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23.05.1986 - 

Menschliche Schnittstelle zwischen Expertenwissen und Computer:

Die Wissensingenieure sind im Kommen

MÜNCHEN (lo) - Nichts ist vollkommen - am allerwenigsten ein Expertensystem. Denn seine Gestalter sind auch nur Menschen, die sogenannten Wissensingenieure. Das breite Anwendungsspektrum, das diese Fachleute implementieren können, ist der Trumpf des künstlich intelligenten Werkzeugs. Tom Fox, Leiter der "Knowledge and Support" der Advanced-Systems-Division bei Texas Instruments (TI), skizzierte jüngst das Anforderungsprofil für die neue DV-Spezialisten-Spezies.

Ihre Tätigkeit bezieht sich auf die Schnittstellen zwischen dem Wissen von Experten und dem Computer. Deshalb sollten Wissensingenieure auf keinen Fall das Wissen eines Experten haben, betont der Fachmann aus Austin in Texas, wo TI seine "Knowledge Engineers" ausbildet. Komplexe Fähigkeiten und Fertigkeiten müssen indes nicht nur geschult, sondern auch bereits mitgebracht werden, so Fox.

Persönliche Voraussetzungen sind zum einen die Ausbildung zum Techniker, am Computer oder auch zum Wissenschaftler. Gleichzeitig sollten naturwissenschaftliche mit humanwissenschaftlichen Kenntnissen kombiniert sein. Zum anderen ist in aller Regel etwa zehn Jahre Berufserfahrung erforderlich, um in diese Technik, die sich auch noch bei kommerziellen Aufgabenstellungen bewähren soll, einzusteigen.

Zwischen den drei Polen Problemstellung, Experten-Know-how und Anwenderanforderungen, liegt das Arbeitsfeld des Wissensingenieurs. In jedem Fall sollten Knowledge Engineers deshalb hervorragend mit dem Computer umgehen sowie programmieren können. Ihre analytischen Fähigkeiten ermöglichen es ihnen weiterhin, aus dem geeigneten Blickwinkel die entscheidenden Kriterien eines Problems zu finden. Sie sollten die ermittelten Informationen so strukturieren können, daß das System sie auch verwenden kann.

Derzeit sind etwa 100 Experten indem US-Forschungszentrum von Texas Instruments im Bereich des Knowledge Engineering aktiv, 40 Fachkräfte sind bei TI in den USA als Wissensingenieure tätig, etwa in der Fehlerdiagnose an Epitaxialreaktoren in der Halbleiterfertigung oder der Fehlerdiagnose bei Matrixdruckern. Für die gesamte USA schätzt Fox diese Kräfte auf rund 200, und zwar bei Unternehmen wie Digital Equipment, Bell Laboratories oder General Electric. Sie sind in den unterschiedlichsten Sektoren tätig, beispielsweise in der Wartungsunterstützung von Diesellokomotiven, in der Korrosionsanalyse, bei der Bestimmung von Bohrsystemen für die Erdölförderung oder im Bereich der Voraussage von Insektenschäden im Gemüsegarten. "Tausende", lautet die Prognose des Leiters "Knowledge Engineering and Support" über den künftigen weltweiten Bedarf.

Für Deutschland, so ist von TI aus Freising zu hören, lege man zunächst den Schwerpunkt auf den Kunden-Support. Aber die ersten Schritte werden nur zögernd getan: Der Engpaß an qualifizierten Kräften auf dem Personalmarkt hierzulande macht sich bemerkbar. Ein wenig überraschen kann indes - gerade neben dem Glamour technologischer Accessoires - der finanzielle Aspekt: "Exorbitant", so TI, sei die Entlohnung nicht, bewege sie sich doch auf der Ebene eines Systemanalytikers.