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26.06.1992

Die Zeit der klaren Verhältnisse ist vorbei

Im PC-Bereich bahnt sich eine grundlegende Wende an. Spätestens im

kommenden Jahr werden sich rund zehn Betriebssysteme auf einem Markt

tummeln, der bisher eindeutig von DOS dominiert war: Microsoft startet mit

Windows NT den zweiten Versuch, einen Nachfolger für sein bisheriges PC-

Betriebssystem zu etablieren. Die IBM dagegen setzt nach wie vor auf OS/2,

gleichzeitig aber auf Pink, eine objektorientierte Entwicklung von Apple.

Und auch Unix-Anbieter jeglicher Couleur drängen in den lukrativen PC

Massenmarkt. Für die Anwender bedeutet diese Entwicklung das Ende der

Übersichtlichkeit. Sie fragen sich, welche Vorteile ihnen Multiuser- und

Multitasking Systeme bringen können. Dieser Frage gingen die CW-Redakteure

Ludger Schmitz und Hermann Gfaller in einem Gespräch mit Jochen Haink,

Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, Morris Schwartz, Marketing-

Manager der Unix System Laboratorien Europe, und Axel Schultze,

Geschäftsführer des Netzwerkunternehmens Asonic, nach.

CW: Die Grenzen zwischen PC und Workstation verschwimmen zunehmend. Was ist gemeint, wenn heute vom Desktop-Arbeitsplatz die Rede ist ?

Schtwartz: Am einzelnen Arbeitsplatz geht es vor allem um persönliche Produktivitätshilfen. Im oberen Leistungspektrum stellt der PC dagegen lediglich einen Punkt innerhalb einer größeren Organisation dar, von dem aus ein Anwender unternehmensweit alle möglichen Dienstleistungen von den unterschiedlichsten Soft- und Hardwareplattformen benutzten kann. In diesem Fall ist der Desktop das Fenster zu all den Services, die im Unternehmen erhältlich sind. In diese Richtung weist der Trend.

Haink: Meines Erachtens ist es unerheblich, ob der Rechner ein Palmtop ist, ein Notebook, Laptop, oder tatsächlich - wie die Bezeichnung "Desktop" sagt - auf dem Schreibtisch steht. Wir müssen ihn nach dem Nutzen beurteilen. Wie mein Vorredner sagte, geht es um persönliche Produktivität.

Darüber hinaus geht es in einem Unternehmen darum, daß Anwender Zugang zu einer Welt von Services haben. Unser Slogan "Information at your fingertips" bedeutet, daß man nicht nur Daten erfaßt hat, sondern diese Informationen auch leicht bearbeiten kann. Ich sehe also drei Dinge: persönliche Produktivität, Arbeitsteilung und Datenzugang über weite Bereiche der Organisationen.

CW: Ihr Stichwort heißt also Unternehmensweite Datenverarbeitung. Inwiefern geht dieses Konzept über die Verbindung von PCs durch LANs hinaus ?

Haink: Die Art, wie wir denken und arbeiten, wird sich verändern. Es geht nicht nur darum, mit einer neuen eine ältere Technologie zu ersetzen. Die Menschen müssen auch lernen, damit umzugehen. Es reicht nicht, die Technologie zu besitzen, wir müssen auch unsere Art zusammenzuarbeiten ändern. Wir werden es lernen, während sich die Technik entwickelt.

CW: Die Anwender sollen sich also zugunsten von mehr Leistung den Erfordernissen neuer Techniken anpassen. Aber entsprechen die neuen Techniken überhaupt einem Bedürfnis bei den Anwendern ?

Haink: Bei jedem Evolutionsschritt stellt sich die Frage: Brauchen wir dies oder das wirklich? Ich will diese ethische Frage nicht beantworten. Ich glaube, daß Organisationen, die darauf verzichten, die jeweils höchsten Stufen von Kommunikation und Interface-Techniken einzusetzen, nicht lange überleben werden.

Es geht auch ohne E-Mail und all die anderen Dinge, die heute möglich sind. Wer diese Mittel nicht nutzt, nimmt allerdings einen ernstzunehmenden Wettbewerbsnachteil in Kauf.

CW: Gibt es nicht doch den Ruf der Anwender nach mehr Leistung - vor allem nach mehr Leistung zu einem niedrigeren Preis?

Haink: Nein, nicht vorrangig. Was wir brauchen, ist Interconnectivity, Zusammenarbeit und Anwenderfreundlichkeit.

Schwartz: Ich möchte festhalten, daß Leistungssteigerungen im Fall von Unix mehr mit besserer Prozessor-Performance zu tun hat als mit der Optimierung des Betriebssystems selbst. Wir sind bisher auf dem Rücken von Intel, Motorola, Sparc und anderen RISC-Architekturen geritten. Und jetzt verlangen die Leute nach 32-Bit-Betriebssystemen.

Warum? Es ist kein Zufall daß sich Unix in der Midrange-Welt durchgesetzt hat. Die Anwender brauchten und brauchen ein Bindeglied zwischen Mainframe- und Desktop-Betriebssystemen, das zugleich Interoperabilität und Kommunikation erleichtert. Die Mainframer setzen auf Downsizing und die PC-User umgekehrt auf Upsizing. Das heißt nicht, daß sie ihre bisherigen Systeme wegwerfen. Im Gegenteil: Sie sollen zusammenarbeiten .

CW: Damit preisen Sie Unix als das optimale Betriebssystem für unternehmensweite Datenverarbeitung an. Kann das Betribssystem das wirklich leisten ?

Schultze: Aus meiner Sicht als Netzwerkspezialist haben Betriebssysteme immer zwei Aspekte. Zum einen ist es auf Anwendungsseite ein Client auf der anderen Seite der Server. Jede dieser Funktionen hat andere Anforderungen. Neu ist heute, daß auf dem Client und auf dem Server verschiedene Betriebssysteme laufen.

Auf der Client-Seite sehe ich vor allem DOS. Es ist leicht und schnell erlernbar. Unix ist nach meiner Erfahrung für die Anwender zu komplex. Beim Server sieht die Sache anders aus. Hier brauchen wir ein komplexes Betriebssystem. Windows NT könnte meines Erachtens eine Verbindung zwischen dem technisch anspruchsvollen Server und den leicht bedienbaren Endanwender-Systemen darstellen.

CW: Wenn ich sie richtig verstehe, dann teilen sie gerade den Desktop Markt der Zukunft auf. Ihrer Meinung nach werden die Unix-Anbieter das Geschäft auf der Server-Seite machen, während Microsoft vor allem den Client-Bereich abdeckt.

Schultze: Ja, ich glaube so wird die Geschichte ausgehen.

CW: Herr Haink, gibt sich Microsoft mit der Marktnische zufrieden, die dem Unternehmen eben zugewiesen wurde ?

Haink: Immerhin wäre das der Massenmarkt. Wir glauben allerdings, daß wir auch im Bereich mittlerer Systeme Boden gewinnen können. Der Punkt ist, daß wir Windows NT für fähig genug halten, auf dem Server zu laufen. Ich bringe in Erinnerung, daß NT skalierbar ist.

Ich glaube nicht, daß es notwendigerweise zweier Betriebssysteme in einer vernetzten Umgebung bedarf. Ich glaube, mit Windows NT erübrigt sich das.

CW: Die Idee des einheitlichen Betriebssystems über mehrere Plattformen hinweg ist keine Idee von Microsoft. Die Unix-Anbieter propagieren diese Strategie schon seit Jahren. Und gerade jetzt sind diese Unternehmen auf dem Sprung in den PC-Markt.

Haink: Ich glaube, es wird sehr schwierig werden, am PC-Markt mehr als ein oder zwei Betriebssysteme zu etablieren. Gerade Microsoft hat ja erst vor kurzem erlebt, daß eine wunderbare Entwicklung gescheitert ist. Sowas ist keine Frage der Technologie, es ist eine Frage von Marktmacht. Und die wird wesentlich davon mitentschieden, ob unabhängige Softwarehäuser ihre Anstrengungen hinter ein System stellen und Anwendungen dafür schreiben.

CW: Kann Unix im PC-Markt, das dort ja bisher unter "ferner liefen" rangierte, den Durchbruch schaffen, der dem OS/2-Betriebssystem versagt geblieben ist ?

Schwartz: Unsere Desktop-Version Unixware ist kein anderes Unix, sondern ein neu verpacktes das all das kann, was das klassische Unix kennzeichnet.

Ob wir damit auf den PCs Erfolg haben, hängt davon ab, ob wir Applikationen dafür bekommen. Sonst können wir einpacken.

Einer der Gründe, warum wir in der Vergangenheit den PC-Markt nicht haben erobern können liegt darin, daß wir keinen Vertriebskanal für diesen Massenmarkt hatten. Aus diesem Grund haben wir uns Novell an Bord geholt.

Das Unternehmen ist der weltweit dominierende Anbieter von Netzwerksystemen. Dadurch, daß eine Firma wie Novell das Desktop-Unix vermarktet, wird es für die Applikationsentwickler attraktiv.

Ich gehe allerdings nicht davon aus, daß wir Microsoft von den Desktops vertreiben werden. Sie haben ihren Markt, ein riesiges Marketing-Budget etc. Microsoft wird am Desktop

Markt stark bleiben, aber wir werden auch da sein.

CW: Dann läuft doch alles auf das bekannte Schema hinaus: Microsoft dominiert mit Windows NT die Front-end-Clients, und Unix dominiert auf dem Netzwerk-Server.

Schwartz: Unixware ist kein reines Server-System, es ist ein Client-Server-System. Uns wäre es natürlich angenehm wenn die Anwender nicht zwei Betriebssysteme hätten, sondern nur eins, unseres. Aber schließlich wollen die Anwender ihre Investitionen nicht in den Wind schreiben. Also wird die Fähigkeit zur Integration die entscheidende Herausforderung in den zukünftigen Auseinandersetzungen.

Auf der Server-Seite hilft uns hier natürlich die Integration von Novells Netware. Dadurch bieten wird den Netware Anwendern sozusagen ein Fenster in die Unix-Welt.

CW: Die Unix System Laboratories gehen den PC-Markt von der Server-Seite her an und richten sich daher vor allem an die Downsizer unter den Anwendern. Microsoft dagegen kommt von der anderen Seite und stützt sich auf seine breite DOS- und Windows-Kundenbasis...

Haink: Ja, eine große Zahl unserer Kunden möchte von den isolierten Desktops aufsteigen zu größeren, integrierten Systeme. Die größeren Unternehmen arbeiten seit langem an der Integration von PCs, Unix-Systemen und Mainframes. Die brauchen ein fähiges Tool, diese Welten wirklich zu integrieren. Ihnen hilft, daß die heutigen Windows-Applikationen auch auf NT laufen werden.

Das heißt nicht, daß wir uns auf die Client-Seite beschränken. Schließlich ist es unerheblich, auf welcher Hardware NT installiert wird. Es wird auf Intel- wie auf Mips-Plattformen laufen, später auch auf anderen. Ich hoffe, damit wird für jene, die vor der Aufgabe der Integration stehen, die Arbeit leichter. Das Ziel ist, daß der Anwender nicht wissen muß, welche Datenbank oder welches Programm wo liegt. Er soll einfach die in seinem Unternehmen verstreuten Informationen nutzen können. Das gilt natürlich auch für die verschiedenen Netzwerkprodukte.

Schultze: Ich glaube, daß Unix im Desktop-Markt Fuß fassen wird, weil die USL es so will, und umgekehrt, daß NT auf der Server-Seite Boden gewinnen wird, weil Microsoft es so will. Daß es dabei primär um Marktanteile geht, macht mir etwas Angst. Schließlich hält auch keiner einen Mercedes für ein miserables Auto, bloß weil Daimler Benz weltweit nur einen Marktanteil von zwei oder drei Prozent hat.

Marktanteile mögen zwar für Geschäftsleute wichtig sein, ich glaube aber nicht, daß sie für den Markt im allgemeinen entscheidend sind. Vielleicht hätten wir mehr davon, wenn sich die USL auf das konzentrieren würde, was sie gut kann, und Microsoft sich mit Desktop-Systemen beschäftigen würde, anstatt Energie auf unbekannten Territorien zu vergeuden, einfach um auch da zu sein, ohne notwendigerweise was Besseres auf den Markt zu bringen.

In meinen Augen ist es Unsinn, ein komplexes Anwendungssystem zum Beispiel aus dem Bereich Konstruktion und Fertigung von Midrange-Rechnern auf PCs herunter zu migrieren, ebenso wie Standardanwendungen wie Winword nichts auf einem Server verloren haben. Wir brauchen nicht einfach unterschiedliche Betriebssysteme für Server und Client, sondern wir benötigen verschiedene Betriebssysteme für unterschiedliche Anwendungen.

Die Aufgabe des Betriebssystems ist es, den Umgang mit der Hardware so einfach wie möglich zu machen. Weil wir verschiedene Anwender und verschiedene Maschinen haben, gibt es auch einen Bedarf an unterschiedlichen Betriebssystemen. Nur ein Betriebssystem für alle Umgebungen zu verlangen, käme dem Versuch gleich, nur eine Art Motor für alle Typen von Kraftfahrzeugen vorzuschreiben.

CW: Wird sich die Auseinandersetzung um das Basisbetriebssystem für die späten 90er Jahre nur zwischen Windows NT und Unixware abspielen? Was ist mit den andere Mitbewerbern wie Sun, SCO und Next.

Haink: Ein Problem der Unix-Welt ist gerade, daß es die Frage gibt, welches dieser Derivate das Rennen machen wird. Wenn es nur ein Unix gäbe, wären die Chancen für dieses Betriebssystem viel besser. Solange die Anwendungsentwicklern nicht wissen, für welche Umgebung sie programmieren sollen, können sie die Kosten nicht kalkulieren. Ein Produkt kann nicht in Millionenauflage verbreitet werden. Nur derjenige unter den Unix-Anbietern, der ein Maximum an Gemeinsamkeit zwischen den verschiedenen Versionen bietet, kann Marktanteile gewinnen.

Schwartz: Ich gebe zu, daß sich in der Unix-Welt zuviel in verschiedene Richtungen bewegt

hat. Wir haben aber eine Reihe von Schritten unternommen, um mehr Einigkeit herzustellen. Zu den Chancen für die angesprochenen Derivate: SCO basiert auf Unix System V, Release

3.2. Interessanterweise werden Zusätze von SCO aber von verschiedenen OEMs zusammen

mit System V.4 angeboten. Ich glaube, es könnte für SCO interessant sein zu überdenken, auf welcher Betriebssystemgrundlage sie ihre Produkte künftig liefern wollen. Bei Suns Solaris-Produkt spielt die Frage nach Anzahl und Qualität der PC-Anwendungen die entscheidende Rolle.

CW: Hält OS/2 bei der Auseinandersetzung um den Desktop-Markt noch mit ?

Haink: Die IBM verfügt über Vertriebskanäle und hat einen bestimmten Rückhalt in der Industrie. Um aber ein wichtiger Mitspieler zu werden, braucht IBM mehr. Was fehlt, sind die unabhängigen Software-Häuser, die hinter dem Produkt stehen und Applikationen für das System auf den Markt bringen. Hier gibt es kaum Unterstützung für OS/2.

Der Grund für die Entwicklungsarbeiten auf ein System konzentrieren, dessen Hersteller schon angekündigt hat, in vier, fünf Jahren - zusammen mit Apple - was anderes zu machen ? Ich würde das nicht tun. Wer als Anwender fünf Jahre braucht, eine Sache auf die Reihe zu bekommen, will dann 20 Jahre was davon haben. Es gibt eine OS/2-Gemeinde, aber sie wird nicht den Erfolg einbringen, den IBM sucht .

CW: Wo bleibt DOS ?

Haink: Bei Privatanwendern noch einige Zeit. Auf Dauer jedoch wird DOS vom Markt verschwinden. Aber es ist damit wie immer: Totgesagte leben länger.

CW: Mit dem Alpha-Chip von DEC kommt die Industrie in den Leistungsbereich der 64-Bit-Architektur - auch für den Desktop7

Haink: Windows NT wird es in Zukunft für Alpha-basierte Systeme geben. Damit wird der Chip nicht unterfordert; seine Leistung wird benötigt für Anforderungen von morgen, etwa Spracherkennung, Bildverarbeitung etc. Außerdem eignen sich die 64-Bit-Prozessoren für NT-

Techniken wie das Multiprocessing.

CW: Alle Welt redet von Mikrokernel-Technologie, nur ist davon bei NT ebensowenig zu sehen wie bei System V, Release 4.2.

Schwartz: Wir erkennen einen Marktbedarf für den Mikrokernel-Ansatz. Das heißt aber nicht notwendigerweise, daß Unix in Zukunft einzig auf Mikrokernel-Technologie ausgerichtet sei. Wir untersuchen gerade, in welchen Marktsegmenten welche Anzahl potentieller Kunden sich für Mikrokernel-Technologie finden ließen. Derzeit sehen wir lediglich einen Bedarf in Nischenmärkten etwa bei Echtzeit- oder fehlertoleranten Multiprozessorsystemen.

Schultze: Ich bin überrascht, daß der USL-Vertreter die Mikrokernel-Technologie nicht als beschlossene Orientierung für Unix bezeichnet.

Schwartz: Wir setzen auf Modularität. Bei unserem PC-Unix lassen sich - ähnlich wie beim Mikrokernel-Konzept - auf ein relativ kleines Grundsystem Funktionalitäten etwa für die Software-Entwicklung oder für die System- und Netzverwaltung aufsetzen.

CW: In Sachen Modularität kämen wir schon einen bedeutenden Schritt weiter, wenn die Systeme nach verbindlichen Standards objektorientiert programmiert würden.

Haink: Das ist auch eines dieser Schlagworte, die diese Industrie ständig strapaziert. Objekt- orientierte Programmierung ist, eine vielfältig einsetzbare Technik. Im Bereich Betriebssysteme befinden sich die Objekt-Ansätze allerdings noch in den Labors - auch bei uns. Ich kann aber noch keine Auskunft geben, woran wir da genau arbeiten. Nur soviel: Objekte sind eine Schlüsseltechnologie auch für Desktops.

Schwartz: Objektorientierung ist ein entscheidender Punkt bei unserer Planung. Die Vorteile dieser Programmier-Methode werden besonders bei der Systemintegration und in heterogenen vernetzten Umgebunden wirksam.

Wir gehen davon aus, daß die Zukunft von Unix daran entschieden wird, wie es uns gelingt, mittels Unix Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen herzustellen. Dafür brauchen wir objektorientierte Technologie.

CW: Wagen wir zum Schluß einen Blick in die Zukunft: Wie wird sich der Umgang der Anwender mit der Datenverarbeitung verändern?

Haink: Der vielleicht beeindruckendste Trend ist die weltweite Vernetzung. Außerdem wird es Dinge geben wie Sprachverarbeitung, bewegte Bilder und Pen-Computing. Die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer wird sich ändern .

Vor allem werden die Anwender nicht mehr wissen müssen, was sich wo und unter welchem Namen im System befindet und wie man an diese Ressourcen herankommt. Die Eingabe von ein Paar Stichworten wird genügen, die benötigten Informationen zu erhalten.

Schwartz: Wo Netzwerke billiger werden, wo Zugang zu Informationen preisgünstiger wird, wächst die Zahl der Informationsanbieter. Und es ändert sich die organisatorische Struktur von Unternehmen, denn Informationen werden nicht mehr das Privileg einer begrenzten Gruppe in einer Organisation sein, vielmehr gehen alle mit ihnen um.

Schultze: In den nächsten Jahren bis zum Jahr 2000 wird sich meiner Ansicht nach nur wenig grundlegendes am Betriebssystem ändern außer, daß es schneller und komfortabler wird. Längerfristig gewinnen Multimedia und Möglichkeiten in einer dreidimensionalen Benutzeroberfläche zu arbeiten, an Bedeutung.

Dafür brauchen wir aber nicht nur neue Betriebssysteme, sondern auch neue Rechnertypen mit ganz anderen Leistungsmerkmalen. Ich denke hier beispielsweise an optischen Computer. Optische Netzmedien werden dann selbstverständlich sein.

CW: Wird dabei auch die Arbeit für die DV-Verantwortlichen leichter oder im Gegenteil komplizierter?

Schultze: Die Anforderungen an Systemadministratoren werden viel höher sein als in der Vergangenheit. Wenn die heutigen DV-Verantwortlichen aus der Mainframe-Welt die höheren Anforderungen hinsichtlich der Integration von kleineren Systemen und Netzen nicht erfüllen, werden sie sich als Arbeitslose auf der Straße wiederfinden .

Bei Downsizing-Projekten in den USA hat sich gezeigt, daß es möglich ist, mit einem Fünftel des DV-Personals auszukommen, obwohl sich die Zahl der Endanwender verdoppelte. Andererseits wird die Macht der DV-Manager zunehmen, weil sich die Einsicht in ihre Bedeutung für die Unternehmen verbessert.

CW: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.