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Ifra-Kongreß München: Europas Presse auf Papier undoder Bildschirm


24.10.1980 - 

Die voll computerisierte Zeitung ist ein Muß

MÜNCHEN - Die größten europäischen Zeitungsverleger rüsten im großen Stil auf Telekommunikation um. Noch ist die gedruckte Information ihre Ware, aber sie treffen alle technischen und organisatorischen Vorkehrungen, um in das Konzert der Neuen Medien "Information an sich" mit einzuspielen - auf welches Trägermedium auch immer. Dies kann aus den Vorträgen geschlossen werden, die in München auf dem Ifra-Kongreß (Ifra = Vereinigung von 500 europäischen Zeitungsverlegern) gehalten wurden.

Am Ende dieser Entwicklung könnte, so machte der Joint Managing Director der "Financial Times", Justin Dukes, plausibel, für die heutigen Zeitungsleute das reine Geschäft mit der Information stehen. Die Art der Vermittlungstechnik werde dann keine Rolle mehr spielen, denn die Hardware sei dann vermutlich im Besitz der Computerhersteller beziehungsweise der Telekommunikationsunternehmen.

Die voll computerisierte Zeitung sei bereits kurzfristig ein Muß, um konkurrenzfähig zu bleiben, erklärte Stanley Asimov, President Development von der "Newsday", einer der großen amerikanischen Tageszeitungen. "Newsday" arbeitet mit Mixed-Hardware, die aber langsam zu einem integrierten System zusammenwächst. Asimov betonte die guten Erfahrungen mit dem Atex-Redaktionssystem, monierte aber allgemein, daß die mangelnde Zuverlässigkeit der Hersteller die Entwicklung auch in den USA verzögere.

Für Verzögerungen im Vielsprachen- und Vielgrenzen-Kontinent Europa machte Alex Tomberg, Head of Department Information and Communication Development der Shell International in Den Haag, die im Teleommunikationsbereich normgebenden Instanzen verantwortlich, als da sind die PTTs (Postverwaltungen), CCITT in Genf und allgemeine im politischen und administrativen liegende Hemmschuhe. Europäische Engstirnigkeit könne den Zeitungen weltweit erhebliche Nachteile bescheren. Tomberg, der sich entschieden für die Information auf dem Heimterminal, also die selbst komponierte Zeitung, aussprach, forderte die Zeitungsverleger dazu auf, den Datenbanken mit aktuellem abrufbarem Wissen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Hier liege der Schlüssel zur Zukunft. Die Zeitungen müßten Datenbanken einsetzen, bevor sie von ihnen ersetzt würden. Europa gehöre - was die Telekommunikation anbelange - noch zu den unterentwickelten Ländern. Die arabischen Länder könnten hier falls die Europäer nicht schneller schalten - an uns vorbeiziehen. Die Europäer lebten von ihrem Informationskapital und müßten dieses wachsen lassen. Da sie sich aber nicht genügend für dessen Vermarktung einsetzten, seien sie "in dieser Hinsicht sehr dekadent". Und: "Die Marktstruktur in Europa muß sich ändern. Mit diesen Behörden können wir nicht weitermachen."

Die den Kongreß begleitende Ausstellung zeigte Produkte auch aus der reinen Computerindustrie, zum Beispiel von Harris, Siemens, Comtec etc. Der Marktanteil der DV-Hersteller im Bereich Zeitungstechnologie wächst ständig, ist jedoch nicht exakt zu beziffern, weil der Grad der Verflechtung nicht erkennbar ist. Die größten Stände waren jedenfalls mit von den DV-Herstellern belegt.