Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.08.1990

Die Zukunft von MSDOS im Netz, Teil 2 Clients - zukunftssichere DOS-Biotope in den Netzen

Mit der Entwicklung immer höherstehender Kommunikationssysteme wurde des öfteren der Schwanengesang für DOS angestimmt. Doch gerade die Client-Server-Umgebung von LAN-Programmen, wie Netware oder der LAN Manager, verhilft DOS zum Überleben in den Client-Workstations.

DOS 3.1 unterstützt einige elementare Netzwerkfunktionen. Neben dem gemeinsamen Interface, das es für die Anwendungen bereitstellt, ist der entscheidende Punkt die zwingende Integration eines Fileservers beim Einsatz im Netz. Der Gedanke der freien Verteilung von Speicherkapazität in einem Netz-Environment wurde hier auf ein aus der Sicht der DOS-Designer praktisches Maß reduziert: Der Teilnehmer im Netz kann auf einem zentralen Netzknoten Dateien anlegen, verwalten und benutzen.

Folgende Programme sind für den Betrieb eines PC-LANs notwendig:

- Fileserver-Software,

- Netzwerk-Interface-Schale

und

- eigentliches PC-Betriebssystem.

Vor- und Nachteile des PC-LAN-Progromms

Die PCs im LAN können auf reale und virtuelle lokale Ressourcen sowie auf Netz-Ressourcen zugreifen. Das erfordert einen Mechanismus, der die Zugriffe in die richtige Richtung leitet. Diese Funktion wird durch die Netzwerk-Schale erbracht, die deswegen auch "Redirektor" heißt. Das PC-Betriebssystem muß ebenfalls zwei prinzipielle Arbeitsrichtungen unterstützen, die lokale Arbeit und die mit entfernten Komponenten. Netzwerk-Datentransfers werden aus der Sicht einer Maschine wie 110 gehandhabt. Daher ist es naheliegend, das Bios im Hinblick auf -den Netzeinsatz als 1/0-Medium zu erweitern. Diese Erweiterung heißt "Netbios". Bezogen auf die logische Struktur des Netzes ist das Netbios eine Realisierung der ISO-Schichten drei bis fünf, während die Schichten eins und zwei durch die Netzwerk-Adapterkarte realisiert werden.

Das PC-LAN-Programm (PCLANP) ist seit 1987 auf dem Markt. Sein Vorgänger war das auf MS-Net basierende IBM-PC. Netzwerk-Programm PCNP. PCNP ist eine Software, die man zwischen DOS 3.1 und der Anwendung installiert. Es läuft selbst also völlig unter DOS, ist sonst jedoch nur anwendungsunterstützend.

Vorteile des PCLANP vor allem seine hohe Ergonomie und seine leichte Instalierbarkeit.

Den Nachteil des PCLANP merkt man bei Leistungsmessungen: Es betreibt den Fileserver als DOS-Anwendung, und DOS ist als Betriebssystern parallele Zugriffe untauglich.

Novells Netware ist als Hardware-unabhängiges Betriebssystem ausgelegt und unterstützt ebenfalls die DOS-Welt. Benutzerschnittstellen und -kommandos sind in allen Implementierungen gleich. Besonderer Wert wurde beim Design auf die Server-Performance gelegt. Netware läuft auch unter den älter DOS-Versionen 2,0 und 2.1. Anfang 1990 unterstützte Novel mit seinen Netzwerk-Betriebssystemen Über 70 Netzwerke unterschiedlicher Hersteller.

Auf jeder Workstation im Novell-Netz muß DOS oder OS/2 installiert sein, wobei OS/2 derzeit keinerlei Vorteile bringt. Dem Vernehmen nach arbeite Novell an einer Schnittstelle zu Windows.

Das zwischen Applikation und PC-Betriebssystem, zwischengeschaltete Shell-Interface leitet Anforderungen an den Server weiter.

DOS ist auf dem Server nur zur gleichzeitigen Benutzung des Servers als Workstation erforderlich, arbeitet also im Bedarfsfall als Task unter dem Novell-Betriebssystem und nicht wie bei IBM - konkurrierend zum Netzwerk-Betriebssystem.

Die Funktionen, die Novell den Benutzern anbietet, sind wesentlich vielschichtiger als die des PC-LAN-Programms. Auf dem Server stehen standardmäßig Trace- und Monitorfunktionen zur Verfügung, die laufend die Auslastung des Servers kontrollieren und anzeigen, wer wann auf welche Dateien zugreift. Für jeden Benutzer kann ein genaues Profil - mit allen seinen Rechten und Privilegien definiert werden.

Bei der Dateiverwaltung sind einige erhebliche Verbesserungen gegenüber dem normalen DOS zu verzeichnen. Häufig angesprochene Datenbereiche werden resident im Server-RAM gehalten (File-Caching). Die Anzahl der Directory-Zugriffe läßt sich halbieren, indem alle Directories zusätzlich im RAM gehalten werden (Directory-Caching).

Auch zum Schutz der Daten sind ausreichende Vorkehrungen getroffen worden. File- und Record-Locking verhindern das gleichzeitige Verändern einer Datei oder eines Datensatzes durch mehrere Benutzer. Es gibt eine eindeutige Trennung zwischen dem Benutzer einer Workstation und dem Namen der Workstation. Im Unterschied zum PC-LAN-Programm kann ein Benutzer hier also auch von anderen Workstations aus mit seinem Benutzerprofil arbeiten.

Die Leistung von Netware ist abhängig von der Implementierung des Servers, der verwendeten LAN-Hardware und der Zugriffszeit auf die Festplatte(n). Bei hohen Anforderungen an das Netz sollten nur LANs verwendet werden, auf deren Interface-Karten bereits mit schnellen Prozessoren und Speichern das Netzprotokoll komplett abgehandelt wird.

Der Server-PC läßt sich als Workstation nutzen, verliert dann aber einige seiner Management-Funktionen. Da in einem Netz mehrere Server installiert sein können, ist es sinnvoll, daß eine Workstation auch auf mehrere Server zugreifen kann. Gateways verschiedener Anbieter stellen die Verbindung zwischen Novell-LAN und Host her.

Der LAN-Manager ist die Grundlage

Der LAN-Manager von Microsoft ist die Grundlage für OS/2-Netzanwendungen und erweitert die Dienste der SE auf die Netzumgebung. Hierdurch wird eine Multiuser-Umgebung geschaffen, zu deren Verwaltung es zusätzlicher Mechanismen bedarf. Letztlich stellt der LAN-Manager also ein vollständiges API für die Netzumgebung bereit: Damit können sämtliche OS/2-Befehle, die mit "DOS." anfangen, wie DOS.Open oder DOS.Close, uneingeschränkt in der Netzumgebung eingesetzt werden. Dazu gibt es eine Reihe von Befehlen mit der Bezeichnung Net.xxxx, die sich für Netzverwaltung, Schutzfunktionen und weitere netzspezifische Aufgaben nutzen lassen.

Der Kern des LAN-Managers ist die Multitasking-Erweiterung für den Redirector. In einer Multitasking-Umgebung ist es erforderlich, daß jede der parallel laufenden Tasks in Abhängigkeit von der Anwendung, die sie unterstützt, Zugriff zu einem oder mehreren Servern hat. Der Redirector muß demnach parallelen Zugriff auf mehrere Server von mehreren Tasks aus realisieren können.

Die konzeptionell wesentlichste Erweiterung ist der Remote-Procedure-Call, ein mächtiges Konzept zur Unterstützung verteilter Anwendungen, das hier - von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen - zum ersten Mal auf breiter Front für die PC-Umgebung verfügbar gemacht wird.

Darüber hinaus gibt es noch eine Menge nützlicher Kleinigkeiten, wie die Möglichkeit, auf jedem Server zur Automatisierung von Vorgängen, beispielsweise des Backups, eine Zeittabelle einzurichten (ähnlich dem "at"-Kommando in Xenix) und die Möglichkeit, Schnittstellen eines Servers zu einem Ressourcen-Pool zusammenzuschalten, was ebenfalls bereits aus anderen Netzen bekannt ist. Das Sicherheitssystem basiert auf einem System von Zugriffskontroll-Listen, die für eine Reihe von Betriebsmitteln wie Verzeichnisse, Dateien, Print-Schlangen, 110-Geräte etc. bestimmen, wer mit welchen Rechten auf diese Betriebsmittel zugreifen darf.

Zur Benutzung muß man ein LAN-Manager-Workstation-Programm auf den Clients installieren und den LAN-Manager selbst auf den Servern. Üblicherweise nimmt man für den Server OS/2, jedoch gibt es auch eine von Hewlett-Packard entwickelte Version des LAN-Managers für Unix, LM/X. Nachdem das Workstation-Programm auch für DOS zur Verfügung steht, ist der LAN-Manager auch in einer gemischten Umgebung aus DOS-Clients und Unix-Servern nutzbar.

Mit der aktuellen 386/486-Architektur unterstützenden Version 2.0 setzt sich der LAN-Manager noch etwas weiter von OS/2 ab. Wie Netware stellt er in der Regel keine besonderen Anforderungen an die einzusetzende Software. Er wird von allen wichtigen Herstellern außer IBM und (natürlich) Novell unterstützt (es gibt jedoch Programme, die zwischen LAN-Manager und Netware vermitteln).

Der OS/2-LAN-Manager baut eine Workgroup-LAN-Umgebung aus Workstations und Servern auf. Da IBM sich jedoch auch von der Workgroup-Umgebung nicht ausschließen möchte, gibt es zur weiteren Verwirrung der Benutzer einen sogenannten IBM-OS/2-LAN-Server als weitere, getrennte Komponente. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, daß der LAN-Server in etwa das gleiche macht wie der MS-LAN-Manager.

Schließlich gibt es in der LAN-Umgebung für DOS-PCs eine weitere Version des PC-LAN-Programms, PCLP 1.3, welche der Eingliederung "alter" Workstations-und Server dient. Sie arbeitet am besten mit DOS 4.x.

In der LAN-Umgebung (Token-Ring oder PC-Network) ist es also DOS- und OS/2-EE-Systemen möglich, zu koexistieren. Workstations mit OS/2 EE 1.1 können OS/2-LAN-Server, Workstations mit PCLP 1.3 DOS-Server oder OS/2-LAN-Server nutzen.

DOS - von den Netzen aufgefangen

Kommunikation im LAN ist, wie bereits eingangs dargestellt, nicht alles. Für die Verbindung zum Host stellt im Rahmen der IBM-Welt OS/2 EE vom Leistungsumfang her sicherlich das Nonplusultra dar. Aber setzt ein Arbeitsplatz auch all diese Möglichkeiten voraus, braucht der durchschnittliche Büroangestellte oder Sachbearbeiter wirklich APPC, ECF, zwei bis drei Emulationen und die LAN-Kommunikation gleichzeitig?

In öffentlichen Seminaren handelt sich der Autor oft mürrische Blicke ein, wenn er behauptet, es gebe ein Heer von Personen, die mit ihrem PC "fast nichts" machen. Und auch in einer vernetzten Umgebung wird sich daran kaum etwas ändern. Die "Power-User" sind in der Minderheit - die meisten Leute verwechseln noch immer bunte Bildchen auf dem Bildschirm mit Leistung. Windows und DOS sind das ideale Gespann für die Mehrzahl der

durchschnittlichen Benutzer. Braucht jemand mehr, ist es sicherlich sinnvoll, erst darüber nachzudenken, ob nicht ein schnellerer PC oder etwas mehr Speicher angeschafft werden sollten, gehe man den Einsatz von OS/2 erwägt. Und ist es dann soweit, könnte man überlegen, ob man nicht den Sprung zu Unix wagt.

Alle weiteren Funktionen sollten sinnvollerweise in den LAN-Servern abgehandelt werden. Hier läßt sich ein OSI-Protokollstack oder die Verbindungssoftware zum Host genauso gut unterbringen wie eine SQL-Maschine. Der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt; entscheidend allerdings ist eine verantwortliche Planung, Überwachung und Kontrolle.

Gerade das technische Konzept, das einige Zeit die meisten Zweifel an der Zukunftstauglichkeit von MS-DOS hervorrief, nämlich das lokale Netz, erweist sich heute als ein lebensverlängernder Faktor. Hier ist es möglich, die immer weiter steigenden Anforderungen an eine globale Konnektivität in einer Client-Server-Umgebung derart zu verteilen, daß die Clients kostengünstig unter DOS weiterlaufen können. Dies zeigt gleichermaßen einen Migrationspfad von der alten PC-Umgebung zum heutigen Standard auf. Die Kombination aus DOS und Windows für die Clients sowie OS/2 und in verstärktem Maße Unix auf den Servern kann für die nächsten fünf Jahre als stabile Basis angesehen werden.

Man darf dabei jedoch nicht vergessen, daß sich auch eine Stand-alone-Station in einer hochkonnektiven Umgebung gegebenenfalls nicht mehr mit DOS betreiben läßt, weil unterschiedliche Kommunikationsprotokolle zu Leistungsengpässen führen können. Intensive, verteilte Transaktionsverarbeitung ruft ebenfalls möglicherweise Flaschenhälse hervor. Hier sollte in einer IBM-Umgebung der Einsatz von OS/2 EE erwogen werden. Bei weniger intensiver Transaktionsverarbeitung reicht es jedoch oft, einen Server zur Zwischenpufferung und zur Realisierung der Kommunikationsfunktionen zum Host zu nehmen. Die Arbeitsplätze können dann weiter unter DOS laufen.