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30.01.1987 - 

Der Mangel an DV-Trainern reicht vom Schulleiter bis zum Fibu-Spezialisten:

Die Welt der l+K-Technik sucht ihre Interpreten

MÜNCHEN (CW) - Der Wachstumsknick in der DV-Branche gründet nicht unerheblich auf einem Defizit an Multiplikatoren für Anwender. Wie groß der Engpaß beim Know-how-Transfer ist, zeigt die akute Nachfrage etwa nach Instruktoren bei Schulungsinstituten im Bereich Umschulung ebenso wie für das Kundentraining in DV-Kollegs der Hersteller.

Ob die I+K-Technik für 1987 nur einen schlechten Start erwischt hat oder ob sie mit "gemäßigtem" Wachstum zufrieden sein muß - den Marktforschern Diebold und IDC geben Signale wie "IBM will bis 30. Juni 1987 10 000 Mitarbeiter als Frühpensionäre heimschicken" oder "AT&T will in den nächsten zwei Jahren gar 27 400 Stellen abbauen" (CW Nr. 1/2 vom 9. Januar 1987, Seite 1) Rätsel auf. Zwischen "normalen Umstrukturierungen", wie sie in bürokratisierten Großorganisationen von Zeit zu Zeit offenbar nötig sind, oder Anzeichen für Bremsspuren schwanken die Auffassungen der Analytiker.

War die DV-Branche über die vergangenen fünf Jahre hinweg mit Wachstumsraten von gut 20 Prozent verwöhnt worden, liegt das prognostizierte Wachstum für 1987 bei 17 Prozent. Dabei hat das Segment Hardware noch einen Anteil von über der Hälfte; Software und Dienstleistungen belegen 47 Prozent. Kommentatoren sprechen angesichts der Zahlen von einem Wachstumsknick. Betrachtet man Teilmärkte aus dem I+K-Bereich, können daraus

Schlußfolgerungen für Marktchancen und Marktrisiken gezogen werden.

Der Teilmarkt DV-Schulung mit einem Volumen von zirka 1,5 Milliarden Mark wird auch für die nächsten fünf Jahre ein Wachstum von über 2'0 Prozent erzielen und mit Software und Laserdruckern zu den Vorturnern in der Wachstumsriege zählen.

Der Wachstumsknick scheint wohl anscheinend auf verfehlte Marktstrategien beim Verkauf von Produkten der I+K-Technik zurückzuführen zu sein. Professor Erich Staudt am Lehrstuhl für Arbeitsökonomie der Universität Bochum hat festgestellt (CW Nr. 46, 10. Oktober 1986, Seite 8), "daß die Integration neuer Techniken in weiten Bereichen, die als potentielle Anwendungsgebiete vermutet werden nicht möglich ist, weil zahlreiche Defizite informatorischer, technischer und qualifikatorischer Art bestehen".

"Die I+K-Produzenten müssen aber endlich merken, daß Umsatz die eine Seite und Anwendung der I+K-Technik die andere Seite ist. Das organisatorische Umfeld muß stimmen und der Mensch muß endlich im Mittelpunkt stehen - nicht nur in der Werbung", schlußfolgert Paul Maisberger, Sprecher der Control Data Institut GmbH in München.

Der weiteren Verbreitung der I+K-Technik fehlen Menschen mit den "richtigen" Qualifikationen. Diese Qualifikationslücke wiederum kann seiner Meinung mach nur geschlossen werden, wenn entsprechend ausgebildete und erfahrene Instruktoren und Ausbilder zur Verfügung stehen.

DV-Trainingsabteilungen sitzen auf dem Trocknen

Für praxiserprobte "EDV-Hasen", ohne Scheuklappen für Neuentwicklungen, ergibt sich die Chance, in einen Bereich "umzusteigen", der einerseits "eine hohe Befriedigung verschafft" und andererseits "tatsächlich den Menschen in den Mittelpunkt stellt": das EDV-Training. Von der Produktentwicklung über Fachautoren bis zu Qualifizierungsberatern und Seminarbetreuern erstreckt sich die Liste der gefragten Jobs.

So sucht das bundesweit tätige Control Data Institut zur Zeit 80 Mitarbeiter für den Bereich Schulung.

Trainingserfahruog aus den Bereichen EDV-Organisation, Systemanalyse, CAD, MVS, DOS-VSE, BS2000, Unix, MS-DOS, IMS, DL/1, CICS, SNA, DB2, SQL, UTM, Assembler, Cobol, PL/1, C, Word, Lotus 1-2-3, DBase, GEM, IBM-Fibu, IBM-Faktura sind erwünscht.

Sogar einen Schulleiter - neben Lehrkräften mit DV-Know-how - sucht die Fachschule für Datenverarbeitung in Ingolstadt für den Ausbildungsbereich "Staatlich anerkannter Wirtschaftsinformatiker" mit Vorbereitung zur IHK-Ausbilderprüfung und zur allgemeinen Hochschulreife. Er sollte die erste und zweite Lehramtsprüfung besitzen, fünf Jahre an einer berufsbildenden Schule tätig gewesen sein und DV-Wissen, Organisationsfähigkeit und Talent zur Menschenführung mitbringen.

Doch auch Hersteller mit Schulungsabteilungen sitzen auf dem Trockenen. Sie werben um qualifizierte Kräfte für ihre DV-Kollegs. Bei der Digital Equipment GmbH in München (DEC) etwa sucht der Trainingsbereich um die 20 Instruktoren, für Umschulungsaktivitäten allein etwa sechs Lehrkräfte mit Kenntnissen in DV-Grundlagen, zwei Programmiersprachen, Betriebssystemen und "Office Automation". Hier wie auch bei der Siemens AG in München bildet indes das eigene Haus einen Fundus für Trainer: Praktiker werden als Lehrer in die Pflicht genommen.

DV-Training wird in der BRD ernstgenommen

"Zum Glück ist das Image der DV-Ausbilder hierzulande nicht so schlecht", freut sich Paul Maisberger, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Control Data Institut in München. Der DV-Profi empfiehlt jedoch, die in den USA gewonnenen Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Zu groß sei der Mentalitätsunterschied zwischen Amerikanern und Deutschen gerade in diesem Bereich. In den meisten bundesdeutschen Unternehmen wachse nämlich im Gegensatz zu den amerikanischen die Einsicht, wie wichtig DV-Ausbildung für die Mitarbeiter ist. Dies bedeute auch, daß die Bildungsverantwortlichen sich die Schulungsleiter sorgfältig aussuchen. Maisberger: "Die DV-Ausbilder hierzulande können es sich überhaupt nicht leisten, schlecht zu sein. Schließlich kann der erste Kurs leicht auch der letzte sein."

Der Schulungsexperte gibt jedoch zu, daß die Ausbildungslandschaft noch vor ein paar Jahren etwas anders aussah. Nicht selten hieß damals die Devise: "Das Seminar bringt zwar nichts Neues, aber wir sind mal wieder von zu Hause weg." Doch dieser Bildung-Tourismus gehört laut Maisberger längst der Vergangenheit an.

Für Klaus Manhart, Leiter DV-Ausbildung der R + V-Versicherungsgruppe, steht ebenfalls fest, daß Schulung der Mitarbeiter in den USA und in der Bundesrepublik sehr unterschiedlich zu beurteilen ist: "Die externen Trainer haben in unserem Unternehmen einen guten Stand. Schließlich werden sie ja aufgrund ihres guten Images engagiert." Allerdings ist der Wiesbadener DV-Profi wie seine amerikanische Kollegin Baxter der Meinung, daß es oft vorteilhafter ist, eigene Leute zum Seminarleiter auszubilden: "Bei uns liegt der Anteil dieser Art von Veranstaltungen inzwischen bei fast 70 Prozent." Dabei werden die DV-Fachschulungen ausschließlich von Mitarbeitern des jeweiligen Ressorts durchgeführt. Die direkte Beziehung zum DV-Umfeld im Unternehmen schlage sich in der Resonanz nieder.