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17.01.2003 - 

IT made in Germany/Was von der Rezession in Deutschlands IT-Szene übrig blieb

Die Weichen für einen Aufschwung sind gestellt

Manch einer wird wohl drei Kreuze geschlagen haben, dass das Jahr 2002 überstanden ist. Die Wirtschaft lahmte, die Zahl der Insolvenzen hat eine Rekordmarke erreicht, und an den Kapitalmärkten ging nichts mehr. Ein paar Lichtblicke gab es aber dennoch. CW-Bericht, Riem Sarsam

Für Dieter Schubert hat sich das Jahr 2002 doch noch ins Positive gedreht: "Wir können jetzt wieder so handeln, wie wir wollen", berichtet der Geschäftsführer der Computer Software Studio GmbH (CSS) aus Fulda. Der Anbieter von kaufmännischer Software war im Jahr 2000 im Rahmen einer Beteiligung zu 51 Prozent an die Bäurer AG gegangen und schrammte, nachdem Bäurer Insolvenz beantragen musste, haarscharf an einer brisanten Situation vorbei. Erst kurz zuvor war die Beteiligung an den ursprünglichen Besitzer und Geschäftsführer von CSS, Roland Wehner, zurückübertragen worden. Die Erleichterung, wieder Herr im eigenen Haus zu sein, ist spürbar, und mit ihr stellt sich Zuversicht ein: "Das Neukundengeschäft läuft zwar im Moment schleppend", so Schubert, "wir haben lange nicht so viele Aufträge wie in den Jahren 1999 oder 2000. Aber die Auftragslage verbessert sich wieder."

Solche Zufriedenheit war im vergangenen Jahr eher eine Ausnahme. Laut Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) verabschiedeten sich 2002 ungefähr 2000 ITK-Unternehmen vom deutschen Markt. Der Großteil, rund 1500, musste Insolvenz anmelden; zirka 500 weitere verschwanden durch Fusionen von der Bildfläche.

Dennoch: Dem IT-Standort Deutschland im Jahr 2002 lässt sich durchaus auch Erfreuliches abgewinnen. Betrachtet man die einzelnen Segmente Software, Hardware oder Services, so prägten vor allem Konsolidierungen das Geschehen. Ein schmerzhafter Prozess war in Gang gekommen, aus dem sowohl die Firmen als auch der Standort gestärkt hervorgehen können. "Aus Erfahrungen allgemein, aber gerade aus den schlechten, wird man klüger", verweist Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder auf die guten Seiten der Entwicklung.

Nachdem sich der Schock über das Platzen der Internet-Blase und die weltweite Wirtschaftskrise gelegt hatte, begannen viele Firmen mit längst überfälligen Aufräumarbeiten. Geschäftsmodelle wurden überdacht, Kosten gesenkt und der Blick auf das Wesentliche wieder geschärft. Lautete das Motto der vergangenen Jahre noch "Umsatz- und Kundenwachstum um jeden Preis", schob sich nun wieder das Thema Profitabilität in den Vordergrund. Und nicht wenige Unternehmen konnten bereits die ersten Früchte dieser Neuorientierung ernten. Diese schlugen sich zwar beim Gros der Anbieter noch nicht in signifikant steigenden Umsätzen oder hohen Gewinnen nieder, doch die Weichen sind neu gestellt.

Die Firmen sind mittlerweile in der Realität angekommen. "Das schlägt sich auch in der Management-Qualität vor allem in jungen Unternehmen nieder", so Rohleder. "So manche haben gelernt, sich auch in einem schrumpfenden Markt zu behaupten." So würden sie das Vertrauen von Mitarbeitern und Anlegern zurückgewinnen.

An die Mär vom Wachstum ohne Ende mit traumhaften Renditen glaubt heute ohnehin niemand mehr. Dies schlägt sich auch im Alltag der Mitarbeiter nieder. Beispiel Vertrieb: "Wir verteilen unsere Produkte nicht mehr, wir müssen sie jetzt verkaufen", schildert ein Brancheninsider mit Blick auf die alten Zeiten. Im Klartext heißt das, Anbieter müssen die Kunden von den Vorteilen der Produkte überzeugen und harte Preisverhandlungen führen. Dabei gewinnt vor allem der Kunde, denn Software, Hardware oder Services waren noch nie so günstig wie heute. Thomas Winzer, Chef der Marburger Inosoft AG, erkennt darin jedoch auch eine Chance für die Anbieter. "Wir sehen die Probleme unserer Kunden und kommen ihnen da entgegen, was auch zusammenschweißt."

Auch Winzer glaubt, dass sich die Konsolidierung positiv für die Branche auswirkt. "Letztlich bedeutet es einfach, dass Unternehmen, die nur eine Idee und wenig Umsatz hatten, weg vom Fenster sind." In dieser Hinsicht dürften Anbieter wie Nachfrager ihre Lektion gelernt haben. Ideen sind deshalb aber nicht out. Rolf Heiler, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Heiler Software AG, zeigt, dass man auf Krisen auch innovativ reagieren kann.

Bereits zum dritten Mal hat Heiler das Konzept seines Unternehmens auf den Kopf gestellt. "Wir haben jetzt das für unsere Größe perfekte Segment gefunden", freut er sich. Sämtliche Aktivitäten seiner Firma konzentrieren sich nun auf das Katalog-Management. Das Geschäftsfeld sei jung, gleichwohl sehr wichtig innerhalb des E-Business und überschaubar. Ursprünglich war Heiler als Systemhaus gestartet, dessen Kernkompetenz in der Erstellung von Individualsoftware für Banken, Versicherungen und große Industrieunternehmen lag. Zum Börsengang im November 2000 hatte sich das Unternehmen B-to-B-Marktplätze und Portale auf die Fahnen geschrieben. Mit dem Ergebnis, dass noch im Jahr 2001, so Heiler, die Einnahmen von rund sechs Millionen Mark vor allem aus Geschäften mit Vertretern der New Economy stammten. In diesem Jahr, kann er stolz berichten, komme der gesamte Umsatz von Kunden aus der Old Economy. Gleichzeitig wurden die Marketing-Ausgaben gekürzt und der Vertrieb verstärkt.

Inosoft-Chef Winzer steht dagegen für ein konstantes Geschäftsmodell, das sich auch in Krisenzeiten bewähren konnte. In Marburg sind es eher die weichen Faktoren, die ihren Teil zumÜberstehen schwieriger Zeiten beitrugen. Inosoft arbeitet seit der Gründung vor zehn Jahren profitabel und konnte auch im Jahr 2002 einen Umsatzanstieg verzeichnen. Wichtig war sicher, dass Inosoft sich nie von seiner Kernkompetenz, dem Beratungsgeschäft, hat ablenken lassen. Die zwei Softwareprodukte "Garibaldi" und "Prometheus", die in dem Unternehmen entwickelt wurden, entstanden nicht auf der grünen Wiese, sondern direkt aus der Consulting-Tätigkeit heraus. "Durch unsere Projekte entsteht ein Problembewusstsein darüber, wo es beim Kunden hängt", erzählt Winzer. Dies gibt den Anstoß, eigene Produkte zu entwickeln.

Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern waren die Marburger, die 2002 mit einem Zertifikat der Hertiestiftung als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet wurden, auch im vergangenen Jahr ständig auf der Suche nach Mitarbeitern. Für eine sorgfältige Überprüfung der Bewerber nehmen sie sich viel Zeit. Winzer hält die Atmosphäre im Unternehmen für einen weiteren wichtigen Grund dauerhaften Erfolges - auch wenn sich so etwas nur schwer messen lässt. Immerhin, Inosoft kann eine jährliche Fluktuation von nur rund zwei Prozent aufweisen, eine für ein Beratungsunternehmen extrem niedrige Quote (bei den großen Beratungsgesellschaften liegt der Wert bei mehr als 20 Prozent). Zufriedene Mitarbeiter nützen auch dem Kunden, ist man in Marburg überzeugt. Und das nicht nur, wenn man geschäftlich miteinander zu tun hat. "Auch wenn keine Projekte laufen und sich der Kontakt nicht unbedingt in Umsatzzahlen niederschlägt, kümmern wir uns um unsere Klienten", erzählt Winzer.

Doch auch Schwergewichte können dem Jahr 2002 Erfreuliches abgewinnen. Die vielerorts vorgenommenen Restrukturierungsmaßnahmen erwecken den Anschein, dass die Krise zu einer Besinnung auf die eigenen Stärken geführt hat. Die IT-Dienstleistungstochter der Siemens AG, Siemens Business Services (SBS), hat unter der Führung von Paul Stodden den Turnaround geschafft und sich von der Vorstellung verabschiedet, mit IBM oder EDS in der ersten Liga mitspielen zu können. Stodden, der Ende 2001 in das Unternehmen geholt wurde, übt sich in Bescheidenheit und gibt bis auf weiteres Ambitionen in den Märkten Asien und Südamerika auf. Gleiches gilt für die Ausrichtung auf bestimmte Branchen. Wollte SBS in der Vergangenheit Partner für möglichst viele Unternehmen sein, so konzentriert sich das Unternehmen nun auf Kunden aus der Industrie, dem Finanzdienstleistungssektor und der öffentlichen Verwaltung.

Dass Spezialisierung eine Überlebensstrategie ist, davon konnten gerade im vergangenen Jahr viele Anbieter ein Lied singen. Die in Geilenkirchen ansässige Software-Company CSB hat die Branchen Chemie, Pharma, Nahrungsmittel und Kosmetik fest im Visier. Und auch 2002 stieg das Geschäft mit Neulizenzen trotz der schwachen Konjunktur weiter an - oder gerade deswegen, wie CSB-Chef Peter Schimitzek meint, denn "die Kunden müssen sparen".

Dies bestätigt Rainer Herbers, Chief Operating Officer der Münchner FJA AG, die sich auf Software für die Versicherungsbranche spezialisiert hat: "Der Kostendruck auf die Versicherer hat sich durch den Einbruch der Aktienmärkte und durch die Folgen des 11. September zwar enorm verstärkt", erklärt er, "doch sehen wir keinen flächendeckenden Rückgang bei den IT-Investitionen der Branche." Zum einen kommen die Versicherer gar nicht umhin, in neue Software zu investieren, wenn es darum geht, Versicherungsprodukte zu entwickeln und den Markt schnell zu besetzen. Und zum anderen breitet sich die Erkenntnis aus, dass die internen Verwaltungskosten und -aufwände mit den richtigen Softwarelösungen erheblich gesenkt werden können. Die IT-Investitionen werden mit Blick auf diese beiden Kriterien genau geprüft. Herbers Fazit: "Wir rechnen sogar mit einer verstärkten Nachfrage nach unseren Produkten."

Klüger geworden

Aus schlechten Erfahrungen lernt man besonders viel - demnach wäre 2002 ein breites Fundament für den neuerlichen Aufschwung der deutschen IT-Szene gelegt worden. Zwar dominierten wieder einmal die schlechten Nachrichten, aber es gibt auch einige Lichtblicke.

Das Prinzip Hoffnung

Das ist doch schon ein kleiner Lichtblick: Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunkation und neue Medien e.V. (Bitkom) hat seine Prognose für das laufende Jahr nicht (nach unten) korrigieren müssen. Demanch steigt das Umsatzvolumen der deutschen IT- und TK-Branche um 0,4 Prozent auf 136,5 Milliarden Euro. Vorausetzung sei allerdings, dass die weltpolitische Lage stabil bleibt.

Positive Signale kommen laut Willi Berchtold, Vizepräsident des Bitkom, vor allem aus dem Geschäft mit Internet- und Mobilfunkdiensten. Dank der mittlerweile rund 36 Millionen "Surfer" in Deutschland habe das Online-Segent bereits im vergangenen Jahr steigende Umsätze verzeichnen können. Auch im Bereich Software und IT-Services zeichnet sich eine Erholung ab. Als treibende Kräfte gelten hier Web-Services, Knowledge- und Human-Ressource-Management-Programme, Sprachsteuerung sowie Digital-Rights-Management. Nach wie vor schwierig bleibt es hingegen für Anbieter von TK-Infrastruktur. Hier rechnen nur 29 Pozent der Hersteller selbst mit einem leichten Wachstum.