Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

31.05.1985

Die Zeiten der sicheren DB-Trümpfe sind vorbei

FRAMINGHAM (cw) - Harte Zeiten stehen offenbar der IBM auf dem Datenbank-Markt bevor. Zwar belegen die Systeme IMS und DL/1 des Computerchampions nach wie vor rund zwei Drittel der DBMS-Installationen; amerikanische DV-Beobachter glauben jedoch festzustellen, daß Big Blue in diesem Bereich zunehmend an Popularität verliert.

Gemessen am Umsatz, den der Marktführer aus seinen DBMS-Produkten zieht, stehen seine Erfolgskarten immer noch überdurchschnittlich gut. Wie die amerikanische Gartner Group ermittelte, brachte der Bereich Datenbanksysteme dem Branchenriesen 1984 mehr als 600 Millionen Dollar ein. Der Software-Gesamtumsatz wurde demgegenüber mit 3,2 Milliarden Dollar angegeben.

Glaubt man den Ergebnissen der US-Marktforscher, hat der Mainframe Monopolist künftig im Datenbankgeschäft nicht nur Trümpfe in der Hand: Immer mehr Kunden wandern zur Konkurrenz ab.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die International Data Corporation (IDC). Ihren Prognosen zufolge werden 1988 die unabhängigen Anbieter etwa die Hälfte aller Geschäftsabschlüsse in diesem Bereich für sich verbuchen können. Als Hauptvorwurf der Anwender zitieren die Analysten Schwächen der IBM-Produkte in den meisten DBMS-Funktionen.

In den Augen der amerikanischen Experten ist dieser Vorwurf auf die inzwischen bejahrte Technologie von IMS und DL/1 zurückzuführen Daß immer noch ein großer Teil der Datenbank-Anwendungen auf diesen Produkten basiert, schreiben die Brancheninsider der Autoritätsgläubigkeit der User sowie der langen Tradition beider Systeme zu.

Big Blue lebe gegenwärtig mit dem Dilemma, seinen Kunden die neuesten Errungenschaften wie relationale Datenbanken, Sprachen der vierten Generation und moderne Anwendungs-Entwicklungssysteme bieten zu müssen. Andererseits führe kein Weg daran vorbei, die alten Produkte am Leben zu erhalten, da auf ihnen die Applikationskonzepte der Anwender basieren.

Eine breite Installationsbasis sichert dem Hersteller im Prinzip einen kontinuierlichen Einnahmefluß aus dem Mietgeschäft. Das mag zwar ein sicheres Ruhekissen sein, warnen die Forscher der Gartner-Gruppe, beinhalte aber auch Gefahren. Kommentiert ein Branchenspötter: "Schon Atlas mußte erfahren, daß das Gewicht der gesamten Welt auch den Stärksten erdrückt". Und die Mitbewerber haben nicht mit dem Erfolgsdruck des eigenen Images zu kämpfen.

Im wesentlichen geht IBM das DBMS-Geschäft zweigleisig an: Für den Bereich Produktionssysteme gibt es IMS; dem steht das für Informations-Center und Endbenutzer konzipierte DB2 gegenüber. Allerdings: Zwei Datenbanksysteme anzubieten, die jeweils eine separate Leasinggebühr kosten, ohne gleichzeitig einen großen Produktivitätsgewinn zu garantieren, ist nach Ansicht vieler US-Anwender und Marktbeobachter ein etwas starker (..)bak. "IBM legt sich selbst den Strick um den Hals", warnt ein Sprecher der Gartner Group, "und wird im Datenbankgeschäft noch weiter an Boden verlieren."

Profitiert hätten von dieser Situation die Mitbewerber; zumindest wenn es darum gehe, neue Kunden an Land zu ziehen. Da schnappten die "Unabhängigen" Big Blue so manchen Bissen vor der Nase weg. Noch stellte jedoch die etablierte IBM-Benutzerbasis eine Bastion dar, die den Angriffe aus dem "gegnerischen" Lager einigen Widerstand entgegensetzte.

Böses Blut in den Fachkreisen

Gute Chancen, in diese Domäne einzubrechen, erhofft sich Applied Data Research (ADR): Ihr System DL 1 Transparency soll es IMS- und DL/1-Usern erlauben, auf das ADR-Produkt "Datacom" überzuwechseln. Mit den Schwierigkeiten einer komplizierten Konvertierung habe der Anwender nicht zu kämpfen. Anläßlich der Einführung von DL 1 Transparency spöttelt ADR-Präsident Martin Goetz: "DB2 ist doch nur eine Teillösung. IBM ist auf IMS festgelegt und DB2 stellt die Benutzer nicht zufrieden" .

Reaktionen wie diese machten in US-Fachkreisen indes böses Blut. Bei aller Kritik an den IBM-Produkten, so betonten Marktbeobachter und Anwender immer wieder, habe IBM die Fähigkeiten von DB2 wesentlich verbessert. Die Chancen stünden nicht schlecht, daß der Marktführer DB2 sogar zum Paradepferd seiner Datenbankprodukte machen werde. Mit dem Migrationspfad, den der Computerriese vorgebe, seien die Benutzer gar nicht so unglücklich, wie manche Stimmen glauben machen wollten.

Gegen eine weitverbreitete Meinung kämpfen allerdings fast alle DBMS-Anbieter: Relationale Systeme eignen sich nicht für Produktionsapplikationen, heißt es immer wieder (siehe auch Schwerpunkt "Datenbanken", S. 26). Wer versuchen wolle, Kunden vom Big-Blue-Pfad abzubringen, müsse folglich ein beachtliches Stück Überzeugungsarbeit leisten - vor allem, wenn sich die Anwender eine Chance ausrechnen, daß IBM bei seinen Datenbanksystemen Ordnung ins Haus bringt.