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24.12.1999 - 

Siemens-Halbleitertochter für den Börsengang gerüstet

Die Verselbständigung ist Infineon gut bekommen

von Beate Kneuse MÜNCHEN - Die Ertragswende ist geschafft, der Platz unter den Top Ten der Chipgrößen dieser Welt gesichert: Entsprechend ambitioniert geht die Infineon Technologies AG, der zum 1. April 1999 verselbständigte Halbleiterbereich der Siemens AG, in das neue Geschäftsjahr. Dessen Höhepunkt soll der für März geplante Börsengang sein.

Nach zuletzt chronisch defizitären Zahlen wartete Vorstandschef Ulrich Schumacher auf der ersten Bilanzpressekonferenz als eigenständiges Unternehmen mit ansehnlichen Ergebnissen für das Geschäftsjahr 1998/99 (Ende: 30. September) auf. An Nettogewinn erzielten die Münchner 69 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren mit einem Minus von 790 Millionen Euro noch kräftig rote Zahlen geschrieben worden.

Beim Umsatz konnte die Siemens-Tochter ebenfalls ordentlich zulegen. Mit einem Plus von 33 Prozent auf 4,2 (Vorjahr: 3,2) Milliarden Euro - davon nahm man 29 Prozent in Deutschland und etwa 15 Prozent durch Geschäfte mit der Muttergesellschaft ein - wuchs man doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt (16 Prozent). Resultat dieser erfreulichen Geschäftsentwicklung ist auch die Tatsache, daß sich die Münchner nun nach einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens IC Insight unter die weltweit zehn größten Halbleiterhersteller einreihen dürfen, wenn auch mit Platz acht eher am unteren Ende der Skala.

Einer der Wachstumsmotoren waren im abgelaufenen Geschäftsjahr die Chips für die drahtlose Kommunikation. Infineon profitierte dabei wie viele andere Chipproduzenten vom Mobilfunk-boom. Der Umsatz in diesem Segment kletterte von 725 auf 895 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern verbesserte sich trotz des laut Schumacher starken Preisverfalls von 136 auf 196 Millionen Euro. Der Infineon-Lenker betonte, man werde auch in Zukunft am enormen Wachstumspotential des Mobilfunkgeschäfts verdienen.

Sorgenkind der Münchner bleibt das Speicherchip-Segment. Zwar erzielten die Münchner mit Einnahmen von 1,22 Milliarden Euro gegenüber den 658 Millionen Euro vom Vorjahr einen beeindruckenden Zuwachs, mit einem Verlust von 202 Millionen Euro steckt der umsatzstärkste Geschäftsbereich aber noch tief in den roten Zahlen. Für das laufende Geschäftsjahr peilt der Infineon-Chef mit Hilfe weiterer Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen aber auch hier den Sprung in die Ertragszone an. Außerdem hätten sich die Chippreise in den vergangenen Monaten deutlich erholt. Mußte man für 64-Mbit-Chips im August/September gerademal vier Dollar hinblättern, kosten die Bausteine derzeit rund zehn Dollar. Allerdings, schränkte Schumacher gleich ein, sei in der ersten Jahreshälfte 2000 mit einem Rückgang auf schätzungsweise sieben bis acht Dollar zu rechnen. Erst in der zweiten Jahreshälfte würden die Preise voraussichtlich wieder anziehen.

Höhepunkt des laufenden Geschäftsjahres dürfte der Gang an die Börse werden. Im März sollen mit Unterstützung der Deutschen Bank und von Goldman Sachs sowohl der amtliche Handel in Frankfurt als auch die New York Stock Exchange um das Infineon-Papier bereichert werden. Dabei will die Siemens AG 25 bis 49 Prozent ihrer Anteile abgegeben - und das sowohl an private als auch institutionelle Anleger. Bevorzugt zeichnen können Interessenten aus dem Kreis der Geschäftspartner, hieß es in München. Beschlossene Sache ist zudem, daß die Konzernmutter zunächst in jedem Fall die Mehrheit behalten wird.

Noch immer keine Entscheidung ist indes in Sachen Standortfrage für den Einsatz der neuen 300-Millimeter-Wafer-Technologie gefallen. Fest steht nur, daß dafür kein neues Werk gebaut, sondern eine bestehende Fertigungsstätte erweitert werden soll. Nach wie vor scheint dabei die Sachsen-Metropole Dresden gute Karten zu haben. "Dresden hat einen gewissen Charme", betonte Schumacher. Bis zum Börsengang soll das Thema aber endgültig vom Tisch sein.

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.