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11.06.2008

Dienstleister erobern Produktentwicklung

Vor allem Unternehmen aus der Automobil- und Luftfahrtbranche verlangen immer häufiger nach Engineering-Services, um sich bei der Arbeit an neuen Erzeugnissen helfen zu lassen.
Die 15 größten Engineering-Serviceanbieter in Deutschland

Anbieter

Umsatz in Deutschland 2007

Branchen

Edag, Fulda

407,2 Mio. Euro

Automotive, Aerospace

Bertrandt, Ehningen

310,7 Mio. Euro

Automotive, Aerospace

Ferchau Engineering, Gummersbach

270 Mio. Euro

Automotive, Aerospace, IT, Schiffbau, Maschinenbau, Elektrotechnik, Metall- und Kunststoffverarbeitung

IAV, Berlin

248 Mio. Euro

Automotive

Mbtech, Sindelfingen

180 Mio. Euro

Automotive

ESG, München

177,9 Mio. Euro

Automotive, IT und TK, Investitionsgüter

Altran, Frankfurt am Main

155 Mio. Euro

Automotive, Aerospace

Tieto Enator, Eschborn

152 Mio. Euro

Automotive, Aerospace, Healthcare, Holz und Papier, Prozessfertigung, TK

Yacht Teccon, Düsseldorf

136 Mio. Euro

Automotive, Aerospace, Schiffbau, Automation

Brunel, Bremen

129,2 Mio. Euro

Automotive, Aerospace, Maschinen- und Anlagenbau, Schiffbau, IT und TK

IABG, München

116 Mio. Euro

Automotive, Aerospace, Verkehr und Umwelt, IT/TK

Euro Engineering, München

105 Mio. Euro

Automotive, Aerospace, Maschinen- und Anlagenbau, Feinwerk- und Medizintechnik

Rücker, Wiesbaden

92,9 Mio. Euro

Automotive, Aerospace, Anlagenbau

Assystem, Hamburg

85 Mio. Euro

Aerospace, Fahrzeug- und Anlagenbau

IVM, München

84 Mio. Euro

Automotive

Nicht nur IT-Aufgaben, auch Teile der Produktentwicklung werden zunehmend von externen Dienstleistern übernommen. Dem Consulting-Unternehmen Lünendonk zufolge konnten die 25 größten Anbieter von Technologieberatung und Engineering-Services in Deutschland ihre Umsätze im vergangenen Jahr um durchschnittlich 14,6 Prozent auf 3,26 Milliarden Euro steigern. Das gesamte Marktsegment legte gegenüber 2006 um knapp zwölf Prozent auf etwa 6,7 Milliarden Euro zu. Auch für die kommenden fünf Jahre rechnen die Experten mit einem jährlichen Wachstum von mehr als zehn Prozent.

Zugpferd Automotive-Branche

Speziell die Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie TK-Unternehmen und Maschinenbauer greifen auf externe Entwicklungsdienstleister zurück. Besonderer Bedarf besteht laut Lünendonk an Testing- und Validierungsdiensten. Auf dieses Geschäft entfielen im letzten Jahr 18 Prozent des Umsatzes der 25 Anbieter. Es folgen Design- und Konzeptionsleistungen sowie Services im Bereich wissenschaftlicher Simulationen und Modelle. Genutzt werden die Dienste vorrangig in der Konstruktion und im Produktdesign. Weitere Einsatzgebiete sind Systems Engineering, Forschung und Entwicklung, Elektrik und Automatik sowie Produktions- und Fertigungsplanung.

Hier lesen Sie ...

  • dass immer mehr Firmen Entwicklungsdienstleister beauftragen;

  • dass sie sich davon Einsparungen und kürzere Produktzyklen versprechen;

dass sie vor allem Testing- und Validierungs-Services in Anspruch nehmen.

Anwender können durch solche Dienste einerseits ihre Kosten senken. Zum anderen setzen sie auf das Know-how von Spezialisten, um den steigenden Anforderungen an ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen besser gerecht zu werden. Die Produktzyklen werden in vielen Branchen immer kürzer, zudem nimmt der Elektronikanteil der Komponenten weiter zu. In der Automobilindustrie etwa verlagert sich die Wertschöpfung stark in Richtung Telematik, beobachtet Hartmut Lüerßen, Partner bei Lünendonk. Dadurch steige der Bedarf an Experten mit fachübergreifenden Kenntnissen.

Gefragt sind laut Lünendonk vor allem Ingenieure, aber auch Informatiker und Naturwissenschaftler. Solche Leute sind schwer zu finden. "Momentan herrscht ein knallharter Arbeitnehmermarkt", konstatiert Wolfgang Blume, Geschäftsführer der Tieto Enator Deutschland GmbH. Für die Service-Provider ist diese Entwicklung Fluch und Segen zugleich: Einerseits profitieren sie davon, dass Anwender in Ermangelung an qualifizierten Mitarbeitern zunehmend externe Engineering-Dienste in Anspruch nehmen. Andererseits fällt es ihnen aus Imagegründen vielerorts noch schwerer, geeignetes Personal zu finden: "Wer vorher bei Siemens war, dem fehlt oft die Motivation, bei einem Dienstleister anzufangen", beklagt Blume.

Das Thema Aus- und Weiterbildung steht vor diesem Hintergrund auf der Agenda der Serviceanbieter ganz oben: Fast alle wollen hier in den nächsten Jahren mehr investieren. Vor allem von der Zusammenarbeit mit Universitäten versprechen sich die Dienstleister eine frühzeitige Bindung begabter Nachwuchskräfte an ihr Unternehmen.

Engineering-Services werden überwiegend auf Projektbasis erbracht: Mehr als drei Viertel des Umsatzes erzielten die 25 größten Anbieter 2007 mit Werk- oder Dienstverträgen. Auf Zeitarbeitsverträge entfielen 20 Prozent, auf Outsourcing und Offshoring dagegen nur 3,6 Prozent der Einnahmen. Vor allem Bedenken im Hinblick auf den Schutz geistigen Eigentums halten Anwender vom Auslagern von Teilen der Produktentwicklung ab.

Outsourcing nimmt zu

Laut Lünendonk wird der Outsourcing-Anteil aber in diesem Jahr auf 4,6 Prozent steigen und in den nachfolgenden Jahren kontinuierlich zulegen. Nicht nur der Fachkräftemangel lasse sich damit bekämpfen, auch den Lohnkostenvorteilen könne sich auf Dauer niemand verschließen. Ähnlich sieht es Tieto-Enator-Chef Blume: "In die Schwellenländer wird mittlerweile alles ausgelagert, was nicht strategisch ist - vom Design bis zur Produktion." Derzeit machen Länder wie China zwar weniger durch Kreativität als vielmehr durch Nachahmung von sich reden. "Der IT-Markt hat jedoch gezeigt, dass darauf häufig Innovationen folgen", beobachtet Robert Viefers, Marketing-Direktor bei Yacht Teccon. Und es sei schließlich auch innovativ, wenn der indische Konzern Tata sein Billigauto "Nano" zum Preis von 1700 Euro anbietet.