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21.03.1975

Die USA als Vorbild für die Software-Branche

Es stand in der Computerwoche (Ausgabe 10 vom 7. März 1975, Seite 2, Überschrift: "Software-Millionäre"):

122 Softwarepakete von 81 Anbietern haben in den USA bisher mehr als eine Million Dollar Umsatz erlöst. In der Bundesrepublik dürften es keine 10 Programmpakete sein, die die Millionen-Grenze in Deutscher Mark erreichten. Demgegenüber amerikanische Superlative: Auf 3 Software-Produkte entfielen mehr als 20 Millionen Dollar Umsatz. Es handelt sich um Total, Scert und Mark IV. 16 Pakete erreichten die Fünf-Millionen-Dollar-Grenze, darunter die auch hierzulande bekannten Produkte Autoflow, Librarian, Quick Draw, Intercomm, Score, Grasp und das von der deutschen Software AG vertriebene Adabas. Immerhin 5 Anwendungs-Software-Pakete erzielten diese Traumgrenze.

Zum Beispiel: Programming Methods Inc.

Vor einem Jahr besuchte ich im New Yorker Rockefeller Center das Hauptquartier der Programming Methods Inc. (PMI), eines der fünf größten unabhängigen Software-Häuser und Beratungsunternehmen der USA. Wie auch bei den großen Konkurrenten Applied Data Research, Informatics und Computer Science International interessiert dort kein Software-Produkt, das vermutlich weniger als 50 Kunden finden wird. Die Sollvorgabe für jedes PMI-Paket ist 100 Abnehmer. Entsprechend hoch können die Entwicklungskosten sein. Sie betrugen für den Score-Listgenerator Dateiverwaltungssystem zunächst 350 000 Dollar. Für Weiterentwicklungen und Verbesserungen wurden zusätzliche 700 000 Dollar investiert. Bisher konnte das Paket über 400mal verkauft werden, für je 15 000 Dollar. Ein Beispiel für PMl's Anwendungs-Software ist das von über 100 Banken und Großfirmen übernommene CSS (Corporate Shareholder System), das alle nach amerikanischem Aktienrecht erforderlichen Aktionär-Informationen, Dividenden-Zahlungen, Steuerberichte usw. liefert und firmenintern entsprechende Statistiken und Management-Reports erstellt.

Von den 100 PMI-Mitarbeitern im Standard-Software-Geschäft werden 60 für Vertrieb und Marketing der gar nicht so zahlreichen Programme eingesetzt. 40 entwickeln und codieren, - allerdings nicht als Einzelkämpfer sondern nach Prinzipien fabrikorientierter Produktion.

Konsequenzen für die Bundesrepublik

Die amerikanische Lektion: Voraussetzung für das ganz große Software-Geschäft ist kundenunabhängige Entwicklung, fabrikorientierte Produktion, anpassungsfreundliche Programme, Spezialisierung auf wirklich Erfolg versprechende Produkte und ein sehr aufwendiger Vertrieb. Der Weg von der "Auftrags-Programmier-Anstalt" zum Software-Haus ist sehr weit. Bei aller Sympathie für unsere zahlreichen mittelständischen Firmen, für die Entwicklung wirklich erfolgreicher Anwendungs-Software-Pakete scheint es keine Alternative zu geben.

Modularität und Flexibilität von Standard-Programmen kostet ihren sehr, sehr hohen Preis.

Ein wenig anders sieht es auf dem Sektor der System-Software und artverwandter Org-Pakete aus. Aber hier wird die Konkurrenz derjenigen Firmen immer stärker, die in den USA besonders erfolgreiche und somit erprobte Pakete hierzulande in Lizenz vertreiben.