Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

26.03.2004 - 

Hersteller haben teilweise aus ihren Fehlern gelernt

Die zweite Generation der Tablet PCs

MÜNCHEN (hi) - Verbesserte Hardware und ein überarbeitetes Betriebssystem sollen den Tablet PCs endlich zum Durchbruch verhelfen. Bislang lagen die Geräte mit Stiftbedienung, mit denen Microsoft eigentlich das mobile Arbeiten revolutionieren wollte, wie Blei in den Regalen. Mittlerweile setzten jedoch erste Anwender wie der ADAC diese Gerätegattung im großen Stil ein.

Wenig Erbauliches meldeten die Marktforscher von IDC Ende vergangenen Jahres für Microsoft: Die von Bill Gates im November 2002 mit großem Brimborium als Notebook-Generation der Zukunft vorgestellten Tablet PCs entpuppten sich als Ladenhüter. In Europa eroberte die Gerätegattung lediglich einen bescheidenen Marktanteil von unter einem Prozent im Notebook -Segment.

Zahlen, die Microsoft-Manager Sebastian Braun jedoch nicht sonderlich schockieren. Er erklärt den geringen Marktanteil damit, dass 2003 die meisten Unternehmen diese neue Produktkategorie erst mit wenigen Testgeräten evaluiert hätten. In diesem Jahr erfolge nun der Rollout im größeren Stil. Hinter vorgehaltener Hand ist von anderer Seite noch ein Erklärungsversuch zu hören: Die Hersteller der ersten Tablet-PC-Generation hätten schlicht das Prinzip des Mobile Computing nicht verstanden und Geräte am Bedarf der Benutzer vorbei konzipiert.

Trotz der mauen Verkaufszahlen hält Microsoft am Tablet PC fest und zieht nicht die Notleine wie bei den "Windows Smart Displays". Während die Company hier Anfang des Jahres die Weiterentwicklung stoppte, will der Konzern dagegen bei den Tablet PCs im Sommer nachlegen. Zu diesem Zeitpunkt soll mit der "Tablet PC Edition 2004" ein Interims-Release auf den Markt kommen, bevor dann mit Longhorn eine komplette Überarbeitung des Betriebssystems ansteht. Dieses unter dem Codenamen "Lonestar" entwickelte Update wird laut Braun kostenlos sein.

Die wesentliche Neuerung ist dabei die Überarbeitung der handschriftlichen Eingabe. Hierzu hat Microsoft einerseits die Qualität der Handschriftenerkennung noch einmal verbessert und andererseits das betreffende Application Programming Interface (API) überarbeitet. Diese Änderungen erlebt der User hauptsächlich an einer Neuerung im Umgang mit dem Tablet PC: Die Stifteingabe ist nun kontextbezogen. Tippt der Benutzer beispielsweise mit dem elektronischen Griffel im Browser auf das Eingabefeld für die Internet-Adresse, so öffnet sich darunter eine größere Schreibzeile für die handschriftliche Eingabe. Das Geschriebene wird nach der Erkennung dann automatisch in die Adresszeile übernommen. Gegenüber dem bisherigen Verfahren weist die kontextbezogene Eingabe den Vorteil auf, dass das umständliche Copy und Paste zwischen dem handschriftlichen Eingabefeld und der eigentlichen Befehlszeile entfällt. In einem kurzen Praxistest gestaltet sich der Umgang mit dem Tablet PC dank der neuen Methode deutlich komfortabler als bisher. Anwender, die gehofft hatten, dass mit dem Interims-Release nun endlich auch eine deutsche Spracherkennung integriert ist, müssen weiterhin zu Produkten von Drittanbietern wie Scansoft greifen. Die menschliche Stimme erkennt nach wie vor nur die US-Version des Tablet-PC-Betriebssystems. Neuerungen gibt es jedoch nicht nur hinsichtlich des Betriebssystems der tragbaren Rechner. Die Hardware-Hersteller schicken mittlerweile die zweite Generation ins Rennen. Mit ihr haben zumindest einige Produzenten auf die Anwenderkritik reagiert und grobe Schnitzer wie zu langsame Grafikprozessoren oder CPUs, die den Anforderungen des Betriebssystems nicht gerecht wurden, ausgebügelt. War das Herz der ersten Gerätegeneration sehr häufig noch ein Transmeta-Prozessor, so dominieren nun Intel-Chips das Geschehen. Meist werden dabei Centrino-Chipsätze verbaut. Ferner besitzen die handlichen Rechner nun durch die Bank eine vernünftige Arbeitsspeichergröße: Weniger als 256 MB RAM traut sich kein Hersteller mehr in der Grundausstattung anzubieten. Die Display-Größen der Geräte reichen von zehn bis 14 Zoll, wobei die größeren Bildschirme meist den Convertibles (siehe Kasten) vorbehalten sind. Nach wie vor hat der Anwender nämlich die Wahl zwischen Slates und Convertibles.

Akkuleistung ist gestiegen

Serienmäßig an Bord haben mittlerweile viele Produkte einen WLAN-Adapter. In Sachen Akkutechnik glänzen die aktuellen Modelle in den Prospekten mit Laufleistungen von bis zu siebeneinhalb Stunden. Ein vom Stromnetz unabhängiges Arbeiten dürfte aber erst die nächste beziehungsweise übernächste Generation erlauben, wenn Brennstoffzellen serienreif sind. Damit rechnet Microsoft-Manager Braun in zwei bis drei Jahren, denn zumindest im Labor würde bereits mit entsprechenden Geräten experimentiert.

Mit der aktuellen Generation sind endlich auch Produkte erhältlich, die nicht nur schick aussehen, sondern auch einen etwas raueren Umgang verkraften. Modelle wie der "Tablet PC CF-18" von Panasonic oder der "Hammerhead XRT" von Walkabout sind so robust konstruiert, dass sie auch einen Wettbewerb im Rechnerweitwurf überleben dürften. Dafür betreiben die Hersteller teilweise einen immensen Aufwand. So kommt bei Panasonic etwa eine in Öl gelagerte Festplatte zum Einsatz. Damit das zähflüssige Öl die Festplatte nicht unnötig bremst, wird es bei niedrigen Temperaturen beim Booten vorgeheizt.

Auf die robusten Panasonic-Rechner setzt beispielsweise der ADAC. Er stattet seit November seine 1700 Pannenhelfer mit Mobilrechnern aus. Diese ersetzen die fünf Aktenordner über potenzielle Fehlerquellen, welche die Gelben Engel früher an Bord hatten. Ferner dienen die Rechner den Mechanikern vor Ort als Diagnosegerät, um die Fehlerspeicher der modernen Autos auszulesen. Ursprünglich hatte der ADAC, so Torsten Jädtke, Projektleiter Straßenwacht PC, überlegt, Pocket PCs einzusetzen. Ein Unterfangen, das jedoch daran scheiterte, dass die Datenbücher für die Fahrzeuge mehrere Giagabyte umfassen. Noch sind die Pannenhelfer trotz Tablet PC nicht vollkommen ortsunabhängig. Viermal im Jahr werden die Datenbestände an 17 über Deutschland verteilten "Updatestationen" auf den aktuellen Stand gebracht. Allerdings soll dieser Datenaustausch zwischen dem Mitarbeiter vor Ort und der Zentrale künftig kabellos verlaufen.

Slates oder Convertibles?

Tablet PCs gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen als Slates und Convertibles:

Convertibles sehen auf den ersten Blick wie normale Notebooks aus, da sie über eine eingebaute Tastatur verfügen. Damit eignen sie sich besonders für Anwender, die unterwegs längere Informationen eintippen müssen. Im Gegensatz zum klassischen Notebook sind bei den Convertibles jedoch Motherboard und Bildschirm in zwei getrennten Gehäusen untergebracht, die über ein Spezialgelenk verbunden sind. Mit Hilfe des Gelenkes lässt sich das Display flach auf die Tastatur legen. So zusammengeklappt, kann das Gerät wie ein normaler Tablet PC per Stift bedient werden.

Slates verfolgen dagegen die reine Lehre vom Tablet PC, da ihnen eine integrierte Tastatur fehlt. Üblicherweise werden diese Geräte nur per Stift bedient, eine Tastatur kann jedoch über USB oder Dockingstation angeschlossen werden. Diese Gerätegattung ist vor allem für Außendienst-Mitarbeiter interessant, die überwiegend im Stehen arbeiten.

STeckbrief: Robuste Geräte für den Outdoor-Einsatz

Mittlerweile offerieren zehn Hersteller Tablet PCs. Neben klassischen Anbietern wie Acer, Hewlett-Packard, Fujitsu Siemens, Paceblade, Viewsonic oder Toshiba warten vor allem Spezialanbieter wie Motion Computing oder Itronix, Panasonic und Walkabout mit interessanten Ansätzen auf. Vor allem die Produkte der drei letztgenannten Hersteller stechen aus dem Angebot heraus, da sie für den rauen Outdoor-Einsatz konzipiert wurden. Während andere Hersteller hier dem Anwender zusätzliche Schutztaschen empfehlen, wurden diese Geräte grundsätzlich solider konzipiert. So sind beim Panasonic-Convertible "CF-18" Festplatte und Display durch besondere Dämpfungsmechanismen geschützt. Ebenfalls zu den robusteren Vertretern seiner Gattung zählt der "Hammerhead XRT" von Walkabout. Mit dem Ziel vor Augen, auch für den Militäreinsatz geeignet zu sein, baute das Unternehmen das Gerät gemäß der Militärnorm "MIL-STD-810F" und setzt für das Gehäuse eine besonders widerstandsfähige Aluminiumlegierung ein. Itronix verwendet bei dem Slate "Gobook" Magnesium als Material, um sein Gerät gegen äußere Einflüsse zu schützen. Zudem unterstützt es mit WLAN, GPRS, CDMA und Bluetooth gleich mehrere drahtlose Technologien. Dabei gefällt vor allem das mitgelieferte Roaming-Tool "iCare Mobility", das den Wechsel zwischen den verschiedenen Netzen vereinfacht. Ist dagegen bei den Slates ein großes Display gefragt, dann gehört der "M1300" von Motion Computing sicher zur engeren Wahl. Er verfügt laut Hersteller als einziges Slate-Gerät über ein hochauflösendes 12,1 Zoll TFT XGA-Display mit integrierter Intel-Centrino-Mobiltechnologie. Für Anwender, die häufig ihren Tablet PC auch im Büro verwenden, ist eventuell das "SlimBook" von Paceblade interessant. Dieses Modell, das eines der wenigen Vertreter mit Transmeta-Pozessor ist, lässt sich mit einer optionalen Docking Station auf dem Schreibtisch wie ein normaler PC benutzen.