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25.11.1994

Die verfuegbaren Applikationen sollten den Ausschlag geben

Bis vor wenigen Jahren war es das Betriebssystem DOS, das auf den vorherrschenden Intel-basierten Rechnern den Ton angab. Daneben hatte es lediglich Apple geschafft, mit dem Macintosh ein zu DOS inkompatibles Betriebssystem erfolgreich zu etablieren. Doch mit Windows und OS/2 bekamen die alten Platzhirsche Konkurrenz. Eric Tierling* gibt einen Ueberblick ueber den aktuellen Stand der Betriebssysteme fuer PC-Clients.

Es ist Bewegung in den Markt gekommen: DOS gibt es mittlerweile gleich von mehreren Herstellern. Neben MS-DOS von Ziehvater Bill Gates hat inzwischen der urspruengliche Verbuendete IBM ein dazu kompatibles Betriebssystem in Form von PC-DOS im Programm. Ferner versucht Novell, dem uebermaechtigen MS-DOS mit seinem aus DR DOS (von Digital Research entwickelt) hervorgegangenen Novell DOS Paroli zu bieten.

Zwar behaupten Analysten bereits seit Jahren, dass die Tage von DOS gezaehlt seien - doch ihre Prognose scheint sich erst nach 1995 zu erfuellen: Das kommende Windows 95, besser bekannt unter seinem Codenamen "Chicago", ist im Hause Microsoft zumindest offiziell der erklaerte Nachfolger von MS DOS. IBM hat mit OS/2 schon seit laengerem einen DOS-Kronprinzen zu bieten, legt die Entwicklung von DOS aber wohl noch nicht zu den Akten. Ueber die Zukunft von Novell DOS 7 kursieren momentan die wildesten Geruechte: Waehrend CEO Robert Frankenberg im September auf der Networld+Interop in Atlanta noch verkuendete, dass DOS 7 nicht weiterentwickelt werde und Novell lediglich den Support aufrechterhalte, erzaehlen eingeweihte Mitarbeiter Gegenteiliges.

Trotz aller Kritik hinsichtlich fehlender Multitasking-Faehigkeit und der Speicherbegrenzung ist DOS das mit Abstand am weitesten verbreitete PC-Betriebssystem im Client-Bereich. Fuer den Oldie sprechen vor allem seine relativ einfache Installation und der im Vergleich zu seinen juengeren Konkurrenten recht bescheidene Speicherbedarf auf der Festplatte.

Vor allem die Zahl der Applikationen besticht

Das ueberzeugendste Argument fuer dieses Betriebssystem ist die ueberaus grosse Zahl von Applikationen, die DOS fuer sich verbuchen kann. So stehen fuer jede nur denkbare Bueroanforderung Loesungen von etlichen Herstellern zur Verfuegung. Ein unueberschaubares Angebot fuer den semiprofessionellen oder privaten Anwender sorgt zudem dafuer, dass DOS auch in die privaten Haushalte Einzug gehalten hat.

Allerdings hat das Betriebssystem auch einen gravierenden Nachteil: Die gestiegenen und vor allem gewandelten Anforderungen erfuellt es nur noch bedingt oder gar nicht. So sind im Zuge von Usability immer weniger Anwender bereit, sich mit kryptischen Befehlsfolgen herumzuschlagen und diese fuer den Fall der Faelle auswendig zu lernen. Auch die zeichenorientierte Oberflaeche entspricht dem heute geforderten Look-and-feel nicht mehr: Betriebssysteme mit grafischer Oberflaeche wie etwa MacOS oder zumindest Betriebssystem-Erweiterungen wie Windows 3.1 sind das Gebot der Stunde. Zumal wenn sich gleich mehrere Aufgaben auf einmal erledigen ("Multitasking") lassen - ein Punkt, der unter DOS nur in Ansaetzen verwirklicht ist.

Die neuen Verfahren ermoeglichen zudem eine Abkehr von bisherigen Verhaltensmustern: Statt wie unter DOS ueblich dem Anwender nur eine begrenzte Auswahl an Optionen des gerade geladenen Programms zu bieten, entscheidet dieser unter grafischen Multitasking- Betriebssystemen selbst, was er als naechstes machen moechte - sei es nun mit dem momentan aktiven oder einem im Hintergrund verfuegbaren Programm. Technisch realisierbar, stoesst die Evolution von DOS hier an interne Grenzen: Maximal 640 KB Speicher, aus heutiger Sicht eher wenig, stehen Betriebssystem und Anwendungen zur Verfuegung. Diverse Kniffe etwa fuer den Zugriff auf erweiterte Arbeitsspeicherbereiche haben diese Limitierung zwar aufbohren, nicht aber beseitigen koennen.

DOS in seiner grundlegenden Ausfuehrung wurde fuer die 8088/8086- Prozessoren von Intel geschrieben. Moderne Clients wie der 486er, Pentium und vor allem der fuer 1995 erwartete P6 koennen Betriebssysteme wie DOS und dafuer erstellte Applikationen aus Kompatibilitaetsgruenden zwar abarbeiten, haben jedoch wesentlich mehr zu bieten: Mit DOS betrieben, draengt sich hier der Vergleich vom "Ferrari mit angezogener Handbremse" auf.

Selbst wenn das antiquierte Betriebssystem angesichts der 64-Bit- Rechner-Power nicht mehr State of the Art ist, sei an dieser Stelle deutlich angemerkt, dass DOS auch kuenftig seine Berechtigung hat. Viele Unternehmen haben noch PCs im Einsatz, deren Ausstattung im Hinblick auf Prozessor, Groesse des Arbeitsspeichers, der Festplatte, Grafikkarte etc. ueberhaupt nicht auf die moderneren Betriebssysteme e la Windows ausgelegt sind und daher auf absehbare Zeit noch mit DOS arbeiten muessen.

Daneben gibt es zahlreiche Anwender, die die Geschwindigkeit der DOS-Clients lieben, ohne den zwangslaeufig entstehenden Overhead seiner potentiellen Nachfolger in Kauf zu nehmen: Viele schwoeren beispielsweise auf die Geschwindigkeit von DOS-Word gerade bei der Bearbeitung umfangreicher Dokumente. Hier kann das zwar anwenderfreundlichere, aber Icon-belastete Winword nicht mithalten.

Trotz des Performance-Handicaps hat sich Windows als Betriebssystem seinen Platz erobert und liegt, was seine Verbreitung angeht, nach DOS an zweiter Stelle. Bislang stellt es - selbst in der aktuellen Version 3.11 oder als Windows-fuer- Workgroups-Ausfuehrung - aber nichts anderes als eine Erweiterung von DOS dar und setzt dieses sogar voraus. So konnte Microsoft viele aus heutiger Sicht bestehende Einschraenkungen von DOS zwar kaschieren - die Klagen leidgepruefter Anwender und die schier endlosen Support-Listen der verschiedenen Hersteller zeugen jedoch davon, dass nicht jede Hard- und Software reibungslos auf einem Windows-Client mit anderen Produkten zusammenarbeitet.

Das soll sich, glaubt man der Marketing-Abteilung in Unterschleissheim, mit dem fuer das erste Halbjahr des naechsten Jahres erwarteten Windows 95 gruendlich aendern: DOS als Unterbau verschwindet, so dass Windows zum eigenstaendigen und 32-Bit- orientierten Betriebssystem wird.

Doch bis dahin haben Produkte mit grafischer Oberflaeche weiterhin Hochkonjunktur: Der Boom von Windows 3.x etwa ist ungebrochen. So eignet sich ein Windows-Client beispielsweise, um die Beruehrungsaengste von PC-Einsteigern gegenueber dem neuen Werkzeug abzubauen und diese vor komplizierten, englischen Befehlskuerzeln und -optionen zu verschonen. Fortgeschrittene Windows-User schaetzen dagegen die Moeglichkeit, Daten aus unterschiedlichen Applikationen ohne grossen Aufwand miteinander kombinieren zu koennen. Zudem laesst sich der PC an die Windows-Anforderungen anpassen: Arbeitet das Gros der Anwender beispielsweise mit 14- oder 15-Zoll-Bildschirmen, ziehen Profis eher einen 20-Zoll- Boliden mit dementsprechender Grafikkarte vor, um mehr Informationen gleichzeitig auf dem Screen sehen zu koennen.

Fehlersuche im Gespann DOS - Windows ist schwierig

Allerdings kann Windows 3.1 seine Vergangenheit nicht leugnen. Zwar funktioniert die auf DOS aufsetzende Betriebssystem- Erweiterung in der Regel recht gut - doch schleichen sich Fehler etwa in Form problembehafteter Treiber oder Applikationen ein, ist der Schuldige in der teilweise komplexen Struktur des Gespanns DOS-Windows recht schwierig zu finden.

Abhilfe soll hier das bereits erwaehnte Windows 95 als reinrassiges Betriebssystem schaffen, dessen ueberarbeitete Benutzeroberflaeche die Bedienung weiter vereinfachen soll. Ist schon heute 32-Bit- Power auf dem Client gefordert, kann auf Microsofts Windows NT 3.5 in der Workstation-Ausfuehrung zurueckgegriffen werden. Allerdings muessen Anwender dann den Nachteil in Kauf nehmen, dass es bisher kaum echte NT-Applikationen gibt.

Eine weitere Alternative zu dem Gespann DOS und Windows kommt aus dem Hause IBM. Urspruenglich als 16-Bit-Nachfolger von DOS fuer 286er und leistungsfaehigere PCs konzipiert, ist Big Blue erst mit der 32-Bit-Version 2.0 der Durchbruch gelungen; diese erfordert aber mindestens einen 386er PC. Die aktuelle Ausfuehrung OS/2 3.0 ("Warp") stellt ein von Grund auf neu konzipiertes 32-Bit- Betriebssystem dar, das viele Limitierungen von DOS beseitigt. Einige Elemente der grafischen Benutzeroberflaeche von OS/2 finden sich auch im kommenden Windows 95 wieder - oder zumindest in der derzeitigen Betaversion von Chicago, was zeigt, dass IBM hier richtig gelegen haben koennte.

Doch hat OS/2 seinen Preis: Eine vernuenftige Client-Ausstattung liegt in vielen Faellen leicht ueber der vergleichbarer Windows-PCs, da OS/2 zwangslaeufig einen groesseren Overhead besitzt. Allerdings musste IBM feststellen, dass die Anwender nur sehr bedingt ein Betriebssystem erwerben - fuer sie steht vielmehr die Zahl der verfuegbaren Applikationen im Vordergrund. Deren Anzahl nimmt zwar zu, reicht aber nicht an das Angebot von DOS oder Windows heran. Solange OS/2 als Applikations-Multitalent nicht nur OS/2-, sondern auch DOS- und Windows-3.x-Anwendungen gleichzeitig verarbeitet, ist dies auch nicht unbedingt erforderlich. Wer dieses Betriebssystem jedoch als Client-Plattform fuer Windows-95- Anwendungen einsetzen moechte, wird allerdings enttaeuscht: IBM plant derzeit noch nicht, eine Unterstuetzung fuer Microsofts juengsten Sproessling zu implementieren.

Auf der anderen Seite ist OS/2 3.0 momentan das einzige Client- Betriebssystem, das mit innovativen Features wie integrierter PCMCIA-Unterstuetzung oder einer Internet-Connectivitaet aufwartet. Und nicht nur das: IBM tritt inzwischen als Service-Provider fuers Internet auf, der die schwindelerregenden Preise der etablierten Anbieter um ein Vielfaches unterschreitet - allerdings steht dieser Service nur OS/2-Anwendern offen. Das Unternehmen bietet somit ein Betriebssystem fuer all diejenigen, denen "Windows pur" zu wenig ist. Nicht tangiert von den Streitigkeiten um das zukuenftige Client-Betriebssystem fuer Intel-basierte PCs, zieht Apple mit dem Macintosh seine Runden: Von Anfang an mit grafischer Benutzeroberflaeche ausgestattet, konnte sich das nun in MacOS umbenannte Betriebssystem des Macintosh vor allem im Grafik- beziehungsweise DTP-Bereich etablieren. Viele Anwender schwoeren zudem nicht nur auf die leicht zu erlernende Bedieneroberflaeche, sondern vor allem auf die konsistente Benutzerfuehrung bei Macintosh-Applikationen: Hier hat Apple strengere Richtlinien vorgegeben als etwa Microsoft fuer Windows.

Doch der Macintosh-Promoter spuert mittlerweile den rauhen Wind des Wettbewerbs: Die meisten der traditionellen Mac-Anwendungen sind inzwischen fuer Windows verfuegbar - den Vorsprung, den Apple ueber mehrere Jahre fuer das Betriebssystem und seine Bedienung verbuchen konnte, hat sich um einiges verringert. Die deutliche Abgrenzung zwischen dem MacOS als dem Client-Betriebssystem fuer produktive Benutzer, die nicht gleichzeitig auch Systemspezialisten sein wollen, und DOS/Windows wird spaetestens mit Windows 95 endgueltig aufgehoben.

Fuer viele Anwender ist bei der Arbeit mit einem Macintosh-Client der moegliche Datenaustausch mit anderen Plattformen entscheidend. Entsprechende Loesungen kommen nicht allein von Apple, sondern vor allem auch von Server-Betriebssystem-Herstellern wie Microsoft und Novell. Auf der Suche nach neuen Zielgruppen scheint das Unternehmen deshalb - so suggerieren es zumindest die derzeit laufenden TV-Spots - den Multimedia-Bereich zu entdecken. Die Apple-Fangemeinde wird kaum schwinden, doch wie die Zukunft aussehen wird, ist noch nicht ganz klar: Bisher auf einem Motorola-Prozessor basierend, gibt in der neuen Macintosh- Generation der Power-PC-Prozessor den Ton an. Eine enge Allianz mit IBM soll zudem sicherstellen, dass kuenftige Apple- Betriebssysteme auch auf Rechnern anderer Hersteller lauffaehig sind.

Unix fuehrt seit Jahren ein Schattendasein

Und dann waere da noch Unix. Von Experten seit Jahren als das Betriebssystem der Zukunft gepriesen, konnte es sich auf Client- Seite bisher nur bedingt durchsetzen. Die Gruende dafuer sind vielfaeltig: angefangen bei der zeichenorientierten Oberflaeche ueber die immens hohen Systemressourcen bis hin zur geringen Anzahl an Applikationen, die, verglichen mit ihren DOS- oder Windows- Pendants, zudem wesentlich teurer sind.

Aber zurueck zur Ausgangsfrage, welches das richtige Client- Betriebssystem sei: Es gibt darauf keine klare Antwort. Vielmehr kommt es immer auf die jeweiligen Anforderungen an. So stellt DOS in vielen Faellen immer noch die beste Wahl dar. Fuer Bueroumgebungen ist Windows 3.1 derzeit wohl der Favorit. Wer ausserdem OS/2- Applikationen einzusetzen gedenkt, sollte sich IBMs Betriebssystem naeher ansehen. Analog verhaelt es sich mit dem Macintosh, der DOS- Disketten inzwischen lesen und viele Windows-Programme per Emulation ausfuehren kann. Ob Unix von NT verdraengt wird, wie einige Strategen behaupten, laesst sich heute noch nicht beantworten. Unabhaengig von den Features einer Plattform - Diskussionen darueber arten nicht selten zu Glaubenskriegen aus - entscheiden die verfuegbaren Applikationen ueber den Erfolg oder Misserfolg. So gelang OS/2 erst dann der Durchbruch, als dieses Betriebssystem nicht nur fruehe OS/2-, sondern auch DOS- und Windows-3.x-Applikationen gleichzeitig ablaufen lassen konnte. Wer also seinem PC ein neues Client-Betriebssystem verpassen moechte, sollte sein Hauptaugenmerk vor allem hierauf richten.

* Eric Tierling arbeitet als freier Journalist in Leichlingen und hat zahlreiche Buecher zu Netware 2.x, 3.x und 4.x veroeffentlicht.