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26.02.1993 - 

KOLUMNE

Die Watsons sind unter uns

Und doch gibt es das Dinosaurier-Sterben. Es kommt in der Argumentation derjenigen vor, die den Mainframe lebendiger reden wollen, als er ist. Da wird der Pappkamerad des verblendeten Mainframe-Gegners aufgebaut, um den vermeintlich fehlgeleiteten Downsizer zu bekehren - das Garn, das Propaganda heisst, ist fein gesponnen." Aus: CW Nr. 45 vom 6. November 1992

Das Unglueck der IBM ist eine zu gute Lochkarten-Ausbildung. Haette man als Anwender vor 40 Jahren einem IBM-VB gedroht, einen IBM- Kartenlocher 029 zu kuendigen, der Mann haette sich nicht eingekriegt, den Vertrag zu retten. Unser blauer Vertriebsbeauftragter konnte gar nicht anders: Der alte Watson hatte das IBM-Business an einem Loch festgemacht, den Karton drumherum gabs nur von Big Blue. Punch-card-machines, die ausschliesslich vermietet wurden, erwiesen sich fuer IBM denn auch als reinste "Money-machines".

Computer waren Watsons Sache nicht. Und wenn die US- Kartellbehoerde nicht ein "029"-Monopol ausgemacht und ausgemerzt haette, die IBM waere heute noch eine Lochkartenfirma. Um korrekt zu sein: Als solche gaebe es Big Blue wohl nicht mehr. Hoffen wir also, dass Clinton die IBM als Mainframe-Monopolist einstuft.

Am besten fuer den Koloss waere es allerdings, die Verfechter der Open-Systems-Linie (RISC-Power-Architektur, AIX etc.) innerhalb der IBM setzten sich durch. Dies scheitert zum einen an den Bemuehungen einiger Uebertaktiker, die selbst mit "offenen" Systemen - was diese IBMer auch immer darunter verstehen - "Account control", Kontrolle ueber den Kunden, behalten wollen. Zum anderen gilt IBM-intern nach wie vor: Die Watsons sind unter uns! Dies aeussert sich in "Der-Mainframe-ist-nicht-tot"-Bekundungen.

Natuerlich ist der Locher, pardon: der Mainframe, nicht tot. Es kommt auf die Anwendung an - wem sagen wir das. Ja, wem sagen wir das? Erwin Staudt scheint sich da nicht so sicher zu sein. Der Leiter des PC-Geschaeftes der IBM Deutschland warnt vor unreflektiertem Downsizing - fuer bestimmte Aufgaben sei nach wie vor ein Grossrechner besser geeignet als vernetzte PCs. Vielmehr muessten die Rechnerkapazitaeten besser auf die Anforderungen der Praxis abgestimmt werden.

Wem sagen Sie das, Watson? Es geht indes, wir verstehen Sie schon richtig, um "Account control". Warum sollte ausgerechnet IBM die Ausnahme bilden? Hewlett-Packard, Sun 38; Co. haben nichts

Loeblicheres im Sinn - nur muessen sie sich eben an gewisse Spielregeln halten, Marktkonventionen, die heute andere sind als in der Lochkartenzeit. Das funktioniert, weil die meisten IBM- Konkurrenten - nehmen wir Unisys, nehmen wir Digital, ja selbst HP - schon mehrere Tode gestorben sind. Das Unglueck der IBM ist eine zu gute Lochkarten-Ausbildung.