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17.09.2004 - 

Löst IP-basiertes Push to Talk den Betriebsfunk ab?

Die Wiedergeburt des Walkie-Talkie

MÜNCHEN (hi) - Die Mobilfunkbranche hat ein neues Schlagwort: Push to Talk. Der neue Handy-Dienst, am ehesten mit einem Walkie-Talkie vergleichbar, gilt als neuer Hoffnungsträger in Sachen Umsatzsteigerung. Noch sind viele Mobilfunknetze nicht Push-to-Talk-fähig, da bringen die Hersteller bereits erste Handys auf den Markt.

Wer auf der Suche nach einem neuen Handy ist, muss sich nach UMTS, MMS, Streaming-Video etc. an ein neues Feature auf den Ausstattungslisten gewöhnen: "Push to Talk" (PTT) oder "Push and Talk" (PAT), wie der Dienst bei Siemens heißt. In den USA rangiert PTT auf der Rangliste der gewünschten Handy-Funktionen bereits an zweiter Stelle hinter den Farbdisplays. Marktwünsche, auf die beispielsweise Hersteller wie Siemens mit den Modellen "CX70" und "SK65", Nokia mit dem "5140", Sony Ericsson mit dem "Z500i" oder Motorola mit dem "V400p" reagieren, um nur einige Push-to-talk-fähige Geräte zu nennen.

Erste VoIP-Anwendungen im Mobilfunk

In diesem Zusammenhang definiert Push to talk Mobiltelefone, die sich unterwegs wie ein Walkie-Talkie (siehe Kasten "Push to talk") verwenden lassen. Gleichzeitig wird der Begriff aber auch von etlichen Herstellern im Zusammenhang mit Headsets verwendet. Hier beschreibt Push to talk letztlich nur die Funktion, dass der Benutzer eine Taste drücken muss, um via Headset zu telefonieren - also nicht zu verwechseln mit der Funktion des Gruppenrufs im Handynetz.

Aus technischer Sicht wartet Push to Talk zudem mit einem interessanten Aspekt auf: Der Service ist die erste Voice-over-IP-Anwendung (VoIP) in den Mobilfunknetzen. Die Sprache wird nämlich bei PTT als Datenpaket über den Datendienst GPRS übertragen. Die Nutzung des IP-Protokolls ist denn auch der Grund dafür, dass zur Initiierung einer PTT-Session keine Telefonnummern benötigt werden, denn die Teilnehmer werden über ihre IP-Adresse angesprochen. Da GPRS aufgrund seiner Always-on-Funktion diese IP-Verbindungen im Hintergrund ständig aufrecht erhält, entfallen die Zeiten für den Gesprächsaufbau.

Amerikaner zeigen großes Interesse

In den USA haben diese Vorteile bereits etliche Millionen Interessenten überzeugt. So nutzen die 12 Millionen Kunden des Mobilfunkanbieters Nextel Communications, der zu den Pionieren in Sachen Push to talk zählt, den Service bereist über 190 Millionen Mal täglich. Eine Ursache für die Aufgeschlossenheit der Amerikaner gegenüber dieser Kommunikationsform liegt eventuell darin, dass dort Walkie-Talkies im professionellen Umfeld nach wie vor ein häufig genutztes Werkzeug sind, während in Europa die asynchrone Kommunikation als antiquiert eingeschätzt wird.

Dennoch ist die Technik auch im vom digitalen, vollduplexfähigen Mobilfunk verwöhnten Europa für Unternehmen interessant. Push to Talk kann sich nämlich aufgrund seiner Reichweite durchaus als nützliche und wirtschaftliche Alternative zu teuren Spezial- oder Betriebsfunkdiensten entwickeln. Denkbar ist etwa, dass PTT-Handys künftig auf Baustellen die Walkie-Talkies ersetzen. Weitere Einsatzszenarien könnten so aussehen, dass sich etwa Taxifahrer, Sicherheits- und Rettungsdienste den Einbau teurer Funkanlagen in ihre Fahrzeuge sparen und das Handy in Verbindung mit einer Freisprecheinrichtung als Funkersatz nutzen. Da Push to Talk aufgrund der darunter liegenden IP-Technik nicht zwangsläufig auf die Übertragung von Sprachpaketen begrenzt sein muß, ist auch ein Einsatz beim Flotten-Management von Speditionen oder Kurierdiensten vorstellbar. Auf Wunsch sollen sich nämlich die Sprachnachrichten um Texte, später auch um Bilder und Videosequenzen ergänzen lassen. Angesichts dieses Potenzials sieht mancher Branchenkenner bereits die Sterbeglöckchen für Funkdienste wie den Bündelfunk läuten.

Noch ist dies allerdings Zukunftsmusik, denn die Netzbetreiber müssen in ihren GPRS-Netzen erst entsprechende IP-Subsysteme einrichten. Bislang hat lediglich die Büdelsdorfer Mobilcom einen konkreten Starttermin genannt: Das Unternehmen will seinen PTT-Dienst noch im vierten Quartal 2004 freigeben. Derzeit prüft der Mobilfunker PPT mit rund 200 Handynutzern auf seine Praxistauglichkeit.

Beim Aufbau der technischen Infrastruktur arbeitet Mobilcom mit dem Quickborner Datenkommunikationsanbieter IC3S AG sowie dessen US-amerikanischen Partner Fastmobile zusammen. Zum Einsatz kommt dabei die Linux-basierte Server-Lösung "Fastchat", die laut Mobilcom eine Kompatibilität mit den verschiedensten Handys sicherstellt. Zudem setze die Plattform keine speziellen Push-to-Talk-Handys voraus. So verwendet der Mobilfunker im Probebetrieb ein Nokia 6600 mit spezieller Software. Ferner lassen sich laut Mobilcom andere Endgeräte, die mit einem Symbian-Betriebssystem arbeiten, ebenfalls für PTT nutzen. Dazu zählen beispielsweise die Nokia-Modelle "3650", "N-Gage", "7650" oder von Sony Ericsson das "P800" und "P900".

Auf die Tarifmodelle kommt es an

Die Interoperabilität mit verschiedenen Handy-Modellen ist aber nur ein Punkt, der über den Erfolg von PTT in Deutschland entscheidet. Noch wichtiger dürften die Tarifmodelle sein. Sollten die Carrier PTT als IP-Dienst zu den heutigen Datentarifen in 10-KB-Blöcken abrechnen, hat der Dienst hierzulande wohl kaum eine Zukunft - erfolgsversprechender klingen da die Pricing-Modelle in den USA. Dort zahlt der Benutzer für eine PTT-Flatrate 20 Dollar pro Monat.

Erste PTT-Handys

- Siemens: CX 70, SK 65;

- Nokia: 5140;

- Sony Ericsson: Z500i;

- Motorola: V400p.

Push to Talk

Hinter dem Begriff Push to Talk verbirgt sich, vereinfacht ausgedrückt, die Integration eines Walkie-Talkie in ein Handy. Daher ähnelt die Funktionsweise auch einem Funkgerät: Per Knopfdruck (=Push) verbindet der Nutzer sein Handy ohne Eingabe einer Telefonnummer mit den Teilnehmern einer definierten Benutzergruppe. Ohne zeitraubenden Gesprächsaufbau ist dann die Stimme des Benutzers (=Talk) sofort auf allen Handys der Teilnehmer zu hören. Wie beim Walkie-Talkie funktioniert die Kommunikation dabei im Halbduplex-Modus - es kann nur jeweils ein Teilnehmer sprechen, während die anderen zuhören. Will ein anderer Teilnehmer sprechen, muß er selbst, in Analogie zum herkömmlichen Sprechfunk, die Sprechfunktaste drücken, die beim Handy auf Neudeutsch nun Push-to-Talk-Taste heißt.

Im Gegensatz zum Walkie-Talkie ist die PTT-Technologie für den Anwender jedoch deutlich benutzerfreundlicher. So definieren sich die Gruppenteilnehmer nicht wie beim Walkie-Talkie durch die Benutzung eines gemeinsamen Funkkanals, sondern der Benutzer kann die Gruppen etwa anhand der Einträge aus seinem Handy-Telefonbuch selbst zusammenstellen. Die Adressaten erhalten dann, unmittelbar nach dem PTT-Knopfdruck eine Einladung, die sie annehmen oder ablehnen können. Zudem hat der Handy-Dienst gegenüber einem klassischen Funkgerät noch einen weiteren Vorteil: Er ist nicht wie ein Walkie-Talkie auf den Funkbereich des Gerätes begrenzt, sondern funktioniert weltweit in jedem Handy-Netz, das PPT unterstützt.