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Die TUI setzt ihr Buchungssystem auf dem Rechnerverbund auf: Btx als preiswerte Alternative zum Start System

25.07.1986

Auf der Suche nach Möglichkeiten, auch kleineren Reisebüros den direkten Zugang zu ihrem Reservierungsystem zu bieten. stieß die Touristik Union International (TUI) nahezu zwangsläufig auf das neue Medium Bildschirmtext und dessen Rechnerverbund. Karl-Heinz Lüttich skizziert die Schritte seines Hauses in diese Richtung.

Die TUI befaßt sich seit 1979 mit dem Thema Bildschirmtext; sie war die erste Firma, die ein Buchungssystem im Rechnerverbund beim Feldversuch installiert hatte. Da ein bestimmtes Hotelzimmer oder ein Platz im Flugzeug nur einmal für einen Termin verkauft werden kann, kam für die TUI nur die Rechnerkopplung mit dem Zugriff auf die TUI-Buchungsdaten in Frage.

Der Feldversuchsbetrieb lief für die TUI aus technischer Sicht hervorragend. Bereits nach Ablauf einer Buchungssaison waren die bei einer doch recht kleinen Population möglichen Erfahrungen gewonnen. Somit wurde aus Kostengründen der Rechnerverbund Anfang 1982 eingestellt. Es war absehbar, daß keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden konnten und erst mit Beginn des Regeldienstes sinnvoll an dem Projekt weitergearbeitet werden konnte.

Bei der Realisierung des Projektes für den Regeldienst standen drei Alternativen für die Rechnerkopplung zur Debatte:

- Eigenprogrammierung der gesamten Btx-Software

- Kauf bestimmter Teile der Btx-Software und ergänzende Eigenentwicklung

- Einsatz der IBM-Btx-Software.

Relativ frühzeitig schied die komplette Eigenprogrammierung als zu aufwendig aus.

Nunmehr schwankte die TUI zwischen der Entscheidung, entweder bestimmte Teile der Btx-Software (EHKP4-Handling) zu kaufen und den Rest selbst zu entwickeln, oder die IBM-Software einzusetzen.

Folgende Argumente sprachen gegen Einsatz der IBM-Software:

- späte Verfügbarkeit

- größerer Ressourcenverbrauch.

Folgende Argumente sprachen für den Einsatz der IBM-Software:

- kalkulierbarer Preis

- Wartung durch den Hersteller

- Schnittstellenänderung zu den IBM-Komponenten - wie VTAM und CICS - oder den postalischen Protokollen zum NCP werden vom Lieferanten durchgeführt.

Letztendlich gab die bessere Kalkulierbarkeit der Beschaffung und der beim Anwender niedrigere Wartungsaufwand den Ausschlag für den Einsatz der IBM-Software.

Anfang 1984 wurde das Konzept für die Integration der Btx-Software in die TUI-Umgebung erarbeitet. Randbedingungen für die Realisierung waren:

- saubere Trennung zwischen Anwendungssoftware und Btx-spezifischer Software

- keine Modifikationen in systemnaher Software wie CICS, VTAM oder Btx

- keine Änderungen im bestehenden Buchungssystem der TUI.

Im Bild ist die Trennung zwischen Nachrichtensteuerung und den Anwendungsprogrammen deutlich sichtbar. Durch den Einsatz der ASPFKP-Software (Sondersysteme IBM Bonn) und den Einsatz der IBM Rechnerkopplungssoftware in einer Vorabversion konnte der Termin der Inbetriebnahme am 05. 12. 1984 gehalten werden.

Für den Dezember 1984 hatte die TUI mit nur wenigen (ca. 20) Btx-Teilnehmern im Reisebüro gerechnet. Bei dieser geplanten Anzahl wäre die Beseitigung der "Kinderkrankheiten" kein Problem gewesen. Außerdem hätte man die zusätzliche Last dieser wenigen Teilnehmer kaum gemerkt. Innerhalb weniger Wochen hatten sich aber doch 150 Btx-Teilnehmer für die geschlossene Benutzergruppe der TUI angemeldet.

Zur Zeit haben über 600 Btx-Geräte Zugriff auf das TUI-Reservierungssystem. In Spitzenzeiten werden vom System bis zu 90 parallele Sessions sicher beherrscht. Die Transaktionsentwicklung spiegelt die Btx-Gerätezahl und die Saisoneinflüsse wieder. Nach Beseitigung der Anfangsprobleme der Vorabversionen läuft die Software stabil. Bedingt durch die Protokollhandhabung und die große Anzahl parallel zu bearbeitender Transaktionen ist der Ressourcenverbrauch wesentlich größer als bei Online-Systemen, die auf CICS-3270-Basis arbeiten.

Zur Betrachtung der weiteren Entwicklung muß man sich erinnern, warum die TUI Btx zusätzlich zu den bestehenden Systemen eingesetzt hat: Um eine preiswerte Kommunikation mit den Reisebüros zu schaffen.

Sollte die Bundespost die Gebührenstruktur für das Btx-System oder die Kostenrelation zu den anderen Übertragungswegen zum Nachteil von Bildschirmtext verändern, so wird die TUI über den weiteren Einsatz des Mediums nachdenken. Da wir in der Bundesrepublik wegen der Fernmeldehoheit die Leitungswege der Deutschen Bundespost nicht umgehen können, ist das Kommunikationsnetz der TUI so ausgelegt, daß wir entsprechend der Gebührenstruktur problemlos auf den jeweils wirtschaftlichsten Übertragungsweg ausweichen können.

Der Einsatz weiterer Btx-Terminals im Reisebüro hängt mit von der Verfügbarkeit kommerziell nutzbarer Geräte ab und deren Preisentwicklung (zum Beispiel 60-Hz-flimmerfrei). Der Zuwachs an Btx-Geräten wird durch Reisebüros kommen, die noch kein Start-Terminal haben, oder durch den Einsatz von Btx-Zusatzgeräten in den größeren Reisebüros mit Start-Bildschirmen. Da die Reisebüros über ihre Investitionen auf diesem Gebiet selbst entscheiden, ist eine Prognose der Anzahl der noch kommenden Btx-Terminals für das TUI-Reservierungssystem sowohl in der Menge als auch in der zeitlichen Verteilung nur schwer vorhersehbar. Aus diesem Grund ist das TUI-System zunächst so ausgelegt, daß die jetzt vorliegenden Teilnehmerzahlen sich ohne Änderung des Servicegrades (Antwortzeit, Verfügbarkeit) verdoppeln können.

Karl-Heinz Lüttich ist Leiter der Hauptabteilung Systemsoftware und Anlagen im Bereich DV-Systeme der Touristik Union International (TUI) in Hannover.

Der vorliegende Beitrag ist die gekürzte Version eines Referats, das auch der diesjährigen "telematica" in Stuttgart gehalten wurde.