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07.08.1998 - 

Arbeiten in der Informationsgesellschaft/Guerilla Telecommuting gefährdet Unternehmen

Die Unangepaßten sorgen für Chaos und Katastrophen

CW: Was heißt Guerilla Telecommuting?

Möslein: Teilweise wird Guerilla Telecommuting im negativen Sinne des Begriffs Guerilla verwendet. Bezogen auf die Grundbedeutung von Guerilla als Kleinkrieg beziehungsweise Kleinkrieg führende Einheiten spielt man auf die Gefahren an, die mit flexiblen Telearbeitsformen einhergehen. Dazu zählen die Verknüpfung mehrerer paralleler (Teilzeit-)Berufe, die Verbindung von Beschäftigungsformen als Angestellter und Selbständiger oder eine unzulässige Nutzung von Unternehmens-Know-how für den Zweitberuf als Feierabend-Selbständiger. Hierbei handelt es sich um ein ganz bewußtes Schädigen des Arbeitgebers zum eigenen Vorteil oder um das Inkaufnehmen einer solchen Schädigung, wie sie sich im Konflikt zwischen unterschiedlichen Jobs ergeben kann.

CW: Hat das alles mit der Telearbeit zu tun?

Möslein: Wenngleich die Gefahren durchaus real sind, sind sie dennoch kein Spezifikum der Telearbeit. Man muß sie ernst nehmen, wie jede Art der Nutzung krimineller Energie natürlich ernst genommen werden muß. Trotzdem ist diese Begriffsverwendung nur die eine Seite der Medaille. Denn andersherum bezieht sich der Begriff Guerilla Telecommuting augenzwinkernd und fast bewundernd auf die Mitarbeiter, die ohne ein formelles Telearbeitsprogramm die Idee des "Any-time-any-place"-Arbeitens in informeller Telearbeit umsetzen. Kein Wunder, daß man in der amerikanischen Telearbeitsliteratur beim Begriff Guerilla Telecommuting gern auf Informal Telecommuting verweist. Im Vordergrund steht nicht etwas Illegales, sondern die Auflösung von starren, vorgeschriebenen Arbeitsorten und Arbeitszeiten und von deren formalen Programmen oder Regelungen.

CW: Am Begriff Guerilla Telecommuting scheint sich wieder zu zeigen, wie unterschiedlich konkrete Sachverhalte in Sprache und Kultur vermittelt werden.

Möslein: In den USA ist der Begriff Guerilla auch ein recht beliebter Eyecatcher, ein Werbegag. Viele erfolgreiche Business-Bücher mit Titeln wie "Guerilla Marketing", "Guerilla Advertising", "Guerilla Selling", "Guerilla Teleselling" oder "Economic Guerilla" demonstrieren den positiven Kontext. Eine reiche Auswahl solcher "Guerilla Books" finden sich beispielsweise auf dem Web-Server von Guerilla Marketing Online unter http://www.gmarketing.com.

CW: Guerilla bezeichnet also eher etwas Unkonventionelles, das Neue und Unangepaßte, das aus dem Rahmen fällt.

Möslein: Aus dieser Perspektive betrachtet, gelangt man zu neuen unternehmerischen Initiativen, die durchaus von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung sein können. Große Chancen für Gründungsinitiativen, eine neue Selbständigkeit und innovatives Unternehmertum werden in sogenannten Soho-Netzwerken (Small Office, Home Office) erwartet. Hierbei handelt es sich um unkonventionelle Formen der telekooperativen Vernetzung von Haushalten (Informated Households) und Kleinstunternehmen. Die Entwicklung im Silicon Valley hat gezeigt, daß solche Erwartungen durchaus berechtigt sind.

CW: Die Guerilla, um es überspitzt zu formulieren, ist also Vorhut der Innovation?

Möslein: Mehr noch - Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Standortsicherung. Im Rahmen der Initiative "Dienstleistung der Zukunft" des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie ist die Technische Universität München genau dieser Fragestellung auf der Spur. Ziel des Projekts ist es, herauszufinden, wie Telekooperation und Vernetzung zu neuen Formen der Arbeit, alternativen Beschäftigungsmodellen und zukunftsorientierten Leistungsformen führen können (siehe http://www.telekooperation. de/soho/). Das ist neu in der Welt der Telearbeit, die noch immer einem ganz klassischen Substitutionsdenken verhaftet ist.

Angeklickt

Wie viele Trends kommt auch das Guerilla Telecommuting aus den USA. Im negativen Sinne meinen Experten damit, daß Telearbeiter in unzuläßiger Form das Unternehmens-Know-how für einen Zweitberuf einsetzen. Andererseits bezieht sich der Begriff fast bewundernd auf Mitarbeiter, die ohne ein formelles Telearbeitsprogramm die Idee des "Any-time-any-place"-Arbeitens in informeller Telearbeit umsetzen. Im Vordergrund steht dabei, die Auflösung von starren Arbeitsorten und -zeiten.

Winfried Gertz ist freier Journalist in München.

Kathrin Möslein ist Diplominformatikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität München.