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07.04.1977 - 

DV-Bildungszentrum München:

Die zehn Gebote der DV-Ausbildung

MÜNCHEN - Mit Speck fängt man Mäuse: "Es gibt keine bessere DV-Ausbildung als die des DV-Bildungszentrums München", streute deshalb Wolfgang Pflanz, Geschäftsführer und Werbemanager in Personalunion noch vor wenigen Monaten per Werbebrief unter "Sehr geehrten Interessenten" aus. Inzwischen ist ihm bei der Konkurrenz säuerlich aufgestoßen, daß übertriebene Aussagen dem Geschäft nicht gerade förderlich sind.

Seine Bedenken gegenüber fragwürdigen Instituten sind in dem 43seitigen Programmheft schriftlich festgehalten. Hier heißt es dann: "Da der Staat untätig blieb, entwickelten sich im DV-Bildungsbereich chaotische, kaum übersehbare Zustände. Private Geschäftemacher zogen dubiose Fernlehrinstitute und Privatschulen auf, die mit mysteriösen Werbemethoden (Provisionsvertreter, Postwurfsendungen) bildungswillige, häufig ungeeignete Interessenten gewannen und sie mit verlockenden Versprechungen an sittenwidrige Verträge banden."

Seriöse haben eigene Anlage

Unseriös sind für Pflanz nicht nur unlautere Werbemethoden, sondern auch Stornogebühren für nichterbrachte Leistungen, die von ihm nicht gefordert werden. Seriös sind Schulen nur dann, wenn sie eine eigene DV-Anlage besitzen - wie das DV-Bildungszentrum, das "die größte Maschine von allen Schulen" im Haus stehen hat - eine 370/145 mit 512 K, drei Druckern, acht Magnetbändern, sieben Magnetplatten, vier Bildschirmen und einigen Lesern. Kostenpunkt pro Monat: Etwa 120 000 Mark. Der Rechner wird vom LOB-Rechenzentrum betrieben, das - natürlich mit Genehmigung der Bundesanstalt für Arbeit - gemeinsam mit dem DV-Bildungszentrum die Anlage zu je 50 Prozent nutzt.

Kleinkrieg mit dem Ministerium

Obwohl Pflanz davon überzeugt ist, daß es keine staatliche Schule gibt, die nur annähernd in der Qualität mit dem DV-Bildungszentrum konkurrieren kann, bleibt die staatliche Anerkennung Herzensziel für ihn, um die er im "Kleinkrieg mit dem Kultusministerium" ringt: "Wir versuchen mit aller Gewalt, unseren Anspruch, auf Fachakademie durchzusetzen." Deswegen auch die veränderten Zulassungsbedingungen: Statt mittlerer Reife oder "gleichwertigem Wissensstand in Mathematik und Englisch" sind nunmehr ausschließlich Interessenten mit mittlerem Schulabschluß die Pforten geöffnet.

Als weitere Bedingung für die Teilnehmer, die einen Bildungsgang belegen wollen, gilt der Eignungstest - ein übliches von Psychologen entwickeltes Verfahren, das, wie der Name schon sagt nicht Wissen, sondern Eignung überprüfen soll. Insgesamt enthält das modular aufgebaute DV-Ausbildungssystem 270 Seminare über Einzelthemen, 44 Lehrabschnitte über abgeschlossene Themenkrise sowie 29 Bildungsgänge mit Abschluß. Es ist - so im Programmheft beschrieben - "systematisch strukturiert, frei von theoretischem Ballast und wird den Anforderungen der DV-Praxis voll gerecht". Das höchste Ausbildungsziel, das erreicht werden kann, ist der Abschluß als Wirtschaftsinformatiker nach höchstens vier Semestern. Dazu der markante Satz: "Wir bringen in zwei Jahren auch all das, was in einer Fachhochschule in vier Jahren gemacht wird." Pflanz, zu dessen Lieblingsausdrucken das Wort "praxisnah" gehört, geht noch weiter. Er ist davon überzeugt, daß zwischen zwei Bewerbern mit gleichen Voraussetzungen nicht der Fachhochschüler, sondern sein Schüler ausgewählt wird: "Wenn fachspezifische Fragen gestellt werden, dann kann nur unser Mann sie beantworten - an einer Fachhochschule lernt er das Wissen für die Praxis nicht."

Durchschnittsalter Ende zwanzig

Seine Schüler sind im Durchschnitt zwischen 28 und 30 Jahre alt. Sie kommen meistens aus dem kaufmännischen Bereich und wollen durch Zusatzausbildung einen Aufstieg erzielen. Diese Situation hat sich in jüngster Zeit etwas verändert: "Heute fördert der Staat nicht mehr nur Bildungswillige, sondern Bildungsbedürftige, die arbeitslos oder durch Arbeitslosigkeit bedroht sind", resümiert Pflanz. Immerhin hat er seit 1972 etwa 300 Wirtschaftsinformatiker "praxisnah" ausgebildet: Seine Absolventen können sofort in einer DV-Abteilung eines Betriebes arbeiten, "und zwar selbständig, ohne daß sie erst auf zehn Kurse geschickt werden müssen". Den Beweis blieb er schuldig, denn leider hat Pflanz nach eigenen Angaben "mit Absolventen keinen Kontakt" mehr.

Auswahlproblem für Laien

Die Auswahl des richtigen Ausbildungsinstituts hält Pflanz für sehr wichtig: Die Lehrpläne bestehen oft nur aus einigen Seiten Papier, sind nicht genügend genau definiert und gewichtet, enthalten Schlagworte und ein Lehrer, der im Grunde doch das macht, was er will, bestimmt die Ausbildungskonzeption. Deswegen sollten sich die Interessenten für eine DV-Ausbildung über das Seminarangebot ausreichend informieren, und es beurteilen -, was für Laien nicht gerade leicht sein dürfte. Doch Fachmann Pflanz hält dafür ein Beispiel parat: "Wir sind so mutig und drucken auf Seite 17 unseres Programmheftes einen Leistungsvergleich von Fortbildungen ab. Der sagt beispielsweise, daß ein bestimmter Fortbildungsfall beim Hersteller, bei sonstigen Ausbildungsinstituten oder bei uns bewältigt werden kann. Wir vergleichen dann den ausgewiesenen Zeit- und Kostenbedarf, um sich ein bestimmtes, in der Praxis erforderliches Wissen anzueignen." Besagter Fall bezieht sich jedoch nicht auf ein gängiges Seminar-Thema - vielmehr wählte Pflanz das Lehrbild "Interaktives Programmieren und Testen: Assembler", das sowohl beim Hersteller, als auch bei sonstigen Fortbildungsinstituten als "nicht möglich" geführt wird. So bleibt dem Interessenten nur der Pflanz-Kurs.

Die zehn Gebote

Beachten Sie bei der Auswahl eines DV-Ausbildungsinstitutes folgende zehn Gebote (Auswahlkriterien):

- Anerkennung des Ausbildungsinstitutes bei Staat (institutionelle Förderung) und Anwendern (detaillierte, aussagefähige Zeugnisse)?

- Modernes DV-System in der Ausbildungsstätte (installiert und jederzeit verfügbar)?

- Eine Stufenausbildung mit modularem Aufbau (minimaler Zeit und Kostenaufwand für Sie!) für alle DV-Tätigkeiten?

- Unterrichtsanteil der DV-Fächer mindestens 60 Prozent?

- Abgestimmte, detaillierte Lehrpläne für jede Stunde und aktuelle, herstellerneutrale, praxisgerechte Lehrinhalte?

- Anzahl der Stunden und Teilnehmer an Maschinenpraktika, Unterricht, Übungen und Fallstudien?

- Für jeden Tag Lehr- und Lernmittel?

- DV- und Unterrichtserfahrung der Dozenten?

- Angemessene Aufnahme- (Eignungstest!) und kurzfristige Kündigungsbedingungen?

- Angemessenes Gebühren/Leistungsverhältnis sowie Förderungsmöglichkeiten (Zuschüsse für Unterhalt und Gebühren)?