Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.05.2002 - 

Das Erbe des alten Managements

Die Vergangenheit holt Network Associates ein

MÜNCHEN (CW) - Der Security-Anbieter Network Associates (NAI) hat wieder einmal Probleme mit seiner Buchhaltung. Daher wurde die Komplettübernahme von McAfee.com abgeblasen.

Nach Angaben des kalifornischen Unternehmens hat eine Routinekontrolle "Unregelmäßigkeiten" in den Jahresabschlüssen 1999 und 2000 ergeben. Als Folge da-raus müssen die Bilanzen überarbeitet werden. Ein erstes Zwischenergebnis soll in etwa zwei Wochen veröffentlicht werden, hieß es. Seit geraumer Zeit untersucht auch die US-amerikanische Börsenaufsicht die NAI-Bücher des Jahres 2000. Eine Verbindung zu den jetzt entdeckten Unregelmäßigkeiten wird von dem Unternehmen indes bestritten.

Aufgrund der neuen Situation musste NAI vorerst die Übernahme der noch ausstehenden 25 Prozent von McAfee.com abblasen. Die profitable Tochtergesellschaft, die vor drei Jahren an die Börse gebracht worden war, sollte eigentlich zu 100 Prozent unter das Dach der Mutter schlüpfen. Für die ausstehenden Anteile hatte NAI unlängst ein verbessertes Angebot abgegeben, das schließlich vom McAfee-Management akzeptiert worden war. Als Reaktion auf den Rückzieher und die Bilanzprobleme fiel der Kurs von NAI um 20 Prozent, die Aktie von McAfee stürzte sogar um knapp 25 Prozent ab.

Mit dem Skandal wird das Security-Unternehmen von den Geistern der Vergangenheit eingeholt, die man bereits vertrieben glaubte. Ende des Jahres 2000 waren NAIs damaliger CEO William Larson, sein President Peter Watkins und der Finanzvorstand Prabhat Goyal geschlossen zurückgetreten (siehe Kasten "Larsons Vermächtnis"). Im vierten Quartal des damaligen Geschäftsjahres zeichnete sich ein Verlust von 130 Millionen Dollar ab, NAI sowie die Wallstreet waren hingegen von rund 40 Millionen Dollar Gewinn ausgegangen. Gleichzeitig beliefen sich die Umsätze auf knapp 60 Millionen Dollar - nur noch etwa ein Viertel des Vorjahresquartals. Als Folge der Hiobsbotschaft brach der Kurs von NAI um 60 Prozent ein.

Ursache für den Niedergang waren die dubiosen Vertriebspraktiken. Jahrelang hatte das Unternehmen Umsätze schon dann verbucht, wenn die Programme an Distributoren ausgeliefert wurden. Dadurch ergab sich ein Puffer für den eigenen Vertrieb, mit dem sich die Erwartungen der Analysten stets erfüllen ließen - fehlten noch Umsätze in einem Quartal, wurde eben mehr Software an den Channel geliefert. Das Verfahren - neudeutsch "Stuffing the Channel" genannt - eignet sich ideal für Perioden des wirtschaftlichen Wachstums. Bei sinkenden Verkaufszahlen werden die Läger der Distributoren jedoch brechend voll.

Als im vierten Quartal 2000 die Reseller Teilbestände zurückschickten, musste NAI die bereits verbuchten Umsätze wieder abziehen, was in ein drastisch gesunkenes Ergebnis mündete. Der Verwaltungsrat, der diesem Spiel seit Jahren tatenlos zugesehen hatte, machte jetzt nicht mehr mit. Ein neuer CEO wurde gesucht und in dem ehemaligen IBM-Manager George Samenuk gefunden.

Gegenüber der CW hatte dieser im März 2001 - er war zu diesem Zeitpunkt erst einige Wochen im Amt und die Börsenaufsicht ermittelte noch nicht - behauptet, es habe "keine Buchhaltungstricks und keine finanziellen Unregelmäßigkeiten" gegeben. Auch hätten die Ergebnisse nicht nachträglich korrigiert werden müssen. Die Bücher seien zudem "komplett von Pricewaterhouse-Coopers geprüft". Im vergangenen Jahr gelang es Samenuk, NAI wieder auf die Erfolgsspur zu setzen. Der Pro-forma-Profit im ersten Quartal 2002 belief sich auf 15,9 Millionen Dollar, umgesetzt wurden 202 Millionen Dollar. In beiden Fällen konnten die Erwartungen leicht übertroffen werden. (ajf)

Larsons VermächtnisWilliam Larson war ein ehrgeiziger Manager mit einem Traum: "Seine" Firma Network Associates werde eines Tages in die Liga der Softwareunternehmen mit mindestens einer Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr aufsteigen, sein Name werde in einem Atemzug mit Bill Gates oder Larry Ellison genannt. Der ehemalige CEO von NAI scheiterte in beiden Fällen knapp.

Im Herbst 1993 wurde Larson CEO der Firma McAfee Associates, die damals 18 Millionen Dollar Umsatz machte. Hauptkonkurrent Symantec kam auf 250 Millionen Dollar. Larsen krempelte die Organisation radikal um und blähte die Vertriebsabteilung auf. Sein Rezept: leistungsabhängige Bezahlung. Der Erfolg gab seiner Strategie Recht, denn die Firma wuchs stetig, und Symantec war abgehängt.

Mit dem plötzlich vorhandenen Geld wurden reihenweise andere Unternehmen geschluckt - insgesamt knapp 50 in sechs Jahren. 1997 folgte der Zusammenschluss mit Network General, die Company wurde in Network Associates umbenannt. Larson verbuchte in dem Jahr 610 Millionen Dollar Umsatz, man war die Nummer zehn im weltweiten Softwaregeschäft, und der Aktienkurs war insgesamt um mehr als 2200 Prozent gestiegen.

Das Ende vom Lied begann mit dem Umzug in ein Gebäude am Highway 101 in Santa Clara: NAI übernahm einen Leasingvertrag des Datenbankspezialisten Informix, der gegen Bilanzierungsrichtlinien verstoßen hatte und knapp bei Kasse war. Und Larsons ehrgeiziger Traum? Der höchste Umsatz von NAI betrug "nur" 990 Millionen Dollar, der Manager selbst belegte einmal Rang vier in der Gehaltsrangliste des Silicon Valley. Symantec erwirtschaftete im vergangenen Jahr 1,07 Milliarden Dollar Umsatz, NAI kam nur auf 834 Millionen Dollar.