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15.10.1999 - 

Telecom 99/Industrie diskutiert auf der Telecom 99 die Konvergenz der Netze

Die Zukunft gehört dem Handy und mobilem Internet-Zugang

GENF (IDG) - Eine Woche lang war Genf der Nabel der TK-Welt. Rund 200000 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich auf der weltgrößten Telekommunikationsmesse Telecom 99 + Interactive 99 über das Zusammenwachsen von klassischer Telefonwelt, Internet und Mobilfunk zu informieren. Dem Mobilfunk als Zugangsmedium zum Internet gehört wohl die Zukunft.

Die achte von der International Telecommunications Union (ITU) veranstaltete Messe in Genf markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Telekommunikation: Erstmals war die Veranstaltung kein reines Treffen der TK-Industrie mehr. Vielmehr hatten sich unter die rund 1200 Aussteller eine Vielzahl von klassischen IT-Unternehmen gemischt, die, aus der Datenecke kommend, an der Verschmelzung von Sprache und Daten mitarbeiten. Diesen Wandel spiegelte auch die Liste der Keynote-Redner wider. Vor dem Hintergrund der globalen Verschmelzung von Internet und Mobilfunk forderte AT&T-CEO Michael Armstrong ein Ende der nationalen Regulierungen. Darüber hinaus mahnte der Manager an, die weitere Ausbreitung des globalen Netzes nicht durch unnötige Regulierungsvorschriften zu bremsen. Vielmehr sei es erforderlich, neue Technologien wie etwa die dritte Mobilfunkgeneration schnellstens einzuführen, denn dann, so Armstrong weiter, "könnte die TK-Revolution die erste Revolution der Geschichte sein, die nur Gewinner kennt". Neben dem AT&T-Manager diskutierten in Genf IT-Größen wie Bill Gates, Larry Ellison und Louis Gerstner, also die Chefs von Microsoft, Oracle und IBM, über die Zukunft der vernetzten Gesellschaft. So erwartet etwa Michael Capellas, Compaqs neuer President und CEO, daß Computer und Telekommunikation in naher Zukunft miteinander verschmelzen. Kleinstrechner, ähnlich heutigen Handies, sollen zu unseren täglichen Begleitern gehören.

Eine andere Form der Konvergenz demonstrierte Cisco in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen am Vorabend der Messe: Bei der Übertragung des in New York, London und Genf stattfindenden Konzerts Netaid waren erstmals nicht die Rundfunk- und Fernsehstrecken der klassischen Telcos das primäre Transfermedium, sondern das Internet. Gemeinsam mit Partnern hatte Cisco Internet-Sites ins Leben gerufen, die für bis zu 60 Millionen Zugriffe pro Stunde konzipiert waren und simultan 125000 Video-Übertragungen unterstützten.

Bei aller Begeisterung für den Erfolg des Internet und die damit verbundenen Kommunikationsmöglichkeiten, wie sie die Übertragung des Benefizkonzerts demonstrierte, warnte UN-Generalsekretär Kofi Annan davor, die Entstehung eines digitalen Grabens zwischen Erster und Dritter Welt zuzulassen. Während nämlich die reichen Industrieländer an Datenautobahnen mit Gigabit-Tempo bauten, habe die Hälfte der Menschheit noch nie ein Telefon benutzt.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma soll eine Studie der ITU aufzeigen, die anläßlich der Telecom in Genf vorgestellt wurde: der Mobilfunk als Kommunikationsmedium der Zukunft. Bereits heute besitzen nach ITU-Schätzung 400 Millionen Menschen ein Handy, wobei täglich eine Viertelmillion hinzukommt. Schon im Jahr 2001, so die Prognose der Autoren der Studie, dürfte die Kundenzahl in den Mobilfunknetzen die Festnetzklientel übertreffen. Drei Jahre später übersteige dann der Umsatz mit mobilen Services das Festnetzgeschäft, das laut ITU seit 1996 schrumpft. Lediglich die Mobilfunkbetreiber, die 1998 weltweit 154 Milliarden Dollar umsetzten, sicherten der Studie zufolge das Wachstum der TK-Branche.

Dabei steigt die Anwenderzahl in den Ländern der Dritten Welt schneller als in der Ersten Welt. Einen Grund hierfür sehen die Autoren darin, daß sich die Infrastruktur eines Mobilfunknetzes schneller aufbauen läßt als ein klassisches Telefonnetz. In einigen der durch Bürgerkriege ausgezehrten Länder sei es bereits fraglich, ob überhaupt jemals wieder ein Festnetz errichtet werde oder nicht der Mobilfunk zum primären Kommunikationsmittel avanciere.

Bei aller Euphorie in Sachen Mobilfunk enthält die Studie aber auch kritische Bemerkungen zu den Tarifen. Nach Erkenntnissen der ITU liegen diese nämlich weit über den tatsächlichen Kosten. Negatives Beispiel an der Preisfront ist vor allem Deutschland. Hierzulande zahlten etwa die D2-Benutzer für den ITU-Mobilfunk-Warenkorb (Grundgebühr, 50 Minuten zur teuren und 50 Minuten zur billigen Zeit) im August 61,91 Dollar. Ein Finne mußte dagegen für das gleiche Angebot nur 26,9 Dollar berappen.

Angesichts dieses Beispiels sieht die ITU noch großen Spielraum für Preissenkungen. Glaubt man ihren Experten weiter, so könnte die Nutzung des Mobilfunks in etlichen Ländern bald billiger sein als die Verwendung des Festnetzes.