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Bulls Erbe

Die verschlungenen Wege eines europäischen Computerkonzerns

14.11.1986

Der französische DV-Multi Bull kommt nicht zur Ruhe: Jacques Chirac will die nationale Computer-Industrie reprivatisieren. Dem drittgrößten europäischen DV-Hersteller macht überdies das rauhe Wettbewerbsklima im Mainframebereich (IBM!) zu schaffen. In Ihrer Firmengeschichte ist die heutige Bull-Gruppe freilich mit vielen Marktwidrigkeiten fertig geworden. Den verschlungenen Lebensweg zwischen General Electric und Honeywell hat CW-Redakteurin Beate Kneuse für eine mehrteilige Serie aufgezeichnet (Teil 5).

Mittlerweile hatte Jacques Stern auch eine Langfriststrategie für den Konzern ausgearbeitet. Diese beinhaltete unter anderem die Stärkung der Marktposition in der mittleren Datentechnik und im Universalrechnerbereich, die Weiterentwicklung der Mikroelektronik und Büroinformatik sowie vor allem eine verstärkte innereuropäische Zusammenarbeit, um gegenüber dem amerikanischen und japanischen Know-how wettbewerbsfähig bleiben zu können. Vor diesem Hintergrund hatte Bull bereits Kontakt zu der deutschen Siemens AG und der britischen ICL aufgenommen, mit dem Vorschlag, Entwicklungen auf dem Gebiet der Informationstechnik künftig gemeinsam durchzuführen.

Diese französisch-englisch-deutsche Liaison wurde im Dezember 1983 offiziell besiegelt. Die drei Unternehmen kamen damit den Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaft zuvor, mit "Esprit" ein großangelegtes Forschungsprogramm zu starten. Das von der Kommission der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel initiierte Esprit-Vorhaben verzögerte sich immer wieder, da sich die einzelnen Regierungschefs nicht über die Modi einigen konnten. Inzwischen ist Bull sowohl am Esprit- als auch am Eureka-Projekt beteiligt.

Siemens, ICL und Bull gründeten das Forschungszentrum ECRC (European Computer Research Centre GmbH) im Münchner Arabellapark und ließen sich ihr Engagement jeweils rund 600 000 Mark kosten. Zum Leiter der Einrichtung wurde der 39jährige Franzose Hervé Gallaire benannt, der erst wenige Wochen zuvor vom Forschungslabor Marcouissis der Compagnie Générale d'Electricité (CGE) zur Bull-Gruppe gewechselt war. Unter Gallaires Vorsitz, so der Plan von Bull, Siemens und ICL, sollte innerhalb von zwei Jahren ein 50köpfiges Forscherteam aufgebaut werden, dessen Aufgaben vordringlich in den Bereichen "Wissensverarbeitung" und "Künstliche Intelligenz" angesiedelt waren. Im "eingeschliffenen" Zustand, so schätzte Gallaire, werde diese europäische Forschungsinitiative auf deutschem Boden und mit englischer Arbeitssprache mit einem jährlichen Aufwand von rund 20 Millionen Mark arbeiten. Bereits im Januar 1984 nahm das Forschungszentrum seine Tätigkeit auf.

In den kommenden Jahren versuchte die Gruppe Bull nicht nur, aus ihrem finanziellen Tief herauszukommen, sondern auch ihr Produktspektrum zu erweitern und neue Kooperationen (inner- und außereuropäisch) einzugehen. Im Geschäftsjahr 1983 konnte der Konzern seine Verluste bereits deutlich verringern. Stand Bull 1982 noch mit rund 1,35 Milliarden Franc im Minus, so reduzierten sich die Verluste 1983 auf 625 Millionen Franc. Die Negativ-Zahlen wurden in erster Linie von der CII-Honeywell Bull bestimmt: Allein dieser Konzernbereich stand mit 596 Millionen Franc in den roten Zahlen. Trotz der noch immer hohen Verluste machte sich in der Gruppe aber langsam die Hoffnung breit, das von Stern anvisierte Ziel, bis 1986 wieder schwarze Zahlen zu schreiben, erreichen zu können. Der Staat honorierte diese ersten Erfolge von Bull mit einer neuen Subvention in Höhe von einer Milliarde Franc.

Jahr der Wende bei deutscher Bull-Tochter

Die deutsche Bull-Tochter in Köln kommentierte den Aufwärtstrend von 1983 als "das Jahr der Wende". So bezeichnete der neue Vorstandsvorsitzende Dr. Franz Scherer nicht nur die Eingliederung der vier Unternehmensbereiche als "geglückt". Auch seien die bestehenden Lieferverzögerungen der vergangenen Jahre aufgeholt und die Lieferfähigkeit verbessert worden. Dies, so Scherer, habe wesentlich zum Abbau der Verluste beigetragen. Für die deutsche Filiale sah der Vorstandsvorsitzende ebenfalls bessere Zeiten kommen. Nach den Verlusten 1982 in Höhe von mehr als 28 Millionen Mark rechnete Scherer für das Jahr 1983 wieder mit Jahresgewinn, weil auch der Auftragseingang "spürbar" zugenommen habe.

Anfang 1984 beschloß Bull, im Kommunikationsgeschehen mit elf anderen europäischen Herstellern an einem Strang zu ziehen. Unter der Bezeichnung SPAG (Standard Promotion and Application Group) riefen Olivetti, Stet, Siemens, Nixdorf, AEG, GCE, Bull, Thomson-Brandt, Plessey, ICL und Philips eine Normierungsriege ins Leben mit dem Ziel, allgemeine Normen für die offene Datenkommunikation auf der Grundlage bestehender ISO- und CCITT-Empfehlungen zu schaffen. Mit der Implementierung gemeinsam entwickelter Standards in einer "Open Systems Interconnection" (OSI) wollte die SPAG-Gruppe auch einen kompletten Katalog von Telematikprodukten ausarbeiten und ab 1985 ein entsprechendes, untereinander kompatibles Equipment anbieten.

Auf diese Weise wollten die Europäer ein Gegengewicht zum marktbeherrschenden Einfluß von IBM mit ihrer Schnittstellenarchitektur SNA schaffen. Unter Vorsitz der Europäischen Gemeinschaft (EG) schien diese OSI-Normierungsinitiative erfolgversprechend. Die EG-Kommission wollte nämlich darauf hinarbeiten, daß die Regierungen der Mitgliedsstaaten bei der Vergabe von Aufträgen künftig auf die Anwendung der neuen Standards achten sollten. Dennoch konnte mit dem Abkommen der zwölf europäischen DV-Unternehmen nicht verhindert werden, daß SNA heute bereits einen deutlichen Vorsprung vor OSI hat.

Suche nach Unix-Norm

An ähnlichen europäischen Normierungsversuchen nahm die Gruppe Bull auch im Unix-Markt teil So setzten sich im November 1984 Vertreter von Siemens, Nixdorf, ICL, Olivetti und Bull zusammen, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zum Aufbau einer einheitlichen, für sie gültigen Unix-Norm zu gründen. Auch hier war die erklärte Absicht, den Mitbewerbern aus Übersee nicht ein Marktpotential zu überlassen, das bis Ende 1985, so die Erwartungen, allein in Europa an die zehntausend Unix-Großanwender ausmachen werde. Weltweit rechnete man bis 1987 mit einem Unix-Gesamtumsatz von rund zwölf Milliarden Mark.

Entgegentreten wollten die fünf Europäer aber auch der bestehenden massiven Marktverunsicherung angesichts von mehr als 150 Unix-Produkten und -Derivaten. Erste Aufgaben bestanden für die "Open-Unix-Group" somit darin, erst einmal die aktuelle Marktlage zu analysieren und die vorhanden Unix-Produkte sowie ihre Ableger zu sichten. Weiter wollten die Partner entsprechende Produktlinien in Angriff nehmen beziehungsweise erweitern. Bei Bull waren dies die neue Systemfamilie DPS 6, die Rechner für technisch-wissenschaftliche Anwendungen SPS 7 und die SPS 9. Die fünf Unternehmensvertreter beschlossen darüber hinaus, sich in unregelmäßigen Abständen zu treffen, um ihre künftigen Unternehmensstrategien untereinander abzustimmen.

Auch in anderen Bereichen setzte Bull seine Kooperationsstrategie fort. So vereinbarten die Franzosen mit der japanischen NEC Corp. eine Zusammenarbeit bei der Produktion und beim Verkauf von Großcomputern. Das Abkommen sah unter anderem die Lieferung der NEC-Systeme Acos 1000 an Bull auf OEM-Basis vor. Das japanische Unternehmen wollte seine Anlagen auf diese Weise verstärkt in den europäischen Markt sowie nach Nahost und Indien bringen. Mit der Philips France wiederum beschloß die Gruppe Bull im Februar 1984 eine Kooperation auf dem Gebiet der Speicherkarten ("Smard-Cards") für das Bank- und Kreditwesen. Für beide Unternehmen stand erneut im Vordergrund, durch diese Zusammenarbeit die Kompatibilität ihrer Chipkarten zu sichern und den Weg zu einer internationalen Standardisierung zu erleichtern. Gerade die Festlegung internationaler Standards für Speicherkarten, so kommentierten Philips und Bull ihre Maßnahme, sei zwingend erforderlich für die weitere Entwicklung dieser Technologie.

Franzosen suchten weitere amerikanische Partner

Last but not least suchten sich die Franzosen auch weitere amerikanische Partner. Schon 1983 hatten die Franzosen Verbindung zu der Convergent Technologies Inc. (die Amerikaner wechselten von Thomson zu Bull) und der Trilogy Inc. aufgebaut. Convergent Technologies war für Bull im Bereich der Bürokommunikation interessant und liefert heute noch Bausteine für die Systeme Questar 400. Die Zusammenarbeit mit Gene Amdahls Trilogy hingegen erwies sich als technischer wie auch finanzieller Fehlschlag. Das Unternehmen machte zu jener Zeit Furore im Bereich der Wafer Scale Integrated Chips, und Bull - auf der Suche nach Prozessorchips für ihre DPS-7-Familie der neunziger Jahre - beteiligte sich mit sieben Prozent an dem US-Unternehmen (wie übrigens auch unter anderem Digital Equipment und Sperry). Doch die Franzosen hatten auf das falsche Pferd gesetzt, da sich die Realisierung dieser Chips als nicht machbar herausstellte. Trilogy geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Bull begab sich schließlich erneut auf die Suche und fand im Herst 1985 mit der NEC Corp. einen neuen Partner auf dem Gebiet der Prozessorchips.

Ebenfalls 1984 gewann der Prozeßrechnerbereich Bull-Sems mit der kalifornischen Ridge Computers einen neuen US-Partner. Ziel dieser Kooperation war, den für technische und industrielle Anwendungen vorgesehenen 32-Bit-Mega-Mini der Amerikaner in Frankreich zu fertigen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Bull wurde gleichzeitig Aktionär bei Ridge Computers. Die Beteiligung lag bei etwa zehn Prozent. Im Rahmen der 32-Bit-Technologie hatte Bull-Sems 1983 auch schon mit der norwegischen Norsk Data und der amerikanischen Harris Computer Corp. "geflirtet", um die Entwicklung der Level-6-Minicomputer hin zur transaktionsorientierten Datenverarbeitung voranzutreiben.

Bull baut DPS-Familien kontinuierlich auf

Produktmäßig entwickelte die Gruppe Bull 1984 vor allem die Universalrechnerfamilien DPS 7 (mittlerer Leistungsbereich) und DPS 8 (oberer Leistungsbereich) weiter. Seit Einführung im März 1979 waren beide Systemreihen kontinuierlich ausgebaut worden. So folgten den Systemen DPS 7/65 (Februar 1981), DPS 7/35 und DPS 7/45 (Oktober 1981), DPS 7/60 P und DPS 55 (Mai 1982) im April 1984 schließlich die drei neuen Doppelprozessor-Systeme DPS 7/60 P-Dual, DPS 7/70 Dual und DPS 7/80 Dual mit einer Speicherkapazität von acht, zwölf beziehungsweise 16 Megabyte. Gleichzeitig wurde das neue Betriebssystems GCOS 7 angekündigt, das auf allen Maschinen der DPS 7-Familie laufen sollte. Im September 1984 stellte Bull mit weiteren zehn Modellen der DPS 7 (Einstiegsmodell 107S mit zwei Megabyte RAM) die bisher letzte Erweiterung dieser Systemfamilie vor. Die zehn neuen Computer gliederten sich in die drei Leistungsklassen Monoprozessorsysteme, mittlere Rechner mit Multiprozessorarchitektur und redundante Multiprozessorsysteme mit automatischer Rekonfigurierung. Alle Modelle sollten sich in das DSA-Netzwerkkonzept einbinden lassen.

Eine ähnliche Produktentwicklung vollzog sich bei der Systemreihe DPS 8. Den ersten Modellen DPS 8/46, DPS 8/52 und DPS 8/70 aus dem Jahr 1979 waren im Mai 1981 der Großrechner DPS 8/62 und im April 1983 die Rechner DPS 8/47 und DPS 8/49 mit neuartiger ELS-Architektur (Entry-Level-System) gefolgt. Wenige Monate zuvor, im Oktober 1982, hatte Bull mit der DPS 88 eine weitere Großrechnerfamilie mit dem Betriebssystem GCOS 8 angekündigt. Auch die Minicomputerserie System 6 mit dem Betriebssystem GCOS 6 wurde nach ihrer Einführung 1977 in den darauffolgenden Jahren immer wieder erweitert und neu entwickelt. Dies führte schließlich im September 1984 zu der Ankündigung der neuen Rechnerfamilie DPS 6 mit fünf Modellen und dem Einstiegsrechner DPS 6/100. Damit hielt sich die Gruppe Bull getreu an die strategischen Konzernleitlinien von Jacques Stern aus dem Jahr 1982.

Darüber hinaus hatte die Gruppe Bull auch den Mikrocomputermarkt verstärkt angegangen. Mit dem Questar/M erfolgte 1981 der Einstieg in das Kleinrechnergeschäft, im September 1982 präsentierte der Konzern den Mehrplatzmikro Micral 90-50. Diesem Gerät folgte zwei Jahre später der Micral 90-20 mit drei Modellen, die rund um den zentralen Mikroprozessor Intel 8088 strukturiert waren. Alle Micral-Mikros liefen unter dem Betriebssystem Prologue (für Mehrplatzlösungen). Im Dezember 1984 kündigte Bull schließlich den Profimikrocomputer Micral 30 an, der sowohl unter dem Betriebssystem Prologue als auch unter MS-DOS lief. Diesen Einstieg in die MS-DOS-Welt wollte Bull jedoch keineswegs als eine Annäherung zu IBM verstanden wissen.

Hauptanliegen war, so verlautete aus Bull-Kreisen, den Anwendern im Mikro-Bereich das größtmögliche Software-Angebot zur Verfügung stellen zu können. Andererseits hoffte das Unternehmen, sich mit diesem Konzept ein größeres Stück vom Mikro-Kuchen abschneiden zu können. Schon zwei Jahre zuvor war den Franzosen der Sprung auf den IBM-Zug nachgesagt worden, als Bull nämlich im Rahmen seiner DPS-4-Serie im September 1982 das Modell DPS 4/21 mit Kompatibilität zu den IBM-Rechnern /3 und /32 angekündigte. Diese Maschine wurde jedoch mit der Absicht ins Rennen geschickt, IBM-Kunden den Umstieg auf den Bull-Rechner "zu erleichtern" und somit den eigenen Kundenpark zu erweitern.

In finanzieller Hinsicht verlief das Jahr 1984 für die Gruppe Bull durchaus zufriedenstellend. Zwar konnte der Konzern noch nicht in die Gewinnzone klettern, aber die Verlustzahlen weiter reduzieren. So meldete Stern für das erste Halbjahr 1984 einen Verlust von 258 Millionen Franc, die nach Aussage des Konzernchefs rund 40 Millionen Franc der amerikanischen Trilogy Inc. enthielten. Angesichts der Negativ-Entwicklung des US-Unternehmens hatten die Franzosen im Laufe des Jahres bereits Wertberichtigungen in Höhe von rund 77 Millionen Dollar vorgenommen. Für das Gesamtgeschäftsjahr 1984 mußte der Konzern schließlich Verluste in Höhe von 489 Millionen Franc einstecken. An Umsatz verzeichnete der Konzern rund 13,6 (1983: 11,6) Milliarden Franc. Gestützt wurde dieses Ergebnis durch Regierungsmittel in Höhe von einer Milliarde Franc. Stern gab sich zuversichtlich, schon 1985 - ebenfalls in Erwartung einer staatlichen Fördermilliarde - die Rentabilitätsschwelle überschreiten zu können.

Auch die Kölner Honeywell Bull AG lief nach den verlustreichen Jahren 1981 und 1982 wieder zu gewohnter Form auf. Konnte die größte und umsatzstärkste Auslandstochter der Franzosen bereits 1983 14,6 Millionen Mark Gewinn einfahren (nach einem Verlust von 28 Millionen Mark 1982), schaffte das Unternehmen 1984 einen Sprung um 42 Prozent auf 20,6 Millionen Mark. Der Umsatz nahm um zehn Prozent auf 394,6 Millionen Mark zu. Wie Jacques Stern gab sich auch der HB-Vorstandsvorsitzende Franz Scherer zuversichtlich den positiven Trend im kommenden Jahr fortsetzen zu können. Mittlerweile hatte sich auch der Vorstand bei der Honeywell Bull erweitert: Josef Hölkemann, Geschäftsbereich Finanzen, wurde zum stellvertretenden Vorstandsmitglied berufen. Gleichzeitig wurde Horst Gellert als ordentliches Vorstandsmitglied bestellt.

Das Jahr 1985 brachte der Gruppe Bull nicht nur erste Ergebnisse hinsichtlich ihrer europäischen Kooperation in den Bereichen Unix und OSI, sondern auch endlich das Ende einer langjährigen finanziellen Durststrecke. Darüber hinaus zeigte das Forschungszentrum Bull-Siemens-ICL erste Erfolge. Das europäische "Unix-Quintett", bestehend aus Siemens, Nixdorf, ICL, Olivetti und Bull, hatte bereits im Februar 1985 erste Richtlinien für einen akzeptierbaren Unix-Standard in der Schreibtischschublade. Aber erst ein halbes Jahr später veröffentlichte der durch den Eintritt von Philips inzwischen auf sechs Mitglieder angewachsene Unix-Club in einem "Portability Guide" seine Ergebnisse.

Wie von der Branche bereits vermutet, hatte sich das Sextett auf eine gemeinsam definierte Schnittmenge für das Unix-System V geeinigt, die die "Open-Unix-Group" als Basis für künftige Softwareentwicklungen empfahl. Begünstigt wurde das Zustandekommen dieses Agreements nicht zuletzt durch die Beilegung des Unix-Krachs zwischen Unix-System-V-Entwickler AT&T und dem Xenix-Mitläufer Microsoft, die danach intensiv mit den Europäern zusammengearbeitet hatten. Nur die IBM, die von Anfang an Abstand von den Unix-Standardisierungsbemühungen hielt, beteiligte sich nach wie vor nicht an dem Unix-Club und kochte ihr eigenes "Unix-Süppchen". Inzwischen umfaßt die Open-Unix-Group übrigens an die elf Mitglieder.

Handfestes in Sachen Kommunikation demonstrierte Bull mit Siemens und ICL erstmals auf der Herbst-Sicob 1985 in Paris. Auf einem Stand der SPAG-Gruppe verbanden die drei Unternehmen hauseigene Mikros länderübergreifend zu einem OSI-Mail-Netz. Die funktionsfähige Verbundlösung lief über den Siemens-PC, Bulls Questar und den DRS 20 von ICL. Mit dieser Demonstration, so kommentierten die SPAG-Mitglieder, seien erstmals die Ziele der Vereinigung realisiert worden, nämlich die Kommunikationsfähigkeit verschiedener Systeme auf Basis bestehender Normen zu fördern.

Wenige Wochen später präsentierten die drei Unternehmen im Rahmen ihres Forschungs-Joint-venture auch erste Ergebnisse auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI). Das inzwischen auf 36 Wissenschaftler erweiterte internationale Forschungsteam stellte der europäischen Fachpresse in Vorträgen und Präsentationen am System einen Prologue-Compiler, eine objektorientierte Sprache, eine Schnittstelle zwischen Prologue und relationalen Datenbanken sowie ein interaktives Grafik-Tool für wissensbasierte Systeme vor. Bull-Chef Stern konnte also mit den von ihm bei Amtsantritt angestrebten europäischen Kooperationsbemühungen zufrieden sein.