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15.07.1983 - 

CAD-Systeme sollen vor allem Fehler in der Vorbereitung der Produktion vermeiden:

Die Zeichnung ist nacht das zentrale Ziel

Als nicht wirtschaftlich und "nur einen teueren Bruch" in der Ablauforganisation des Anwenders sieht es Alexander H. Volger*, Verfasser des folgenden Beitrages, an, wenn ein Grafik-Computer lediglich zur Zeichnungserstellung ohne irgendeine Vor- oder Weiterverwendung der Daten genutzt wird. Immer noch werde CAD de facto als "Geometrische Modellbildung mit dem Schwerpunkt Zeichnungserstellung" angesehen. Doch dies, so Volger, könne kaum Produktionsziel der Kunden sein.

Viel wird von Schnittstellen geredet und geschrieben, beispielsweise zu Finite-Elemente-Systemen. Doch wer je in der Praxis mit der Finite Elemente Methode nennenswerte Berechnungen ausgeführt hat, weiß, daß reine - Geometriedaten einer exakten Fertigteilstruktur zwar zwar hilfreich, aber umgeändert völlig nutzlos sind. Gleiches gilt für die NC-Programmierung. Jeder Entwickler eines NC-Programms für nicht nur einfachste Drehteile hat bereits die Erfahrung gemacht, daß mit Rohteil-, Konturfolge-, Einspann-, Werkstoff-, Werkzeug- und Maschinendaten immer noch die Hälfte der notwendigen Angaben fehlen.

Letztlich aber ist die Zeichnung gar nicht zentrales Ziel einer Unterstützung der Ingenieurarbeit durch den Computer - eine Vielzahl von Berechnungs-, Auslegungs- und Auswertungsprogrammen zeigt ja heute bereits den anderen, fachbezogenen Teil der Aufgabe - sondern die organisatorisch glatte, Fehler vermeidende Vorbereitung der eigentlichen Produktion. Die Zeichnung wird daher sicherlich die heutige zentrale Rolle abgeben.

Zielsetzung des Anwenders aufnehmen

Das bedeutet aber eine fachspezifische Stützung oder (Teil-) Automatisierung des gesamten Vorgangs vom Auftragseingang, Entwurf neu oder als Variante, Einbauprüfung, Dimensionierung, Rohteilgestaltung über Anfrage- und Bestellunterlagen, Bearbeitungszustände und -folge, Begleitpapiere, Werkszeugnis bis zu Versand-, Abrechnungs- und Zollpapieren. Hier gilt es, den Kunden von Anfang an zu beraten oder, falls der Kunde selbst feste Vorstellungen und Konzeptionen entwickelt hat, seine Zielsatzung aufzunehmen.

Es ist nicht entscheidend, ob ein CAD-Anbieter oder Systemhaus alle Komponenten selbst erzeugt - entscheidend ist sein Vermögen, die fachliche Problemstellung zu beherrschen. Das ist weder von der Hardware noch von der Großprojektführung aus allein möglich: Im Kern steht unverzichtbar das Mitarbeiter-Know-how des Systemhauses im Fachbereich des Kunden, erworben durch entsprechende Ausbildungsgänge und Erfahrungsaufbau aus Arbeit im Problemkreis.

Das schließt die Kenntnis von gültigen Normen und Codes, Abnahmevorschriften und vor allem auch die schwierigen Bereiche ein, wo alle Vorschriften nicht ausreichen, die Verfahren nicht konvergieren oder vielleicht ein anderer Fachbereich längst besser aufbereitete Algorithmen hat. Verständlich ist daher, wenn ein Systemhaus nicht in allen Fachgebieten zu Hause sein kann, sondern von Erfahrungsbereichen ausgeht und Entwicklungsschwerpunkte setzt.

Bleibt die Frage, ob zum Thema CAD eigentlich die Benutzer, nämlich die in der Praxis tätigen Konstrukteure, Ingenieure, Fertigungsvorbereiter, oder die für die Ablauforganisation in Entwicklung, Konstruktion und Betrieb Verantwortlichen ausreichend gefragt wurden.

Im Organisationshandbuch steht zu lesen, daß man bei der Ist-Analyse anfängt und dann eine Soll-Konzeption macht; die weitere Systementwicklung ist Top-Down zu planen, und am Ende steht der Katalog der Anforderungen an Organisation, Software und Hardware.

Wenn auch hierbei Kenntnis und Verfügbarkeit von Werkzeugen Voraussetzung ist, und wenn es darüber hinaus auch übertragbare und generelle Lösungen gibt, so ist doch unabdingbar, daß diese Vorgehensweise benutzerindividuell zu sein hat.

Aber wegen der wirtschaftlich engen Situation der Industrie muß man davon ausgehen, daß es keine Personalreserven, erst recht keine "freien Valenzen" der meist überlasteten Verantwortungs- und Know-how-Träger gibt. Für die Konzeptionen oder grundsätzliche Organisationsüberlegungen hat niemand Zeit, Investitionen werden hart auf kurzfristige Wirtschaftlichkeit geprüft, für Probieren oder Systeme mit der Notwendigkeit eigener lang dauernder Weiterentwicklung gibt niemand Geld.

Somit bleibt auch im Aufgabengebiet CAD/CAM nur übrig, von vornherein kundenorientierte, aufgabenangepaßte Systeme anhand benutzerindividueller Konzeption und Vorgehensplanung zu erstellen und auszuliefern.

Täglicher Arbeitsärger

Das sollte auch jene Vorgänge berücksichtigen und möglichst verbessern, die in der Praxis den leidigen, täglichen Arbeitsärger machen. Zum Beispiel jene bekannte Übung, nach zwei Jahren Verhandlungen und Entscheidungsverzögerung einen Millionenauftrag zu erteilen; mit Auslieferung der ersten Aggregate nach zwei Monaten; letzte technische Anforderungsänderung zwei Wochen vor Termin.

Ist das für einen Betrieb auch mit einem CAD/CAM-System noch "hinzubiegen", geschweige denn besser und glatter? Wer berät denn einen Konstruktionsleiter auch in solchen Fragen - Hardware-Hersteller, Verkäufer von CAD-Komplettsystemen, Unternehmensberater oder Hochschulinstitute? Und wer erstellt Systeme, die solchen Nagelproben standhalten?

Probleme längst noch nicht gelöst

Eine Reihe weiterer Probleme ist längst nicht ausreichend gelöst: Wiederanlauf eines Multi-User-Systems nach Zusammenbruch mitten in der Arbeit; Archivierung und Wiederauffinden von Teile-Datenfiles; das Verhältnis von Teile-/Zeichnungsnummernsystem in den Betrieben zur Datenhaltung; die fast immer noch grob unterschätzte Datenmenge überhaupt.

Fangen wir also da an, wo die Organisations- und Konzeptionsaufgabe mit unserem heutigen Wissen und verfügbaren Mitteln lösbar, wo die Integrationsaufgabe noch mäße komplex und damit für die Fachleu vom Systemhersteller und vom -benutzer machbar, und wo nicht zuletzt die Entscheidungsaufgabe transparent und auch für unternehmerisches Denken zumutbar ist.

Grafische Interaktive Systemteile haben sich dem unterzuordnen, sie bilden nur ein Stück eines gesamten Informationsdurchlaufes in einem Betrieb.

Mit verfügbaren Mitteln lösbar

Erfahrungen von Einführung und erfolgreichem Betrieb integrierter, die Konstruktion und Produktion durchlaufend stutzender Systeme, zeigen Branchen und Betriebsgrößen auf, wo es heute schon gut geht: Planung und Fertigung von Gitterrosten, von Hochregallagern, von Systemeinrichtungen für Labors und Küchen, im Rohrleitungsbau, im Anlagenplanungsbereich, im Elektrobereich des Maschinenbaus, in der Werkzeugkonstruktion und -fertigung.

*Dr. Alexander Volger, mbp Dortmund, Abteilung "Technische Datenverarbeitung, Engineering Anwendungen"

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