Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.03.2005 - 

Kolumne

Die Zeit heilt viele Wunden

14.03.2005

Die Fraunhofer-Institute haben Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf der CeBIT die Lösungsarchitektur für die Plattform der E-Gesundheitskarte übergeben (siehe Seite 10). Nun kann die IT-Branche zeigen, dass Toll Collect ein Ausrutscher war. Sollte die Einführung klappen, lockt als Bonus die Modernisierung der gesamten Healthcare-IT-Landschaft. Hintergrund: Das Gesundheitswesen steckt in einem tief greifenden strukturellen Wandel. Die Entwicklung erinnert an die internationale Harmonisierung der Eisenbahnspurweiten, an die Standardisierung der Strom- und Telecom-Netze, an die einheitlichen GSM- und IP-Plattformen. All dies hat für einen ökonomischen Aufschwung gesorgt. Wenn dem Gesundheitswesen eine ähnlich erfolgreiche Vereinheitlichung gelingt, steht auch hier einem Boom kaum noch etwas im Wege.

IT ist hierfür der "Enabler", so schlecht das Wort auch klingt. Die Veränderungen müssen aus der jeweiligen Branche heraus erfolgen, die IT ist nur das Werkzeug. Das klingt nach wenig, ist aber nicht zu unterschätzen: Ohne IT-Unterstützung ist die Veränderung schlicht nicht machbar. Prozesse müssen modelliert, Sicherheitsrichtlinien gezogen, Verfügbarkeiten garantiert werden. Zudem gilt es, die veraltete Ausrüstung in Arztpraxen, Apotheken und Kliniken zu modernisieren. Das Gesundheitswesen ist der Sektor mit dem höchsten Anteil am Bruttoinlandsprodukt, den meisten Beschäftigten und vermeintlich rosigen Aussichten - wir werden alle älter.

Die elektronische Gesundheitskarte ist dabei nur das Aushängeschild für die Beitragszahler, damit diese die Modernisierung auch "begreifen" und vor allem finanzieren. Unter der Oberfläche vollzieht sich jedoch der interessantere Teil des Wandels: Steigende Kosten, sinkende Erlöse, ineffiziente Strukturen, der Investitionsstau, starre sektorale Grenzen und die wachsende Zahl der Alten und chronisch Kranken werden neben der europäischen Öffnung der Märkte für Bewegung sorgen. Das System wandelt sich seit Jahren vor sich hin, und es werden weitere Jahre vergehen, bis alle Bürger, Ärzte und Apotheken in neue Lösungen eingebunden sind. Diese Geduld müssen die IT-Lieferanten noch aufbringen, damit ihnen der Ruf nach einer zügigen Entscheidung nicht als Gier ausgelegt wird. Selbst wenn die Industrievertreter zu Recht kritisieren, dass zu viel Zeit ungenutzt verstreicht - in Berlin liegt glattes diplomatisches Parkett, keine grauen Teppichfliesen mit Kabelschächten darunter.