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Kolumne


12.11.1999 - 

Die Zeit läuft für Microsoft

Es ist nicht nur der harsche Ton von Bezirksrichter Thomas Jackson, der Prozeßbeteiligte und Beobachter im Antitrust-Verfahren gegen Microsoft überrascht hat. Auch die Dreiteilung der Urteilsfindung (Findings of Fact, Findings of Law, abschließendes Urteil) gilt in den USA als höchst ungewöhnlich. Etliche Experten sehen darin den Versuch Jacksons, Microsoft unter Druck zu setzen und zugleich beiden Parteien eine Galgenfrist für eine außergerichtliche Einigung einzuräumen.

Doch die Aussichten für einen Vergleich stehen schlecht. Firmenchef Bill Gates beharrt nach wie vor auf der abstrakten Forderung des "Freedom to innovate". Microsoft müsse weiterhin die Möglichkeit haben, ohne staatliche Einflußnahme oder Kontrollen eigene Produkte mit neuen Merkmalen und Funktionen auszustatten.

In der Praxis bedeutet diese Forderung aber auch die Zwangskoppelung von Softwareprodukten. Diese stand schon im 1994 zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium ausgehandelten Consent Decree im Mittelpunkt. Die angeblich untrennbare Verbindung des Browsers "Internet Explorer" mit dem Betriebssystem Windows 98 liefert das jüngste Beispiel dafür, was unter der schwammigen Formel des Managers zu verstehen ist.

Hier endet nach Auffassung der Kläger und mittlerweile auch des Richters die Freiheit eines Herstellers. Joel Klein, Chef der Antitrust-Abteilung im US-Justizministerium, antwortet auf die Forderung Gates'' mit der Feststellung, er sorge sich vielmehr um die Innovationsfähigkeit aller anderen Unternehmen im Markt. Solange Microsofts Möglichkeiten, Produkte zu koppeln, nicht beschnitten würden, könne der Konzern jeden potentiellen Konkurrenten klein halten.

An diesem entscheidenden Punkt liegen die Positionen der Prozeßparteien meilenweit auseinander. Kaum erkennbar ist zudem, was die Gates-Company mit einem Vergleich gewinnen könnte. Im Gegenteil: In einem sich immer schneller wandelnden Markt läuft die Zeit für Microsoft. Die Anwälte des Konzerns haben längst mit den Vorbereitungen für ein Berufungsverfahren begonnen. Ein abschließendes Urteil des Supreme Court in einigen Jahren hätte wohl nur noch historische Bedeutung.