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14.08.1998 - 

Interview

"Die Vorgehensweise der Telekom hat mich geärgert"

CW: Die MCI-Übernahme ist nahezu abgeschlossen. Wie wird sich der Deal auf das Worldcom-Angebot in Deutschland auswirken?

HISCHER: Es stimmt, wir warten nur noch auf grünes Licht von der Federal Communications Commission (FCC), so daß im Laufe des Augusts alles in trockenen Tüchern sein dürfte. Welche Auswirkungen das konkret haben wird, kann ich noch nicht sagen. Wir wollen jedoch der erste integrierte TK-Konzern werden. Integriert in Bezug auf die Produktpalette, also Sprache, Daten und Internet. Wir legen aber auch Wert auf eine regionale Integration. Unsere Zielgruppe sind Geschäftskunden, und wir wollen die Wirtschaftsräume in den USA, Asien und Europa bedienen. Wir werden versuchen, Dienste, die MCI in den USA anbietet, auch für den europäischen beziehungsweise den deutschen Markt anzupassen.

CW: Bleibt es bei Ihrer Ausrichtung auf die Geschäftskunden, oder visieren Sie auf lange Sicht auch die Privatkunden an?

HISCHER: Bis auf weiteres nein. MCI bietet in den USA zwar auch Dienste für private Haushalte an, das beabsichtigen wir in Europa aber vorerst nicht.

CW: Wollen Sie Ihre Services immer mit eigener Infrastruktur erbringen?

HISCHER: Wenn man wie wir ein Rundum-Management von einem Ende des Übertragungsweges zum anderen anbieten will, dann sollte man auch die Infrastruktur möglichst im Griff haben. Das heißt nicht, sie komplett zu besitzen, wohl aber, sie komplett zu kontrollieren. Bei der Verbindung von zwei Standorten bedeuten viele Anbieter auch viele Sollbruchstellen, und das gilt es zu verhindern.

CW: Was heißt das im Klartext?

HISCHER: Wir haben nicht vor, auf Teufel komm raus überall unsere eigene Infrastruktur aufzubauen, uns kommt es nicht darauf an, von Flensburg bis Berchtesgaden 50000 Kilometer Glasfaser zu verlegen. Statt dessen konzentrieren wir uns auf die Ballungs- und Wirtschaftsräume, wo wir unsere Kunden vermuten. Dort bauen wir dann gegebenenfalls City-Netze auf.

CW: Eine Studie hat vor kurzem ergeben, daß die alternativen Carrier der Telekom zwar preislich voraus sind, ihr aber in puncto Dienstequalität noch nicht das Wasser reichen können. Wie sieht es in dieser Hinsicht mit Worldcom aus - sind Qualitätsprobleme für Sie ein Thema?

HISCHER: Da wir keine öffentliche Werbung betreiben, leben wir von unserem guten Ruf, unseren Referenzen. Was mich extrem ärgert, sind Qualitätsmängel, die ohne unser Verschulden entstehen. Wir verfügen über genügend Interconnect-Ports zur Telekom, die überdies sogar zur Spitzenzeit nur zu etwa 70 Prozent ausgelastet sind. Durch das Gateway-Interconnect-System der Telekom dringt der Fernverkehr aber gar nicht durch, der Kunde bekommt ein Besetztzeichen. Vor allem in der Region Frankfurt-Mannheim-Trier gibt es dieses Problem. Wir führen diesbezüglich bereits Gespräche mit der Regulierungsbehörde und der Telekom. In meinen Augen ist das eine Marktbehinderung, die abgestellt werden muß, sonst leidet unser Ruf.

CW: Handelt es sich dabei um echte Engpässe, oder ist das Taktik der Telekom?

HISCHER: Das ist eine sehr politische Frage. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die mit dem Baseball-Schläger auf die Telekom einprügeln. Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr konstruktiv zusammengearbeitet, es herrscht ein professionell-sachliches Verhältnis. Wenn die Telekom aber sagt, sie ist gut auf die Marktöffnung vorbereitet, andererseits aber solche Dinge passieren, dann waren die Vorbereitungen doch nicht gut genug. Und es ist Sache der Telekom, Abhilfe zu schaffen.

CW: Ihr Verhältnis zur Telekom wird auch überschattet von der Abschaltung der Verbindungen von First Telecom (siehe CW 31/98, Seite 32), das ja Worldcom-Kunde ist. Was können Sie dazu sagen?

HISCHER: Wir sind überzeugt, nichts Falsches gemacht zu haben, zumal auch keine vertragliche Vereinbarung existiert, die den Anteil von Festnetz- und Mobilfunktelefonie in Fällen wie diesem regelt. Wir können als Verbindungsnetzbetreiber unserem Kunden, hier First Telecom, doch kein Verkehrsmuster diktieren. Außerdem ist der Service nicht nur ein paar Tage gelaufen, sondern nahezu fünf Wochen lang. Geärgert hat mich die Vorgehensweise: Wenn man Freitags um vier ein Fax bekommt und eine halbe Stunde später die Leitungen gekappt werden, dann ist das kein vernünftiger Umgang. Bei allen Härten im Wettbewerb - das ist eine Frage des Stils.