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16.02.1990 - 

LANPC-NETZE

Die Trends deuten auf oligarchische Strukturen hin

Bei der lokalen Vernetzung von Rechnern zeichnen sich eindeutige

Entwicklungen ab: Die OSI-Standards Ethernet und Token-Ring werden bald

rund 80 Prozent der Marktanteile nahezu gleichmäßig auf sich vereinigen und

nur noch Platz für den De-facto-Standard Arcnet lassen. Bei den Netzwerk-Betriebssystemen kristallisiert sich ebenfalls ein Triumvirat in Gestalt von Netware, LAN-Manager (Server) und Unix heraus. Trotz dieser oligarchischen Strukturen scheint eines klar: Die Anbieter stellen die Weichen in Richtung offene Systeme und Protokolle.

CW-Bericht, Peter Gruber

Sieg der OSI-Standards unausweichlich

Der LAN-Markt, einst Tummelplatz vieler herstellerspezifischer Netz-Systeme, wird immer mehr zum "Closed shop". Nach und nach werden Anbieter "exotischer" Karten von der Bildfläche verschwinden und User solcher proprietären LANs in die Isolation geraten. Wer die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat - besser gesagt seine Produkte nicht auf die ungeschriebenen Gesetze des Marktes abstimmt - , der bleibt auf der Strecke.

Was die LAN-Topologie betrifft, heißen diese Gesetze Ethernet, Token-Ring und - mit Abstrichen - Arcnet. Letzteres hat sich zwar im Laufe der 80er Jahre zu einem De-facto-Standard für PC-Netze gemausert und bei den Verkaufs- sowie Installationszahlen sogar den Gipfel des Olymp erklommen, kann sich jedoch nicht mehr lange im gewohnten Erfolg sonnen. Der Grund: Arcnet wird von zwei Seiten in die Zange genommen. Auf der einen steht Ethernet und die gesamte DEC-Welt, auf der anderen der Token-Ring mit IBM und seinen OFM-Vasallen.

Der Token-Ring ist das strategische Rüstzeug, mit dem Big Blue zunehmend LAN-Boden gewinnt. Seit das hausgestrickte IBM-Produkt nicht zuletzt wegen der Macht der Armonker in den Rang eines OSI-Standards erhoben wurde, ist für den Riesen der Weg im LAN-Geschäft bereitet. Mit dem Token-Ring hat der Konzern die LAN-Lücke in seiner SAA-Architektur geschlossen und kann nun in aller Ruhe die riesige Schar seiner PC-User mit dem Segen der ISO in die IBM-Umgebung einzementieren.

Zum Monopol im LAN-Markt wird es für Big Blue freilich nicht reichen. Ein Run nach Ethernet-Karten hat für einen Boom der ISO-Norm 8802.3 gesorgt. Der Standard - für die Integration heterogener Systeme weit besser geeignet als das IBM-Produkt - hat das Zepter von Arcnet übernommen. Der Token-Ring wird als Spätstarter in den nächsten Jahren zwar Boden gutmachen, aber Ethernet von der Spitze nicht verdrängen können. Da helfen auch gewitzte Marketing-Tricks beim 16-Megabit-Token-Ring nichts, die dem Kunden mit der Rechnung 4 x 4 = 16, die vierfache Geschwindigkeit dieser Version vorgaukeln wollen. pg

Kaufverhalten der User führt zu Polarisation zwischen OSI Standards

Der Markt für LAN-Knoten wächst kontinuierlich. Bis zum Jahr 1993 rechnen die Experten mit einer jährlichen Zuwachsrate von 29 Prozent. Fette Beute wird dabei der Token-Ring machen. Allerdings geht der Erfolg des Shooting Star nicht zu Lasten von

Ethernet. Betroffen sind herstellerspezifische Karten, die größtenteils vom Markt verschwinden werden. Einzig Arcnet hat gute Überlebenschancen.

"LANs werden in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. Weniger in Form reiner PC-Netze, als in einer Kombination, die Mainframes ebenso einbezieht, wie Minis, Workstations und PCs", prognostiziert Andreas Dripke, freier Berater der IDC Deutschland. Diese Meinung zieht sich wie ein roter Faden durch die Fachwelt. LANs, die mit der Vernetzung von PCs ihre Geburtsstunde feierten, nabeln sich zwar nicht von "Mutter" PC ab, strecken die Fühler aber mehr und mehr nach höheren Rechner-Ebenen aus.

Von dieser Entwicklung wird vor allem IBM profitieren. Seit der Marktführer für Hosts und PCs sein hausgestricktes Produkt Token-Ring auf der internationalen Standard-Bühne durchgesetzt hat, ist für Big Blue der Weg im LAN-Geschäft geebnet. Zwar ist der Riese

relativ spät auf LAN-Kurs eingeschwenkt, für Experten besteht jedoch keinerlei Zweifel, daß sich eine Erfolgswelle für den Token-Ring auftürmt.

Dafür sprechen auch die Marktzahlen. Anfang 1988 konnte der IBM-Standard laut IDC nur zwei Prozent aller in Deutschland installierten Netzwerkkarten auf sein Konto verbuchen. Derzeit liegt der geschätzte Anteil schon bei rund 13 Prozent. Hochrechnungen von IDC zufolge wird die ISO-Norm 8802.5 bis 1993 mit Ethernet nahezu gleichziehen und einen Marktanteil von knapp 40 Prozent besitzen.

Statistik hin, Statistik her, fest steht, daß die momentanen Marktführer Arcnet und Ethernet den Atem des Token-Ring schon im Naken spüren. Die Aufholjagd ist vor allem auf folgende Gründe zurückzuführen: Erstens verhilft das "Gütesiegel" OSI der Netzwerk-Topologie zum Erfolg. Zweitens haben sich auch viele Ethernet-Anbieter in das Token-Ring-Lager geschlagen. Drittens zieht Big Blue, der Host-Dominator schlechthin, Nutzen aus dem eingangs erwähnten Trend der Mainframe-Integration in LANs. Viertens schließlich sind IBM-Anwender, die von ihren alten Terminal-Netzen Abschied nehmen wollen, mehr oder weniger gezwungen, Token-Ring-Netze zu implementieren.

PC-Netz-Standard

Arcnet wird überleben

Des einen Freud, des anderen Leid. Negative Konsequenzen wird der Ring-Boom vor allem für die Arcnet-Anbieter haben. In der Bundesrepublik lange absoluter Spitzenreiter bei verkauften und installierten Netzkarten, mußte der De-facto-Standard laut IDC den Platz an der Sonne für Ethernet räumen. Zwar streiten sich die LAN-Gelehrten darüber, ob Arcnet in der gesamten Verbreitung noch vor Ethernet liegt, indes zweifelt keiner daran, daß die Zukunft des Datapoint-Kindes nicht mehr ganz so rosig aussieht.

"Arcnet spielt im Markt deshalb eine Sonderrolle, weil es wegen seines Preis-/Leistungs-Verhältnisses typisch für die PC-Vernetzung geworden ist", erklärt Volker von Essen, Berater für den Bereich Kommunikationstechnik bei der Diebold Deutschland GmbH, die Bedeutung des LAN-Typs. Langfristig, so von Essen, werde der Marktanteil jedoch ebenso sinken wie auch der anderer herstellerspezifischer PC-Netze; zum Beispiel Starlan, das durch Ethernet auf Twisted Pair substituiert werde.

Wenn nach Ansicht der Experten auch viele PC-Netzwerke völlig von der Bildfläche verschwinden werden, so bleibt doch Arcnet von diesem Schicksal verschont. Marlon Müller, Marketing-Leiter bei Adcomp, hat dafür eine einfache Erklärung. Seiner Meinung nach werden diejenigen, die sich nicht aufgrund einer IBM- oder DEC-Umgebung für den Token-Ring oder Ethernet entscheiden müssen, weiterhin mit Arcnet vernetzen. Müller: "Die schauen sich nach einer schnellen, sicheren und preiswerten Lösung um. Das ist momentan Arcnet und wird es auch in Zukunft bleiben."

Zugunsten von Arcnet spricht nicht nur der Preis, sondern auch die 20-Megabit Version, die unterdessen auf dem Markt ist (zur CeBIT soll eine 100-Megabit-Karte präsentiert werden). Nicht zuletzt wegen der Kompatibilität der 20-Megabit-Topologie zur alten 2,5-Megabit-Ausführung wird Arcnet für Anwender weiterhin von Interesse sein. Daran wird auch das Manko fehlender Gateways zu Host- und Mini-Computern nichts ändern. Obwohl sich der "PC-Netz-Standard" im LAN-Geschehen behaupten wird, deutet doch vieles auf eine Polarisation zwischen Token-Ring und Ethernet hin. Letzteres verzeichnete in den vergangenen zwei Jahren das weitaus stärkste Wachstum, insbesondere wegen der Möglichkeit zur Integration in die DEC-Welt. Auch wenn das Konkurrenz-LAN der IBM-Welt, der Token-Ring, in wenigen Jahren zu Ethernet aufschließen wird, glauben die Experten nicht an Einbußen des momentanen Marktführers. Vielmehr wird sich eine Konstellation ergeben, die beide mit je 40 Prozent Marktanteil pari an der Spitze sieht, den Rest des LAN-Kuchens wird überwiegend Arcnet für sich beanspruchen.

Der Trend bei den LAN-Topologien deutet also zweifelsfrei auf ein Triumvirat hin, das, so Fred Seibl, Produkt-Manager bei Computer 2000, "Newcomern und Exoten wegen der hohen Investionskosten keine Chance mehr läßt".

Geschwindigkeit wird Usern als Köder ausgelegt

In diesem "Closed Shop" buhlen die Anbieter mit Superlativen um die Gunst der User. Als Köder wird dabei gern die Geschwindigkeit eines LANs ausgeworfen. Beispielsweise sucht IBM, mit seinem 16-Megabit-Token-Ring potentielle LAN-Kunden zu locken, indem die Rechnung 4 x 4 = 16 aufgestellt wird. In Wirklichkeit ist die 16-Megabit Version, wie Fachleute durch die Bank bestätigen, kaum schneller als die herkömmliche 4-Megabit-Karte.

"Die Hardware des 16-Megabit Token-Ring kann zwar gegenüber der 4-Megabit-Version mehr, aber die Philosophie, die hinter dem Datenaustausch steckt, schöpft die Technik nicht voll aus. Das liegt daran, daß man um zu alter Software kompatibel zu bleiben auf Konventionen Rücksicht nimmt, die vergleichbar zum alten DOS mitgeschleppt werden", erläutert Insider Müller die Gründe. Im Klartext heißt das: Es wird nur ein Token auf die Reise geschickt, obwohl mehrere Token ihre Kreise ziehen könnten.

Dennoch dürfte es für den IBM-Standard ein Vorteil sein, daß sein Protokoll in der Geschwindigkeitsskala nach oben hin offen ist. Bei Ethernet ist dagegen mit 10 Megabit schon das Maximum erreicht; Variationen sind nur noch durch neue Verkabelungsmedien wie Lichtwellenleiter oder Twisted-pair möglich. Tests zufolge, so Seibl, könne der ISO-Standard 8802.3 derzeit aber noch mit dem 16-Megabit-Token-Ring mithalten. Allerdings sei die Physik nicht länger zu übertölpelt, wenn künftig nicht schlechte IBM-Karten, sondern bessere der Dritt-Anbieter, den Benchmarks zugrundeliegen.

Seibl über den Token-Ring: "So schön das Prinzip auch ist, es hat einen Protokoll-Overhead, weil das Token erzeugt, generiert und weitergegeben werden muß. Diese Informationen belasten das Netz." Der Produkt Manager rät deshalb, weniger auf die Performance, sondern vielmehr auf den Faktor Integration zu achten. Sein Patentrezept lautet: Token-Ring, wenn IBM und Hosts im Spiel sind, weil Host-Verbindungen und Terminal-Emulationen dadurch wesentlich erleichtert werden. Ethernet jedoch immer dann, wenn heterogene Rechner einbezogen werden sollen.

Stichwort Rechner: Über die Rolle der Computer mit 386- und 486-Prozessoren in lokalen Netzen - genauer gesagt, über die darauf laufende Software - gehen die Meinungen auseinander. Nach Auffassung von Adcomp-Vertreter Müller hinkt die Software heute weit hinterher und ist fast noch auf 8088-Prozessoren zu portieren. Mit Ausnahme von Spezialanwendungen werde die Leistung der Rechner nicht ausgenutzt, höchstens der Takt.

Vor Illusionen warnt auch Berater Dripke: "Die Vorstellung, daß Daten wegen eines 32-Bit-Busses im LAN schneller laufen, ist falsch." Allerdings, räumt er ein, können durch leistungsstarke Rechner andere Funktionalitäten in das Netz aufgenommen werden, wodurch eine bessere Performance entstehe. Außerdem, so Dripke, gewinne die Software an Bedeutung.

Gleicher Ansicht ist Seibl, der keineswegs die Software als Flaschenhals ausmacht, sondern den Datentransport über den Bus. "Mikrokanal und ElSA-Bus werden von der Bus-Architektur her endlich das leisten, wozu die Software eigentlich imstande ist" äußert Seibl seine Überzeugung nach mehr Performance im Netz.

Novells Netware wird Marktdominanz einbüßen

Wenn von Software die Rede ist, kann die Frage nach Trends bei Netzwerk-Betriebssystemen nicht ausbleiben. Auch hier zeichnet sich die Entwicklung einer Oligarchie in Gestalt von Netware, LAN-Manager/LAN-Server und Unix ab, wobei gewisse Synergieeffekte mit den eingangs beschriebenen Topologien eine Rolle spielen.

Unumschränkter Herrscher im Reich der LAN-Betriebssysteme ist Novells Netware. Die Dominanz dokumentiert sich in der Bundesrepublik in einem Marktanteil von rund 70 Prozent. Dieses Niveau wird Novell jedoch nicht halten können. Auch hier wirft ein Produkt, hinter dem IBM mit seiner ganzen Marktmacht steht, seinen Schatten voraus: der LAN-Server beziehungsweise das Lizenz-Produkt LAN-Manager.

Die Experten sind sich deshalb einig: Novell wird stark Federn lassen müssen. Jürgen Wegner, bei der Atlantic Elektronik GmbH für Produkt-Marketing zuständig, wagt die Prognose: "Bis in fünf Jahren wird Novell auf ein Drittel des Marktanteils fallen. Die beiden restlichen Drittel werden sich LAN-Manager-basierende Systeme und Unix-Versionen teilen." Für die führenden LAN-Betriebssysteme der Zukunft hält IDC-Berater Dripke den LAN-Manager und Unix. Die Taktik von Novell könne deshalb nur sein, im Laufe der Zeit immer mehr Schnittstellen anzubieten, die quasi identisch zu den beiden Ansätzen sind.

Erste Schritte in Richtung Öffnung wurden von Novell mit Netware für VMS oder Macintosh sowie mit Portable Netware schon unternommen. Trotzdem ist Müller der Meinung, daß der Zeitpunkt insgesamt verschlafen wurde: "Bei Novell ist man sehr spät auf den Trichter gekommen, für Netware Marketing zu betreiben und das Produkt in Richtung Großrechner und Kommunikation zu bringen." Zwar spreche das ausgeprägte Sicherheitssystem, die Hardware-Unabhängigkeit sowie das Multitasking und Multiuser-Konzept für Netware, dagegen aber, daß sich IBM und zahlreich OEMs für OS/2 entschieden haben.

Nachteil des Novell-Produkts sei auch, so Diebold-Berater von Essen, daß es nicht im Standardbetriebssystem läuft, sondern als Gastanwendung auf dem Server, und daher eine "zusammengewürfelte Lösung" sei. Mittelfristig werde sich deshalb der LAN-Manager durchsetzen, auch wenn es heute noch sehr wenig Anwender gebe. Voraussetzung dafür sei jedoch die Abstimmung der unterschiedlichen Versionen, um die Akzeptanz des LAN-Managers/LAN-Servers bei den verunsicherten Usern zu fördern.

"Bei der Technik nähern sich Netware und der LAN-Manager an. Funktionale Konkurrenz besteht schon heute, nicht aber bei der Marktbedeutung", beschreibt LAN-Spezialist Seibl den Status quo. Beide Systeme schließen sich also nicht aus. Jedes könne, so Müller, unter der Regie des anderen gefahren werden. - Investitionen seien daher in jedem Fall geschützt.

Bei Unix scheiden sich die Geister der Gelehrten

Kompatibel sind beide Systeme auch zu Unix, das fast durchweg eine Posix-Schnittstelle aufweist. Obwohl sich Microsoft bei der Weiterentwicklung von OS/2 und MS-DOS - und damit des LAN-Managers - die besten Unix-Rosinen herausgepickt hat, glaubt Dripke an die Koexistenz beider Betriebssysteme im LAN-Sektor. Unix sei wegen seiner Schutzmechanismen, der Multitasking-Fähigkeit sowie der Kombination von Mehrplatzrechnern als Betriebssystem für Netzwerke ideal.

Ein Plus von Unix sieht Berater von Essen vor allem im Kostenaspekt. Als Mehrplatzsystem erlaubt es nämlich die Realisierung von Minicomputer-Applikationen auch an Terminals.

Trotz der unbestrittenen Tauglichkeit von Unix für den LAN-Betrieb, scheiden sich die Geister bei der Einschätzung der Zukunftsaussichten.