Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


15.12.1978

Die Wettbewerbssituation im DV-Markt spitzt sich auf einen Zweikampf zu:Siemens beansprucht die Kronprinzenrolle

Ein Wandel im Anwenderverhalten ist kaum erkennbar. Der deutsche DV-Benutzer bevorzugt nach wie vor eine Betriebsform, für die "Zentralrechner" kennzeichnend sind. Und so kann IBM, das hat die jüngste Ankündigung des "hostorientierten" Informationssystems 8100 deutlich gemacht, das Innovationstempo bestimmen wie eh und je.

Anders hingegen beurteilen Lobbyisten der bundesrepublikanischen Kleincomputer- und Terminal-lndustrie die Lage: Der Trend zu dezentraler Datenverarbeitung schaffe eine Marktkonstellation, die die "Kleinen" begünstige, IBM jedoch eher schade.

Gleichzeitig meldet Siemens Wachablöse-Ansprüche an: Durch aggressives Marketing sollen IBM-Anwender zwischen Flensburg und Passau zum Umsteigen auf Siemens-Anlagen animiert werden.

Das unterschiedliche Urteil über die Situation der heimischen Computer-Industrie hat rechnerisch-formale und psychologische Ursachen: Mit - eben nur statistischen - Prognosewerten (Installationen, Marktanteile, Zuwachsraten) werden trügerische Hoffnungen bei den Marktteilnehmern geweckt (vgl. CW-Nr. 49, vom 1. 12. 1978, Kolumne).

Was zählt, sind allein die Fakten: Die IBM Deutschland GmbH hat das Geschäftsjahr 1977 mit einem Gesamtumsatz von 6,381 Milliarden Mark (1976: 5,96 Milliarden) und einem Gewinn von 1,01 Milliarden Mark abgeschlossen. Dies allein genügte, den DV-Markt "Bundesrepublik" als Schlüsselmarkt - nicht nur für IBM - zu bestimmen. IBM Deutschland kontrolliert - so Diebold - den Universalrechnermarkt in der Bundesrepublik mit 65 Prozent (nach Installationen, siehe Tabelle).

Die Siemens-Offensive ist nicht ohne Wirkung geblieben

Dagegen nimmt sich die Erfolgsbilanz des Siemens-Unternehmensbereiches "Datenverarbeitung" bescheiden aus: 1976/77 betrug der DV-Umsatz rund 1,2 Milliarden Mark und bei Universalrechnern erreichten die Münchner einen Marktanteil von zehn Prozent (Diebold).

Keine Frage: Die Siemens-Offensive ist nicht ohne Wirkung geblieben.

Wer IBM untreu wurde (Anfang der sechziger Jahre betrug der IBM-Marktanteil in der Bundesrepublik immerhin noch mehr als 70 Prozent), wanderte fast ausnahmslos zu Siemens. Deshalb konnten die anderen großen Mainframer CII-Honeywell Bull, Sperry Univac, Burroughs, SCR, ICL und Control Data von der Umverteilung nur geringfügig profitieren. So kämpfen Honeywell Bull (neun Prozent und Sperry Univac (sechs Prozent) hartnäckig um die Plätze hinter IBM und Siemens - ohne merklich zuzulegen: Man zehrt vom eigenen Speck und lebt von der Kundentreue.

IBM steuert konsequent auf Unbundling-Kurs

Die übrigen Anbieter konnten ihre Stellungen zwar behaupten, doch scheinen die Ranglisten-Positionen nicht gefestigt. Denn alle waren im Ablösegeschäft erfolgreich, so lange sie sich mit ihren Hardwarepreisen am Marktführer orientieren konnten.

Doch den IBM-Preisschild gibt es nicht mehr, seit der Marktführer bei Ankündigung der 303X-Modelle 3031, 3032 und 3033 mit der Tradition gebrochen hat, für mehr Leistung auch stets mehr Geld zu verlangen.

Überdies ist eine - wenn auch zwei schneidige - Waffe gegen IBM stumpf geworden: Service-Leistungen (Schulung, Anpassung von Standardprogrammen, Software- Unterstützung etc.) "unter der Hand" kostenlos anzubieten.

Denn IBM steuert neuerdings konsequent auf Unbundling-Kurs, wobei die Ankündigung des Datenbank-Computers /38 einen Wendepunkt markierte. Unter Branchenbeobachtern ist es darüber hinaus bereits ausgemachte Sache, daß IBM bei der "E-Serie", die im Januar 79 kommen soll, die Entbündelungs-Taktik verfeinern wird. Angesicht dieser Entwicklung werden die IBM-Mitbewerber in Sache "Lizenzprogramme" Farbe bekennen müssen - schon, um ein wichtiger Beitrag, den Markt transparenter zu machen.

Auf lBM-Alleingänge reagieren die Anwender gelassen

Doch offensichtlich reagieren die Anwender nur bei IBM-Alleingängen gelassen, während sie den anderen Herstellern jede preispolitische Maßnahme als Extravaganz ankreiden.

So gehört keine Prophetie dazu, Cll-HB, Univac, NCR, ICL, Burroughs und CDC harte Zeiten vorauszusagen. Allein Siemens ist zuzutrauen, auf dem deutschen Markt einen Kollisionskurs zu IBM halten zu können.

Dazu gehört freilich, daß eine Produktpalette angeboten werden kann, die das IBM-Angebot von unten bis oben lückenlos abdeckt.

Nun glaubte man lange Zeit, daß sich Siemens im Größtrechnergeschäft nicht engagieren will. Doch vor kurzem sind die Münchner voll eingestiegen - zum Teil mit Eigenentwicklungen (System 7.700), vor allem aber mit IBM-kompatiblen Fujitsu-Rechnern (Modelle 7.870 7.872, 7.880 und 7.882).

Siemens-Kenner stehen der "Neigungs-Ehe" mit Fujitsu jedoch skeptisch gegenüber. Denn es ist auf Sicht mehrere Jahre nicht nur daran gedacht, große IBM-Installationen abzulösen. Vielmehr sollen die eigenen Kunden, sofern sie mit den Leistungen der verfügbaren Siemens-Maschinen unzufrieden sind, davon abgehalten werden, IBM-Jumbos zu installieren.

Die Münchner befinden sich in einem Dilemma

In beiden Fällen kann den Siemens-Erfolg nur totale Software-Kompatibilität sicherstellen. Was die Verträglichkeit anlangt, befinden sich die Münchner in einem Dilemma: Das System 7. 700 bildet zwar das Anschlußglied zu den bestehenden Modellen der Serie 7.000 - doch Aufwärtskompatibilität zur Fujitsu-Reihe ist nicht gegeben.

An der entsprechenden Brücken-Software wird - und das ist kein Geheimnis - angestrengt gearbeitet. Indes: Die IBM-Betriebssysteme (OS/MVS) sind mittlerweile so umfangreich und komplex geworden, daß es nahezu unmöglich erscheint, eine fehlerfreie "Zweitschrift" herzustellen. Siemens nahestehende Software-Spezialisten befürchten gar, daß potentielle Kunden "dann doch gleich das IBM-Original nehmen".

Die MDT ist eine rein deutsche Erfindung

Stellt sich die Lage auf dem Großrechner-Sektor noch einigermaßen übersichtlich dar (Zweikampf zwischen IBM und Siemens), so kommen Wettbewerbs-Analysten bei der Beurteilung des deutschen Kleincomputer- und Terminal-Marktes arg ins Schwimmen.

Mag für gewisse Bereiche (Rechner-Architektur, Universalrechner-Betriebssysteme, Programmiersprachen, Speicher-Technologie) zutreffen, daß der deutsche Markt alles bereitwillig aufnimmt, "was aus den USA kommt, so zeigt sich, daß Datenverarbeitung in Klein- und Mittelbetrieben hierzulande eigene Gesetze hat. Man braucht nicht erst die Z 1 von Konrad Zuse zu bemühen, euch die sogenannte Mittlere Datentechnik ist eine rein deutsche Erfindung. Unter den rund zwei Dutzend Anbietern, die sich auf dem Bürocomputer-Feld tummeln, ist Nixdorf mit einem Marktanteil von 26 Prozent unbestritten die Nummer eins, nach Diebold-Angaben, gefolgt von Triumph/Adler (17 Prozent), Olivetti (elf Prozent) sowie Kienzle und Philips mit jeweils neun Prozent (vgl. Tabelle).

IBM-Basis-Datenverarbeitung mußte Lehrgeld bezahlen

Doch dieses Bild täuscht: Noch haben IBM (/32, /34), Sperry Univac (BC/7) und Siemens (Serie 6000) ihre Abschlußerfolge nicht in Installations-Marktanteile ummünzen können - dafür sind die BC/7 und insbesondere das System 6000 zu "jung" (Lieferzeiten!). Zugegeben: Der IBM-Unternehmensbereich "Basis-Datenverarbeitung" hat Lehrgeld zahlen müssen - Nixdorf, Kienzle und Philips sind nicht so leicht vom Markt zu verdrängen. Gleichwohl besitzt die IBM-Basis-Datenverarbeitung mit MAS ein Software-Werkzeug, das nach Ansicht von Fachleuten allen vergleichbaren Mitbewerber-Produkten überlegen ist. So dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, daß IBM im deutschen MDT-Markt eine ähnlich dominierende Rolle spielt wie im Mainframe-Sektor. Und Wetten werden bereits angenommen, daß Siemens auch in diesem Stück die Kronprinzenrolle übernehmen wird. Ob Deutsch-Banker-Hilfe ausreicht, Nixdorf die erforderliche Kampfstärke zu verleihen, bleibt abzuwarten.

Der Bürocomputer-Boom geht zu Lasten der RZ-Branche

Das Interesse der "Großen" am Erstbenutzer-Markt wird verständlich, wenn man sich die Absatzprognosen der Marktforscher ansieht. Danach wird sich der Bürocomputer-Bestand in der Bundesrepublik bis 1985 vervierfachen.

Dieser Bürocomputer-Boom geht eindeutig zu Lasten der externen Service-Rechenzentren, deren Markteinbußen auch durch eine Belebung des Dialog-und Remote-Job-Entry-Geschäftes kaum wettgemacht werden dürfen. Dies, obwohl die Deutsche Bundespost ihre Tarife in dieser Hinsicht überprüft und marktfähiger gestaltet hat.

Unter diesen Umständen wird "kooperieren oder spezialisieren" - wie ein Sprecher, des Verbandes deutscher Rechenzentren (VDRZ) konstatierte - das einzige Überlebensrezept - Service-Rechenzentren sein, "wenn sie in der Bundesrepublik, dem schwierigsten EDV-Dienstleistungsmarkt der Welt, über Wasser bleiben wollen".

Ein holprige Pflaster ist der deutsche Markt auch für die erfolggewohnten amerikanischen Minicomputer-Hersteller DEC, Hewlett-Packard, Data General und Interdate.

Zwar prognostiziert die International Data Corporation (IDC) in ihrer Studie "Peripherals in Western Europe", daß sich der Minicomputer-Bestand in der BRD in den kommenden Jahren verdreifachen wird (von 13 000 auf 37 200), doch mußten selbst Zweckpessimisten der Branche ihre eigenen Wachstums-Erwartungen bereits mehrfach zurückschrauben.