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30.08.1991 - 

BDE und Qualitätssicherung in der Kunststoffverarbeitung

Die Unix-PCs koordinieren sämtliche Produktionsdaten

Vorsichtiges Wachstum auch im DV-Bereich. An diesen Leitsatz hält sich die oberfränkische Scherer & Trier OHG. Mit einem PC-Netz unter dem Unix-Betriebssystem werden dort Betriebsdatenerfassung und Qualitätsicherung betrieben. Der DV-Verantwortliche des Kunstoffherstellers sieht diese Umgebung als einen ersten Einstieg in ein späteres CIM-Konzept.

Das Management machte sich schon vor zehn Jahren Gedanken über Betriebsdatenerfassung (BDE) und Qualitätssicherung. Die teuren Maschinen sollten optimal ausgenutzt, die Störungen und Ausfallzeiten minimiert werden. Das erste DV-gestützte System, für das sich das Unternehmen entschied, konnte die in es gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Wegen seiner Inflexibilität wurde es wieder abgeschafft.

Eigentlich zufällig kam 1985 ein Kontakt zum BDE-Spezialisten P + R Automation, Hamburg, zustande, der ein Betriebsdaten-Erfassungssystem auf der Basis von PCs und dem Unix-Betriebssystem anbot. Das Bundesforschungsministerium unterstützte die Entwicklung dieser Lösung mit finanziellen Mitteln.

Das Unternehmen arbeitete eine Vorschlag für Scherer & Trier aus: Die Grundlage des BDE-Systems sollte ein über Ethernet verknüpftes PC-Verbundsystem unter Unix sein. Die Kosten für den Anschluß der 174 Fertigungsmaschinen sollten bei gut fünf Millionen Mark liegen. Bei einer prognostizierten Produktivitätssteigerung von drei Prozent pro Jahr hätte sich die Investition bereits nach einem Jahr amortisiert. Scherer & Trier stieg in das Geschäft ein.

An jeder Maschine wurde zunächst ein Spezial-PC installiert. Dieser unterscheidet sich von den handelsüblichen Rechnern durch eine Tastatur mit weniger Tasten, ein staubdichtes orangefarbenes Gehäuse und einen Anschluß für externe Meßgeräte. Ansonsten entsprechen sämtliche Komponenten dem Industriestandard. Auf diese Weise vereinfacht sich die Wartung und verringert sich der dafür nötige Kostenaufwand.

Die Rechner in den Fabrikhallen sind über Ethernet untereinander verbunden. Zwischen den Hallen des Hauptwerkes, den Außenwerken und der Rechnerzentrale werden die Daten über Lichtwellenleiter ausgetauscht. Als Host-Rechner wurde im Verwaltungsgebäude ein AS/400-System von IBM untergebracht, das allerdings nur von Zeit zu Zeit die Daten des BDE-Netzwerkes übernimmt. Der Grund: Die Zentrale soll sich schwerpunktmäßig um die Auftragsabwicklung kümmern und nicht um Einzelheiten aus der Produktion.

Zur Steuerung der Betriebsdatenerfassung dient ein zusätzlicher Rechner, der als Produktionsleitstand konzipiert ist. Dort findet die Planung des Produktionsablaufs unter Berücksichtigung von Störungen wie Maschinenausfall, Materialmangel oder Personalfehlbestand statt. Eilige Aufträge können eingeschoben werden. Die Aufträge selbst kommen bei Bedarf vom Host. Sie enthalten Auftrags- und Artikelnummern, Produktbezeichnungen, Produktionsmengen und Termine.

Die Rechner in der Produktion liefern jederzeit aktuelle Daten über die Fertigung. Am Leitstand vergleicht der für die Arbeitsvorbereitung zuständige Mitarbeiter ständig den Produktions-Soll- und -Ist-Zustand. Zur besseren Übersicht sind die Daten grafisch aufbereitet. So lassen sich Schwierigkeiten und Engpässe klar erkennen, Lösungen für Probleme schnell finden.

Die PCs am Arbeitsplatz übernehmen die Maschineninformationen automatisch und ordnen sie den Produktionsaufträgen aus dem Produktionsleitstand zu. Der Maschinenführer meldet über die Tastatur Anfang und Ende einer Auftragsabwicklung sowie Personal- und Schichtwechsel. Weiterhin werden über den Bildschirm Stillstände begründet und der Maschinenstatus angegeben.

Von den PCs aus läßt sich auch die Qualitätskontrolle vereinfachen. In das Programmsystem wurde die Qualitätssicherungs-Software "Diqsy" von Dornier integriert. Auf dem Leitstand für Qualitätssicherung sind alle dafür nötigen Richtlinien gespeichert. Ein vorgegebener Plan legt fest, wann und wie welches Produkt zu prüfen ist. Die dabei erhobenen Daten werden an die Arbeitsplätze weitergereicht und sind dort auf dem Bildschirm abrufbar.

Die Ergebnisse der Qualitätskontrolle vor Ort werden in das Netz eingespielt, woraufhin die Software aus den gemessenen Daten eine Regelkarte erstellt. Darin sind die Toleranz. und Eingriffsgrenzen vermerkt. Schwerwiegende Fehlermeldungen erhält die Zentrale; der Prüfer kann dann entsprechend in die Produktion eingreifen.

Volker O'Daniel, Leiter Organisation und Datenverarbeitung bei Scherer & Trier, ist mit der neuen Lösung zufrieden. Sein Argument: Durch die Offenheit des Systems seien Verbesserungen und der Ausbau der Anlage jederzeit möglich. Außerdem sei er mit der "Politik der kleinen Schritte" gut gefahren. Sein Unternehmen verfolge die Strategie, möglichst ohne großen Rechner über BDE und Qualitätssicherung zu einem CIM-Konzept zu kommen.

Martin Böhmer ist Mitarbeiter der 1&1 EDV-Marketing GmbH, Montabaur.