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02.04.1999 - 

Dienstleister muß Kosten senken

Dienstleister muß Kosten senken EDS: Der Gang in neue Märkte soll es richten

Von Beate Kneuse* MÜNCHEN - Das weltweite IT-Service-Geschäft boomt, doch Electronic Data Systems (EDS) präsentiert seinen Aktionären von Quartal zu Quartal nur mäßige Zahlen. Zu stark ist noch immer die Abhängigkeit der Texaner von ihrer früheren Mutter General Motors, zu sehr kleben sie am klassischen RZ-Outsourcing, zu hoch sind die internen Kosten, meinen Kritiker. Für die notwendige Kurskorrektur soll nun der neue Frontmann Dick Brown sorgen.

Als der Detroiter Autoriese General Motors (GM) seine IT-Service-Tochter EDS vor knapp vier Jahren als selbständiges Unternehmen ausgliederte, war die Aufbruchstimmung groß. Endlich, so das EDS-Management damals, könne man nach Belieben Kunden akquirieren und Allianzen schließen. Zugleich sorgte ein über zehn Jahre geschlossenes "Master Service Agreement" mit GM (geschätztes Volumen rund 36 Milliarden Dollar) für ein fettes Auftragspolster und federte damit den Gang in die Selbständigkeit ab. EDS selbst schwamm seinerzeit auf einer Erfolgswelle mit zweistelligen Wachstumsraten. 1994 war bereits die Zehn-Milliarden-Dollar-Umsatzhürde genommen worden; 1995 hatten die Texaner ihre Einnahmen um weitere rund 23,4 Prozent auf 12,4 Milliarden Dollar gesteigert und die Milliarden-Grenze beim Gewinn mit 938,9 Millionen Dollar nur knapp verfehlt.

Der auf den ersten Blick lukrative Service-Vertrag mit der einstigen Mutter bescherte EDS aber nicht nur eitel Sonnenschein. Erst recht nicht, da man, wie sich nun zeigt, das eigene Service-Portfolio zunächst nicht deutlich erweiterte und den Markterfordernissen anpaßte. Folge: Die Kundschaft zeigt(e) dem IT-Dienstleister teilweise die kalte Schulter. So hat sich das Wachstum zuletzt merklich verlangsamt. 1998 erzielte EDS einen Umsatz von 16,9 Milliarden Dollar nach 15,2 Milliarden Dollar im Vorjahr und 14,4 Milliarden Dollar 1996. Beim Gewinn tritt man seit zwei Jahren mit Werten um 750 Millionen Dollar auf der Stelle (siehe Abbildung).

Hauptgrund der Misere: Noch immer erzielen die Texaner einen Großteil ihrer Einnahmen mit ihrem historisch gewachsenen Geschäft, der klassischen Auslagerung von Rechenzentren.

"Dort aber werden bekanntlich nicht mehr die höchsten Wachstumsraten erreicht", kritisiert Andreas Pestinger, Research Director IT Services bei der Meta Group Deutschland, mit Blick auf die gängigen Outsourcing-Trends die EDS-Business-Strategie. Weitgehend Fehlanzeige meldete das Unternehmen zum Beispiel bis dato bei Desktop-Management-Services und der Auslagerung von ERP-Systemen. Zudem orientiert sich EDS nach wie vor weitgehend an Großkunden in diversen Fertigungsbranchen - etwa der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau und dem Stahlsektor. Das sind Wirtschaftsbereiche, die sich nicht unbedingt als Vorreiter bei zukunftsweisenden und vermutlich Service-aufwendigen Anwendungen wie Electronic Commerce hervortun.

Zu kämpfen hat EDS neuerdings aber auch damit, das Umsatzniveau mit der früheren Mutter GM zu halten. Fast ein Viertel der Einnahmen, also gut vier Milliarden Dollar, wurden zuletzt bei Töchtern und Geschäftspartnern des Autoriesen erzielt. Das hört sich zwar komfortabel an, tatsächlich aber lag man fast 200 Millionen Dollar unter dem entsprechenden Vorjahresniveau. Trotz des bestehenden Service-Vertrages vergibt GM zunehmend Aufträge an Wettbewerber der einstigen Dienstleistungstochter. "General Motors ist zu dem Schluß gekommen, zuviel für manchmal zu schlechte EDS-Leistungen zu bezahlen, und schaut sich nach preisgünstigeren Anbietern um", hat Gary Helming, Analyst bei der US-Investmentgesellschaft Soundview Financial Group, hierfür eine einfache Erklärung.

Rückgang der Umsätze mit General Motors geplant

Bei EDS selbst will man davon nichts wissen. "Mit der Qualität oder dem Preis unserer Services hat dies nichts zu tun", erklärt Stefan König, Pressesprecher von EDS Deutschland. Vielmehr sei 1996 im Service-Vertrag zwischen GM und EDS festgeschrieben worden, daß GM im Laufe der Jahre einen wachsenden Teil seiner IT-Projekte ausschreiben und an andere Wettbewerber vergeben könne. Ferner habe der wochenlange Streik im Sommer GM Milliarden gekostet und den Autoriesen veranlaßt, einige Projekte zurückzustellen. "Gelitten hat vor allem unser Geschäft mit GM in den USA", erläutert EDS-Deutschland-Chef Manfred Heibel. Sein zumindest für ihn beruhigendes Fazit: "In Europa sind die Umsätze stabil geblieben." Dennoch gehen US-Experten davon aus, daß das EDS-Geschäft mit der früheren Konzernmutter auch im laufenden Jahr zurückgehen wird.

Das US-Headquarter von EDS scheint damit zu rechnen. Maßnahmen für mehr Unabhängigkeit vom Automobilriesen und zum Ausbau des eigenen Leistungsspektrums sind eingeleitet. Zunächst war dabei tabula rasa an der Unternehmensspitze angesagt. Schon im Sommer warf Konzernlenker Lester Alberthal, seit 1968 an Bord des IT-Dienstleisters und seit 1986 CEO, das Handtuch. Gerüchten zufolge tat er das auf Druck des Aufsichtsrats, nach offizieller EDS-Lesart indes aus freien Stücken. "Er hat selbst die Initiative ergriffen, weil er meinte, nach so vielen erfolgreichen Jahren nicht mehr den rechten Blick für unser Geschäft zu haben, das sich so rasant verändert", betont der deutsche EDS-Statthalter Heibel. Den notwendigen Durchblick erhofft man sich nun von einer externen Lösung. Selbige fand sich mit dem früheren Cable& Wireless-Chef Dick Brown. Dem 51jährigen Topmanager eilte der Ruf voraus, dem Carrier in den 29 Monaten seines dortigen Wirkens mit zahlreichen Zu- und Verkäufen eine radikale strategische Neuausrichtung verpaßt zu haben.

Die Analysten begrüßten jedenfalls die Berufung Browns zum neuen EDS-CEO, der im Januar sein Amt antrat. Allerdings stellte dieser schnell klar, daß das Unternehmen zwar eine Repositionierung nötig habe und er alles daran setzen werde, die internen Prozesse entsprechend zu beschleunigen. Einen umfangreichen Konzernumbau wie bei Cable & Wireless werde es aber nicht geben. "Ich bin hier nicht angetreten, um mich bei EDS als Deal-Maker zu verewigen", diktierte er den Journalisten in die Notizblöcke.

Große Mergers dürften den Dienstleister auch nicht unbedingt zurück auf Erfolgskurs bringen. "Heutzutage ist effektive Zusammenarbeit das Kriterium schlechthin", beschreibt Meta-Group-Analyst Pestinger den weltweiten IT-Service-Markt. Seine Begründung: "Projektmethodik, geografische Ausdehnung von Service-Verträgen sowie die zum Einsatz kommende Technologie werden immer komplexer." EDS habe bislang vorzugsweise zugekauft, weil man das Wissen im Haus haben wollte. Eine entsprechende Partnerkultur sei nicht aufgebaut worden. Der falsche Weg, wie Pestinger und andere Experten glauben.

Dies scheinen die Texaner nun schnell ändern zu wollen. Mitte Februar kündigte EDS gleich zwei Kooperationen an - mit SAP und MCI Worldcom. Das Bündnis mit SAP sieht vor, daß EDS für mittelständische Unternehmen mit einem eigens geschnürten Applikations- und Service-Paket den R/3-Betrieb übernimmt. In einem ersten Schritt werden die Texaner dabei R/3-Lösungen für die Personalwirtschaft und -abrechnung, das Finanzwesen und die Produktion bereitstellen, das Server-Management und die Software-Upgrades übernehmen sowie einen Helpdesk einrichten. Später sollen noch Programme zur Steuerung von Lieferketten hinzukommen. Im Visier hat man dabei vor allem Unternehmen mit weniger als 200 Anwendern.

Das Abkommen ist zunächst auf die USA beschränkt. Im Laufe dieses Jahres soll es aber auch in Deutschland wirksam werden. EDS-Geschäftsführer Manfred Heibel ist schon jetzt ungeduldig: "Wir haben hier mit SAP ein wirklich interessantes Paket für den Mittelstand geschnürt. Und da wir auch in Deutschland mit Vehemenz unseren Business-Solutions-Bereich forcieren wollen, hat dieses Abkommen für uns eine große Bedeutung." Zumal man damit endlich den heißersehnten Zugang zur Mittelstandsklientel bekommen könnte.

Es wird wohl nicht die einzige Allianz dieser Art bleiben. Da das Outsourcing von ERP-Anwendungen derzeit eines der Wachstumsfelder im Service-Markt ist, geht Meta-Group-Analyst Pestinger davon aus, daß EDS weitere Kooperationen mit anderen Standardsoftware-Anbietern eingehen wird. "EDS benötigt dringend ein zweites Standbein. Mit dem mittlerweile verfolgten Business-Ansatz, also standardisierten Service-Paketen zur Administration verteilter Systeme, Paketen für E-Commerce-Anwendungen und Kunden-Management sowie dem ERP-Outsourcing, ist man auf dem richtigen Weg dorthin."

Von noch größerer Tragweite dürfte aber der Deal sein, den die Texaner mit MCI Worldcom eingegangen sind. Der für zehn Jahre geschlossene, rund 17 Milliarden Dollar schwere Pakt umfaßt mehrere Vereinbarungen. Zum einen erwerben die Texaner für rund 1,65 Milliarden Dollar die bisherige Servicetochter von MCI Worldcom, das in Kanada angesiedelte MCI Systemhouse und werden künftig für den gesamten Betrieb der IT-Infrastruktur bei dem Telecom-Giganten inklusive Anwendungsentwicklung und Wartung zuständig sein. MCI Worldcom ist fortan verantwortlich für den Großteil des globalen EDS-Netzes für Sprach- und Datenkommunikation. Darüber hinaus sollen EDS-Kunden bei Bedarf auch Zugriff auf das Service-Angebot des Carriers erhalten. Letztlich wollen die beiden Partner für internationale Großkunden "One-stop-Shopping"-Services im Bereich Sprach- und Datenkommunikation sowie E-Business-Lösungen bereitstellen. Insgesamt erhofft sich EDS durch dieses Abkommen Umsätze in Höhe von insgesamt fünf bis sieben Milliarden Dollar; MCI Worldcom rechnet mit Einnahmen von bis zu 8,5 Milliarden Dollar.

"EDS erhält die Möglichkeit, internationalen Kunden Komplettlösungen im TK- und E-Commerce-Bereich anzubieten", zeigt sich auch Marktforscher Pestinger von der Kooperation beeindruckt. Und EDS-Deutschland-Frontmann Heibel betont: "Unser eigenes globales Netz ist veraltet. Die Modernisierung hätte uns in den nächsten Jahren einige Millionen Dollar gekostet. Über MCI Worldcom erhalten wir Zugriff auf eines der technisch besten Netzwerke der Welt." US-Analysten zufolge spart sich EDS dadurch bereits im ersten Jahr rund 50 Millionen Dollar an Betriebskosten; MCI Worldcom wiederum hat sich seiner eher farblosen Dienstleistungs-Tochter auf elegante Art entledigt. Die Kanadier legten mit rund 9000 Mitarbeitern ein zuletzt dürftiges Wachstum hin; die Umsätze kletterten bescheiden von einer Milliarde Dollar 1994 auf 1,7 Milliarden im vergangenen Jahr.

MCI-Deal dürfte in vielerlei Hinsicht lukrativ sein

EDS kommt aber aller Voraussicht nach das Abkommen mit dem TK-Riesen noch in anderer Hinsicht sehr gelegen. "MCI Worldcom hat in den vergangenen vier Jahren rund 60 Akquisitionen getätigt", gibt Jim Freeze, Analyst beim US-Marktforschungsunternehmen Forrester Research, zu bedenken. Mit anderen Worten: Die Texaner können von einem entsprechendem Reibach in Sachen Systemintegration bei ihrem neuen Hauptgeschäftspartner ausgehen. Die Telefongesellschaft hat, das ist ein offenes Geheimnis in der Branche, nach der Einkaufstour ihres umtriebigen Chefs Bernard Ebbers massive Probleme beim Kunden-Management, vor allem mit ihrer Abrechnungssoftware. Für einen Ausgleich besagter Einnahmenausfälle bei GM dürfte das Geschäft mit dem neuen Kunden MCI jedenfalls allemal gut sein.

Insgesamt hat EDS-Lenker Brown damit schon gleich zu Beginn seiner Tätigkeit für viel Bewegung bei der weltweiten Nummer zwei im IT-Dienstleistungs-Markt gesorgt. Das, so sein Ziel, soll sich fortsetzen. Denn neben aller Repositionierung heißt es für EDS auch dringend, die Kosten zu reduzieren. 1998 belief sich der Gesamtkostenblock der Texaner auf rund 15,8 Milliarden Dollar. Kein Wunder also, daß die Hauptbotschaft der regelmäßigen Brownschen E-Mails an seine Mitarbeiter lautet: "Tragt dazu bei, die Kosten runterzufahren, und das schnell!"

Unter den US-Finanzanalysten zumindest sind die Erwartungen an den EDS-Lenker enorm. Sparte die Wallstreet noch im vergangenen Jahr angesichts der schleppenden Umsatz- und Gewinnentwicklung nicht mit harscher Kritik, entsprechende Zurückstufungen der EDS-Aktie inklusive, geht man in New York schon im laufenden Jahr von einer finanziellen Trendwende bei den Texanern aus. Die Broker von Lehman Brothers änderten jedenfalls unlängst ihre EDS-Empfehlung wieder von "outperform" auf "buy".

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.