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28.05.1982 - 

Anforderungen an kommerzielle Bildschirmtext-Endgeräte im europäischen Standard:

Die "welcome page" begrüßt Btx-Teilnehmer

MÜNCHEN - Für die kommerzielle Nutzung von Bildschirmtext im Büro und durch Informationsanbieter werden bei der Einführung des Dienstes im Herbst 1983 unterschiedliche Endgeräte erforderlich sein. Je nach Verwendungszweck unterscheiden sich die Anforderungen an die Qualität von Bildschirm und Tastatur, an die Ausrüstung mit Peripheriegeräten, an die Übertragungsgeschwindigkeit, an den Leistungsumfang der Terminals sowie an den Benutzerkomfort. Franz Brunner vom Unternehmensbereich Kommunikations-Endgeräte der Siemens AG, München, bringt Licht ins Dunkel.

Bildschirmtext-(Btx-)Terminals werden ihren Aufgaben entsprechend in drei Gruppen eingeteilt: Die Abrufterminals sind in erster Linie für den Abruf von Informationen eingerichtet. Dazu gehört auch das Ausfüllen von Bestell- und Antwortseiten, die Dialogführung mit externen Rechnern und das Erstellen von Mitteilungen an andere Teilnehmer.

Die Editierterminals sind mit allen Funktionen eines Abrufterminals ausgelegt. Darüber hinaus bieten sie Informationsanbietern die Möglichkeit, Btx-Seiten zu erstellen und sie in die öffentlichen Datenbanken der Btx-Zentralen oder in die eigenen Datenbanken der externen Rechner oder der Inhouse-Systeme zu übertragen.

Sonderterminals wie mobile Endgeräte und Geräte mit Münzeinrichtung in öffentlichen Abrufzellen, sollen hier unberücksichtigt bleiben Ebenso werden Geräte mit Btx- unspezifischen Leistungsmerkmalen wie bei anderen Telematik-Diensten (Telex, Teletex, Telefax) beziehungsweise bei Personal Computern oder Speicherschreibmaschinen nicht betrachtet.

Die Geräte für den Bildschirmtext-Teilnehmer bestehen immer aus den gleichen Grundkomponenten: aus einem Anzeigegerät, einem integrierten oder auch separaten Steuergerät und einer Fernbedienung für den Fernsehempfänger oder einer alphanumerischen Tastatur. Daran können je nach Ausführung Speicher wie Kassette, Magnetdiskette, Videokassette- oder Videodisk, Drucker, Identitätskartenleser oder Personal Computer angeschlossen sein.

Läßt man die Ausstattungsvarianten mit peripheren Geräten außer acht, so bleiben noch drei Gerätefamilien für unterschiedliche Aufgaben:

- Btx-Terminals für den gelegentlichen Abrufer mit einer Schwarzweiß-Fernsehbildröhre

- Btx-Terminals mit einer Farbfernsehbildröhre für den gelegentlichen Abrufer;

- Btx-Farbterminals am Büroarbeitsplatz für hohe ergonomische Anforderungen.

Zusatzfunktionen im Steuergerät

Abhängig von der Intensität der Nutzung des Mitteilungsdienstes beziehungsweise des Rechnerdialogs, zum Beispiel in Inhouse-Systemen, sind diese Terminals mit kleinen "Ein-Finger-Tastaturen" - ähnlich der TV-Fernbedienung - oder mit "Volltastatur" - ähnlich der Schreibmaschine - für den professionellen Betrieb ausgelegt.

Je nach Einsatzort und Komfort der Büroterminals können im Steuergerät Zusatzfunktionen, wie Textbe- und -verarbeitungshilfen, einfache Rechnerfunktionen, integriert beziehungsweise bei angeschlossenem Personal Computer Programme ferngeladen werden (Bild 1). Der Unterschied von Bildschirmtext gegenüber der Datenfernverarbeitung besteht unter anderem darin, daß Btx-Terminals auf jeden beliebigen Rechner, der eine standardisierte Btx-Schnittstelle hat, zugreifen können, ohne daß dafür eine besondere Benutzerschulung erforderlich ist.

Frei definierte Zeichen

Zu den im Feldversuch geläufigen Tastenfunktionen:

- # (?) für Weiterblättern,

- # (?) für Zurückblättern,

- 00 (?) für Wiederholen der Seite und

- (?) zur Korrektur von Eingaben werden voraussichtlich drei weitere Befehle für zeilenweises Weiterlesen (rolling pages), Anhalten der Seite und zeilenweises Zurückblättern festgelegt werden. Diese wenigen Funktionen genügen, um jedem die Möglichkeit zu geben, den Btx-Dienst leicht und einfach zu nutzen.

Der im Steurgerät vorhandene Decoder beherrscht in Zukunft alle Basisfunktionen des europäischen Standards (CEPT-Recommendation T/CD 6 - 1). Dazu gehört zum Beispiel die Anzeige von etwa 300 lateinischen Buchstaben, von Mosaikgrafikzeichen, zusätzlichen Liniengrafik- und Schräggrafikzeichen und von frei definierbaren Zeichen bei einer Auswahl von 16 aus 4096 Farben eventuell mit einer Hintergrundfarbe (Bild 2). Diese Zeichen können in vier verschiedenen Schriftgrößen in voller oder halber Helligkeit angezeigt werden und zur Erhöhung des Aufmerksamkeitswertes in drei Phasen blinken.

Bei Einführung des bundesweiten Bildschirmtext-Dienstes im Herbst 1983 wird nach bisherigem Stand der Informationsanbieter bei Nutzung des Datex-P-Netzes mit den Übertragungsgebühren von etwa ein bis zwölf Pfennig für jede Bildschirmtext-Seite abhängig von dem Umfang belastet. Jeder Informationsanbieter muß also entscheiden, ob er seine Informationen für die Fernabfrage freigibt. Er kann zwar über eine Seitengebühr die Übertragungskosten zurückfordern, diese gilt dann aber auch für ihn selbst. Außer der Beschränkung des Btx-Seitenabrufs auf bestimmte Regionen kann auch in Zukunft der Zugriff auf geschützte Seiten auf bestimmte Personen oder Personengruppen beschränkt werden.

Kommerzielle Nutzung

Die komfortablere Familie von Btx-Terminals erfüllt die ergonomisch höheren Anforderungen kommerzieller Arbeitsplätze; sie ist mit monochromen oder farbfähigen Monitoren ausgerüstet. Peripheriegeräte zur Teilnehmeridentifikation, Speicherung und Weiterverarbeitung der Btx-Daten sind anschließbar.

Ein Abrufgerät der Komfortklasse beherrscht neben allen Basisfunktionen des Bildschirmtext-Dienstes auch Zusatzfunktionen, wie Auslesen und Weiterverarbeiten von den mit besonderen Steuerzeichen markierten Zonen oder Umschalten auf andere Zeichenformate.

Texterstellungshilfen erleichtern das Schreiben von Mitteilungen. Empfangen und Senden ist mit höheren Geschwindigkeiten (2400 bit/s), abhängig vom Datenübertragungsnetz, möglich. Integrierte Mehrseitenspeicher oder an das Steuergerät angeschlossene externe Speicher ermöglichen wiederholtes Ansehen von einmal aufgerufenen Seiten. Die Mischung von Btx-Informationen mit Bildern oder Filmen von Videodisketten beziehungsweise Videokassetten ist durch Transparentschalten des Btx-Vorder- beziehungsweise Hintergrunds oder durch Einblenden eines Videobildes in ein "Fenster" der Btx-Seite möglich. Dabei ist die Fernsteuerung des Videowiedergabegeräts durch das Btx-Terminal denkbar.

Der Zugriff auf besonders geschützte Daten kann durch Lesen einer Identitätskarte (Magnetstreifen oder integrierter Speicherchip) freigegeben werden. Die Identifikationsdaten müssen zur Freigabe geschützter Daten vom Steuergerät zum Externen Rechner beziehungsweise zur öffentlichen oder Inhouse-Btx-Zentrale übertragen und dort ausgewertet werden.

Anschließbare Drucker liefern Auszüge der abgerufenen Informationen in verschiedener Qualität, und schließlich könnten Personal Computer über den Btx-Dienst Programme laden beziehungsweise abgerufene Daten weiterverarbeiten.

Bis eine Btx-Seite aus den öffentlichen beziehungsweise Inhouse-Btx-Zentralen oder den externen Rechnern abrufbar ist, sind jeweils drei Arbeitsgänge erforderlich, die am Editierterminal (Bild 3) ausgeführt werden:

- Programmieren der Daten der Seite,

- Erstellen und Übertragen des Seiteninhalts,

- Anbinden an den postalischen Suchbaum, an das Schlagwortregister, das Informationsanbieterverzeichnis oder, falls vorhanden, an ein Suchwortprogramm.

Beim Programmieren der Daten von Btx-Seiten trifft der Informationsanbieter erst die Wahl der Seitenart: Schon jetzt stehen eine "welcome page" mit der Möglichkeit der persönlichen Begrüßung des Teilnehmers, eine Informationsseite, eine Antwortseite mit Feldern zum Ausfüllen durch den Teilnehmer und eine "gate-way page" als Übergangsseite zum eigenen externen Rechner zur Wahl.

Nach der Programmierung der Zugriffsberechtigung und der Seitengebühren wird die Seite mit dem eigenen Suchbaum verknüpft. Alle diese Daten werden, abhängig von der in den Btx-Zentralen verfügbaren Software und dem verwendeten Editiergerät, entweder Zeichen für Zeichen online im Dialog mit der Zentrale eingegeben oder offline geschrieben, zwischengespeichert und dann gemeinsam mit dem Seiteninhalt im Stapel zur Zentrale übertragen.

Das eigentliche Editiern des Seiteninhalts, das Erstellen von Textseiten ist dem Schreiben eines Briefes auf einer Speicherschreibmaschine mit Bildschirm ähnlich. Zusätzlich müssen die Farben für Vordergrund beziehungsweise Hintergrund und die Schriftgröße gewählt werden.

Bisher waren speziell gestaltete Farbseiten mit hohem geschmacklichen Niveau wegen der beschränkten Farbauswahl - Vordergrundfarbe und eine Hintergrundfarbe aus den drei Grundfarben Rot, Grün, Blau und vier Mischfarben Magenta, Gelb, Cyan und Weiß - noch wenig zufriedenstellend. Im neuen europäischen Btx-Standard (CEPT-Standard) kann der Informationsanbieter die sieben genannten Farben in voller und halber Intensität und die Farbe Schwarz nutzen. Als Option bietet der Dienst zusätzlich eine Auswahl von 16 aus 4096 Farbnuancen. Insgesamt kann eine bunte Seite also in 31 verschiedenen Farben schillern.

Grafikbau mit Tastatur

Die Editiertastatur muß neben allen landesspezifischen Schriftzeichen die Mosaik-Grafikzeichen, die Linien-, die Schräggrafikzeichen in flächendeckender (contintious grafic) und in aufgerasteter (separated grafic) Form und die DRCS- Zeichen erstellen beziehungsweise aufrufen und aneinanderfügen können.

Jedes Btx-Layout läßt sich zwar allein mit einer Tastatur eingeben; es ist jedoch sehr mühsam: Je nach Entwurf sind dann nur 50 Prozent Flächennutzung etwa 2700 Tasten zu betätigen, wofür meist hochbezahlte Gestalter - je nach Schwierigkeit der Grafik - bis zu vier Stunden beschäftigt sind.

Die im CEPT-Standard festgelegten zusätzlichen Liniengrafik-, Schräggrafikzeichen und frei definierbaren Zeichen (DRCS dynamically redefinable characterset; Bild 4) erweitern zwar die Darstellungsmöglichkeiten, führen aber zu erheblich mehr Gestaltungsleistung (zusätzlich 5640 Tasten drücken bei nur 50 Prozent der Flächennutzung). Sind zum Beispiel zusätzlich mehrere Vordergrundfarben einem einzigen Zeichen wie bei der Kreuzung verschiedenfarbiger Kurvenzüge darzustellen, so ist diese Kreuzung nur durch Zusammenfassung von mindestens zwei Punkten zum kleinsten darstellbaren Grafikfeld erstellbar.

Das würde für die feinste darstellbare Kurve am Kreuzungspunkt eine Verdickung bedeuten (Bild 5). Es muß also von vornherein genau überlegt werden, in welcher Strichstärke eine Kurve dargestellt werden soll.

Grafikaufbau mit Grafiktableaus

Mit Einführen der zwischenraumfreien Attributswechsel erleichtert ein Grafiktableau das Erstellen einer Grafik in den 16 vorher definierten Farben. Dabei sind mindestens drei Betriebsarten des Tableaus Voraussetzung:

- Mosaikgrafikauflösung (2 x 3 Felder je Grafikzeichen),

- einzelne DRCS-Grafikzeichen,

- zusammenhängende DRCS-Grafikzüge.

Schon im ersten Fall reicht eine reine Umsetzung der Griffbewegungen in Codes nicht immer aus. Sobald innerhalb eines Feldes eine zweite Farbe gezeichnet wird, muß entweder ein zusätzliches Verarbeitungsprogramm die Einfügemöglichkeit eines Mehrfarben-DRCS-Zeichens prüfen, oder der Grafiker selbst muß dies als Korrekturleistung durchführen.

Im zweiten Fall muß ebenfalls festgelegt werden, ob einfarbige DRCS-Zeichen für die gewünschte Darstellung ausreichend sind oder nicht. Davon abhängig ist die Wahl der Auflösung im einzelnen Zeichen. Nutzt man die maximale Auflösung eines Grafiktableaus, so ist es möglich, den gesamten Bildschirm im DERS-Modus zu beschreiben. Die Darstellungsgrenze von 94 DERS-Zeichen (12x 10-Punkt-Raster) ist jedoch sehr schnell überschritten. Eine Logik im Editierterminal muß das Erreichen dieser Grenzen anzeigen.

An einem Beispiel wird deutlich, wie unter vollem Ausschöpfen des Zeichenvorrats mit mehrfarbigen DRCS-Zeichen eine sehr detaillierte Grafik erstellt werden kann (Bild 6).

Grafikaufbau mit Farbgrafikabtaster

Das Erstellen von Grafiken mit Hilfe der Tastatur beziehungsweise einem Grafiktableau ist nur bedingt eine Hilfe bei der Grafikentwicklung. Während mit der Tastatur die Mosaik- und DRCS-Zeichen Punkt für Punkt beziehungsweise beim Tableau Strich für Strich eingegeben werden müssen, lassen sich mit einem Farbgrafikabtaster 5280 Mosaikpunkte in etwa 30 Sekunden abtasten und codieren. Genauso schnell kann die gleiche Zahl von gelesenen Punkten zu DRCS-Zeichen zusammengefaßt werden. Das bedeutet, daß in etwa 90 Sekunden die maximale Anzahl von Grafikzeichen einer Seite einschließlich aller frei definierbaren Zeichen eingegeben ist.

In einer weiteren Ausbaustufe sind Erarbeitungsprogramme für Bilder vorstellbar, die das Abtastergebnis einer Grafikvorlage selbständig auf das Minimum an Codes für die Übertragung reduzieren.

Linien-, Schräg- und Mosaikgrafikzeichen würden dann automatisch erkannt, nicht mehr darstellbare DRCS-Zeichen auf Wunsch durch Hinzufügen oder Weglassen einzelner Punkte auf ein im Zeichenvorrat vorhandenes Zeichen reduziert und so die gesamte Grafik in eine im Bildschirmtext zulässige Form gebracht.

Übertragen und Programmieren

Mit einer speziellen Editiertastatur werden die Btx-Seiten offline, das heißt ohne Verbindung zur Btx-Zentrale, in den Speicher des Steuergeräts eingegeben und anschließend automatisch in die Zentrale übertragen. Die Steuerung übernimmt der Mikrocomputer. Und da schon Rechnerleistung vorhanden war, ließ sich dies auch gleich für Textverarbeitungsfunktionen nutzen.

Ähnlich wie bei den Abrufgeräten werden in verstärkten Maße bei Informationsanbietern Terminals mit höheren Datenübertragungsgeschwindigkeiten genutzt. Dabei sind für offline erstellte Seiten unterschiedliche Prozeduren denkbar:

- Programmieren der Daten einer Seite und Anbinden an den postalischen Suchbaum Zeichen für Zeichen im Dialog und Übertragen des gesamten Seiteninhalts

- Übertragen der Daten und der Inhalte von mehreren Seiten im Stapel Anbindung an den postalischen Suchbaum, vorher oder anschließend im Dialog, Zeichen für Zeichen

- Übertragung der Daten, der Anbindung und der Inhalte von mehreren Seiten im Stapel.

Welche Methoden sinnvoll sein werden, hängt von den Datenübertragungsprotokollen und dem Komfort der Bedienerführung seitens der Bildschirmtext-Zentrale ab.

Da anzunehmen ist, daß es in Zukunft bundesweit einheitliche Schlagwortregister und Inhaltsverzeichnisse geben wird, hat der Informationsanbieter bei überregionalem Angebot die Wahl, in welchen Regionen unter welchen Suchbegriffen des Schlagwortregisters beziehungsweise Inhaltsverzeichnisses welche Btx-Seite seines Programms gefunden werden soll. Das Anbinden wird direkt vom Editierterminal aus ver (...)