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17.12.1993

Diebold-Berater kritisiert deutsche Unternehmen IT-Manager ignorieren den Technologiewandel

17.12.1993

FRANKFURT/M. (hv) - Mit einer wahren "Bunkermentalitaet" halten deutsche DV/Org.-Abteilungen an ihrer zentralen, Mainframe- orientierten DV fest. Wie Diebold-Berater Karsten Prey anlaesslich des hauseigenen Management-Forums '93 in Frankfurt darlegte, kann von einer unternehmensweit integrierten Informationstechnologie nur in Ausnahmefaellen die Rede sein.

Weil das IT-Management wichtige Entwicklungen nicht wahrnehmen wolle, komme es zum Konflikt zwischen der zentralen DV-Welt und den Fachabteilungen, die sich in eigener Regie dezentrale Infrastrukturen aufbauten. Die Interessen divergieren, manches Unternehmen nutzt laut Prey noch immer bis zu 90 Prozent seiner Entwicklungskapazitaeten dazu, alte Grossrechneranwendungen "totzupflegen".

In seinem provokativen Vortrag beschrieb der Consultant den Status quo aus seiner Sicht: In ueberalterten DV-Umgebungen laufen demnach Programme von gestern, die von Mitarbeitern mit ueberkommenen Skills in Sisyphus-Arbeit gepflegt werden. Prey forderte, das IT- Management muesse sich endlich dem Technologiewandel stellen, sonst drohe "das dezentrale Chaos".

Der Berater nannte mehrere Faktoren, die zur Handlungsunfaehigkeit der Unternehmensinformatik gefuehrt haetten. Dazu zaehlten sowohl die kaum noch beherrschbare Komplexitaet der heterogenen DV-Welten als auch das Altlastenproblem. Zudem wuerden Ausbildungsakzente falsch gesetzt: "So wertvoll ein Cobol-, CICS- oder VSAM-Programmierer sein mag, seine Leistung entspricht oft nicht mehr dem, was heute eigentlich gefordert waere."

Die zentrale Informatik stehe gleich in zweifacher Hinsicht unter Druck. Einerseits fuehre die Reorganisation von Unternehmensstrukturen im Sinne der Geschaeftsprozessoptimierung zu veraenderten, schlanken DV-Strukturen. Andererseits drueckten neue Informationstechnologien und andere Kostenstrukturen auf die zentrale DV.

Um wieder handlungsfaehig zu werden und auf die wichtigste Marktanforderung, das Time to market, reagieren zu koennen, muessten Unternehmen ihre Planungsprozesse aendern. Reaktionszeiten koennten verkuerzt werden, wenn Anwender dazu uebergingen, ihre Informationstechnologie nicht nur zentral, sondern auch im dezentralen Bereich sorgfaeltiger zu planen. Die IT-Komplexitaet lasse sich reduzieren, indem einfachere Strukturen eingezogen wuerden. Dazu sollten laut Prey auf breiter Ebene die Vorteile von Standardfunktionen genutzt werden.

Diebold-Chef Adler sieht Stagnation am DV-Markt

Der Vortrag des Consultants zaehlte zu den Hoehepunkten einer Veranstaltung, deren Besucher nur wenig Positives zu hoeren bekamen. Deutschlands DV-Wirtschaft, so eroeffnete Diebold-Chef Gerhard Adler die Veranstaltung, litt 1993 unter dem Konjunktureinbruch. So ist der Markt fuer Informations- und Kommunikationstechnik nur noch um rund zwei Prozent gewachsen. Dass diese Rate ueberhaupt erzielt wurde, liegt vor allem am nach wie vor prosperierenden Geschaeft mit Telekommunikationsprodukten.

Schlechter sieht es in der Datenverarbeitung aus: Dieser Teilmarkt legte nur noch um ein halbes Prozent zu. "Die Mehrheit der DV- Unternehmen liegt auf der Intensivstation", befand denn auch der Geschaeftsfuehrer. Als Verlierer muessten eindeutig Traditionsunternehmen wie IBM, Siemens-Nixdorf, DEC, Olivetti, Wang oder die GMO gelten.

Trotzdem gibt es ein paar Lichtblicke: So bleibt der Software- und Servicesmarkt in Deutschland fuer Anbieter auch im naechsten Jahr attraktiv - sofern sie sich nicht ausgerechnet im schwer angeschlagenen Body-Leasing-Geschaeft bewegen. Das nominale Wachstum, so prognostizierte Diebold-Berater Frank Besserer, wird bei vier bis sechs Prozent liegen.

Vorteile von dieser Entwicklung haben vor allem Unternehmen im Umfeld von Standardsoftware. Dabei werden kuenftig weniger komplexe Loesungen bevorzugt - auch wenn deren Einsatz beim Anwender zu funktionalen Einbussen fuehrt.

Das Outsourcing-Geschaeft bleibt laut Besserer attraktiv, wird aber fuer Anbieter riskanter. Kunden betrachteten es als "Entsorgungsgeschaeft", sie wollten sich von stoerenden Personal- und Infrastrukturen befreien.