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22.01.1988

Die Welt der DV hält für Frauen qualifizierte Jobs bereit

Noch immer liegt es an der Erziehung durch Eltern und Lehrer sowie an dem sozialen Umfeld, daß relativ wenig Frauen technisch-wissenschaftliche Berufe ergreifen. Diese Situation hat sich zwar in den vergangenen Jahren verbessert, ist jedoch bei weitem noch nicht zufriedenstellend für das weibliche Geschlecht. Es müssen daher noch weitere Maßnahmen sowohl bildungspolitischer Natur als auch von den Unternehmen ergriffen werden, damit mehr Frauen in qualifizierten Tätigkeiten beschäftigt werden. Computerunterricht für Mädchen, Umschulungsangebote der Arbeitsämter und Frauenförderprogramme in Betrieben sind hier nur einige Beispiele. Aber Maßnahmen jedweder Art helfen wenig, wenn nicht die Frauen selber aus der ihnen noch häufig auferlegten Rolle der Nur-Hausfrau und -Mutter herausschlüpfen und auch die Chancen wahrnehmen, die ihnen angeboten werden.

Dr. Helga Herrmann, Leiterin des Referats Bildungspolitische Grundsatzfragen, Institut der

deutschen Wirtschaft, Köln

Es ist eine Tatsache, daß nur wenige Frauen die Arbeitsinhalte der DV-Berufe kennen. Sie wissen schlicht und einfach nicht, welche Beschäftigungs-, Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten es gibt. Die Tätigkeitsfelder der von Frauen am liebsten gewählten Berufe (Verkäuferin, Friseuse) sind ihnen dagegen gut bekannt. Ähnlich ist es auf der akademischen Ebene. Das Lehramt ist bei den Abiturientinnen noch immer das beliebteste Studienziel.

Bei den Männern verhält es sich im Prinzip nicht anders. Wer hat denn schon eine Vorstellung vom Beruf Informationselektroniker oder Systemanalytiker? Dennoch ergreifen mehr Männer als Frauen solche Berufe.

Es stellt sich die Frage, warum den Frauen dieses Informationsdefizit so sehr zum Beschäftigungshandicap wird. Hier muß man auf einer tieferen Ebene ansetzen, nämlich bei Erziehung und schulischer Bildung. Frauen müssen höhere Barrieren überwinden als Männer, wenn sie einen technischen Beruf ergreifen. Diese Barrieren werden während der Kindheit und Schulzeit errichtet.

DV-Berufe erfordern keine Kenntnisse und Fähigkeiten die von Frauen nicht auch erworben werden könnten. Dazu zählen zum Beispiel die Fähigkeiten zum abstrakten und planerischen Denken: Sie werden bei der Erziehung der Mädchen jedoch nicht in dem Maße gefördert wie bei Jungen.

Die meist zu wenigen Computer in den Schulen werden überwiegend von Jungen belagert, Mädchen trauen sich nicht an die Geräte. Jungen haben vielfach schon zu Hause Erfahrungen im Umgang mit Computern gesammelt. Mädchen haben solche Erfahrungen kaum, und im Schulunterricht wagen sie sich dann auch nicht an Computer heran, weil sie von den Mitschülern als zu langsam, teilweise auch als zu dumm und zu zögernd empfunden werden und sich nicht blamieren möchten. Also bleiben sie lieber gleich als Zuschauer im Hintergrund.

Diese Spirale setzt sich bis zum Abitur hin fort. Wenn es dann an die Berufs- und Studienwahl geht, sind die Vorstellungen über "Männerberufe" und "Frauenberufe" bereits so festgefahren und die Barrieren gegenüber technischen Berufsfeldern so hoch, daß die Entscheidung für den Beruf der Arzthelferin, Rechtsanwaltsgehilfin oder das Lehramt fast logisch erscheint.

Es müssen auf verschiedenen Ebenen Maßnahmen ergriffen werden, um dies zu ändern. Man muß den Mädchen die Angst vor der Technik nehmen und sie rechtzeitig spielerisch an die Datenverarbeitung heranführen. Beispielsweise wäre es sinnvoll, einen eigenen Computerunterricht für sie einzuführen. Der Erfolg der in den letzten Jahren veranstalteten Schnupperkurse, in denen Mädchen unter sich am Computer spielen und lernen konnten, hat dies bestätigt.

Konkret müßte in bestimmten schulischen Bereichen die Koedukation zurückgenommen werden. Das würde ich sogar auf das Fach Mathematik ausdehnen, denn hier werden Grundsteine für den späteren Umgang mit Computern gelegt. Erfahrungswerte belegen, daß Mädchen, die von reinen Mädchenschulen kommen, häufiger geneigt sind, Informatik zu studieren.

Des weiteren mußten die Mädchen über die Inhalte und die Chancen dieser neuen DV-Berufe gezielt informiert werden. Das ist zum Teil Aufgabe der Berufsberatung, aber auch der Wirtschaft. Die Arbeitsämter beispielsweise könnten zusammen mit einer schulischen Institution ein Forum schaffen, in dem Frauen, die in qualifizierten DV-Berufen tätig sind, Schulabgängerinnen aus ihrer Berufspraxis berichten.

Auf diesem Wege ließen sich sicher mehr Mädchen für DV-Berufe begeistern. Schließlich verfügen Frauen traditionell über einige Eigenschaften, die besonders zum Umgang mit Computern befähigen, beispielsweise Liebe zum Detail, Geduld, Bereitschaft zur Teamarbeit. Frauen haben gar keinen Grund, die Technik zu fürchten. Die Praxis zeigt, daß Frauen sehr gut mit Computern zurechtkommen. Es sind jedoch allzu oft einfache Schreib- und Sachbearbeitertätigkeiten, die sie dabei ausüben.

Ich möchte den Frauen immer wieder Mut machen, sich intensiv über die Berufschancen in der Datenverarbeitung zu informieren, auch deshalb, weil sich hier gewaltige Chancen auftun. Es gibt heutzutage klassische Frauen- und Männerberufe. Die Datenverarbeitung ist in weiten Teilen noch ein "geschlechtsneutrales" Gebiet. Hier sollten die Frauen noch wesentlich mehr hochqualifizierte Posten besetzen. Es besteht durchaus die Gefahr, daß Frauen einen Zukunftstrend verpassen könnten. Die Beschäftigungsaussichten in diesen Berufen sind gut und werden es auch in Zukunft sein - im Gegensatz zu den heute "typischen" Frauenberufen.

Frauen sollten flexibler werden und die künftige Entwicklung der Datenverarbeitung in ihre Berufswahl miteinbeziehen. Schließlich noch ein Appell an Eltern und Lehrer: Die "Benachteiligung" der Mädchen in gewissen Entwicklungsstufen findet nicht willkürlich statt, sondern vollzieht sich unbewußt. Eltern und Lehrer müssen sich ihr Erziehungsverhalten bewußt machen. Mädchen, die Interesse an technischen Berufen zeigen, müssen gezielt gefördert werden.

Roland Heincke, Leiter Personalentwicklung, Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, Hamburg

Die Führungspositionen sind in unserem Unternehmen bisher noch ausschließlich von Männern besetzt. In der DV-Abteilung haben wir jedoch auf qualifizierten Ebenen bereits elf Mitarbeiterinnen. Am Arbeitsmarkt findet man momentan nur Frauen im Alter von 20 bis 35 Jahren. Daraus läßt sich schließen, daß Frauen in großem Umfang für die Kernberufe der DV und für Führungspositionen alters- und ausbildungsmäßig noch nicht soweit sind. Der zweite wesentliche Gesichtspunkt ist, daß gegenüber Frauen noch immer eine gewisse Reserviertheit besteht (mögliche Schwangerschaft, Doppelbelastung etc.)

All diese Bedenken müssen jedoch außer acht gelassen werden, wenn man sich einmal die zukünftige Personalentwicklung vor Augen hält. Dabei wird klar, daß wir in den kommenden Jahren zunehmend auf Frauen angewiesen sind, weil zum einen immer mehr mit qualifizierter Ausbildung zur Verfügung stehen, und zum anderen die Männer die bestehenden Lücken im DV- und Führungskräfte-Bereich rein zahlenmäßig nicht mehr füllen können.

In den letzten Jahren hat sich das soziale Umfeld verändert. Beobachtet man die Presse und das Fernsehen, dann stellt man fest, daß Frauen auf dem Vormarsch sind. Diese Entwicklung wird auch an den Unternehmen nicht spurlos vorübergehen. Auch in unserer DV-Abteilung sind die Frauen im Kommen, und ich denke, daß das so weitergehen wird.

Zur Förderung der Frauen tragen wir mit verschiedenen Maßnahmen bei. Wir haben einen Einheitstarifvertrag, nach dem die Mitarbeiter unabhängig vom Geschlecht - nur nach Position - bezahlt werden. Ferner stellen wir im Nachwuchsbereich überwiegend Abiturientinnen ein (zwischen 50 und 100 Prozent). Diese bilden wir zu DV-Kaufleuten aus und übernehmen sie danach mindestens in befristete Arbeitsverhältnisse.

In dieser Ausbildung fangen die Frauen als Junior-Programmiererinnen an und entwickeln sich dann weiter zu Systemanalytikerinnen oder Systemberaterinnen. Letzteren wird auch Projektverantwortung übertragen. In unserer DV-Abteilung gibt es inzwischen drei Projektleiterinnen.

Des weiteren. haben wir im Herbst vergangenen Jahres ein Förderprogramm gestartet, das durch unseren Betriebsrat initiiert wurde und sich ausschließlich an Mitarbeiterinnen des Hauses wendet. Wir werden den Kolleginnen Seminare anbieten, in denen Auftreten, Präsentieren und Rhetorik verbessert werden können.

Ob langfristig mehr Frauen technische Berufe ergreifen, liegt sicherlich auch sehr stark an der Erziehung durch die Eltern. Diese sollen darauf achten, daß ihre Töchter eine qualifizierte Schulausbildung bekommen.

An Gymnasien sollten Lehrer besser in Richtung Datenverarbeitung geschult werden da viele nach meiner Erfahrung von der Arbeitswelt insbesondere der DV relativ weit entfernt sind. Sie erhalten leider zuwenig Gelegenheit, ihren theoretischen Kenntnisstand mit der Praxis zu vergleichen.

Christiane Schiersmann, Stellvertretende wissenschaftliche Leiterin, Institut Frau und Gesellschaft

Hannover

Noch immer werden an Jungen und Mädchen von jüngster Kindheit an unterschiedliche Erwartungen im Hinblick auf ihr Verhalten und ihre Einstellungen gerichtet, und sie werden entsprechend der ihnen zugewiesenen späteren gesellschaftlichen Rolle unterschiedlich erzogen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Spiel, die die spätere Aneignung von technisch-naturwissenschaftlichen Kenntnissen und Fähigkeiten erleichtern beziehungsweise erschweren, können bereits ab dem ersten Lebensjahr festgestellt werden. Die Schule ist ebenfalls noch immer nicht frei davon, Mädchen und Jungen unterschiedlich zu behandeln. Lehrerinnen und Lehrer setzen - zum Teil unbewußt - bei Mädchen andere Interessen und Neigungen als bei Jungen voraus. So werden Mädchen häufig im mathematischnaturwissenschaftlichen Bereich eher nachsichtig oder rücksichtsvoll behandelt. Nachteilig für die Mädchen wirkt sich auch aus, daß in den naturwissenschaftlichen Fächern kaum Frauen tätig sind die als Vorbild wirken könnten. Auch die Mitschüler tragen eher dazu bei, Mädchen zu entmutigen als zu aktivieren.

Jungen halten häufig Mädchen für zu dumm für den Umgang mit Computern oder etikettieren Mädchen mit Computerinteressen als unweiblich.

Unter bildungspolitischer Perspektive scheint mir insbesondere die Tatsache von Bedeutung, daß nach den bisherigen Überlegungen der Bund-Länder-Kommission die informationstechnische Bildung im Sekundarbereich I, also in den Klassen 7 oder 8, beginnt. Dies ist eine Entwicklungsphase, in der es für Mädchen besonders wichtig ist, als weiblich zu gelten und in dieser Rolle akzeptiert zu werden. Gerade zu diesem Zeitpunkt werden die Mädchen besonders wenig Interesse daran entwickeln, sich einen frauenuntypischen Bereich neu zu erobern, wenn dafür nicht schon sehr viel früher entscheidende Weichen gestellt worden sind.

Insgesamt ist davon auszugehen, daß die relative Distanz der Mädchen und Frauen gegenüber den neuen Technologien im wesentlichen ein Ergebnis der Sozialisationseinflüsse von Elternhaus, Schule und sozialer Umwelt sowie der geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Arbeitsteilung darstellt. Die aus den Rollenzuweisungen resultierenden Einstellungen und Persönlichkeitsprägungen haben dazu geführt, daß Mädchen/Frauen eigene Zugangsweisen zu den neuen Technologien entwickelt haben, die weder eindeutig negativ noch ausschließlich positiv zu beurteilen sind. Es kann daher nicht pauschal von einer Technikferne der Mädchen/Frauen gesprochen werden. Es zeigt sich vielmehr, daß sie bei förderlichen Rahmenbedingungen und geeigneten Anspracheformen durchaus ein lebhaftes Interesse an dieser Thematik entwickeln. Bei der Frage, wie Mädchen und Frauen dabei unterstützt werden können, sich qualifiziert und kritisch mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen, darf die von den Frauen selber aufgeworfene Frage, ob und in welchem Umfang die neuen Technologien wirklich zu einer Verbesserung unserer Lebensqualität beitragen, nicht außer acht gelassen werden.

Eine wichtige Rolle werden didaktisch-methodische Ansätze bei dem Bemühen spielen, Mädchen einen ihren Lernerfahrungen entsprechenden und auf ihre Lebenssituation bezogenen Zugang zu den neuen Technologien zu ermöglichen. Außerdem erscheint es besonders wichtig, darauf hinzuwirken, daß die Jungen ihr Sozialverhalten ändern und sich den Mädchen gegenüber nicht diskriminierend verhalten. Als weiterer zentraler Ansatzpunkt ist die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften hervorzuheben. Eine verstärkte Qualifizierung von Lehrerinnen für den Mathematik- und Informatikunterricht könnte die Vorbildwirkung für Mädchen erhöhen. Eine generelle Sensibilisierung aller Lehrerinnen und Lehrer für mädchenspezifische Zugangsweisen zu den neuen Technologien stellt eine weitere Voraussetzung dar, um der Verstärkung geschlechtsspezifischer Rollen- und Aufgabenzuschreibungen durch die Schule entgegenzuwirken. Angebote der Eltern- und Familienbildung sind hilfreich, um Eltern auf die geschlechtsspezifische Problematik aufmerksam zu machen und ihnen zugleich die nötigen Kenntnisse zu vermitteln, damit sie mit ihren Kindern, insbesondere die Mütter und Väter mit ihren Töchtern, sachgerecht über neue Technologien kommunizieren können.

Dr. Heinz Brill, DV/Org.-Leiter, Krupp Stahl AG, Bochum

In der DV-Abteilung unseres Unternehmens sind vergleichsweise mehr Frauen tätig als in anderen Bereichen des Hauses. Dies trifft auch auf andere, mir bekannte Unternehmen zu. Der Anteil der weiblichen DV-Fachkräfte liegt bei uns zur Zeit bei nahezu 20 Prozent. Während der letzten beiden Jahre wurden bei Neueinstellungen sogar nahezu die Hälfte der Jobs an Frauen vergeben. Diese Entwicklung wird sich auch weiterhin fortsetzen, so daß der Anteil der Frauen in DV-Berufen prozentual höher steigt als in anderen Bereichen wie Verkauf, Rechnungswesen und Betriebswirtschaft. Diese Mitarbeiterinnen sind hauptsächlich in der Systementwicklung, der Systemprogrammierung und der Organisation beschäftigt.

Allerdings sind die wenigsten der DV-Expertinnen daran interessiert, eine Führungsposition zu bekleiden. Mit den wenigen weiblichen Führungskräften haben wir jedoch ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht. Bemerkenswert ist auch, daß wir in den letzten Jahren keinen Fall hatten, bei dem eine Frau ausgeschieden ist, weil sie ein Kind bekommen hat.

Unsere Erfahrung ist, daß die Frauen, die einmal den Weg in die Datenverarbeitung gewählt haben, diese Entscheidung sehr bewußt getroffen haben. Daraus resultiert, daß unsere Mitarbeiterinnen sehr einsatzfreudig, sehr begeisterungsfähig und auch sehr belastbar sind. Gegenüber den Männern in gleicher Position haben sie oft Vorteile. Die Qualität der Arbeit und die Durchsetzungsfähigkeit sehen wir als gleich gut bei beiden Geschlechtern an. Allerdings konnten wir beobachten, daß die Akzeptanz gegenüber den DV-Mitarbeiterinnen bei Gesprächen mit Fachabteilungsmitarbeitern oft geringer ist als die Akzeptanz gegenüber Männern. Das liegt wahrscheinlich in Vorurteilen der Gesprächspartner begründet.

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema: Bei gleich guten Zeugnissen sollte man bei einer Neueinstellung ruhig einer Frau den Vorzug geben. Den Frauen würde ich raten, möglichst nicht in frühem Alter auszusteigen, sondern so wie die Männer bis zur Pensionierung tätig zu bleiben. Damit würde die Begründung, "wir stellen keine Frau ein, weil sie ohnehin irgendwann ein Kind bekommt", unmöglich. Wenn diese Faktoren erreicht werden, dann haben Frauen auf lange Sicht mindestens die gleichen, wenn nicht sogar bessere Chancen als Männer.

Siegmund Braun, DV-Leiter, Chase Bank, Frankfurt

Die Autoren des heutigen Themas sollten eigentlich Soziologen und im besonderen Politiker sein, handelt es sich doch hierbei meiner Ansicht nach nicht um ein DV-spezifisches, sondern um ein allgemein zu beleuchtendes, gesellschaftliches Problem.

Das Dauerbrenner-Thema "Gleichberechtigung der Frau im Beruf" muß hier integriert werden. Man könnte nämlich beispielsweise ebenso die Frage stellen: Warum haben bei uns nur 3 Prozent der höheren Positionen Frauen inne, oder warum sind nur 3 Prozent aller Professoren weiblich, oder - gehen wir auf eine andere Ebene - warum gibt es nur 4,7 Prozent Beamtinnen?

Sicherlich gibt es auch spezielle Gründe, warum noch so wenig Frauen in der DV-Welt zu finden sind. Ein Grund könnte vielleicht der teilweise immer noch von vielen DVern bewußt gepflegte Mythos um die DV sein, nämlich daß es sich um schwierige Technik handelt, für deren Beherrschung es entsprechender Intelligenz bedarf ("Frauen und Technik?" ).

Diese Klischees wurden gottlob mittlerweile stark dezimiert. Meiner Überzeugung nach hat hier die Verbreitung des Personal Computers wesentlich dazu beigetragen.

Ein weiterer Grund könnte sein, daß man Frauen nicht im gleichen Maße zutraut, körperlichem und geistigem Streß zu widerstehen. Ein Hindernis ist sicherlich auch das Nachtarbeitsverbot für Frauen, denn sie können nicht im Schichtbetrieb des Operating eingesetzt werden. Dieses Hindernis muß abgebaut werden; hier sind die Gewerkschaften gefordert.

In der Zukunft werden sicherlich zwangsläufig durch stetig steigenden Bedarf an qualifiziertem DV-Personal mehr Frauen in der DV zu finden sein. Außerdem könnte eine weitere Möglichkeit darin bestehen, mehr Teilzeitarbeitsplätze zu schaffen. Gewerkschaften sollten nicht länger den Vollzeitarbeitsvertrag als das Alleinseligmachende propagieren. Ansonsten ist es an der Zeit, zu der Einsicht zu gelangen, daß Frauen in der DV sehr wohl ihren "Mann" stehen können. Im übrigen: Wem haben Sie zu Weihnachten einen PC geschenkt? Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter?

Birgit Carey, Leiterin Personalabteilung, E & L Lebensversicherung,

Wiesbaden

Der Grund für die noch relativ geringe Anzahl von Frauen in DV-Berufen ist meines Erachtens mehrschichtig. Zum einen spielt das traditionelle Rollenverständnis der Frauen selber eine große Rolle, zum anderen sind sicherlich auch die Erwartungen der Umwelt von großem Einfluß.

Frauen werden auch heute noch negativ gegenüber Technik, Mathematik und Logik beeinflußt. Das führt dazu, daß viele gar nicht mehr den Versuch wagen, sich ernsthaft dafür zu interessieren oder ihre vielleicht vorhandenen Talente zu entwickeln. Schon kleine Mädchen bekommen die Puppe, Jungen das Auto- traditionelles Verhalten, das leider heute noch weit verbreitet ist.

In der Berufswahl setzt sich dieses anerzogene Verhalten fort, und Chancen werden nicht wahrgenommen. Gerade in Mangelberufen der DV-Technik bestehen auch für Frauen gute Chancen für berufliche Entwicklung, da durch die männlichen Mitbewerber der Markt bei weitem nicht abgedeckt werden kann.

Sicherlich gibt es heute auch noch viele Personalchefs und auch Leiter von DV-Abteilungen, die sich schwertun, wenn es um weibliche Kräfte geht. Aber ich glaube, daß - gerade auch durch das knappe Potential an DV-Experten- Frauen künftig gute Möglichkeiten vorfinden werden, wenn sie über die gleiche Qualifikation verfügen wie ihre männlichen Kollegen. Auch im PC-Bereich sehe ich zukunftsträchtige Jobs.

Frauen, die Interesse an diesen Berufen haben, sollten zum Beispiel die Angebote der Arbeitsämter nutzen und sich Eignungstests unterziehen, die Klarheit über vorhandene Talente schaffen. Die Chancen sind gut; die Frauen müssen aber den ersten Schritt machen, und die vorhandenen Möglichkeiten auch nutzen. Unsere bisherigen Erfahrungen mit Frauen sind positiv.