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10.11.2000 - 

Entlassungen und Management-Wechsel

Dienstleister Linuxcare hat schon wieder Ärger im Haus

MÜNCHEN (ls) - Services für Open-Source-Umgebungen scheinen ein hartes Geschäft zu sein. Der weltgrößte Dienstleister in diesem Markt, Linuxcare, entlässt rund 20 Prozent der Angestellten und krempelt das Management um - zum zweiten Mal in diesem Jahr.

Kaum hatte Linuxcare in den wichtigsten Ländern Europas Filialen eröffnet, stellt die Firma nun ihre Aktivitäten auf dem alten Kontinent wieder ein. Laut Firmenangaben sind die Kosten zum Aufbau der hiesigen Infrastruktur, nach Insider-Informationen besonders in Großbritannien, höher als erwartet ausgefallen. Linuxcare muss bis Ende nächsten Jahres mit 30 Millionen Dollar profitabel werden, die das Unternehmen im August 2000 in einer dritten Investorenrunde bekommen hatte, quasi ein Darlehen. Zuvor hatten Dell, Motorola, Oracle und Sun in die Firma investiert.

Das könnte den rigiden Sparkurs begründen, den das Unternehmen nun eingeschlagen hat. Außer 25 bis 30 Angestellten in Europa müssen noch gut ein Dutzend aus der Zentrale in San Franzisko ihre Schreibtische räumen. Insgesamt würden also etwa 20 Prozent der rund 200 Personen starken Belegschaft entlassen. Betroffen sind vor allem Stellen im Marketing, während das Kerngeschäft Service und Support weitgehend unberührt bleibt.

Neuer Chef befiehlt Rückzug aus EuropaGleichzeitig hat Linuxcare die seit der Trennung von Fernand Sarrat im Mai 2000 vakante Stelle des Chief Executive Officer besetzt. Neuer CEO ist der Firmenmitbegründer Arthur Tyde, der seit Anfang dieses Jahres versucht hatte, das Europa-Geschäft auszubauen. Patricia Lambs, die in Ermangelung eines Firmenchefs ein so genanntes Büro des CEO leitete, scheidet aus. Einige ihrer Management-Aufgaben wird der zum Vice President ernannte bisherige Servicedirektor Steffan Low übernehmen. Finanzchef Christian Paul ist zum Chief Operations Officer aufgestiegen.

Linuxcare will sich nun auf den nordamerikanischen und den "Pacific-Rim"-Markt konzentrieren. Die Konsequenzen und die Tragweite des Rückzugs aus Europa sind nicht klar, zumal das Unternehmen bis Redaktionsschluss nicht auf Fragen der COMPUTERWOCHE antworten mochte. Ungeklärt ist vor allem das Schicksal der italienischen Firma Prosa aus Padua. Durch den Kauf dieses Unternehmens hatte Linuxcare das Betriebssystem "ET Linux" für Embedded-Systeme erworben. Zuletzt waren die Italiener vor allem für die Treiberentwicklung zuständig.

Unklar ist auch die Zukunft der ersten Geschäftsbeziehung von Linuxcare in Deutschland. Vor wenigen Wochen hatte man einen Rahmenvertrag mit der europaweit tätigen Magirus GmbH & Co. KG abgeschlossen. Das Stuttgarter Unternehmen hätte seinen ISV- und VAR-Partnern Linux-Services mit Rückendeckung durch die Linuxcare-Datenbank "Knowledge-Base" anbieten können. Dies ist die umfangsreichste Open-Source-Wissenssammlung der Welt.

Jetzt wird es neuer Verhandlungen für eine direkte Verbindung von Stuttgart nach San Franzisko bedürfen, oder Magirus muss sich andere Open-Source-Services sichern. Das Unternehmen möchte in jedem Fall am Aufbau von Linux-Service-Angeboten festhalten, so Operations Development Manager Rainer John. Man habe festgestellt, dass immer mehr der Unix-erfahrenen Business-Partner ihre Angebote auf Linux portieren möchten, allerdings dafür umfangreichen Support benötigten.