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13.07.2001 - 

Kongress für IT-Freiberufler diskutiert berufliche Zukunftschancen

"Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei"

Auf der Insel der Glückseligen können sich IT-Freiberufler zwar nicht mehr wähnen, aber den großen Einbruch in der Auftragslage hat es bislang auch nicht gegeben. Während E-Business-Projekte momentan auf Eis liegen, haben Aufträge aus der Host- und Cobol-Welt nach wie vor Konjunktur. Von Ina Hönicke*

Der Jahreskongress für IT-Freiberufler, der sich in diesem Jahr das Motto "Wirtschaftspartner Freiberufler" auf die Fahnen geschrieben hatte, hat sich mittlerweile als feste Größe etabliert. Zum fünften Mal trafen sich in München rund 400 Selbständige aus der IT- und Multimedia-Branche, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Auffallend dabei ist, dass sich zunehmend jüngere Teilnehmer unter das Kongresspublikum mischen. Offenkundig wagen IT-Spezialisten immer früher den Schritt in die Selbständigkeit.

Nicht so sehr über die Aufträge denn über den Status der Freiberufler machte sich Ulrich Bode, Sprecher im Beirat für Selbständige der Gesellschaft für Informatik (GI), Gedanken: "Die Zeit des Einzelkämpfers ist vorbei, heutzutage sind Netzwerke und Partnerunternehmen gefragt." Was anderen freien Berufen wie Ärzten oder Rechtsanwälten längst gelungen sei, müssten IT-Freiberufler noch erreichen - nämlich sich stärker in der Gesellschaft zu positionieren.

Konsolidierung des Marktes trifft Freiberufler

Der GI-Mann: "Nur so erreichen die Selbständigen in der IT-Branche öffentliche Anerkennung. Angriffe wie die Scheinselbständigkeit sind dann vom Gesetzgeber gegenüber einer kompakten Interessenvertretung kaum noch durchzusetzen." Netzwerke wiederum hätten den Vorteil, dass Freiberufler sich untereinander austauschen könnten. Bode: "Vielleicht sollten die IT-Freelancer genau wie die Ärzte einmal über eine Art Überweisungsschein nachdenken?"

Der GI-Sprecher warnte die Kongressteilnehmer davor, sich durch mögliche "Rezessionsparolen" beeindrucken zu lassen: "Die Freien haben in der IT-Welt schon längst ihren festen Platz. Daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern."

Bernd Mogalle, Business-Development-Manager bei der Münchner Cap Gemini Ernst & Young Deutschland GmbH, nahm zunächst einmal die wirtschaftliche Situation unter die Lupe. Der Berater berichtete über den Zusammenbruch der New Economy, die hohe Zahl der Insolvenzen sowie die Zurückhaltung der traditionellen Unternehmen gegenüber neuen Projekten. Mogalle: "Die Euphorie ist raus - trotzdem besteht in vielen Bereichen noch ein großer Bedarf an Freelancern."

Gute Chancen sieht er im Supply-Chain- und Customer-Relationship-Management - hin zum Network-Value-Chain-Management. In diesen Bereichen seien vor allem Integrationsfähigkeit, Sozialkompetenz, Kundenorientierung sowie die Bereitschaft zur Wissensweitergabe erforderlich. Mogalle: "Das Content-Management mit Leben füllen, den persönlichen Kontakt zum Kunden pflegen, kurzfristig verfügbar und fremdsprachig fit sein und eine globale Brille aufhaben - das sind die Anforderungen der Zukunft." Die Konsolidierung des Marktes treffe auch die Freiberufler in der IT-Branche.

Sowohl die Akquisition als auch die Planbarkeit würden schwieriger, Folgeprojekte seien nicht mehr sicher. Kurzum - die IT-Selbständigen müssten sich auf eine schwierigere Geschäftslage einstellen. Manche der Anwesenden konnten sich indes nicht des Eindrucks erwehren, dass der Vortragende bei seinen Prognosen von den gerade veröffentlichten Entlassungsmeldungen seines Unternehmens beeinflusst war.

Paul Maisberger, Geschäftsführer der Maisberger & Partner GmbH in München, jedenfalls widersprach seinem Vorredner vehement: "In Deutschland gibt es über zwei Millionen Unternehmen und ein paar hundert New-Economy-Firmen. Es ist doch lächerlich zu glauben, dass durch den Dotcom-Crash eine ganze Wirtschaft zusammenbricht." Der Münchner Marketing-Profi appellierte an die IT-Berater, mehr Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Schließlich könnten ohne die Hilfe von Externen die meisten Projekte auch künftig nicht angeschoben werden. Die Industrie mache sich etwas vor, wenn sie glaube, dass der Personalengpass bald vorbei sei.

Spitzensportler als Vorbild

Bei seinen Empfehlungen für den Umgang mit Kunden griff Maisberger in die eigene Trickkiste: "Halten Sie sich nicht am Stundensatz fest, machen Sie Ihre Leistung sichtbar, zeigen Sie Ihre Begeisterung für ein Projekt." Der Berater empfahl, sich die Spitzensportler zum Vorbild zu nehmen: "Bereiten Sie sich auf ein Kundengespräch mental vor. Erfolgreiche Freelancer müssen sich in die Köpfe und Herzen ihrer Kunden eingraben." Gleichzeitig sei es wichtig, sich die in Frage kommenden Unternehmen genau anzuschauen: "Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit muss ausgelotet werden, für wen ich arbeite, welche Strategie das Unternehmen verfolgt und wie die Firmenkultur aussieht."

Der Vortrag des Münchner Beraters sorgte bei den Teilnehmern für Begeisterung und viel Gespächsstoff. Entsprechend schwer hatte es Stefan Stülpnagel von der ed-scout.com AG in Offenbach mit seinem anschließenden Vortrag "Erfolgreiches E-Learning für Freiberufler". Dabei ist die notwendige Weiterbildung bislang in der Tat ein schwieriges Thema: Zeitmangel sowie fehlende Orientierung über nützliche Angebote mit einem reellen Preis-Leistungs-Verhältnis sind für Freiberufler Hemmschwellen. Mit seiner Präsentation richtete sich Stülpnagel zum einen an die IT-Freiberufler, die sich weiterbilden und zum anderen an diejenigen, die Online-Weiterbildung als Projekt anbieten wollen. Stülpnagels Fazit: Die Zukunft wird dem E-Learning gehören - allerdings nicht abgekoppelt vom Präsentationstraining, sondern als Kombination von beidem.

Cobol-Programmierer noch lange nicht tot

Während sich die meisten Teilnehmer am Nachmittag so eine Art Crashkurs für erfolgreiche Marketing-Präsentation im Internet gaben und sich über Partnerschaften mit anderen Freiberuflern informierten, zog es eine kleinere Gruppe zu der Sonderveranstaltung "Cobol - eine Perspektive mit Zukunft". "Back to the roots", wie einer der Teilnehmer treffend meinte.

Unbeeindruckt von der Cyberwelt im großen Saal nebenan, stellte Uwe Müller, Geschäftsführer der GID mbH, Ludwigsburg, seine Sicht der immer wieder totgesagten Programmiersprache Cobol vor: "Obwohl alle Medien dem Cobol-Programmierer nach der Jahr-2000-Umstellung den Weg in die Versenkung vorausgesagt haben, lebt er nicht nur - er ist nach wie vor gefragt." Trotz aller Anti-Cobol-Kampagnen sei der Anteil von Projekten mit Cobol-Qualifikation um sieben Prozent gestiegen. Darin waren sich Referent und Zuhörer einig: Während E-Business-Projekte teilweise auf Eis liegen, ist das Thema Wartung und Pflege in den Betrieben aktuell.

*Ina Hönicke arbeitet als freiberufliche Journalistin in München.