auflösung und Bereitstellung durchführt, dem wird von dieser Seite eine ständige Kontrolle der Stückliste sichergestellt. Wer die Zeitangaben der Arbeitspläne für die Terminierung im dispositiven Bereich und die sich daraus ergebenden Verschiebungen der Netzendpunkte im Bereich der übergeordneten Auftragssteuerung verwendet, der wird allein von dieser Seite eine ständige Kontrolle der Zeitangaben aus der Arbeitsvorbereitung erhalten. Wer die Informationen der Lagerbestands- und der Werkstattsauftragsdatei für die Inventur benützt, der wird von dieser Seite eine Bereinigung der Bestände und Aufträge erfahren, die seine Bemühungen um brauchbare Informationen im Auftragssteuerungsbereich wertvoll ergänzen. Wer dann noch die verdichteten Ergebnisse der Lagerwirtschaft, der Produktion, der Nachkalkulation und der Betriebsabrechunung laufend miteinander vergleicht und abstimmt, der hat eine relativ hohe Sicherheit mit relativ wenig Aufwand erreicht. Die Formel heißt hier: Kontrolle an Datenverdichtungspunkten durch Arbeit, die ohnehin gemacht werden muß.

Normieren und reduzieren

Das Damoklesschwert über dem Haupt des EDV-Planers in Watte zu packen, läuft für die Finanzen des Unternehmens nicht ganz so glimpflich ab. Gleichwohl kann man auch hier das Ergebnis mit vertretbaren Mitteln erreichen. Das beginnt damit, Änderungen je Jahr nicht auf jeden Benutzer-wunsch hin zu realisieren, sondern nur ein- oder zweimal Änderungen geschlossen durchzuführen Dann allerdings muß für jeden Änderungszyklus ein Parallellauf durchgeführt werden, der erhebliche Rechenzeit und auch Aufwand bei der Kontrolle durch die Fachabteilung kosten kann. Wenn solche Maßnahmen realisiert und zusätzlich die heutewachen Einrichtungen des Wiederanlaufs und des Wiederaufsetzens vorgesehen werden, ist schon einiges getan, Viel ist dann getan, wenn außerdem die Vielfalt der Programmiermethoden vereinheitlicht, die Anzahl der Dateien auf ein Mindestmaß reduziert und eine klare Struktur des ganzen Systems gesichert sind. Müssen diese Forderungen nachträglich realisiert werden, so ist sicher ein erheblicher Aufwand zu treiben. Berücksichtigt man sie von Beginn einer Umstellung oder eines Neueinsatzes an, so wird kein zusätzlicher Aufwand geschaffen, sondern zusätzlicher Aufwand bei späteren Änderungen vermieden.

Auszug aus dem beim Carl Hanser Verlag München/Wien kürzlich erschienenen Titel von Dr.-Ing. U. W. Geitner, Boll "EDV-Gesamtplanung für Produktionsbetriebe", 1981; Preis: 58 Mark.