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10.09.1976

Die Zukunft der "Wald- und Wiesenprogrammierer"

In der BRD beschäftigen sich derzeit rund 100 000 Personen mit der Programmierung von DV-Anlagen. Etwa die Hälfte dieses Personenkreises betrachtet Programmieren als ihr Hauptarbeitsgebiet und bezeichnet sich deshalb als Programmierer. Ihre beruflichen Kenntnisse haben die Programmierer zumeist in einem "Schnellverfahren" erworben. Dabei wurde ihnen meistens gerade das unumgänglich notwendige Wissen und nicht mehr vermittelt. Ob ein Aspirant die erforderlichen Fähigkeiten und ein entsprechendes Randwissen mitbrachten wurde häufig nur unzureichend oder gar nicht geprüft. So ist es nicht überraschend daß schon vor Jahren "rund 40 Prozent der in der DV Beschäftigten als "völlig ungeeignet" bezeichnet wurden. Fazit: Zahlreiche Programmierer für "Wald- und Wiesenarbeiten", wenige Könner für zunehmend komplexere Systeme mit dem entsprechenden Randwissen über die betrieblichen Zusammenhänge.

Dr. Christiane Floyd,

Leiterin des Bereichs "Schulung, Entwicklung und Ausbildung" bei Softlab, München

Das Berufsbild eines "Wald- und Wiesenprogrammierers" ist sicherlich noch viel weniger definiert als das Berufsbild eines "Programmierers"; das bekannterweise ein weites Spektrum an Vorbildung, Spezialisierung, Qualifikation und Einsatzmöglichkeiten umfaßt. Ich will daher lieber von "Codierern" sprechen, d. h. von Programmierern, deren Know-How im wesentlichen in der Kenntnis einer Programmiersprache besteht und die fast ausschließlich dazu eingesetzt werden, kleine, bereits computergerecht aufbereitete Probleme in die jeweilige Sprache umzusetzen.

Diese Codierer wird es langfristig nicht mehr geben. Sie werden schrittweise durch spezialisierte höhere Sprachen oder Programmgeneratoren verdrängt werden, die Organisatoren und Systemanalytikern gestatten, ihre Programme selbst zu formulieren.

Reine Codierer werden so mit der Notwendigkeit konfrontiert, ihre Einsatzfähigkeit zu erweitern. Das erfordert vor allem Aufgeschlossenheit und die Bereitwilligkeit, sich weiterzubilden. Dafür gibt es folgende Wege (die sich nicht gegenseitig ausschließen):

- Spezialisierung in anspruchsvollen, zukunftsträchtigen Gebieten der Programmierung wie Datenbanken und Datenfernverarbeitung,

- Systematisierung der Arbeitsweise durch softwaretechnologische Methoden und damit Entwicklung zum Planer größerer Programmsysteme,

- Ausweitung der Kenntnisse in Richtung Organisation oder in Richtung spezialisierter Anwendungsgebiete wie etwa Bankenwesen.

Weiterbildung allein aber kann das Problem nicht lösen, es bedarf vor allem eines Umdenkens - auf Seiten der Programmierer selbst und auch seitens ihrer Auftraggeber.

Wolfgang Pflanz

Geschäftsführender Leiter des DV-Bildungszentrums München

Der Trend der DV-Lösungen geht dahin, daß immer mehr Teilaufgaben unter einer größeren Gesamtsicht in ein einziges Programmsystem eingebettet werden. Der Anteil der Codierung und des Austestens der Programme bei einem solchen komplexen DV-Projekt dürfte jeweils höchstens 15%, zusammen also höchstens 30%, des gesamten Arbeitsaufwandes ausmachen. Da diese beiden Teilaufgaben die wesentlichen Arbeitsgebiete des sogenannten "Wald-und-Wiesen-Programmierers" sind und natürlich auch von den "Programmgestaltern" übernommen werden können, müssen die Zukunftsaussichten der Personen, die auf der Stufe des "Wald-und-Wiesen-Programmierers" stehen bleiben, als äußerst schlecht bezeichnet werden.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß der Anteil der kleineren DV-Systeme stark ansteigen wird; denn auch hier werden zunehmend Gesamtlösungen übernommen bzw. angepaßt.

Die arbeitgebenden Stellen erwarten heute von DV-Mitarbeitern zu Recht neben einer guten Auffassungsgabe und schulischen Grundausbildung vor allem auch umfangreiches Wissen über DV-Verfahren und DV-Techniken (Programmiermethoden und -sprachen, Betriebssysteme, Techniken der DV-Organisation und Projektdurchführung) sowie gute Kenntnisse auf den Anwendungsbereichen. Zum Erwerb dieses Wissens ist eine praxisnahe schulische DV-Grundausbildung von zwei Jahren erforderlich, wie sie beispielsweise an 420 Vollzeit-Unterrichtstagen in der Ausbildung zum "Wirtschaftsinformatiker" vermittelt wird.

Den für die Einstellung von DV-Mitarbeitern zuständigen betrieblichen Stellen ist zu empfehlen, mit einer umfassenden DV-Grundausbildung ausgestattete Bewerber sogenannten "erfahrenen", aber den anstehenden Aufgaben weniger gewachsenen "Wald-und-Wiesen-Programmierern" vorzuziehen.

Karl-Heinz Kratz,

Leiter der Zentralen Datenverarbeitung bei der Stadt Nürnberg

Die Frage muß in zweifacher Hinsicht beantwortet werden: Wie wird künftig programmiert und wie sollte in 10 oder 20 Jahren programmiert werden.

Wenn wir in der heutigen konventionellen Weise fortfahren, werden wir auch in 10 Jahren noch Organisatoren und Anwendungsprogrammierer haben. Lediglich die Arbeitsmittel werden moderner sein: Noch leistungsfähigere Programmiersprachen, normierte Programmierung für alle Bereiche und interaktive Programmierung am Bildschirm. All das wird die Arbeit der Programmierer erleichtern und ihre Tätigkeit effektiver machen. Aber es ist wie bei den Atomkraftwerken: Trotz moderner Technik "kochen sie immer noch Wasser".

Vorstellbar wäre auch, daß es in 10 Jahren oder später überhaupt keine Programmierer im heutigen Sinne mehr gibt. Jedes Rechenzentrum, das etwas auf sich hält, hat heute schon eine Datenbank und ein Datenbankverwaltungssystem. Die logische Ergänzung wären eine Methodenbank und ein Steuerprogramm, das Methoden auswählt und sie zu ablauffähigen Programmen bindet.

Wenn Wirtschaft und Verwaltung zusätzlich spezielle Methoden entwickeln würden und wenn zentrale Stellen die Methodenbank pflegen und den Anwendern zur Verfügung stellen würden, dann sähe die Programmierabteilung eines Rechenzentrums in 10 Jahren ganz anders aus.

Der fachlich und EDV-technisch geschulte Anwendungsprogrammierer würde ganz verschwinden. Seine Arbeit übernimmt der Organisator, der wie bisher die Aufgabe analysiert und dann entweder ein angebotenes Programm einsetzt oder es aus der Methodenbank selbst zusammenstellt.

Sicherlich ist damit die Zeit der Spezialisten vorbei. Wer darunter wirklich ein Könner war, findet seine Aufgabe künftig in der Systemprogrammierung oder als Chefoperator bzw. Consoloperator.

Friedrich Wilhelm Golücke,

Leiter des Instituts für automatisierte Datenverarbeitung der Stadt Bochum

Vor mehr als 10 Jahren schon wurde von dem Marktführer der Branche in Verkaufsgesprächen unter Hinweis auf Cobol die Behauptung aufgestellt, daß "Programmierer" künftig nicht mehr notwendig seien, sondern nach kurzer Ausbildung der Mann des Fachbereichs seine Probleme selbst lösen könne. Leider haben die Programmiermethoden mit der Entwicklung der Hardware bei weitem nicht Schritt halten können. Sie stehen heute weitgehend auf dem Level der zweiten Computergeneration. Daran ändern im Grunde auch die auf dem Markt befindlichen DB-Verwaltungssysteme, Programmgeneratoren für strukturierte Programmierung, Entscheidungstabellen- und Listgeneratoren nicht viel.

Es bleibt zu hoffen, daß softwareseitig die Förderungsmaßnahmen der Bundesregierung zu einer Verbesserung der Situation in Richtung Normierung oder Standardisierung führen.

Hardwareseitig wird die Veränderung der Kostenrelation zum Personalaufwand das Vordringen der interaktiven Programmierung begünstigen, obgleich auch hier vor übertriebenen Hoffnungen gewarnt werden muß, da der Schreibtischtest am Rechner stattfinden und somit die Belastung enorm steigen wird.

Im Ergebnis ist zu erwarten:

1. Die Entwicklung von Verfahren wird nach wie vor den Organisator/Programmierer erfordern. Er benötigt weniger Hard- und Softwarekenntnisse als heute, weil Systemprogrammierer und Datenbankverwalter ihm diese Probleme abnehmen. Die Benutzung eines Terminals ist ihm ebenso selbstverständlich wie heute der Locher.

2. Der Fachbereich wird durch einfach zu handhabende Generatorprogramme in der Lage sein, Auswertungsprogramme selbst zu erstellen. Neben den technischen Aspekten werden jedoch hier in verstärktem Umfange Probleme des Datenschutzes relevant sein.