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27.06.2003 - 

Marktforscher erwarten dennoch starkes Wachstum

Die zweite ASP-Welle ist auf dem Weg

MÜNCHEN (jha) - Der einst mit großen Vorschusslorbeeren bedachte Markt für Application Service Providing (ASP) hat die hohen Erwartungen nicht erfüllt - aber er ist nicht tot. Im Gegenteil: Das beinahe zertretene Pflänzchen erholt sich schnell, denn das Mietmodell passt in die Zeit der schrumpfenden IT-Budgets.

Wer heute Software mieten möchte, muss sich zunächst einmal auf die Suche begeben. Viele Anbieter meiden in ihren Portfoliobeschreibungen den Begriff ASP. Zu sehr haftet ihm das Bild der enttäuschten Erwartungen an. "Wir bevorzugen die Bezeichnung Outsourcing, was üblicherweise allerdings mehr Serviceleistungen umfasst als ASP. Besser und unverfänglicher ist der Begriff Hosting", räumt Werner Beckmann ein, Leiter Competence Center Enterprise Application Integration (EAI), bei der Adesso GmbH. Das Dortmunder Dienstleistungshaus entwickelt und implementiert Anwendungen, und vermietet sie bei Bedarf auch. Groß ist die Nachfrage bis dato allerdings nicht.

Gerade einmal 1,4 Prozent des deutschen Outsourcing-Marktes entfallen auf das ASP-Segment, das ist das Ergebnis einer kürzlich vom Marktforschungshaus Pierre Audoin Consultants (PAC) durchgeführten Erhebung. Demnach wird sich der Umsatz im laufenden Jahr auf insgesamt 140 Millionen Euro belaufen, im Outsourcing-Geschäft können die Anbieter dagegen auf Einnahmen von 9,8 Milliarden Euro hoffen. "Der ASP-Markt ist nicht famos, aber es gibt ihn", schildert PAC-Beraterin Simone Sinz. "Vielfach wird das Angebot, Applikationen über IP-Techniken zur Verfügung zu stellen, in Outsourcing-Verträge eingebettet."

Nach wie vor gibt es also Möglichkeiten, Software zu mieten. Das bekannteste ASP-Beispiel liefert derzeit der US-amerikanische Anbieter Salesforce.com, der kürzlich erst meldete, den 10 000. Endbenutzer in Europa zu adressieren. Weltweit hat Salesforce.com eigenen Angaben zurfolge 6500 Kunden und mehr als 90 000 Anwender. Das Unternehmen stellt eine zentral betriebene CRM-Lösung für minimal 70 Euro pro Nutzer und Monat zur Verfügung. Es verspricht vor allem schnelle Einführungszeiten. Im Jahr 1999 vom früheren Oracle-Manager Marc Benioff gegründet, hat Salesforce.com in diesem Mai die Gewinnschwelle überschritten.

Zwar gibt es in den USA neben Salesforce.com weitere hoffnungsvolle CRM-ASPs wie Netledger und Upshot, doch in Deutschland stellt sich die Anbieterlandschaft anders dar. "Im Gegensatz zur Hype-Phase zu Beginn des Jahrtausends, als ASP vorwiegend ein Thema für Startup-Unternehmen zu sein schien, beschäftigen sich heute immer mehr traditionelle Softwareanbieter mit dem ASP-Modell. Sie wollen die Softwaremiete als Alternative zum konventionellen Lizenzmodell anbieten", berichtet Werner Grohmann, Geschäftsführer der HKP Consulting GmbH, München. Das Beratungshaus erstellte kürzlich einen ASP-Leistungskatalog, in dem 130 Lösungen von 59 Anbietern aufgelistet sind. Davon bezeichneten sich 36 selbst als Softwarehaus. Zudem wurden 44 Prozent der Unternehmen vor dem Jahr 1995 gegründet, lediglich 20 Prozent sind jünger als drei Jahre. ASP ist demnach kein Startup-Thema mehr.

"Die zweite Welle kommt sehr, sehr leise. Es ist Realitätssinn und Ernüchterung eingekehrt", schildert PAC-Analystin Sinz. Wenn auch die Nachfrage mit wenigen Ausnahmen bislang dürftig ist, so bleibt Anbietern und Analysten die Zuversicht, den Anwendern ein sinnvolles Nutzungsmodell für IT zu empfehlen. "ASP-Angebote lassen sich schnell nutzen und kurzfristig aufkündigen. Im Gegensatz zum klassischen Outsourcing beinhalten die Modelle keine Übernahme von Maschinen, Mitarbeitern und sonstigen Gütern. Die Unternehmen sind flexibler", so Sinz.

Branchenlösungen sind gefragt

Die derzeitige Anwenderschar ist sehr heterogen, sie setzt sich sowohl aus Konzernen als auch aus mittleren und kleineren Unternehmen zusammen. "Bei Großunternehmen spielt sicher der Portal-Gedanke mit anwenderspezifischem Desktop und zentraler Anwendungsverwaltung eine große Rolle", berichtet Grohmann. "Kleinere Unternehmen sehen die Vorteile im ASP-Modell darin, sofort auf eine funktionsfähige IT-Infrastruktur zugreifen zu können, ohne diese selbst betreiben zu müssen." Angeboten werden derzeit vornehmlich branchenspezifische Lösungen, etwa für Speditionen, Makler und Fahrschulen, aber auch branchenübergreifende Anwendungen im Bereich Personalabrechnung, Dokumenten-Management und Beschaffung. Inbesondere die derzeit schwierige Wirtschaftslage könne für einen weiteren Nachfrageschub sorgen, denn die Unternehmen, so Grohmann, scheinen derzeit - ähnlich wie beim Firmenwagen-Leasing - überschaubare monatliche Mietbeträge den Einmalkosten beim Lizenzkauf vorzuziehen.

Ausgehend von einer sehr geringen Basis prognostiziert PAC dem Markt stolze Zuwachsraten. Mit mehr als 50 Prozent Wachstum rechnen die Münchner Marktforscher pro Jahr, so dass sich im Jahr 2006 ein Volumen von 535 Millionen Euro ergeben könnte. Anders als bei dem sich schnell entwickelnden Markt für Application-Hosting oder -Management, bei dem meist Dienstleister die Standard- und Individual-Applikationen der Anwender pflegen und weiterentwickeln, fehlen dem ASP-Geschäft noch die Voraussetzungen für ein Wachstum auf breiter Basis. Selbst in den besten Zeiten litt die Branche am mangelnden Vertrauen der Anwender, und daran hat sich bis heute wenig geändert. "Die Kunden können kaum prüfen, wie die Qualität der gelieferten Services ist", schildert Adesso-Manager Beckmann das Problem. "Service Level Agreements (SLAs) werden zwar vereinbart, aber vor allem kleine und mittlere Unternehmen haben mangels IT-Ressourcen kaum Kontrollmöglichkeiten." In der Regel gibt es eine Selbstauskunft durch den Lieferanten, der Werte zur Verfügbarkeit, Reaktionszeiten und Datendurchsatz selbst protokolliert und Kunden zur Verfügung stellt.

Dieses Kernproblem des ASP-Marktes hat die EU-Kommission erkannt und im Rahmen des Förderprogramms Information Society Technologies (IST) das Forschungsprojekt "Trusted and QoS Provisioning of Application Services" (Tapas) initiiert. Beteiligt sind Forschungsabteilungen der Universitäten Cambridge, Bologna, Newcastle und London sowie der deutsche Industriepartner Adesso. Beckmann, Projektleiter Tapas bei Adesso, beschreibt eines der Ziele: "Wir wollen die SLA-Modellierung formalisieren. ASP-Anbieter können daraus ableiten, welche Systeme und Lösungen sie benötigen, um bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen zu können. Auf der anderen Seite bietet die geplante Tapas-Middleware dem Kunden Möglichkeiten, SLAs zu überwachen."

Die EU möchte damit also gleichermaßen den ASP-Anbieter- und den -Anwendermarkt beleben. Die Ergebnisse des Tapas-Forschungsprojekts sollen frei zugänglich und günstig einzusetzen sein. Vorgabe ist daher, offenen Standards wie XML und UML zu vertrauen, sowie bei der Wahl der Application-Server auf Open-Source-Lösungen zu setzen. Evaluiert, so Beckmann, werden derzeit die Alternativen "Jboss" sowie der "Java Open Application Server" (Jonas).

Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren, erst kürzlich wurde der erste Forschungsabschnitt abgeschlossen, in dem es galt, Anforderungen festzuhalten sowie das Technikdesign für Modellierung, Middleware-Architektur und Netzwerk-Protokolle zu erarbeiten. Seit April 2003 befindet sich das Vorhaben in der zweiten Phase, in der die Technik unter Verwendung von Open Source Application Servern implementiert werden soll. Ab April 2004 plant das Forschungsteam die bis dahin erzielten Ergebnisse auszuwerten und zu überprüfen, um noch letzte Anpassungen vorzunehmen, so dass der ASP-Gemeinde im Frühjahr 2005 eine funktionstüchtige Middleware zur Verfügung stünde.

Anwendungsintegration sorgt für Schub

Die Entwicklung der Tapas-Middleware folgt der J2EE-Sepzifikation, um die Integration von Applikationen zu fördern. Auch dies könnte sich als wichtiger Baustein für einen mögliche ASP-Erfolg erweisen. "Den Betreibern eröffnet das die Möglichkeit, Services zu kombinieren. So ließe sich etwa ein B-to-B-Marktplatz betreiben, in dem man den Prozess, die Kreditwürdigkeit des Kunden zu überprüfen, von einem externen Dienstleister bezieht", erläutert Beckmann. Ziel ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der sich Mietangebote verschiedener Anbieter zu einem integrierten Leistungspaket verknüpfen lassen.

"Der Integrations-, EAI- und Web-Services-Gedanke ist in vielen Teilen noch Vision", räumt Sinz ein, "doch der Markt reift und sobald die Techniken implementiert werden, könnten sich die mit EAI bietenden neuen Möglichkeiten zu einem Treiber für das ASP-Geschäft entwickeln."

Abb: Der deutsche ASP- und Outsourcing-Markt

Verglichen mit dem Outsourcing-Markt ist das ASP-Geschäft dürftig. Die Marktforscher rechnen jedoch mit einem schnellen Wachstum. Pro Jahr stellen sie mehr als 50 Prozent Zuwachs in Aussicht. Quelle: PAC-Deutschland