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27.05.1994

Die Vorschrift im Ueberblick Ende 1996 muessen Arbeitsplaetze der EU-Richtlinie entsprechen

Herstellern, Importeuren und Betreibern von DV-Produkten sowie deren Benutzern werden die Folgen der europaeischen Einigung nicht zuletzt dann bewusst, wenn sie an die EU-Vorschriften zur Bildschirmarbeit denken. Ergonomie-Experte Horst Brandauer nennt die Details der Richtlinie, die Unternehmen europaweit vor eine Herausforderung stellt.

Die bereits 1990 erlassene Richtlinie fuer Bildschirmarbeit 90/270/EWG gilt fuer alle Staaten der Europaeischen Union (EU). Ziel des Regelwerks ist die "Verbesserung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes". Die Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht ist hierzulande in vollem Gange.

Zunaechst wird auf dem Wege einer Rechtsverordnung durch die Bundesregierung der gesetzliche Rahmen geschaffen. Im Vergleich zur heutigen Regelung schreiben die Bonner kuenftig auf einer juristisch verbindlichen Ebene die Einhaltung von Massnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes gesetzlich vor.

Die rechtliche Basis fuer die neue Regelung zur Bildschirmarbeit ist der Vertrag von Maastricht, darin insbesondere die Artikel 100a und 118a. Artikel 100a legt den Abbau von Handelshemmnissen durch Harmonisierung der nationalen Rechtsvorschriften innerhalb der Grenzen der EU fest. Ziel ist der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistung und Kapital zur Herstellung des gemeinsamen Binnenmarkts.

Adressaten des Artikels sind die Hersteller, Importeure oder Inverkehrbringer. Hier geht es um Anforderungen an die Beschaffenheit von Geraeten, Maschinen, Anlagen sowie um Pruefung und Zertifizierung. Die Umsetzung in das nationale Recht erfolgt in Deutschland durch das 1992 novellierte Geraetesicherheitsgesetz und die darauf gestuetzten Verordnungen.

Konkrete Anforderungen an die Beschaffenheit und Ausruestungen der Geraete enthalten die neuen europaeischen Normen DIN/EN 29241 mit den Teilen 1 bis 17 (siehe Abbildung 1). Diese europaeische Norm soll die in Deutschland geltende Normenreihe DIN 66234 Teil 1 bis 11 abloesen. Ziel von Artikel 118a ist die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz von Beschaeftigten am Arbeitsplatz. Adressat ist hier der Arbeitgeber oder Betreiber. Die Inhalte dieser Vorschriften definieren den Betrieb, das Verhalten sowie die Organisation von Massnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes (siehe Abbildung 2).

Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgt durch das voraussichtlich noch 1994 zu erlassende neue Arbeitsschutz-Rahmengesetz und die darauf gestuetzten Verordnungen.

Darueber hinaus wird speziell fuer die Taetigkeit an Monitoren eine Unfallverhuetungsvorschrift fuer Bildschirmarbeit UVV VBG 104 erlassen (siehe Abbildung 3).

Die Mitgliedsstaaten wurden verpflichtet, die Umsetzung der EU- Richtlinie fuer Bildschirmarbeit in nationales Recht bis zum 31. Dezember 1992 zu vollziehen.

Inzwischen sind die notwendigen Massnahmen, die das Arbeitsschutz- Rahmengesetz und die Bildschirmarbeits-Verordnung in die Wege leiten sollen, in den Deutschen Bundestag eingebracht. Die durch die EU-Richtlinie definierte Uebergangsfrist zur Umsetzung in die betriebliche Praxis betraegt vier Jahre, sie endet also am 31. Dezember 1996.

Treten die notwendigen Rechtsvorschriften wie geplant noch in diesem Jahr in Kraft, so beginnt die gesetzliche Verpflichtung zur Umsetzung der Richtlinie in die betriebliche Praxis ebenfalls vor Jahresfrist. Dies gilt gleichermassen fuer privatwirtschaftliche Unternehmen wie fuer oeffentliche Institutionen und Behoerden. Im einzelnen ergeben sich folgende Verpflichtungen:

Neuester Stand der Technik: Die Arbeitgeber sind verpflichtet, sich ueber den neuesten Stand der Technik und der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Gestaltung von Bildschirmarbeitsplaetzen zu informieren. Nur so koennen sie die erforderlichen Aenderungen vornehmen und eine groessere Sicherheit sowie optimalen Gesundheitsschutz ihrer Beschaeftigten gewaehrleisten.

Arbeitsplatzanalyse: Der Arbeitgeber muss eine Untersuchung der Arbeitsplaetze durchfuehren, um die vorliegenden Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen beurteilen zu koennen. Diese Analyse muss alle Gegebenheiten des Arbeitsplatzes, der -umgebung und des - ablaufs umfassen. Eine Beurteilung hat auf der Grundlage von gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen zu erfolgen. Werden Gefahren festgestellt, muss der Arbeitgeber Massnahmen zu deren Ausschaltung treffen. Dabei hat er die Addition und/oder die Kombination der Wirkungen festgestellter Gefahren zu beruecksichtigen.

Erstmals in Betrieb genommene Arbeitsplaetze: Fuer Arbeitsplaetze, die nach dem Inkrafttreten der neuen Regelung in Betrieb genommen werden, sind die Anforderungen zu erfuellen, die im Anhang zur Bildschirmarbeits-Verordnung genannt werden. Beispielsweise duerfen keine flimmernden Bildschirme oder solche mit Verzerrungen zum Einsatz kommen - das gilt fuer Terminals ebenso wie fuer PC- Monitore.

Bereits im Betrieb befindliche Arbeitsplaetze: Stimmen diese noch nicht mit den Anforderungen der Bildschirmarbeits-Verordnung ueberein, muessen sie innerhalb der Uebergangsfrist umgestellt werden. Diese endet europaweit zum 31. Dezember 1996. Bis dahin sind alle Bildschirmarbeitsplaetze in vollem Umfang gemaess der von der Bundesregierung noch in diesem Jahr zu erlassenden Verordnung ueber Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeraeten umzuruesten.

Sammlung und Ueberpruefung aller sicherheitsrelevanten Zertifikate: Damit sich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz nachweisen lassen, wird Betreibern dringend empfohlen, bis zum Ablauf der Uebergangsregelung alle sicherheitsrelevanten Pruefzertifikate der am Bildschirmarbeitsplatz benutzten Elemente zusammenzustellen. Sind diese nicht vorhanden, sollten sie von den Herstellern angefordert werden. Darunter fallen etwa Monitore, Drucker, Arbeitstisch und -stuhl, Vorlagenhalter und Fussstuetze.

Unter sicherheitsrelevanten Zertifikaten sind Nachweise einer Sicherheitspruefung zu verstehen. Hierbei genuegt es nicht zu checken, ob das betreffende Element mit einem Guetesiegel- Pruefzeichen versehen ist. Da einige Hersteller ihre Produkte ohnehin nicht mit einem solchen kennzeichnen, ist unbedingt auf die Bereitstellung dieser Zertifikate durch den Anbieter zu bestehen. Deren Ueberpruefung sollte von einer ausgebildeten Sicherheitsfachkraft erfolgen, die durch den Besuch von berufsgenossenschaftlichen Seminaren das notwendige Fachwissen besitzt.

Unterrichtung und Unterweisung der Arbeitnehmer: Die Arbeitnehmer sind umfassend ueber alle sicherheits- und gesundheitsrelevanten Fragen und die mit ihrem Arbeitsplatz in Verbindung stehenden Massnahmen zu unterrichten. Eine Unterweisung hat vor Aufnahme der Taetigkeit am Bildschirm und bei jeder wesentlichen Aenderung der Arbeitsplatzorganisation zu erfolgen.

Taeglicher Arbeitsablauf: Der Unternehmer ist verpflichtet, die Taetigkeit am Monitor so zu organisieren, dass die taegliche Arbeitszeit regelmaessig durch andere Aktivitaeten oder durch Pausen unterbrochen wird. So soll die Belastung am Bildschirmgeraet verringert werden.

Anhoerung und Beteiligung der Arbeitnehmer: Da in der Vergangenheit vor allem Unwissenheit fuer viele Fehler im Gesamtkomplex der Bildschirmarbeit verantwortlich war, muessen die Arbeitnehmer oder ihre Vertreter zukuenftig zu den relevanten Fragen vom Arbeitgeber gehoert und an Beratungen beteiligt werden.

Schutz der Augen und des Sehvermoegens der Arbeitnehmer: Ein besonderer Schwerpunkt ist in der kuenftigen Regelung der Bildschirmarbeit die vorbeugende und regelmaessige Untersuchung der Augen und des Sehvermoegens. Jeder Arbeitnehmer, der taeglich ein Bildschirmgeraet ueber den in der Bildschirmarbeits-Verordnung festgelegten Zeitraum benutzt, muss vor Aufnahme seiner Taetigkeit, anschliessend regelmaessig sowie bei akuten Beschwerden, die auf Bildschirmarbeit zurueckzufuehren sind, untersucht werden, und zwar von einem Arzt mit entsprechender Qualifikation (Arbeits- oder Augenmediziner). Der Umfang der Untersuchungen sowie die Wiederholungszyklen sind im "berufsgenossenschaftlichen Grundsatz fuer arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen Bildschirm- Arbeitsplaetze (G37)" festgelegt. Die Ergebnisse muessen vom Arzt dokumentiert und nach den Kategorien

- keine gesundheitlichen Bedenken,

- keine gesundheitlichen Bedenken unter bestimmten Voraussetzungen,

- gesundheitliche Bedenken oder

- Ergaenzungsuntersuchung erforderlich

an den Arbeitgeber weitergemeldet werden. Jeder an einem Bildschirmarbeitsplatz Beschaeftigte hat das Recht auf eine augenaerztliche Kontrolle, wenn er eine solche aufgrund der Ergebnisse der vorangegangenen Untersuchung durch den Arbeitsmediziner fuer erforderlich haelt.

Mindestvorschriften: Fuer alle Elemente des Arbeitsplatzes - dazu zaehlen Geraete, Umgebung oder die die Mensch-Maschine-Schnittstelle bestimmende Software - gelten Mindestvorschriften. Die als Schutzziele formulierten Vorschriften werden durch die europaeische Normenreihe EN 29241 in den Teilen 1 bis 17 definiert. Eine Uebersicht darueber, welche Vorschrift in welchem Teil enthalten ist, zeigt Abbildung 1.

Zu den Geraeten gehoeren zum Beispiel neben dem Bildschirm die Tastatur, der Arbeitstisch oder die Arbeitsflaeche, der Stuhl und gegebenenfalls eine Fussstuetze. Grundsaetzlich wird verlangt, dass die Benutzung der Geraete keine Gefaehrdung der Arbeitnehmer mit sich bringt. Die globalen Anforderungen der EU-Richtlinie sind Schutzziele. Die definierten Anforderungen sind wiederum in der Normenreihe der EN 29241 enthalten.

Die Anforderungen an die Umgebung betreffen im einzelnen den Platzbedarf, die Beleuchtung, Reflexe und Blendung, Laerm, Waerme, Strahlung und Feuchtigkeit. Auch hier werden ausschliesslich Schutzziele genannt. Die definierten Anforderungen sind, bis zum Erscheinen der betreffenden Teile der Normenreihe EN 29241 aus den Sicherheitsregeln ZH 1/618 sowie ZH 1/535 zu entnehmen.

Die an den Bildschirmgeraeten eingesetzte Software kann ebenso wie die Geraete oder die Umgebung den Grad der psychischen Belastung bestimmen. Daher kommt auch diesen Anforderungen eine besondere Bedeutung zu. Hierzu hat der Arbeitgeber bei der Auswahl, dem Erwerb und der Aenderung von Programmen sowie bei der Gestaltung von Taetigkeiten, bei denen Bildschirme zum Einsatz kommen, einer Reihe von Faktoren Rechnung zu tragen. Enthalten sind diese Forderungen als Schutzziele in der EU-Richtlinie. Die Ausfuehrung der einzelnen Massnahmen wird in den relevanten Teilen der EN 29241 erfolgen.

Unfallverhuetungsvorschrift Bildschirmarbeit VBG 104: Die seither bestehenden Sicherheitsregeln fuer Bueroarbeitsplaetze, ZH 1/535, sowie die Sicherheitsregeln fuer Bildschirmarbeitsplaetze im Buerobereich, ZH 1/618, werden durch die Verwaltungs- Berufsgenossenschaft als gesetzlicher Unfallversicherungstraeger in eine neue Unfallverhuetungsvorschrift (UVV) fuer Bildschirmtaetigkeit eingearbeitet.

Hierin werden ergaenzend die Anforderungen und Schutzziele der EU- Richtlinie fuer Bildschirmarbeit, 90/270/EWG, des neuen Arbeitsschutz-Rahmengesetzes, der Rechtsverordnung der Bundesregierung fuer Bildschirmarbeit, die Inhalte diverser Normen sowie neuere gesicherte arbeitswissenschaftliche und -medizinische Erkenntnisse aufgenommen. Da die Ausarbeitung der UVV noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, sind die heute gueltigen Sicherheitsregeln ZH 1/535 und ZH 1/618 so lange anzuwenden, bis die neue UVV VBG 104 herausgegeben wird .

Die Umsetzung der vorliegenden Fassung der EU-Richtlinie in nationales Recht stellt eine wesentliche Veraenderung der bisherigen Ordnung des Themas Bildschirmarbeit dar. Vorschriften ersetzen die derzeit noch gueltigen unverbindlichen Sicherheitsregeln. Auch der Geltungsbereich ist wesentlich weiter gefasst. Der oeffentliche Dienst war in der Vergangenheit von dieser Regelung ausgenommen, er wird nun wie die Privatwirtschaft dazu verpflichtet, einen verbesserten Sicherheits- und Gesundheitsschutz zu gewaehrleisten.

Auch fuer Behoerden bedeutet also das Inkraftreten der europaweiten Regelung der Bildschirmarbeit einen Fortschritt.

ISO 9241 - das Mass aller Dinge

Teil 1 Allgemeine Einfuehrung

Teil 2 Anforderungen an die Arbeitsauf-

gaben - Leitsaetze

Teil 3 Anforderungen an visuelle Anzeigen

Teil 4 Anforderungen an Tastaturen

Teil 5 Anforderungen an Arbeitsplatz-

gestaltung und Koerperhaltung

Teil 6 Anforderungen an die Arbeitsum-

gebung

Teil 7 Anforderungen an visuelle Anzeigen

bezueglich Reflexionen

Teil 8 Anforderungen an Farbdarstellung

Teil 9 Anforderungen an Eingabegeraete -

ausgenommen Tastaturen

Teil 10 Grundsaetze der Dialoggestaltung

Teil 11 Angaben zur Benutzbarkeit

Teil 12 Informationsdarstellung

Teil 13 Benutzerfuehrung

Teil 14 Dialogfuehrung mittels Menue

Teil 15 Dialogfuehrung mittels Kommando-

sprachen

Teil 16 Dialogfuehrung mittels direkter Manipulation

Teil 17 Dialogfuehrung mittels Bildschirm- formularen

Europaeische Arbeitsplatz-Richtlinien

89/391/EWG: Richtlinie ueber die Durchfuehrung von Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer bei der Arbeit.

73/23/EWG: Richtlinie betreffend elektrische Betriebsmittel zur Verwendung innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen

89/392/EWG: Richtlinie fuer Maschinen

89/654/EWG: Richtlinie fuer Sicherheit und Gesundheitsschutz in Arbeitsstaetten.

90/270/EWG: Richtlinie ueber die Mindestvorschriften bezueglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit an Bildschirmgeraeten.

EN 292: Sicherheit von Maschinen, Geraeten und Anlagen

EN 60950: Safety of information technology equipment

EN/ISO 9241: Ergonomic requirements for office work with visual display terminals (VDT's) Part 1 ... 17