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14.11.1980

"Die zentrale Groß-EDV bleibt Insellösungen überlegen" Mit Heinz Sebiger, Vorstand der Datev, sprach Elmar Elmauer

Herr Sebiger, das Bundesverfassungsgericht hat also klargestellt, wer in Zukunft geschäftsmäßig kontieren und Belege verbuchen darf: Jeder, der sich durch eine Kaufmannsgehilfen-Prüfung qualifiziert hat, darf. Verändert dieser Beschluß die Wettbewerbssituation der Datev gegenüber Ihren Service-Rechenzentrums-Kollegen? Immerhin ist ja die Datev als größtes Mitglied im Verband Deutscher Rechenzentren nicht unumstritten.

Dieser Beschluß hat sich nur mit der Frage des Kontierens und Verbuchens von Geschäftsvorfällen befaßt. Diese Arbeiten hat die Datev weder in der Vergangenheit gemacht, noch wird die Datev dies in der Zukunft machen. Wir tun nicht mehr, als die von unseren Steuerberatern erstellten elektronischen Datenträger auszuwerten. Ich sehe also zwischen dem Beschluß des Bundesverfassungsgerichts und unserer Arbeit keinen Zusammenhang, um darüber mit unseren Kollegen im Verband Deutscher Rechenzentren zu sprechen.

- Für Sie bleibt der Steuerberater der Datenerfassungskopf . . .

... ja. . .

- ... so daß sich die Datev bei der Preisgestaltung an der Kosten-/Nutzenverbesserung der Systeme ausrichten kann und nicht auf kostspielige Erfassung Rücksicht nehmen muß. Sie haben ja dadurch, ich glaube seit 1974, den Preis für die Buchungszeile bei 3,9 Pfennig gehalten. Werden Sie weiterhin diesen wettbewerbsstarken Preis-Abstand zu anderen Anbietern halten? Oder glauben Sie, daß nunmehr kleinere Wettbewerber die Buchungszeile zu eben diesem Preis anbieten könnten?

Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Angebot von dem Leistungsumfang, wie wir es haben, zu einem günstigeren Preis angeboten werden kann. Richtig ist, daß unser Preis seit 1974 gilt. Wir haben dafür aber auch alle Rationalisierungsmaßnahmen genützt, um die Preissteigerungen bei Gehältern, Fernmeldegebühren, Versandgebühren, beim Papier und so weiter aufzufangen. Dies werden wir auch weiterhin tun. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, daß jemand effizienter als wir anbieten kann, und sei es selbst ein einzelner Einmannbetrieb.

- Herr Sebiger, es ist ja immer wieder vom Monopol der Datev die Rede. Und ein Preis von unverändert 3,9 Pfennig seit 1974, der riecht schon stark nach dem, was wie Dumping aussieht und mit Rationalisierungs-Gewinn allein nicht mehr umschreibbar ist.

Ich kann es den Leuten nicht verübeln, daß sie so denken. Aber wer will, kann sich vom Gegenteil überzeugen: Wir legen unsere Bilanzen und weit darüber hinausgehendes Zahlenmaterial auf. Da kann sich jeder überzeugen, daß wir keine Dumpingpreise machen. Denn mit Dumping-Preisen könnte die Datev in der heutigen Zeit nicht existieren. Wir nehmen einfach unser Versprechen ernst, als Erfüllungsgehilfen für die steuerberatenden Berufe diesem die EDV-Dienstleistung selbstlos zur Verfügung zu stellen. Das drückt sich in hohen Waren Rückvergütungen aus, die wir noch zusätzlich ausschütten- im vergangenen Jahr zum Beispiel fast acht Millionen Mark. Wie könnte ein Betrieb, der auf so breiter Basis wie die Datev im Markt ist, die Mittel erwirtschaften, um Warenrückvergütungen in dieser Größenordnung auszuschütten? Ich glaube, damit beantwortet sich diese Frage von selbst.

- Die Datev rekrutiert nicht ganz fünfzig Prozent ihres Geschäftsvolumens aus dem Buchführungsumsatz: Glauben Sie, daß dieser von der Datev doch weitgehend dominierte Markt auch in Zukunft von anderen Wettbewerbern nicht beschritten wird angesichts der Preise, mit denen Sie sich begnügen?

Es war in der Vergangenheit so, daß von rund dreihundertfünfzig Service-Rechenzentren in der Bundesrepublik sehr viele wie wir Buchführungsleistungen angeboten haben. Das wird auch in Zukunft so sein, ich ,halte diesen Wettbewerb für richtig. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob unsere Mitbewerber in den Preis eintreten können, den wir bieten. Aus Sicht meiner Bilanz glaube ich sagen zu können: Noch knapper, noch wirtschaftlicher zu arbeiten, das dürfte nur unter außergewöhnlichen Umständen möglich sein.

- Der Umfang Ihres Angebots wandelt sich mit den technischen Möglichkeiten der Datenverarbeitung: Wenn aber der Preis gleich bleibt, ist er offensichtlich ein Ergebnis der zentralistischen EDV-Philosophie der Datev ?

Davon bin ich felsenfest überzeugt. In den vergangenen Jahren hat ja die Diskussion um Distributed Processing viel Stoff geliefert. Wir haben von der ersten Stunde der Datev bis jetzt die Philosophie vertreten, die zentrale Verarbeitung der Groß-EDV anzubieten. Trotz allen Wandels, der hier technologisch eingetreten ist, halte ich diese Philosophie immer noch für gültig und richtig: nämlich riesige Computerkapazitäten zu schaffen und dort EDV industrialisiert durchzuführen.

-Gilt die riesige zentrale Computerkapazität nur für die CPU? Also ohne jede Aufweichung der Philosophie durch Auslagerung von System-Resourcen?

Diese Industrialisierung durch zentrale Kapazität gilt für den Rechner, für die Peripherie und alles, was sich drum herum abspielt. Also auch Drucknachbereitung, Versand und dergleichen. Und wenn man all dieses konsequent durchzieht, dann ist nach meinem Dafürhalten die Groß-EDV auch in den achtziger Jahren der Insellösung überlegen.

- Sie sprechen von Industrialisierung, obgleich gerade dieser Begriff mit der Arbeitsteilung einhergeht. Insofern kämen wir doch dem Distributed Processing näher als der zentralistischen CPU-Megalopolis. Haben Sie denn Beispiele, um die Behauptung zu belegen, daß die zentrale Lösung der dezentralen Lösung überlegen ist?

Persönlich meine ich, daß die Datev so ein Beispiel ist. Denn die Zahlen, die Sie vorhin angesprochen haben, die ungerechtfertigten Dumping-Vorwürfe, dies resultiert schließlich daraus, daß wir einen Preis machen können, den anscheinend so leicht niemand sonst finden kann. Ich habe aber auch unmittelbare Vergleichsmöglichkeiten im Ausland. Es gibt in Frankreich, in Japan ähnliche Einrichtungen wie die Datev. Gerade Japan ist für uns außerordentlich interessant, weil man dort vor fünf Jahren, ausgehend von einer ähnlichen Konstruktion, wie wir sie haben, entschieden hat, zu dezentralisieren. Man hat den Service, der den Steuerberatern bisher von einem Rechenzentrum geboten wurde, in sechzehn Einzelrechenzentren verlegt, und es ist sehr interessant, wie sich das fortentwickelt. Ich finde jedenfalls immer wieder die Bestätigung in den dort zu sammelnden Erfahrungen, daß die Aufsplitterung in kleinere Einheiten wesentlich kostenträchtiger ist als die echte Zentralisierung, wie wir sie betreiben.

- Wenn Sie die systemfernen Komponenten herausheben: Wäre Distributed Processing also vom Preis-/Leistungsverhältnis einer CPU wohl zu verteidigen, nicht aber von den um den Kern gelagerten System-Aggregaten?

Nein, da möchte ich nicht mißverstanden werden: Nicht nur durch die Kosten des die Maschine umgebenden Systems, sondern auch durch die Kosten der Maschine selbst entstehen die Vorteile. Nehmen Sie nur die Möglichkeit, ein sehr fortentwickeltes sophistisches Betriebssystem einsetzen zu können, an das große Massenspeichersysteme angeschlossen werden können und dazu der echte Druckbetrieb mit Laserdruckern. Diese Konzentration macht sich hier sehr deutlich in der Kalkulation bemerkbar, ganz zu schweigen von der Redundanz, die hier vorhanden ist und eine enorm erhöhte Sicherheit garantiert, wenn einzelne System-Komponenten ausfallen. Dazu die Vorteile vom Consol Operating her, oder die Vorteile, die mit der zentralen Programmpflege und Programmentwicklung verbunden sind.

- Wie lange noch, Herr Sebiger, glauben Sie an dieser Philosophie festhalten zu können, Großrechner in; weitere Kapazitäten hinein ausbauen zu können, ohne daß die Datev leistungsfähige Kleinrechner zur Organisation der Großrechner braucht?

(Lacht). Also, ich meine schon, daß wir uns hier noch fortentwickeln können. Allerdings sehe ich hier wieder Möglichkeiten, besser: eine Entwicklung in Richtung auf das "Dedicated System". Wir haben heute zwei IBM-Systeme 3032 und eine Siemens 7.880 - jede Einheit mit acht MB-Kernspeicherkapazität- stehen, dazu eine ungeheure Peripherie - zum Beispiel 260 Platten IBM 3350, und wenn wir heute aufrüsten, hängt dies davon ab, wie die Announcements der IBM zur H-Serie oder die neuen Systeme von Siemens und Amdahl ausfallen. Aber natürlich stellt sich auch für uns die Frage: Ist es klug, von diesem vierten Rechner die totale Palette unsere: Verarbeitung zu fordern? Oder ist es vernünftiger, die Systeme bestimmten Verwendungszwecken zu dedizieren? Zum Beispiel bestimmte Dialoganwendungen immer wieder über das Back-up eines anderen Systems zu fahren? Damit, glaube ich, läßt sich diese Philosophie der zentralen, industrialisierten Datenverarbeitung noch sehr lange fortentwickeln.

- Deutlich ist aber auch, daß die Datev aufgrund der Größe ihrer Zentrale an dieser festhalten muß, weil es sonst zur Chaotisierung ihrer Datenverarbeitung käme.

Genau. Doch wir haben unser Instrumentarium weit entwickelt. Zum Beispiel läuft unsere Katalogverwaltung voll EDV-mäßig.

- Paßt denn in diese Philosophie die Beteiligung der Datev am Bildschirmtext-Feldversuch ?

Ja. Denn Bildschirmtext scheint ein ganz phantastisches Medium zu sein um den Informationsweg zum Anwender, also bei uns zum Steuerberater, offenzuhalten. Der Steuerberater kann sich, weil unsere Rechner vierundzwanzig Stunden am Tag laufen unabhängig von Arbeitszeiten Zugang zu den in der Zentrale gespeicherten Daten verschaffen und hier durch wird die räumliche Differenz zwischen dem zentralen Rechner und dem Arbeitsplatz noch weiter abgebaut. Der Großrechner kommt näher an die Kanzlei des Steuerberaters und das unterstützt wieder unser Philosophie, die Kapazitäten der Groß-EDV zu nutzen.