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26.05.1978

Die ungeliebte dritte Schicht

In der Regel wird in Rechenzentren im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Es gibt jedoch viele Unternehmen, die lieber heute als morgen auf drei Schichten umsteigen würden. Dagegen stellen sich oft die Mitarbeiter, da sie als qualifiziertes DV-Personal nicht dem Status eines Schichtarbeiters zugeordnet werden wollen. Die raffinierte Lösung des DV-Leiters der Stahlwerke Südwestfalen AG: Er holt sich seine Operatoren aus Arbeiterkreisen, die ohnehin an den Drei-Schicht-Betrieb gewohnt sind. Denn seine 4 Mitarbeiter aus dem kaufmännischen Bereich sind in der Regel nicht bereit, in drei Schichten zu arbeiten.

Beim Zwei-Schicht-Betrieb ergibt sich oft das Problem der Mehrarbeit bei termingebundenen Aufträgen. Die wenigsten Mitarbeiter der DV-Abteilung wollen aber für ihre Überstunden bezahlt werden, da sich das aus bekannten Gründen kaum lohnt. Sie lassen sich lieber mit Freizeit entschädigen.

Timm Bächle

Leiter der Datenverarbeitung, Georg Hauck & Sohn, Bankiers, Frankfurt

Im Operating fahren wir eine etwas erweiterte erste Schicht. In der Programmierung versuchen wir, entsprechend unserer Gleitzeiteinrichtung, mit einem 8-Stunden-Tag auszukommen. Wenn dennoch Mehrarbeit anfällt - etwa bei Testbetrieb oder Spitzenbelastungen

- werden die geleisteten Überstunden mit Freizeitausgleich abgeholten, denn in der Gehaltsgruppe, der unsere Programmierer angehören, ist Überstundenbezahlung nicht üblich. Die Operatoren arbeiten überlappt: Einer kommt von 7.00 bis 15.00 Uhr, der andere von 9.00 bis (...)0 Uhr. Wenn trotzdem Überstunden anfallen, werden diese Mitarbeiter ihre Mehrarbeit ausbezahlt bekommen.

Wir haben vor kurzem von einem System IBM 360 auf eine 370/115 umgestellt und kommen dadurch mit der Programmierung nicht mehr so sehr in die Nachtstunden hinein.

Klaus Fischer

Leiter der Datenverarbeitung DEKRA Deutscher Kraftverkehr-Überwachungs-Verein e. V., Stuttgart

Wir fahren offiziell im Zwei-Schicht-Betrieb, dennoch fallen auch im Operating noch jede Menge Überstunden an: Meist ist die jeweilige Spätschicht die Leidtragende, denn hier arbeiten die Mitarbeiter eben so lange bis ihre Aufgaben beendet sind. Das bedeutet regelmäßige Überstunden, auch noch an Samstagen.

Die zwei Schichten gehen von 6.00 bis 14.30 Uhr und von 14.30 bis 23.00 Uhr.

Auch unsere Programmierer arbeiten in Überstunden. Wir haben jedoch für diese Mitarbeiter eine ausgedehnte Gleitzeit eingeführt - sie können frei von jeder Kernzeit arbeiten, also die Zeit ihrer Anwesenheit frei wählen. Es wäre traurig, wenn die Arbeitszeit der Programmierer vom Operating abhängig wäre. Deswegen steht für Testzeiten von Programmen bei uns ständig eine Partition zur Verfügung.

Die Anwesenheit der Programmierer wird lediglich über das Gleitzeitverfahren festgehalten. Alle anfallenden Überstunden werden bei uns durch Freizeitausgleich vergütet. Denn die Mitarbeiter innerhalb der Programmierung liegen mit ihrem Gehaltsniveau so hoch, daß Überstundenbezahlung nicht mehr die Regel ist. Die Operatoren können wählen zwischen Ausbezahlung und Freizeit - wobei zumeist die Freizeit vorgezogen wird, da bei Auszahlung wegen des hohen Steuersatzes nicht mehr allzuviel übrigbleibt.

Derzeit sind bei uns in der Programmierung zehn und im Operating sechs Mitarbeiter beschäftigt.

Tony Harvey

Leiter der EDV Clark Central Parts GmbH, Mülheim-Saarn

Unser Rechenzentrum arbeitet in zwei Schichten und wir möchten es - wenn möglich - vermeiden, eine dritte Schicht einzuführen. Alle darüber hinausgehenden Arbeiten, wie etwa der Monatsabschluß, werden in Überstunden von Fall zu Fall erledigt. Insgesamt fallen jedoch nicht mehr als 20 bis 30 Überstunden pro Monat an. Wenn innerhalb der Programmierung Überstunden nötig sind, werden diese im Rahmen eines Freizeitausgleichs vergütet, die Operatoren bekommen die Mehrarbeit ausbezahlt.

Unsere Programmierung setzt sich aus drei Spitzen-Fachkräften zusammen, im Operating sind vier Mitarbeiter beschäftigt. Speziell in unserem Fall - wir sind ein amerikanisches Unternehmen - ist es sehr schwer, gutes EDV-Personal zu bekommen. Denn unsere Anwendungen erfordern Mitarbeiter, die in ihrer Qualifikation noch eine Stufe höher liegen als in Deutschland üblich ist.

Hans-Joachim Lausmann

Leiter der europäischen Datenverarbeitung GTE Sylvania, Erlangen

Unser Rechenzentrum fährt "nur" in zwei Schichten. Trotzdem war es sehr schwierig, Personal hierfür zu bekommen. Als ich vor zwei Jahren hier im Unternehmen begonnen habe, gab es nur eine Schicht. Die Mitarbeiter, die dann den Zwei-Schicht-Betrieb betreuen sollten, haben die Firma entweder verlassen oder sind in eine andere Abteilung übergewechselt. Allerdings waren beide Operatoren Damen, die Mann und Kinder zu Hause hatten und so an eine feste Arbeitszeit gebunden waren.

Es hat sehr lange gedauert und war zudem sehr schwer unter dem Vorzeichen "Zwei-Schicht-Betrieb" die drei heute beschäftigten Operatoren zu finden, obwohl die letzte Schicht bereits um 22.00 Uhr endet. Darüber hinaus fallen im Operating keine Überstunden mehr an, wohl aber in der Programmierung. Das liegt wiederum daran, daß Systemanalytiker und Programmierer hier im Raum sehr schwer zu finden sind. Allein in den letzten 18 Monaten mußten wir 35 000 Mark Insertionskosten investieren. Heute arbeiten sieben Mitarbeiter in der Programmierung - es sollen noch weitere hinzukommen. Unser Ziel ist, so die noch anfallenden Überstunden ganz abzuschaffen, die heute nötig sind, alle unsere Termine zu halten. Die Regelarbeitszeit soll nicht mehr als acht Stunden betragen. Bis wir so weit sind, werden die Überstunden selbstverständlich ausbezahlt, denn unter der derzeitigen Belastung ist Freizeitausgleich kaum möglich.

Hagen Osthoff

Leiter der EDV Gödecke AG, Freiburg

Unsere Manpower ist - ebenso wie die Hardware - auf Zwei-Schicht-Betrieb ausgelegt. Die dritte Schicht würde für uns die maximale Auslastung des Systems bedeuten, so daß man in dieser Phase bereits eine Erweiterung der Anlage planen sollte. Die Kapazität dieser dritten Schicht nehmen wir nicht beim normalen EDV-Betrieb in Anspruch, sondern sie gilt als Puffer bei außergewöhnlichen Anforderungen seitens des Marketing, bei Abschlußarbeiten oder sonstigen Spitzenbelastungen.

Unsere hausinterne Systempolitik ist darauf abgestimmt, immer nur mit zwei vollen Schichten zu fahren. Zudem ist es meiner Meinung nach in Deutschland nicht leicht, Mitarbeiter zu finden, die bereit sind in der dritten Schicht zu arbeiten, denn dem sozialen Status des "Schichtarbeiters" will qualifiziertes EDV-Personal meist nicht zugeordnet werden. Hier in Freiburg haben wir sogar schon Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter für unsere EDV-Abteilung zu bekommen.

Sollten außerhalb der normalen Arbeitszeit Überstunden anfallen, werden diese ausbezahlt.

Dr. Ernst Remmel

Leiter der EDV Stahlwerke Südwestfalen AG, Siegen

Wir fahren im Drei-Schicht-Betrieb. Wichtig zu bemerken ist hierbei, in welcher Branche eine dritte Schicht eingeführt wird. In Industriebetrieben und speziell in der Hüttenindustrie ist das Gros der gewerblichen Arbeitnehmer an das Arbeiten in drei Schichten gewöhnt.

Wir gehen das Problem, gute Leute für die Datenverarbeitung zu bekommen, so an, daß wir ausschließlich aus dem Arbeitersektor qualifizierte Mitarbeiter herausholen und zum Beispiel für das Operating ausbilden. Mitarbeiter also, die sich in ihrer bisherigen Arbeit hervorgetan haben, die aber von Haus aus den Drei-Schicht-Betrieb gewohnt sind. Beinahe unmöglich ist es, diese Mitarbeiter aus den kaufmännischen Bereichen zu rekrutieren und im Drei-Schicht-Betrieb einzusetzen.

Die Programmierung arbeitet in einer festen Regelzeit. Tests finden im Closed Shop statt, so daß für einen Programmierer außerhalb seiner normalen Arbeitszeit keine Mehrarbeit anfällt, es sei denn, von Fall zu Fall treten Probleme auf, die die Anwesenheit des Programmierers außerhalb der üblichen Arbeitszeit erforderlich machen. Auf unserem Rechner läuft nachts die gesamte Produktion, tagsüber kann getestet werden, so daß unsere Programmierer in ihrer festen Arbeitszeit alle Aufgaben erledigen können.