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Eine Chronik des Scheiterns


19.01.2001 - 

Die Ziele von Letsbuyit.com waren zu hoch gesteckt

MÜNCHEN (CW) - Im Rückblick auf die kurze Geschichte der in Schweden gegründeten Letsbuyit.com scheinen es drei Faktoren gewesen zu sein, die dem Unternehmen das Genick brachen: ein unglückliches Timing, zu hoch gesteckte Ambitionen und ein Business-Modell, das nicht überzeugen konnte.

Das Problem des falschen Zeitpunktes machte sich bereits beim Börsengang von Letsbuyit.com im Sommer 2000 bemerkbar. Trotz widriger Kapitalmarktumstände setzte das Unternehmen nach zweimaliger Verschiebung zwar sein Börsendebüt am Neuen Markt durch, doch der Preis dafür war hoch. Statt des erhofften und wohl auch benötigten Emissionserlöses von rund 180 Millionen Euro flossen nur 62 Millionen Euro in die Kasse des Internet-Händlers. Auch im Oktober, als sich die Company bereits auf die Suche nach potenziellen Investoren begab, war die Zeit ungünstig. Kaum jemand war in dieser Phase noch bereit, Geld in Internet-Firmen zu investieren.

Die Geschäftsidee ließ sich nicht durchsetzenGleichfalls unglücklich verlief der internationale Aufbau der Company, die zum Börsengang noch davon sprach "die größte Einkaufsgemeinschaft der Welt" werden zu wollen. Zwar baute Letsbuyit.com in insgesamt 14 europäischen Ländern lokale Web-sites auf, doch angesichts des schleppend verlaufenden Geschäftes in den meisten Regionen - Hauptumsatzträger sind Deutschland und Österreich - war dies wohl voreilig. Schließlich verschlang der Betrieb Unsummen für den Aufbau der Infrastruktur sowie für Marketing-Kampagnen. Bereits im ersten Geschäftsjahr stand dem Umsatz von gut zwei Millionen Euro ein Verlust in Höhe von 24,4 Millionen Euro gegenüber, für das laufende Jahr wird sich dieser voraussichtlich auf 113 Millionen Euro summieren.

Last, but not least stand oder steht auch die Geschäftsidee von Letsbuyit.com unter einem schlechten Stern. Die Idee, Käufer zu bündeln und so die Preise für die Produkte zu drücken, setzte sich nicht durch. Die Kunden fanden die Preisnachlässe nicht attraktiv genug, zu viele Schnäppchenangebote geistern bereits durch das Internet. Gleichzeitig musste man mit sehr schmalen Gewinnmargen haushalten. Hinzu kamen rechtliche Schwierigkeiten in Deutschland, wo das Powershopping-Geschäftsmodell gegen das Rabattgesetz und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstieß.

Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Das angeschlagene Unternehmen mit Sitz in Amsterdam hat vom dortigen Landgericht Zahlungsaufschub bis März erhalten. Bis dahin soll die aktuelle Finanzlage des Unternehmens geprüft werden. Offiziell bestätigte bisher nur der französische Internet-Händler Dealpartners.com "Sondierungsgespräche". Realistisch ist, dass weitere Interessenten die Frist bis März aussitzen, um dann zuzuschlagen.

Das Nachsehen werden, wie so oft, vor allem die Aktionäre von Letsbuyit.com haben. Wie die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) vorrechnete, wird die Firma trotz eines Kurseinbruchs von zwei Euro auf unter 30 Cent noch immer mit 27 Millionen Euro bewertet. Eine Stange Geld für ein Pleiteunternehmen. Und, so die SdK, der Kurs dürfte noch weiter fallen, da am 21. Januar die Sperrfrist der Altaktionäre abläuft. Damit könnten auf einen Schlag weitere 70 Millionen Aktien auf den Markt kommen und den Kurs noch zusätzlich nach unten drücken.