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02.07.1982 - 

Optische Nachrichten- und Informationsübertragung:

Die Zukunft hängt an einer hauchdünnen Faser

02.07.1982

Für die zukünftigen Telekommunikationssysteme, die eine anspruchsvollere Technik als das Telefon verlangen, muß eine größere Frequenzbreite zur Verfügungstehen. Um die notwendige Technologie in Fernmeldenetzen zu gewährleisten, wird die Deutsche Bundespost bis spätestens 1983 die Glasfasertechnik einsetzen.

Zukünftige Telekommunikationssysteme werden beispielsweise sein: schnelle Datenübertragung, Textverarbeitung, Bildfernsprechen und Faksimileübertragung. Für diese Technologien werden Frequenzbreiten von bis zu 10 GHz (Gigahertz = 10? = Hertz = 10\12 Schwingungen pro Sekunde) notwendig.

Eine Glasfaser hat einen Durchmesser von 0,1 Millimeter. Das ist etwa die Stärke des menschlichen Haares. Über ein solches Fasernpaar können bis zu 1500 Telefongespräche und/oder Daten gleichzeitig übertragen werden.

Am 14. Februar 1979 wurde die erste 15,5 Kilometer lange "heiße" Strecke der Deutschen Bundespost übergeben. Zwischen Frankfurt und Oberursel setzte man die Lichtwellenleiter-Technik (LWL) an diesem Tag zum ersten Mal echten Alltagsbedingungen aus. Diese Betriebsstrecke arbeitet bisher mit hoher Zuverlässigkeit.

Eine weitere Versuchsstrecke wurde Ende 1980 in Berlin in Betrieb genommen. Einige Familien erhielten die Rundfunk- und Fernsehprogramme über eine Glasfaser. Gleichzeitig kann telefoniert, Bildschirmtext und Videotext empfangen werden.

Seit August 1981 ist eine weitere Strecke zwischen Schwabach und Nürnberg in Betrieb. Die Strecke ist 12 Kilometer lang. Das verlegte Kabel enthält zwei Glasfasern, über die 480 Gespräche gleichzeitig geführt werden können. Es entspricht der Kapazität eines herkömmlichen Kupferkabels mit 320 Doppeladern. Die Möglichkeiten der Glasfaser-Kommunikation erprobt seit Ende 1981 auch Stuttgart.

Die Deutsche Bundespost hat inzwischen Aufträge in Höhe von 150 Millionen Mark vergeben. Die Ortsnetze Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München, Nürnberg und Stuttgart sollen spätestens 1983 mit der Glasfasertechnik in Betrieb gehen. Das Ziel dieses Kommunikationssystems ist es, die Übertragung des Telefon-, Daten- und Textverkehrs sowie von Bildferngesprächen, Hörfunk- und Fernsehprogrammen, Bildschirmtext und Videotext über eine einzige Glasfaser-Anschlußleitung vorzunehmen.

Die Glasfaser-Kommunikation wird aber nicht nur in Deutschland eingeführt. Sie wird international betrieben. Die Übertragungseinrichtungen der Olympischen Spiele 1984 werden die Glasfasertechnik voll nutzen. Ende 1981 waren in den USA 350 Kilometer Glasfaserkabel in Betrieb. Bis Ende 1984 sollen es 3700 Kilometer sein. Ein Transatlantik-Unterwasser-Glasfaserkabel mit 36 000 Fernsprechkanälen wird für 1988 geplant.

In England ist geplant, bis 1990 die Hälfte der Fernmelde-Fernverbindungen über Glasfaserkabel zu schalten. Die British Telecom bekommt Konkurrenz. Das Mercury-Konsortium wird ins Telefonnetz-Geschäft einsteigen. Das erste Projekt dieser Gruppe ist die Verbindung von sieben britischen Geschäftsmonopolen über eine Glasfaserleitung.

In Paris ist seit Sommer 1981 ein 7 Kilometer langes Kabel mit 50 Glasfasern in Betrieb, dessen Kapazität für 30 000 Telefongespräche reicht.

Einer britischen Forschergruppe ist es gelungen, einen "Streckenweltrekord" bei der Glasfaserübertragung aufzustellen. Sie sandten ein Lasersignal unverstärkt über eine Strecke von über 100 Kilometern.

Folgende Vorteile des Glasfaserkabels:

- völlig unempfindlich gegenüber Störungen durch Magnetfelder und/ oder Hochfrequenzfeldern,

- völlig potential- und kapazitätsfreie Datenverbindung,

- geringes Gewicht,

- große Übertragungskapazität,

- kein Nebensprechen zwischen zwei Leitungen

- geringer Platzbedarf bei der Verlegung.

Kein Wunder also, daß man der Glasfasertechnik besondere Bedeutung beimißt.

*Bertfried Dilger, ist Mitarbeiter der Honeywell Bull AG, Eschborn/Taunus