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16.08.1996 - 

Thema der Woche/Anwender hofft auf Übergangsfrist

"Die Wirtschaft muß weiter funktionieren"

16.08.1996

Mit Reinhard Mittelstedt, DV-Leiter bei der Paulaner Brauerei, München, sprach CW-Redakteur Ludger Schmitz.

CW: Macht Ihnen die Währungsumstellung Sorgen?

Mittelstedt: Für unseren internen Betrieb nicht. Wir setzen im Finanzwesen eine Standardsoftware ein. Deren Hersteller wird entsprechende Lösungen anbieten. Das ist aber auch schon alles, was mich beruhigt.

CW: Und was beunruhigt Sie?

Mittelstedt: Weil wir gegenüber den Gaststätten als Darlehensgeber auftreten und teilweise sehr langfristige Zahlungsziele haben, müssen wir sehen, wie die Umrechnung solcher Außenstände geregelt wird. Da bekommen wir einiges zu tun. Denn diese Darlehen, zum Beispiel für die Einrichtung einer Gaststätte, werden auf sehr unterschiedliche Arten zurückerstattet: unter anderem als Aufschlag auf den Bierlieferpreis oder als regelmäßig zu zahlender runder Festbetrag. Die Außenstände sind zum Teil recht alt, und wir bräuchten für die Zusammenarbeit mit unseren Kunden klare Rahmenbedingungen vom Gesetzgeber.

CW: Man ersetze Mark durch Euro. Was ist daran schwierig?

Mittelstedt: Bei 43000 Kunden wären es sehr viele Positionen. Außerdem berührt es das Gefüge unserer Konditionen. Die diversen Rabattierungen, Rückvergütungen etc., die sich in Prozent ausdrücken lassen, wären kein Problem. Teilweise vereinbaren wir aber auch glatte Mark-Beträge, die dann in nicht mehr glatte Euro-Beträge umgerechnet würden. Möglicherweise müßten wir diese Konditionen nachverhandeln. DV-technisch ist eine Umstellung kein großes Problem, sie betrifft mehr die komplexe Abwicklung unseres Geschäfts.

CW: Würde eine Währungsumstellung die Logik Ihrer Anwendungen tangieren?

Mittelstedt: Nein, denn wir fakturieren ausschließlich in Mark, auch bei Exporten.

CW: Und was machen Sie während der Doppelwährungsphase?

Mittelstedt: Das wird nicht einfach. Ich gehe davon aus, daß sich unser Softwarelieferant darum kümmert. Schließlich ist das ein Bestandteil von Wartung und Service.

CW: Also haben Sie damit nichts zu tun?

Mittelstedt: Wir selbst haben gar nichts an den Programmen geändert. Das Softwarehaus ist aufgefordert, auch von den anderen Kunden, eine praktikable Lösung zu präsentieren. Gerade im Fakturabereich werden wir keine Änderungen vornehmen, auch keine kleinen.

CW: Was dürfte die Umstellung Ihr Unternehmen am Ende kosten?

Mittelstedt: In der DV wahrscheinlich 40000 bis 50000 Mark, also nicht gerade ein Betrag aus der Portokasse, aber verglichen mit unserem DV-Budget nicht gravierend.

CW: Wie viele Programme sind zu ändern?

Mittelstedt: Wenn wir zwei Währungen ausweisen müßten, wären es gut ein Dutzend Programme. Immer unter der Voraussetzung, daß wir ausschließlich unsere Drucksoftware mit einem Umrechnungsfaktor so versehen, daß wir jeweils einen zweiten Ausdruck mit der anderen Währung erhalten. Das wäre deshalb eine aufwendige Aktion, weil wir unsere Systeme weitgehend ausgereizt haben. Übrigens sind hiervon auch die Datenaustauschformate Sedas und EDI betroffen. Da müssen die Standards angepaßt werden. Das größte Problem ist diese doppelte Ausweisung der Rechnungsbeträge.

CW: Gäbe es noch andere Folgekosten?

Mittelstedt: Die Doppelwährung würde zum Beispiel unseren Papierverbrauch um gut 80 Prozent erhöhen. Damit sind wir bei den Betriebskosten, da liegt der Mehraufwand wesentlich höher.

CW: Sind Sie sicher, daß Sie rechtzeitig eine einwandfreie Euro-Software haben werden?

Mittelstedt: Ich mache mir deswegen keine Sorgen. Wenn es bei uns nicht rechtzeitig klappt, werden wir gewiß nicht die einzigen sein.

CW: Glauben Sie, daß es bei Schwierigkeiten eine Übergangsfrist geben wird, in der Gesetzgeber und Behörden die Beibehaltung der Mark akzeptieren?

Mittelstedt: Auf jeden Fall dann, wenn die genauen Regeln alle so spät kommen, daß niemand die Umstellung bewältigen kann. Die Wirtschaft muß weiter funktionieren es kann doch nicht die Hälfte aller Firmen ihren Betrieb einstellen. Es muß Übergangsfristen geben, vielleicht auch einmal unbürokratische, großzügige Lösungen.