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05.05.1995

Die Zukunft der Software ist internationalisiert

Hajo Pajatsch,

Geschaeftsfuehrer der SAM Engineering GmbH, Muehltal bei Darmstadt

Bereits zum fuenften Mal ging - heuer mit Hunderten von Ausstellern - die

"International Software Business Development Conference & Globalizing Conference" in San Franzisko ueber die Buehne, allerdings mit nur kleiner deutscher Beteiligung: die SAM Engineering aus Muehltal bei Darmstadt und Gecap aus Muenchen waren vertreten. Dabei gibt es vergleichbare Konferenzen mit solch uebergeordnetem Ansatz weder hierzulande noch anderswo in Europa, geschweige denn als paneuropaeische Veranstaltung. Hat die europaeische DV-Industrie den Bedarf an internationalisierter Software und deren Marktpotential noch immer nicht erkannt?

Das waere schade, vor allem in Hinblick auf das Zukunftsbild, das beim letzten Bruesseler G7-Treffen von Industrie und Politik in Sachen "Global Information Infrastructure" gezeichnet wurde. Schon seit Beginn der 90er Jahre wird prognostiziert, diskutiert und angemahnt, dass das Ueberleben der europaeischen Softwarehersteller und DV-Dienstleister von einem rechtzeitigen weltweiten Engagement abhaenge; Lokalmatadore dagegen versaenken in die Bedeutungslosigkeit. Gleichzeitig wurde und wird die Vorherrschaft der US-amerikanischen DV-Unternehmen beklagt.

An dieser Uebermacht kann sich jedoch solange nichts aendern, wie die europaeischen DV-Anbieter nicht endlich mit einer konsequenten globalen Vermarktungsstrategie ihrer Produkte beginnen. Das heisst, dass die Anbieter die Anforderungen an weltweit einsetzbare Software verstehen lernen, um sie von Anfang an im Produktentwicklungszyklus zu beruecksichtigen. Nur dann kann Software spaeter kostenguenstig und schnell fuer die verschiedensprachigen Maerkte angepasst werden.

Mittlerweile gibt es in den europaeischen Laendern vielfaeltige gesetzliche Bestimmungen fuer die Betreibung von Software und anderen technischen Produkten. So regelt beispielsweise die am Jahresanfang in Kraft getretene Maschinenrichtlinie der Europaeischen Union, dass jede Betriebsanleitung in der (den) jeweiligen Landessprache(n) mitgeliefert werden muss. Ausserdem gehoert die technische Dokumentation jetzt zum eigentlichen Produkt dazu und unterliegt somit den Produkthaftungsgesetzen. Werden Maschinen durch Software gesteuert und muss der Bediener Bildschirmeingaben machen, muss er dies in seiner Landesprache tun koennen.

Der Bedarf an internationalisierter Software ist also vorhanden. Ein Weg zu ihr ist, bewaehrte Programme in die geplanten Sprachen zu uebersetzen und dabei nationale Besonderheiten zu beruecksichtigen. Dies bedeutet, dass die interne Logik der Software angetastet und Programme Release fuer Release kostenintensiv angepasst werden muessen. Vielfach entstehen auf diese Art und Weise voellig neue Produkte.

Sinnvoller ist es, bereits bei der Entwicklung einer neuen Software von Anfang an die Voraussetzungen fuer die Uebersetzung zu schaffen. Wichtig dabei ist die Trennung des eigentlichen Programmcodes von den sprachlichen und geografischen Variablen. Die Qualitaet der spaeteren Uebersetzungen haengt entscheidend von einer konsistenten Benutzung der Terminologie ab, die daher ebenfalls parallel zur Projektentwicklung erarbeitet werden sollte. Von der Basisversion lassen sich dann leicht lokale Varianten ableiten. Die interne Anwendungslogik der Software muss nur noch dort modifiziert werden, wo es aus fachlichen Gruenden absolut notwendig ist.

Darueber hinaus geht es um Beruecksichtigung von kulturellen, gesetzgeberischen und technischen Gegebenheiten ebenso wie um die inhaltliche Anpassung. Ueber den Erfolg von Internationalisierungsprojekten entscheidet ein professionelles Projekt-Management. Zu seinen Aufgaben gehoeren Projektplanung und -evaluierung, Terminologiedefinition und -verwaltung, Uebersetzungskoordination, Qualitaetspruefung und -sicherung, technische und linguistische Tests, Einfuehrung, Vermarktung, Training und Support.

Es muessen Ueberlegungen angestellt werden ueber den Einsatz von Internationalisierungsstandards und -normen wie XPG4/5, Unicode und weitere Zeichensatzstandards, ueber Tastaturbelegungen, Schreibrichtung, Datums- und Zeitformate, Waehrungssymbole, Masseinheiten und so fort sowie ueber linguistische Hilfen wie Rechtschreibpruefung, Silbentrennung oder Sortierfolgen. Weiterhin sind auch Benutzeroberlaeche, Online-Hilfe und Dokumentation unter dem Gesichtspunkt einer spaeteren Uebersetzung zu konzipieren.

Aufgrund unseres kulturellen Hintergrundes und unseres Know-hows in geschaeftstragenden Softwareprogrammen muessten wir Europaeer eigentlich gute Voraussetzungen mitbringen, bei der Lokalisierung beziehungsweise Internationalisierung von Software und bei der Definition entsprechender Standards eine entscheidende Rolle zu spielen. Doch wiederum kuemmern sich hauptsaechlich die Amerikaner um die globalen Maerkte.